Kopfschmerzen hatte wohl jeder schon einmal in seinem Leben. Wenn diese stärker ausfallen oder häufiger auftreten, fragt man sich oft, ob mehr dahintersteckt. Tatsächlich gibt es verschiedene Arten von Kopfschmerzen. Doch welche Schritte und Untersuchungen sind notwendig, um die genaue Ursache zu finden? In diesem Artikel erfahren Sie, wie der Arzt oder die Ärztin die richtige Diagnose stellt und was sie selbst tun können, um dazu beizutragen.
Das Wichtigste in Kürze
- Obwohl die meisten Kopfschmerzen harmlos sind und durch Alltagsfaktoren verursacht werden, ist es wichtig eine präzise Diagnose zu stellen, um so die richtige Behandlung zu gewährleisten.
- Bei langanhaltenden, häufigen oder starken Kopfschmerzen, die von ungewöhnlichen Symptomen begleitet werden, sollte ein Arzt oder eine Ärztin aufgesucht werden, um ernsthafte Ursachen auszuschließen.
- Um die Diagnose richtig stellen zu können, sind ein Anamnesegespräch und neurologische Untersuchungen nötig.
- Bei unklaren Beschwerden oder zusätzlichen Symptomen werden bildgebende Verfahren, wie MRT oder CT, eingesetzt, um strukturelle Anomalien im Gehirn zu identifizieren.
- Zusätzlich zu bildgebenden Verfahren können Bluttests, eine Lumbalpunktion, ein EEG und eine Carotis-Duplex-Sonographie erforderlich sein, um die Ursache der Kopfschmerzen zu bestimmen.
Welche Ursachen haben Kopfschmerzen?
Kopfschmerzen zählen zu den häufigsten gesundheitlichen Problemen. Da sie uns im Alltag stark belasten können, greifen viele Menschen häufig zu Schmerzmitteln, um Linderung zu erhalten. Normalerweise sind die meisten Kopfschmerzen harmlos und verschwinden von alleine oder mit gängigen Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Aspirin. Häufige alltägliche Ursachen sind harmlose Auslöser wie zu viel Sonne, zu wenig Flüssigkeit, das Auslassen des morgendlichen Kaffees oder übermäßiger Alkoholkonsum am Vortag. Dennoch ist es wichtig, einen Blick auf die Ursachen der Kopfschmerzen zu werfen, um die richtige Behandlung zu finden. Eine präzise Diagnose ist ein wichtiger erster Schritt.
Wann zum Arzt?
Doch wenn die Schmerzen zu lange anhalten, zu oft auftreten, sehr stark sind oder mit ungewöhnlichen Begleiterscheinungen einhergehen, fragt man sich, ob mehr dahinterstecken könnte. Möglicherweise nehmen Sie bereits Medikamente, die nicht wirken, oder die Schmerzen bessern sich nicht und lassen vermuten, dass eine ernstere Ursache vorliegt. In solchen Fällen ist es sinnvoll, eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen. Wenden Sie sich zum Beispiel an:
- Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt
- eine Neurologin oder einen Neurologen
- eine Kopfschmerz-Ambulanz
- ein Kopfschmerz-Zentrum
Tipp: Es lohnt sich, ein Kopfschmerztagebuch zu führen, entweder online per App oder auf Papier. Bringen Sie diese Aufzeichnungen unbedingt zu Ihrem Termin mit. Kopfschmerztagebücher oder -kalender sind besonders nützlich, um zwischen episodischen und chronischen Kopfschmerzen zu unterscheiden. Sie helfen dabei, die Häufigkeit der Kopfschmerzen zu erfassen und die Schwere der Krankheit zu beurteilen. Zudem können Sie die Tage dokumentieren, an denen Sie Akutmedikationen eingenommen haben. Dies hilft, einen möglichen Kopfschmerz aufgrund von Medikamentenübergebrauch zu identifizieren. Es ist zudem hilfreich, wenn Sie Informationen darüber haben, ob andere Familienmitglieder ebenfalls unter Kopfschmerzen leiden oder litten. Beschreiben Sie Ihre Situation der Ärztin oder dem Arzt so detailliert wie möglich.
Anamnese: Der erste Schritt zur Diagnose
Die Anamnese ist ein wesentlicher Bestandteil der Diagnosestellung. Dabei wird der Arzt oder die Ärztin eine Reihe von Fragen stellen, um ein genaues Bild der Kopfschmerzen zu bekommen.
Im Folgenden sind die Fragen aufgeführt, die ein Arzt oder eine Ärztin bei der Anamnese typischerweise stellen würde:
- Wann haben Ihre Kopfschmerzen begonnen?
- Wie oft treten die Kopfschmerzen auf?
- Wie lange dauern die Kopfschmerzattacken an?
- Wo genau spüren Sie die Schmerzen?
- Wie würden Sie den Charakter des Schmerzes beschreiben (z. B. drückend, pulsierend, stechend)?
- Gibt es Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen oder Lichtempfindlichkeit?
- Wie viele Tage im Monat haben Sie Kopfschmerzen?
- Gibt es bestimmte Aktivitäten oder Zeiten, in denen die Kopfschmerzen häufiger auftreten?
- Welche Medikamente nehmen Sie gegen die Kopfschmerzen ein und wie oft?
- Leiden Sie an einer Grunderkrankung?
- Haben Sie familiäre Vorbelastungen mit Kopfschmerzen?
- Hat sich Ihr Lebensstil, Ihre Ernährung oder Ihr Schlafverhalten kürzlich verändert?
- Haben Sie in der Vergangenheit eine Kopfverletzung erlitten?
- Haben Sie Stress oder emotionale Belastungen, die Ihre Kopfschmerzen beeinflussen könnten?
Diese detaillierten Fragen helfen dem Arzt oder der Ärztin, die Art Ihrer Kopfschmerzen besser zu verstehen und mögliche Ursachen einzugrenzen. Je mehr Informationen Ärzt:innen haben, desto genauer kann die Diagnose gestellt werden und die richtige Behandlung erfolgen.
Körperliche Untersuchung: Was wird untersucht?
Nach der Anamnese wird die Ärztin oder der Arzt eine gründliche Untersuchung durchführen, wobei insbesondere die Funktionen Ihres Nervensystems überprüft werden.
Diese neurologische Untersuchung folgt einem festgelegten Ablauf:
Körperliche Untersuchung und Haltung: Nach einem ausführlichen Gespräch misst die Ärztin oder der Arzt Ihren Puls, hört Herz und Lunge ab und überprüft Ihre Körperhaltung, Ihren Gang und Ihr Gleichgewicht. Diese Untersuchungen können Hinweise auf mögliche Ursachen Ihrer Kopfschmerzen geben, wie zum Beispiel muskuläre Verspannungen oder Durchblutungsstörungen.
Test der Sinne: Ihre zwölf Hirnnerven werden getestet. Dies umfasst den Geruchssinn, den die Ärztin oder der Arzt mit Duftproben überprüft. Auch Ihre Sehfähigkeit wird getestet, etwa durch das Lesen von Tafeln und den Fingertest zur Überprüfung des Gesichtsfelds. Diese Tests helfen, neurologische Probleme auszuschließen, die Kopfschmerzen verursachen könnten.
Motorik und Reflexe: Ihre Motorik und Koordination werden durch Übungen wie das Berühren der Nasenspitze mit geschlossenen Augen geprüft. Ihre Reflexe werden durch das Schlagen mit einem kleinen Hammer auf Ihre Kniesehne getestet. Diese Untersuchungen geben Aufschluss über die Funktion Ihres Nervensystems und können neurologische Störungen aufdecken.
Sensibilität: Die Ärztin oder der Arzt überprüft Ihre Berührungsempfindlichkeit mit weichem Stoff, einer Nadel und Reagenzgläsern mit kaltem und warmem Wasser. Diese Tests zeigen, wie gut Ihre Nerven Reize weiterleiten, und helfen, mögliche Schädigungen oder Störungen der Nerven zu erkennen.
Sprach- und Rechentests: Zum Abschluss werden Sie vielleicht gebeten, einfache Rechenaufgaben zu lösen und Fragen zur Orientierung zu beantworten, wie etwa nach der aktuellen Jahreszeit oder Ihrem Beruf. Diese Tests können Hinweise auf mögliche kognitive Beeinträchtigungen geben, die mit Ihren Kopfschmerzen in Zusammenhang stehen könnten.
Gut zu wissen
Eine gründliche körperliche Untersuchung kann oft ausreichen, um häufige Kopfschmerzarten wie Spannungskopfschmerzen und Migräne zu diagnostizieren. Lesen Sie mehr zu den verschiedenen Kopfschmerzarten und wie sich diese äußern.
Bildgebende Verfahren bei Kopfschmerzen
Wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Ihre Beschwerden und Untersuchungsergebnisse nicht eindeutig einer bestimmten Kopfschmerzart zuordnen kann oder Sie zusätzliche Symptome wie Seh- oder Sprechstörungen, Taubheitsgefühle, Lähmungen oder Krampfanfälle haben, werden Sie möglicherweise an eine Praxis überwiesen, die bildgebende Verfahren einsetzt. In der Regel handelt es sich dabei um eine Magnetresonanztomographie (MRT) oder eine Computertomographie (CT).
Was sind MRT und CT?
Magnetresonanztomographie (MRT) und Computertomographie (CT) sind die gängigsten bildgebenden Verfahren. Das MRT nutzt Magnetfelder und Radiowellen, um detaillierte Bilder des Gehirns zu erzeugen, während das CT Röntgenstrahlen verwendet. Beide Methoden sind hilfreich, um bestimmte strukturelle Anomalien im Gehirn zu identifizieren:
- MRT: Wird bevorzugt bei Verdacht auf Weichteilschäden, Entzündungen, Tumore und neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose (MS) eingesetzt. Es ist besonders nützlich, um detaillierte Bilder von Gehirnstrukturen zu erhalten und Veränderungen im Gehirn festzustellen, die auf entzündliche oder degenerative Erkrankungen hinweisen können.
- CT: Wird häufig bei akuten Notfällen wie Verdacht auf Hirnblutungen, Schädelbrüchen oder schwere Kopfverletzungen nach Unfällen verwendet. Es liefert schnelle und effektive Ergebnisse und ist besonders gut geeignet, um Knochenstrukturen und akute Blutungen zu erkennen.
Weitere Untersuchungen bei unklaren Diagnosen
Zusätzlich zu bildgebenden Verfahren können weitere Tests notwendig sein, um die Ursache Ihrer Kopfschmerzen genauer zu bestimmen:
- Bluttests: Überprüfung auf Infektionen, Entzündungen und andere systemische Erkrankungen.
- Lumbalpunktion: Entnahme von Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit zur Untersuchung auf Infektionen oder Blutungen.
- EEG (Elektroenzephalographie): Aufzeichnung der elektrischen Aktivität des Gehirns, um Anfallsleiden oder andere neurologische Störungen zu erkennen.
- Carotis-Duplex-Sonographie: Ultraschalluntersuchung der Halsschlagader zur Überprüfung der Durchblutung.

Gut zu wissen
Die Kosten für diese Untersuchungen werden im Normalfall von allen gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Steht die Diagnose fest, wird die Ärztin oder der Arzt Ihnen genau erklären, was sie bedeutet und welche Behandlungsmöglichkeiten empfohlen werden.
Die Bedeutung der offenen Kommunikation
Mit den richtigen Informationen und einer offenen Kommunikation mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin können Sie einen individuellen Behandlungsplan entwickeln, der Ihre Bedürfnisse und Lebensumstände berücksichtigt. Eine präzise Diagnose ermöglicht es, gezielte Therapien einzusetzen und langfristige Verbesserungen zu erzielen.
Zögern Sie nicht, alle Ihre Fragen zu stellen und alle Symptome zu besprechen – Ihr Weg zur Linderung beginnt mit der richtigen Diagnose. Hier erfahren Sie mehr über die passende Therapie und die Medikamente bei Kopfschmerzen.
- https://www.msdmanuals.com/de-de/profi/neurologische-krankheiten/kopfschmerz/untersuchung-des-kopfschmerzpatienten
- https://register.awmf.org/assets/guidelines/030-057l_S1_Therapie-der-Migraeneattacke-Prophylaxe-der-Migraene_2024-06.pdf
- https://www.schmerzgesellschaft.de/topnavi/patienteninformationen/schmerzerkrankungen/kopfschmerzen
Geprüft durch unser pharmazeutisches Team
![2[1] Sofia Westermann, pharmazeutische Expertin](https://www.apo.com/magazin/wp-content/uploads/2024/05/21-2-1024x1024.jpg)
„Die Pharmazie ist eine faszinierende Wissenschaft. Ein ganz wichtiger Grund für mich, Apothekerin zu werden, war es, dass ich damit anderen Menschen helfen kann.“
Für Apothekerin Sophia Westermann ist Pharmazie nicht nur ein Beruf, sondern eine Passion. Menschen mit ihrem Wissen zu unterstützen, hat für sie oberste Priorität. Als pharmazeutische Expertin garantiert sie daher die Richtigkeit der Inhalte im apo Magazin und prüft diese vor einem wissenschaftlichen Hintergrund.
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