Diabetes betrifft nicht nur Erwachsene, sondern auch immer mehr Kinder und Jugendliche. Betroffene können die Erkrankung im Alltag oftmals gut managen, indem sie ihren Therapieplan strikt befolgen. Doch was, wenn der nächste Familienurlaub oder die Klassenfahrt ansteht? Worauf sollten Kinder mit Diabetes und insbesondere ihre Eltern achten? Eine gründliche Vorbereitung ist hier essenziell. Angefangen bei der frühzeitigen Organisation von Beratungsterminen über die sichere Beförderung von Medikamenten bis hin zu praktischen Tipps für Flugreisen und die Ernährung, bietet dieser Artikel eine umfassende Anleitung für Eltern, die ihren Kindern mit Diabetes eine sorgenfreie Reise ermöglichen möchten.
Tipps für Reisen mit Kindern und Jugendlichen mit Diabetes
Die bevorstehenden Winterferien sind für die meisten Kinder ein Grund zur Vorfreude. Für diejenigen, die mit Diabetes leben, für ihre Eltern oder Erzieher:innen können Sie jedoch auch eine große Herausforderung darstellen. Doch warum ist das so?
Diabetes mellitus, auch als „Zuckerkrankheit“ bekannt, beeinflusst den Zuckerstoffwechsel des Körpers, entweder durch eine unzureichende Insulinproduktion oder eine mangelnde Reaktion der Zellen auf das Insulin im Blut. Unbehandelt führt dies zu anhaltend erhöhten Blutzuckerwerten. Es ist daher wichtig, im Rahmen der Diabetes-Therapie, die Blutzuckerwerte im Auge zu behalten und den vom Arzt oder der Ärztin vorgegebenen Therapieplan strikt zu befolgen.
Typ-1-Diabetes tritt in der Regel erstmalig im Kindesalter auf und wird durch Autoimmunprozesse bzw. fehlgeleitete Angriffe des eigenen Immunsystems, genetische Veranlagung und Umweltfaktoren verursacht. Im Gegensatz betrifft eher Erwachsene und ist hauptsächlich auf eine ungesunde Ernährung und Lebensstilfaktoren zurückzuführen. Etwa 95 % der Diabetesfälle bei Kindern sind Fälle von Diabetes Typ 1. Jährlich erkranken rund 3.700 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in Deutschland an Diabetes Typ 1.
Sowohl für Kinder mit Typ-1-Diabetes als auch für diejenigen mit Typ-2-Diabetes ist die sorgfältige Vorbereitung Ihrer Reise von großer Wichtigkeit. Unterwegs oder auch in einem fremden Land können alltägliche Probleme nicht selten zu einer ernsten Herausforderung werden. Daher ist es wichtig, dass Eltern oder die Begleitpersonen gut vorbereitet sind und die Kinder bzw. Jugendlichen über das notwendige Wissen verfügen, um ihren Diabetes erfolgreich zu managen. Im Folgenden haben wir eine Reihe von Empfehlungen für reisende Kinder und Jugendliche mit Diabetes.
Frühzeitige Vorbereitung und Terminplanung
Ein wichtiger Schritt bei der Vorbereitung der anstehenden Reise für Kinder und Jugendliche mit Diabetes besteht in der Organisation von ärztlichen Beratungsterminen im Vorfeld. Insbesondere im Hinblick auf die Herausforderungen des Erwerbs rezeptpflichtiger Medikamente im Ausland ist es unerlässlich, die benötigten Medikamente vor dem Urlaub zu besorgen.
Des Weiteren können Eltern die Beratungstermine in der Arztpraxis nutzen, um logistische und medizinische Aspekte zu besprechen und die wichtigsten Fragen zu klären. Besprechen Sie im Detail, wie mit möglichen medizinischen Herausforderungen umgegangen werden soll und notieren Sie sich vorab offene Fragen und Bedenken. Ziel ist es, auch während des Urlaubs eine stabile Diabetes-Einstellung und eine geeignete Therapie zu gewährleisten. Wissenslücken sowie mögliche unerwartete Szenarien sollten frühzeitig angesprochen werden, um Komplikationen zu vermeiden. Eine gute Einstellung des Diabetes vor der Reise und das Erlernen des Umgangs mit Geräten zur Diabetesüberwachung oder Insulingabe ermöglichen eine flexiblere Reaktion vor Ort.
Gut zu wissen
Im Gegensatz zu den wenigen Fällen von Typ-2-Diabetes bei Kindern, die neben einer Änderung des Lebensstils ggf. auch oral das Medikament Metformin einnehmen, sind es hauptsächlich Kinder mit Typ-1-Diabetes, die auf eine Gabe des blutzuckersenkenden Hormons Insulin angewiesen sind. Ein wachsender Anteil von Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes nutzt eine Flash-Gewebezuckermessung (FGM) oder eine kontinuierliche Gewebezuckermessung (CGM), bei der Sensoren den Blutzucker kontinuierlich überwachen und die Insulingabe entsprechend angepasst wird. Diese werden mit sogenannten Insulinpumpen verbunden, um eine automatische Insulinzufuhr basierend auf kontinuierlichen Blutzuckermessungen zu ermöglichen. Dieses automatisierte System wird als „Automated Insulin Delivery“ bezeichnet und bezieht sich auf Systeme, die auch als Closed-Loop-Systeme oder Hybrid-Closed-Loop-Systeme bekannt sind.
Schulung von Begleitpersonen und Kind
Während Eltern oftmals sehr gut über die Diabeteserkrankung ihres Kindes Bescheid wissen und im Alltag unterstützen, ist es für Außenstehende mitunter schwierig. Gerade wenn Kinder und Jugendliche mit Diabetes ohne ihre Eltern verreisen, ist es also wichtig, Begleitpersonen, wie Lehrer:innen, Erzieher:innen oder Geschwister, vorab intensiv zu schulen. Nur so können Ausnahmesituationen verhindert oder entsprechend darauf reagiert werden. Allen Beteiligten, d. h. dem reisenden Kind wie auch den Begleitpersonen, sollte vorab ein umfassendes Verständnis für das notwendige Diabetesmanagement vermittelt werden.
Hierzu zählen das Wissen über die Messung des Blutzuckers, den Umgang mit dem Pumpensystem sowie die Verabreichung von Insulin, insbesondere wenn Probleme mit dem Pumpensystem auftreten. Besonders Geräte zur kontinuierlichen Gewebezuckermessung (CGM) nutzen, ist eine umfassende Vorbereitung und Aufklärung wichtig. Darüber hinaus sollten alle Beteiligten in der Lage sein, Kohlenhydrate abzuschätzen und angemessen auf eine Unterzuckerung oder Überzuckerung zu reagieren. Auch bei Veränderungen des Klimas, Zeitverschiebungen, neuen Tagesabläufen oder dem Genuss ungewohnter Speisen ist besondere Vorsicht geboten, um entsprechend handeln zu können. Eine umfassende Schulung beinhaltet ebenfalls die Anpassung des Insulins an die erwarteten Aktivitäten während der Reise, wie z. B. beim Wandern. Dabei kann es durch die erhöhte körperliche Aktivität zu einer Senkung des Blutzuckerspiegels kommen.
Ein Großteil der pädiatrischen Diabeteszentren bietet Schulungen sowohl für Kinder als auch für Betreuungspersonen an. In unseren Beitrag erhalten Sie außerdem Tipps zur Suche nach Diabetologen für Kinder, Selbsthilfegruppen und Schulungen. Des Weiteren bietet die Deutsche Diabetes Stiftung eine detaillierte Checkliste für Jugendliche, Kinder mit Diabetes Typ 1 sowie Erwachsene mit Diabetes an.
Gut zu wissen
Die Organisation Diabetes DE ermöglicht Kindern und Jugendlichen durch die Organisation von Diabetes-Camps und Ferienfreizeiten, sich spielerisch auf ein Leben mit Diabetes vorzubereiten. Die abwechslungsreichen Aktivitäten, von Pferdereiten über Fußballturniere bis hin zu Segelschifftouren, fördern nicht nur die Lebensfreude, sondern bieten auch altersgerechte Schulungen zum Umgang mit Diabetes. Diabetes DE ist eine Organisation, die sich für die Unterstützung von Menschen mit Diabetes einsetzt.
Notfallvorbereitung
In der Planung von Reisen für Kinder mit Diabetes spielt es eine wichtige Rolle, sich auf unvorhergesehene Ereignisse vorzubereiten und einen gut durchdachten Notfallplan zu haben. Einige mögliche Krisensituationen im Zusammenhang mit Diabetes bei Kindern könnten sein:
Pumpenausfall: Ein Defekt oder Ausfall der Insulinpumpe kann auftreten. Es ist wichtig, einen Notfallplan zu haben und zu wissen, wie in solchen Situationen auf eine alternative Insulintherapie umgeschaltet werden kann.
Hoher oder niedriger Blutzucker: Es kann zu unvorhergesehenen Schwankungen des Blutzuckerspiegels kommen. Ein gut vorbereiteter Notfallplan sollte Schritte zur Vermeidung von Unterzuckerung (z. B. Einnahme von Traubenzucker) oder Überzuckerung (z. B. Trinken von viel Wasser und regelmäßiges Blutzuckermessen) verhindern. Was Sie im Falle einer Über- oder Unterzuckerung tun können, erfahren Sie in unserem Artikel zum Thema Diabetes bei Kindern.
Medikamentenverlust: Bei Reisen besteht stets die Möglichkeit, dass Gepäck verloren geht, am Flughafen vertauscht wird oder versehentlich zurückgelassen wird. Daher ist es ratsam, stets doppelte Mengen von Medikamenten mitzuführen, eine umfassende Reiseapotheke bereitzuhalten. Außerdem sollte ein Teil des Vorrats in einem anderen Gepäckstück oder in dem einer Begleitperson hinterlegt werden.
Egal, ob Ihr Kind alleine reist oder in Begleitung, es ist wichtig, eine Liste mit wichtigen Notfallnummern bereitzuhalten. Dazu gehören die Telefonnummer des Diabetesteams, die Notrufnummer des Reiselandes, die Adresse des nächsten Krankenhauses am Reiseziel und sogar die Nummer des Geräteherstellers der Pumpe. Zusätzlich sollten immer ein Blutzuckermessgerät, Insulin und Traubenzucker griffbereit sein, um im Notfall schnell handeln zu können.
Gut zu wissen
Falls das Sensormessgerät oder das normale Blutzuckermessgerät zur Übertragung von Werten an ein Smartphone gebunden sind, ist es wichtig, den Akku des Smartphones zu überprüfen und eine Powerbank mitzunehmen.
Allgemeine Tipps
Hier sind einige Ratschläge, um sicherzustellen, dass Ihre Reise frei von unnötigen Sorgen verläuft:
Notwendige Dokumente bereitlegen: Stellen Sie sicher, dass alle erforderlichen Dokumente für die Reise Ihres Kindes vorliegen. Dazu gehören eine ärztliche Bescheinigung über die mitgeführten Medikamente in deutscher und englischer Sprache, ein internationaler Diabetes-Pass mit relevanten Gesundheitsinformationen und ein internationaler Notfallausweis oder Diabetesausweis mit Übersetzungshilfe. Prüfen Sie vor Reiseantritt die Abdeckung der Auslandskrankenversicherung für Ihr Kind und schließen Sie bei Bedarf eine zusätzliche Versicherung ab. Für detaillierte Informationen zu den nötigen Dokumenten und was sie bedeuten, verweisen wir auf unseren ausführlichen Artikel zu sorgenfreiem Reisen mit Diabetes.
Reiseapotheke vorbereiten: Der Erwerb von Medikamenten vor Ort wird aus Sicherheitsgründen nicht empfohlen, um Risiken von gefälschten oder abgelaufenen Arzneimitteln zu vermeiden. Selbst im europäischen Ausland kann die Verfügbarkeit spezifischer Medikamente unterschiedlich sein. Daher wird geraten, Medikamente inklusive Zubehör in doppelter Ausführung mitzunehmen und eine sorgfältig zusammengestellte Reiseapotheke bereitzuhalten.
Sicherer Transport von Medikamenten gewährleisten: Besondere Beachtung gilt der korrekten Lagerung der Medikamente, insbesondere vor extremen Temperaturen. Angebrochene Insuline sollten vor direkter Sonneneinstrahlung und Temperaturen unter 2 °C und über 40 °C geschützt werden (Insulinvorräte werden in der Regel zwischen 2 bis 8 °C gelagert). Ebenso sollten orale Medikamente unter 25 °C gelagert werden, um die Wirksamkeit zu gewährleisten. Verschiedene sichere Transportmöglichkeiten für Medikamente wie Insulin umfassen leere, vorgekühlte Thermoskannen, Styroporboxen und feuchte Handtücher, in die das Insulin eingewickelt werden kann.
Hinweise bei Flugreisen und Zeitverschiebung beachten: Bewahren Sie die Medikamente Ihres Kindes im Handgepäck auf, um bei Verlust des Koffergepäcks oder Verzögerungen gerüstet zu sein. Zeigen Sie bei der Sicherheitskontrolle die ärztliche Bescheinigung über das Mitführen der Medikamente Ihres Kindes vor. Bei Flugreisen mit einer Zeitverschiebung von über drei Stunden empfiehlt es sich, vorab Rücksprache mit dem behandelnden Arzt oder Ärztin zu halten, um mögliche Anpassungen am Therapieplan zu besprechen.
Ernährung und lokale Gegebenheiten im Blick behalten: Seien Sie sich bewusst, dass unbekannte Speisen die Kohlenhydratschätzung für Ihr Kind erschweren können. Messen Sie den Blutzucker häufiger als üblich und informieren Sie sich über die lokale Küche, um den Blutzucker Ihres Kindes besser kontrollieren zu können. Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung für Ihr Kind und denken Sie daran, dass es ausreichend Wasser trinkt, insbesondere bei längeren Flugreisen.
Insulindosis an Aktivitätslevel anpassen: Bei Aktivitäten wie Wandern, Radtouren, Skifahren oder Schwimmen während des Urlaubs kann sich aufgrund hoher körperlicher Aktivität normalerweise der Blutzuckerspiegel verringern, was eine Anpassung der Insulindosis erfordert. Achten Sie darauf, Blutzuckermessungen häufiger als üblich durchzuführen, um Veränderungen schnell zu erkennen. Vor allem bei Wanderungen im Hochgebirge über 3000 m, wo weniger Sauerstoff zur Verfügung steht, ist mehr Anstrengung erforderlich, um sich körperlich zu betätigen. Dies führt zu einer stärkeren Senkung des Blutzuckerspiegels und es wird empfohlen, vor der Wanderung eine vorübergehende Reduzierung des Basalinsulins (langwirksames Insulin, das den Grundbedarf deckt und normalerweise einmal täglich verabreicht wird) vorzunehmen. Die Verwendung von Sensormessungen beim Wandern, die Trendpfeile zur Anzeige der Glukoseänderung verwenden, hat sich mitunter als hilfreich erwiesen.
Fazit: Entspannt reisen dank guter Vorbereitung
Für Kinder, die mit Diabetes leben, deren Eltern, Erzieher:innen und Betreuer:innen ist es wichtig zu verstehen, welche Faktoren während einer Reise die Diabetestherapie beeinflussen können. Auch wenn Ausflüge ihre Herausforderungen mit sich bringen, ermöglicht eine frühzeitige Schulung, Beratung und sorgfältige Planung nicht nur die Auffrischung des Wissens, sondern auch eine umfassende Vorbereitung für jede Reise. Ein sorgenfreies und sicheres Reiseerlebnis für Kinder mit Diabetes wird durch eine Klärung offener Fragen und medizinischer Herausforderungen sowie die Einbindung unterstützender Begleitpersonen möglich. Mit der richtigen Vorbereitung steht dem Familienurlaub oder der Klassenfahrt daher nichts im Wege.
- https://www.diabetesde.org/ferienfreizeiten-kinder-jugendliche-diabetes
- https://diabsurv.rki.de/Webs/Diabsurv/DE/diabetes-in-deutschland/kinderjugendliche/1-01_Inzidenz_Typ_1_Diabetes.html
- https://www.diabetesstiftung.de/files/paragraph/fileupload/dds_reise_private_kopie.pdf
- https://www.diabetesstiftung.de/files/paragraph/fileupload/dds_kids_23_08_web.pdf
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„An der Pharmazie fasziniert mich am meisten, wie alles zusammenspielt. Von Zusammenhängen im Stoffwechsel hin zur Einnahme von Medikamenten. Wer sich damit auskennt, kann sein Leben positiv beeinflussen.“
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