Diabetes ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen unserer Zeit und kann schwerwiegende Folgen haben, wenn sie nicht behandelt wird. Erstaunlich ist, dass die ersten Anzeichen entweder nicht selten unbemerkt bleiben oder ignoriert werden. Je länger ein Diabetes nicht erkannt wird, desto größer ist das Risiko ernsthafter gesundheitlicher Folgen. Das frühe Erkennen der Krankheit verbessert hingegen die Aussichten auf eine erfolgreiche Behandlung. Doch wie können Sie die Erkrankung erkennen? In diesem Artikel erfahren Sie, welche frühen Anzeichen auf Diabetes hinweisen und wie Sie ihn erkennen können.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Früherkennung von Diabetes verbessert die Behandlungsaussichten und verhindert ernsthafte gesundheitliche Folgen.
- Diabetes Typ 2 entwickelt sich schleichend und bleibt oft unerkannt, kann aber durch Anzeichen wie häufiges Wasserlassen und starken Durst erkannt werden.
- Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung, die früh auftretende Symptome wie ungewollte Gewichtsabnahme, Müdigkeit und ständigen Durst verursacht.
- Schwangerschaftsdiabetes tritt während der Schwangerschaft auf und macht sich bemerkbar durch starke Gewichtszunahme, Erschöpfung, Infektionen der Scheide, Harnwege und Niere sowie Müdigkeit.
- Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind entscheidend, um alle Diabetes-Typen frühzeitig zu erkennen und effektiv zu behandeln.
Was ist Diabetes und warum ist eine Früherkennung wichtig?
Diabetes mellitus, häufig einfach als Diabetes bezeichnet, ist eine chronische Erkrankung, bei der der Körper den Blutzuckerspiegel nicht richtig regulieren kann. Diese Dysregulation kann aufgrund einer unzureichenden Insulinproduktion (Typ-1-Diabetes), einer mangelhaften Insulinwirkung (Typ –2-Diabetes) oder anderer komplexer Ursachen (Typ –3- und Typ-4-Diabetes) auftreten. Insulin ist ein Hormon, das von der Bauchspeicheldrüse produziert wird und den Zucker aus dem Blut in die Zellen transportiert, wo er als Energie genutzt wird. Ohne ausreichend Insulin oder bei einer Insulinresistenz steigt der Blutzuckerspiegel an, was langfristig zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen führen kann.
Da ein erhöhter Blutzuckerspiegel keine Schmerzen verursacht, bleibt die Erkrankung häufig unerkannt. Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) ist eine von fünf Personen mit Diabetes nicht über ihre Erkrankung im Bilde. Die Risiken und langfristigen Auswirkungen wie Folgeerkrankungen von Diabetes werden oft unterschätzt.
Die Früherkennung von Diabetes ist dabei entscheidend, um ernsthafte Komplikationen zu vermeiden und die Lebensqualität der betroffenen Personen zu erhalten. Je früher Diabetes diagnostiziert wird, desto eher können geeignete Maßnahmen zur Behandlung und zur Anpassung des Lebensstils ergriffen werden. Doch wie erkennt man die Anzeichen dieser weit verbreiteten Krankheit?
Diabetes Typ 2 erkennen
Diabetes Typ 2 schreitet meist schleichend voran. Zumeist verursachen Übergewicht, Bewegungsmangel und eine ungesunde Ernährung bei dieser Erkrankung eine zunehmende Insulinresistenz der Körperzellen: Diese reagieren dann nicht mehr richtig auf das in der Bauchspeicheldrüse produzierte Hormon Insulin und nehmen nicht mehr genug Zucker (Glukose) aus dem Blut auf. In der Folge bleibt der Blutzuckerspiegel nach Mahlzeiten für längere Zeit erhöht, was Schäden an den Blutgefäßen und weiteren Organen nach sich zieht. Da hohe Blutzuckerwerte für sich allein genommen aber noch keine Beschwerden auslösen, bemerken viele Betroffene die Krankheit erst, wenn es bereits zu Folgeschäden an den Organen gekommen ist. Zudem passiert es auch häufig, dass der Hausarzt oder die Hausärztin den Diabetes eher zufällig im Rahmen einer Routineuntersuchung entdeckt.
Eine frühe Diagnose ist jedoch bei Diabetes Typ 2 besonders wichtig. Denn nur so können Sie schnell mit der entsprechenden Therapie beginnen und Folgeerkrankungen wie etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Schäden an Augen, Niere, Leber oder Lunge vermeiden. Wenn Sie den Diabetes rechtzeitig erkennen, können Sie ihm durch Veränderungen in Ihrem Lebensstil vielfach sogar so gut entgegenwirken, dass sich Ihre Blutzuckerwerte sogar ohne eine medikamentöse Therapie wieder normalisieren. Um einen Typ-2-Diabetes zu entdecken, sollten Sie die frühen Warnsignale der Krankheit kennen. Dazu gehören insbesondere:
- Häufiges Wasserlassen
- Stärkerer Durst als üblich
- Müdigkeit oder Erschöpfung
- Konzentrationsstörungen
- Sehstörungen
- Trockene, juckende Haut
- Häufige Infektionen
Wenn Sie bei sich einige dieser Symptome eines Typ-2-Diabetes bemerken, dann sollten Sie dies bei Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin ansprechen. Diese:r wird eine Anamnese durchführen und Sie körperlich untersuchen.
Toralf Schwarz, Facharzt für Innere Medizin, Schwerpunkt Diabetologie sagt:
Es ist nie zu spät, zum Arzt zu gehen. Erstaunlicherweise sehen wir sogar bei Patient:innen mit sehr hohen Blutzuckerwerten, die bisher keine Medikamente eingenommen haben, unter einer Anpassung des Lebensstils (angepasste Ernährung und Gabe geeigneter Medikamente) innerhalb von einem Vierteljahr teilweise vollständige Normalisierungen.
Gut zu wissen
Gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren können alle 3 Jahre kostenlose Gesundheits-Check-up nutzen, bei dem auch der Blutzuckerspiegel überprüft wird. Dies hilft, ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes frühzeitig zu erkennen und einfache Maßnahmen zu ergreifen. Für 18- bis 34-Jährige ist der Check-Up auch möglich jedoch nur einmalig.
Diabetes Typ 1 erkennen
Anders als bei Typ 2 handelt es sich bei Diabetes Typ 1 nicht um die Folge einer ungesunden Lebensweise, sondern um eine Autoimmunkrankheit. Das Immunsystem attackiert und zerstört dabei fälschlicherweise die insulinproduzierenden Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Dies führt zu einem absoluten Insulinmangel, so dass die Zellen keinen Zucker mehr aus dem Blut aufnehmen können.
Ein Diabetes Typ 1 tritt meist bereits im Kindes- oder Jugendalter auf, er kann sich aber auch erst bei Erwachsenen manifestieren. Die Erkrankung entwickelt sich wesentlich schneller als bei Typ 2, da der Körper die Insulinproduktion häufig innerhalb weniger Wochen bis Monate stark einstellt. Bei Diabetes Typ 1 treten folgende Anzeichen auf:
- Ständiger Durst
- Häufiges Wasserlassen
- Stetige Müdigkeit
- Ungewollte Gewichtsabnahme
- Sehstörungen
- Erhöhte Infektanfälligkeit
- Juckreiz
- Abgeschlagenheit
- Konzentrationsstörungen
- Übelkeit
Gut zu wissen
Wenn Sie an sich oder Ihrem Kind Symptome eines Diabetes Typ 1 erkennen, sollten Sie umgehend einen Arzt bzw. eine Ärztin aufsuchen. Da Typ-1-Diabetes auch genetische Ursachen hat, haben nahe Angehörige von Betroffenen ein erhöhtes Risiko, ebenfalls daran zu erkranken. Deshalb können diese Personen im Alter von 1 bis 21 Jahren deutschlandweit kostenlos auf das Frühstadium der Erkrankung untersucht werden.
Schwangerschaftsdiabetes erkennen
Eine weitere Form von Diabetes ist der sogenannte Schwangerschaftsdiabetes oder Diabetes Typ 4. Dieser tritt gelegentlich bei werdenden Müttern während der Schwangerschaft auf, da sich in dieser Zeit der Stoffwechsel und der Hormonhaushalt verändern. Ein Schwangerschaftsdiabetes verläuft meist ohne genau erkennbare Symptome, da diese oft auf die Schwangerschaft selbst zurückgeführt werden. Unbehandelt erhöht er jedoch das Risiko, dass die Mutter später an Typ-2-Diabetes erkrankt. Zudem besteht ein erhöhtes Risiko für Wachstumsstörungen beim Kind, eine Frühgeburt und eine Präeklampsie. Präeklampsie, auch „Schwangerschaftsvergiftung“ genannt, kann unbehandelt zu Krämpfen, Blutungen und Nierenversagen führen.
Die wichtigsten Anzeichen des Schwangerschaftsdiabetes sind:
- Übermäßiger Durst
- Extreme Müdigkeit
- Bluthochdruck
- Starke Gewichtszunahme in der Schwangerschaft (mehr als 2 kg pro Monat)
- Häufige Infekte der Harnwege, Nieren oder Scheide
- Veränderte Fruchtwassermenge
Wenn Sie diese Anzeichen für einen Schwangerschaftsdiabetes wahrnehmen oder wenn Ihr behandelnder Frauenarzt bzw. Ihre behandelnde Frauenärztin im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen einen Typ-4-Diabetes bei Ihnen erkennt, dann erfolgt die Behandlung in der Regel durch eine Umstellung der Ernährung. Nach der Entbindung bildet sich ein Schwangerschaftsdiabetes meist vollständig zurück.
Andere Diabetes-Formen erkennen
Neben den drei genannten Diabetes-Formen gibt es noch weitere. Diabetes Typ 3 umfasst eine Vielzahl von seltenen Erkrankungen, die zum Teil durch Gendefekte, aber auch infolge von Vergiftungen, Verletzungen der Bauchspeicheldrüse oder als Nebenwirkung bestimmter Medikamente auftreten können. Die Symptome ähneln denen der obengenannten Diabetes-Typen, sodass nur ein Arzt oder eine Ärztin den exakten Diabetes-Typ erkennen und diagnostizieren kann.
Frühe Anzeichen wie häufiges Wasserlassen, erhöhter Durst unerklärliche Müdigkeit und Infektionen sollten nicht ignoriert werden, da eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung die Prognose erheblich verbessern können. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen spielen eine wesentliche Rolle, um alle Diabetes-Typen frühzeitig zu erkennen und entsprechende Maßnahmen zur Anpassung des Lebensstils und eine geeignete Therapie einzuleiten. Achten Sie auf die typischen Warnsignale und konsultieren Sie bei Verdacht umgehend einen Arzt oder eine Ärztin.
- https://diabsurv.rki.de/Webs/Diabsurv/DE/diabetes-in-deutschland/2-111_12_Praevalenz_bekannter_und_unerkannter_Diabetes.html
- https://www.patienten-information.de/kurzinformationen/diabetes-therapie
- https://www.bundesgesundheitsministerium.de/checkup.html
- https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/p/praeventionsgesetz.html
- https://www.leitlinien.de/themen/diabetes/version-3
Geprüft durch unser pharmazeutisches Team
![2[1] Sofia Westermann, pharmazeutische Expertin](https://www.apo.com/magazin/wp-content/uploads/2024/05/21-2-1024x1024.jpg)
„Die Pharmazie ist eine faszinierende Wissenschaft. Ein ganz wichtiger Grund für mich, Apothekerin zu werden, war es, dass ich damit anderen Menschen helfen kann.“
Für Apothekerin Sophia Westermann ist Pharmazie nicht nur ein Beruf, sondern eine Passion. Menschen mit ihrem Wissen zu unterstützen, hat für sie oberste Priorität. Als pharmazeutische Expertin garantiert sie daher die Richtigkeit der Inhalte im apo Magazin und prüft diese vor einem wissenschaftlichen Hintergrund.
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