Morbus Bechterew ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Wirbelsäule. Doch oft bleibt es nicht ausschließlich bei den typischen Rückenschmerzen: Es treten zusätzliche Beschwerden auf, die auch andere Organe betreffen können. Diese Begleiterkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, kann die Lebensqualität erheblich verbessern. Erfahren Sie in diesem Beitrag, welche Morbus Bechterew Begleiterkrankungen auftreten können, durch welche Symptome sie sich äußern und worauf besonders zu achten ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Morbus Bechterew ist eine entzündliche Rheuma-Erkrankung, die verschiedene Organe betreffen kann.
- Häufige Begleiterkrankungen sind Augenentzündungen, Darm- und Hauterkrankungen.
- Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, frühzeitige Diagnosen und gezielte Behandlungen können die Lebensqualität deutlich verbessern.
Welche Begleiterkrankungen treten bei Morbus Bechterew auf?
Morbus Bechterew ist eine sogenannte systemische Erkrankung. Das heißt, sie betrifft nicht nur die Wirbelsäule, sondern kann auch andere Organe in Mitleidenschaft ziehen. Dazu zählen unter anderem die Augen, der Darmtrakt, das Herz-Kreislauf-System und die Haut.
Augenentzündungen (Uveitis)
Etwa 30 bis 50 % der Menschen mit Morbus Bechterew entwickeln eine Uveitis – eine schmerzhafte Entzündung der mittleren Augenhaut. Typische Symptome sind
- Rötung des Auges,
- Schmerzen,
- verschwommenes Sehen,
- Lichtempfindlichkeit und
- tränende Augen.
Worauf sollten Betroffene besonders achten?
Eine Augenentzündung kann sich rasch entwickeln und zu bleibenden Sehschäden führen. Treten die genannten Symptome einer Augenentzündung im Rahmen eines Morbus Bechterew auf, so ist schnelles Handeln erforderlich:
- Suchen Sie bei ersten Anzeichen innerhalb von 24 Stunden einen Augenarzt bzw. eine Augenärztin auf.
- Fahren Sie kein Auto und bedienen Sie keine gefährlichen Maschinen.
- Informieren Sie Ihren behandelnden Rheumatologen bzw. Ihre behandelnde Rheumatologin.
- Halten Sie Ihre Notfall-Medikamente bereit.
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Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED)
Morbus Bechterew und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) weisen eine enge Verbindung auf. Bei etwa 60 % der Morbus Bechterew-Patient:innen lassen sich entzündliche Veränderungen des Darms nachweisen. Etwa 5 bis 10 % der Menschen mit Morbus Bechterew entwickeln eine manifeste chronisch-entzündliche Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Symptome von CED sind unter anderem:
- Durchfall
- Verstopfung
- Bauchschmerzen
- Gewichtsverlust
Gut zu wissen
Wie auch Morbus Bechterew verlaufen chronisch-entzündliche Darmerkrankungen in Schüben. Das heißt, es wechseln sich Phasen mit starken Beschwerden und beschwerdefreie Zeiten ab. Ein persönlicher Erfahrungsbericht von Klaudia Juhász bietet Einblicke in den Alltag mit Colitis ulcerosa und zeigt, wie wichtig Unterstützung und ein offener Umgang mit der Erkrankung sein können.
Wenngleich die Verbindung zwischen Morbus Bechterew und diesen Darmerkrankungen noch nicht vollständig geklärt ist, konnten folgende Zusammenhänge bereits beobachtet werden:
Genetische Verbindungen
Beide Erkrankungen teilen genetische Veranlagungen. Bei etwa 90 % der Patient:innen, die an Morbus Bechterew erkrankt sind, lässt sich das HLA-B27-Gen nachweisen. Dieses Gen spielt auch bei CED eine Rolle, allerdings weniger ausgeprägt. Es beeinflusst das Immunsystem und Entzündungsprozesse.
Fehlgesteuerte Immunreaktion
Bei beiden Erkrankungen greift das Immunsystem fälschlicherweise körpereigenes Gewebe an und löst chronische Entzündungen aus. Während sich diese bei Morbus Bechterew in der Wirbelsäule manifestieren, treten sie bei CED in der Darmschleimhaut auf. Entzündungsstoffe aus dem Darm können über das Blut in die Gelenke gelangen – und umgekehrt. Dies erklärt, warum Schübe beider Erkrankungen oft gleichzeitig auftreten.
Mikrobiom-Veränderungen
Patient:innen mit Morbus Bechterew oder CED haben oft eine veränderte Darmflora. Dieses Ungleichgewicht schwächt die Darmbarriere, sodass Bakterien und Entzündungsstoffe leichter ins Blut gelangen und das Immunsystem zusätzlich aktivieren können.
Gut zu wissen
Probiotika sind lebende Mikroorganismen, die positive Auswirkungen auf die Darmgesundheit haben können. Sie tragen zur Vielfalt und Balance der Darmflora bei, können die Verdauung unterstützen und zur Stärkung des Immunsystems beitragen. Wenn Sie Ihre Darmflora im Alltag unterstützen möchten, finden Sie hier eine große Auswahl an Pro- und Präbiotika Aktuelle Forschungsansätze sind darauf ausgerichtet, die Zusammenhänge zwischen Morbus Bechterew und dem Darmmikrobiom für gezieltere Therapien zu nutzen – etwa durch Medikamente, die die Darmflora modulieren.
Worauf sollten Betroffene besonders achten?
Menschen mit Morbus Bechterew, bei denen sich auch eine CED entwickeln könnte, sollten explizit auf folgende Aspekte achten:
- Lassen Sie regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchführen.
- Suchen Sie bei anhaltenden Magen-Darm-Beschwerden Ihren Arzt bzw. Ihre Ärztin auf.
- Achten Sie besonders auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung.
Tipp: Lesen Sie hier unsere Tipps und Tricks für eine Umstellung auf eine gesunde Ernährung.
Hauterkrankungen
Bei Morbus Bechterew treten häufig Hauterkrankungen als Begleiterscheinungen auf, insbesondere die Schuppenflechte (Psoriasis). Etwa 10 % der Bechterew-Patient:innen entwickeln im Laufe ihrer Erkrankung eine Psoriasis. Zu den Symptomen einer Schuppenflechte gehören
- rötliche, schuppende Hautareale, besonders an Ellbogen, Knien und Kopfhaut,
- Juckreiz und Brennen der betroffenen Hautstellen und
- in schweren Fällen Gelenkbeteiligung (Psoriasis-Arthritis).
Sowohl Morbus Bechterew als auch Psoriasis gehören zum rheumatischen Formenkreis und sind chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankungen. Damit teilen sie – wie auch die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen – ähnliche Entzündungsmechanismen im Körper. Zusätzlich spielen genetische Faktoren bei beiden Erkrankungen eine Rolle.
Worauf sollten Betroffene besonders achten?
Menschen mit Morbus Bechterew, die eine Psoriasis entwickelt haben, sollten auf folgende Punkte achten:
- Lassen Sie regelmäßig dermatologische Untersuchungen durchführen.
- Achten Sie aktiv auf mögliche Hautveränderungen.
- Pflegen Sie Ihre Haut mit feuchtigkeitsspendenden Inhaltsstoffen und vermeiden Sie reizende Kosmetika.
- Beobachten Sie Ihre persönlichen Auslöser von Schüben und meiden Sie diese.
Gut zu wissen
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Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Morbus Bechterew kann auch das Herz-Kreislauf-System beeinträchtigen. Die Entzündungsstoffe schädigen Gefäßwände und beschleunigen Ablagerungen, wodurch die Entstehung einer Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) begünstigt wird. Dies erhöht das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle – insbesondere bei zusätzlichen Faktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder erhöhten Cholesterinwerten.
Worauf sollten Betroffene besonders achten?
Um frühzeitig Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erkennen bzw. ihrer Entstehung entgegenzuwirken, sollten
- regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen (Blutdruck, Blutfette, Blutzucker) gemacht,
- auf Symptome wie Brustschmerzen, Luftnot oder Herzrasen geachtet und
- Risikofaktoren minimiert sowie ein gesunder Lebensstil geführt werden.
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Osteoporose
Aufgrund der chronischen Entzündung und oftmals mangelnden Bewegung bei Morbus Bechterew kann sich Osteoporose entwickeln. Diese Erkrankung äußert sich durch verstärkten Knochenabbau, was zu einer Reduktion der Knochendichte führt. Infolgedessen lässt die Stabilität der Knochen nach und das Risiko für Knochenbrüche steigt.
Worauf sollten Betroffene besonders achten?
Eine frühzeitige Diagnose und Therapie sind entscheidend, um Komplikationen wie Knochenbrüche bei Menschen mit Morbus Bechterew zu vermeiden. Folgendes können Sie zur Vorbeugung tun:
- Lassen Sie regelmäßig Knochendichtemessungen durchführen.
- Stellen Sie eine ausreichende Aufnahme von Calcium und Vitamin D sicher.
- Achten Sie auf regelmäßige Bewegung.
Lungenprobleme
Morbus Bechterew kann weiterhin die Lunge in Mitleidenschaft ziehen und das Risiko für chronische Lungenerkrankungen erhöhen. Besonders häufig tritt die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) als Begleiterkrankung auf. Hier betreffen die chronischen Entzündungen zusätzlich die Lunge. Außerdem kann die eingeschränkte Mobilität der Patient:innen die Beweglichkeit des Brustkorbs beim Atmen erschweren. Die entsprechenden Symptome von COPD sind
- Atemnot, besonders bei Belastung,
- chronischer Husten,
- verminderte Leistungsfähigkeit und
- beeinträchtigter Schlaf.
Worauf sollten Betroffene besonders achten?
Eine frühzeitige Erkennung und Behandlung von Lungenproblemen sind bei Morbus Bechterew besonders wichtig.
- Lassen Sie Ihre Lunge regelmäßig untersuchen.
- Achten Sie auf Symptome wie Atemnot und chronischen Husten.
- Meiden Sie weitere Risikofaktoren wie das Rauchen.
- Führen Sie Atemübungen durch.
Fazit
Morbus Bechterew ist nicht ausschließlich eine Erkrankung der Wirbelsäule – auch Augen, Darm, Haut, Herz und andere Organe können betroffen sein. Durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen und eine aufmerksame Wahrnehmung der eigenen Symptome kann viel für die Gesundheit getan werden. Denn eine frühzeitige Diagnose und gezielte Therapie können die Lebensqualität erheblich verbessern.
- Bachmann, F. & Hartl, W. (1976). Kardiovaskuläre Komplikationen bei Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew). DMW – Deutsche Medizinische Wochenschrift, 101(22), 864–866.
- Kiltz et al. (2019b). Langfassung zur S3-Leitlinie Axiale Spondyloarthritis inklusive Morbus Bechterew und Frühformen, Update 2019. Zeitschrift für Rheumatologie, 78(S1), 3–64.
- Axiale spondylarthritis – wissen @ AMBOSS. (o. D.). https://www.amboss.com/de/wissen/axiale-spondylarthritis/
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![2[1] Sofia Westermann, pharmazeutische Expertin](https://www.apo.com/magazin/wp-content/uploads/2024/05/21-2-1024x1024.jpg)
„Die Pharmazie ist eine faszinierende Wissenschaft. Ein ganz wichtiger Grund für mich, Apothekerin zu werden, war es, dass ich damit anderen Menschen helfen kann.“
Für Apothekerin Sophia Westermann ist Pharmazie nicht nur ein Beruf, sondern eine Passion. Menschen mit ihrem Wissen zu unterstützen, hat für sie oberste Priorität. Als pharmazeutische Expertin garantiert sie daher die Richtigkeit der Inhalte im apo Magazin und prüft diese vor einem wissenschaftlichen Hintergrund.
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