Bluthochdruck (Hypertonie) verursacht in der Regel über einen langen Zeitraum keine Beschwerden und ist häufig ein Zufallsbefund. Bluthochdruck lässt sich durch gezielte Untersuchungen erkennen. Eine frühzeitige Diagnose von Hypertonie ist wichtig, denn unbehandelt schadet Bluthochdruck dem Herz-Kreislauf-System und kann zu einer Reihe von Folgeerkrankungen beitragen. Hier erfahren Sie, wie die Hypertonie-Diagnostik abläuft, warum eine einzelne Blutdruckmessung nicht ausreicht und welche weiteren Untersuchungen der Arzt oder die Ärztin eventuell veranlassen wird.

Das Wichtigste in Kürze

  • Besteht der Verdacht auf Bluthochdruck, werden verschiedene Untersuchungen vorgenommen, um die Diagnose sicher stellen zu können.
  • Dazu wird mehrfach an verschieden Tagen der Blutdruck gemessen.
  • Neben der Messung in der Arztpraxis erfolgt häufig eine Langzeitmessung über 24 Stunden.
  • Weitere Untersuchungen sollen zeigen, welche Ursachen dem Bluthochdruck zugrunde liegen, ob es Folgeerkrankungen gibt und welcher Gesundheitszustand vorliegt.
  • Dazu gehören u. a.: Anamnesegespräch, Blut- und Harnuntersuchungen, körperliche Untersuchungen, EKG, Echo-Kardiographie, usw.

Was ist Hypertonie?

Hypertonie oder Bluthochdruck liegt dann vor, wenn die Blutdruckwerte wiederholt 140 mmHg systolisch und / oder 90 mmHg diastolisch überschreiten. Mit dem Begriff „Hypertonie“ ist in diesem Beitrag übrigens immer der arterielle Bluthochdruck gemeint. Welche weiteren Formen von Hypertonie es gibt, können Sie hier nachlesen.

Gut zu wissen

Eine Bluthochdruck-Diagnose wird nur dann gestellt, wenn die Blutdruckwerte bei mehrmaligen Messungen über einen längeren Zeitraum erhöht sind. Denn der Blutdruck kann situationsabhängig stark schwanken. Es ist ganz normal, dass der Blutdruck beispielsweise nach körperlicher Anstrengung oder Aufregung kurzfristig ansteigt. In solchen Fällen handelt es sich nicht um Bluthochdruck.

Basis-Diagnostik bei arterieller Hypertonie: Die Blutdruckmessung

Da erhöhter Blutdruck anfänglich meist keine Beschwerden verursacht, lässt er sich nur mithilfe von Messgeräten zuverlässig diagnostizieren. Eine direkte Messung des Blutdrucks durch Einbringen einer Messsonde in ein Blutgefäß ist zwar möglich, wird in der Praxis aber kaum gemacht. Normalerweise funktioniert die Blutdruckmessung indirekt mithilfe einer Manschette am Oberarm, die zuerst mit Luft aufgeblasen wird, um den Blutstrom zu unterbrechen. Anschließend wird die Luft aus der Manschette langsam abgelassen, um festzustellen, bei welchem Druck sich das Blutgefäß wieder öffnet.

Heute kommen dabei meist elektronische Blutdruckmessgeräte zum Einsatz, die automatisch arbeiten. Medizinisches Fachpersonal kann den Blutdruck aber auch manuell mit einem Stethoskop messen. Wie die Messung im Detail funktioniert, können Sie im Artikel „Blutdruck messen“ nachlesen.

Um Bluthochdruck zu erkennen, reicht eine einzelne Messung nicht aus. Der Blutdruck sollte wiederholt (2-3 Messungen) und an unterschiedlichen Tagen gemessen werden, um die Hypertonie-Diagnose abzusichern.

Blutdruckmessung in der Arztpraxis

Früher beruhte die Diagnostik der arteriellen Hypertonie fast ausschließlich auf Messungen in der Arztpraxis. Das hat aber einen entscheidenden Nachteil: Der Blutdruck kann situationsabhängig stark schwanken und ist in der Arztpraxis aufgrund von Stress und der ungewohnten Umgebung nicht selten erhöht. Wenn sich die Diagnose Hypertonie durch Messungen im häuslichen Umfeld nicht bestätigt, spricht man auch von einer Weißkittelhypertonie oder dem Weißkittelphänomen.

Trotzdem ist die routinemäßige Blutdruckmessung in der Arztpraxis wichtig, um die Hypertonie-Diagnose abzuklären oder um spezielle Informationen zu gewinnen. Möglicherweise wird der Arzt oder die Ärztin den Blutdruck an beiden Armen oder in verschiedenen Körperpositionen (sitzend oder aufrecht) messen. So können beispielsweise Abweichungen oder Schwankungen auftreten, die der Arzt oder die Ärztin im Zusammenhang mit ihrem Krankheitsverlauf individuell einordnen und beurteilen können.

Bluthochdruck erkennen: die Selbstmessung

Menschen mit Bluthochdruck sollten ihren Blutdruck regelmäßig zu Hause messen. Diese Werte sind, bei richtiger Durchführung, oft verlässlicher und aussagekräftiger, weil sie nicht durch Aufregung oder eine ungewohnte Umgebung verfälscht werden.

Blutdruckmessungen im häuslichen Umfeld dienen einerseits dazu, die Hypertonie-Diagnose besser abzusichern und festzustellen, wie hoch der Blutdruck im Alltag wirklich ist. Andererseits sind sie auch zur Überwachung und Kontrolle der laufenden Bluthochdruck-Therapie wichtig. Kommt es zu einer Verschlechterung, dann lässt sich frühzeitig gegensteuern, indem die Behandlung angepasst wird. Worauf Sie bei der Blutdruckmessung zu Hause achten sollten, erfahren Sie in diesem Beitrag: Blutdruck messen

Bluthochdruck erkennen: die Langzeit-Blutdruckmessung

Sporadische Einzelmessungen zu unterschiedlichen Tageszeitpunkten sind nur bedingt aussagekräftig, weil der Blutdruck im Tagesverlauf stark schwanken kann. Wichtig für eine erfolgreiche Behandlung ist, neben der Beurteilung einzelner Messungen, auch der Blutdruck-Tagesverlauf und insbesondere, wie sich der Blutdruck abends bzw. zur Nacht verhält. Um sich ein genaues Bild davon zu verschaffen, wie sich der Blutdruck im Laufe des Tages verändert, kann der Arzt oder die Ärztin eine 24h-Langzeit-Blutdruckmessung veranlassen. Das funktioniert mithilfe eines kleinen mobilen Geräts, das den Blutdruck automatisch alle 15 bis 30 Minuten misst, auch nachts, und die Werte aufzeichnet. So lässt sich feststellen, ob im Tagesverlauf vielleicht Blutdruckspitzen auftreten oder ob der Blutdruck während des Schlafs zu hoch ist.

Menschen mit einer bekannten Bluthochdruck-Diagnose sollten etwa einmal jährlich eine Langzeit-Blutdruckmessung machen. Sinnvoll ist sie auch dann, wenn die Blutdruckwerte bei Einzelmessungen stark schwanken oder wenn der Verdacht besteht, dass der Blutdruck nicht optimal eingestellt ist, etwa weil es zu einer Blutdruckkrise gekommen ist. Mehr Sie hier mehr über die Langzeit-Blutdruckmessung.

Weiterführende Diagnostik bei arterieller Hypertonie

Blutdruckmessungen sollen die Frage beantworten, ob eine Hypertonie vorliegt und wenn ja, in welchem Schweregrad. Falls erstmals Bluthochdruck erkannt wird wird, schließen sich in der Regel weitere Untersuchungen an. Die weiterführende Hypertonie-Diagnostik dient dazu, herauszufinden

  • welche individuellen Ursachen der Bluthochdruck hat,

  • ob es eventuell schon zu Folgeerkrankungen gekommen ist,

  • wie der allgemeine Gesundheitszustand ist und ob Begleiterkrankungen vorliegen.

Alle diese Informationen braucht der Arzt oder die Ärztin, um die Behandlung des Bluthochdrucks individuell anzupassen.

In über 90 Prozent der Fälle hat Bluthochdruck keine einzelne, eindeutig bestimmbare Ursache, man spricht dann von einer essenziellen Hypertonie. In selteneren Fällen kann sich Bluthochdruck als Folge einer anderen Erkrankung entwickeln, dann handelt es sich um eine sogenannte sekundäre Hypertonie. Diese Unterscheidung ist sehr wichtig, denn im letzteren Fall muss unbedingt zunächst die Grunderkrankung behandelt werden.

Mögliche Folgeerkrankungen oder bestehende Vorerkrankungen bedürfen ebenso einer Therapie, um das Herz-Kreislauf-System zu schützen und das Risiko für weitere Gesundheitsprobleme nicht weiter zu erhöhen.

Weiterführende Untersuchungen zur Diagnose von arterieller Hypertonie

Die weiterführende Hypertonie-Diagnostik beruht unter anderem auf diesen Untersuchungen:

  • In einem ausführlichen Anamnesegespräch wird der Arzt oder die Ärztin nach dem individuellen Lebensstil, bekannten Vorerkrankungen und möglichen weiteren Beschwerden fragen.  

  • Körperliche Untersuchungen dienen dazu, den Körperstatus zu erfassen und erste Hinweise auf eventuelle Begleit- oder Grunderkrankungen zu gewinnen.

  • Blut- oder Harnuntersuchungen im Labor liefern spezifische Informationen über den Gesundheitszustand. Beispielsweise werden Blutfette, Blutzucker, Elektrolyte, Schilddrüsenwerte oder Nierenfunktionswerte bestimmt.   

  • Ein Elektrokardiogramm (EKG) zeigt, ob das Herz ordnungsgemäß arbeitet. Die Untersuchung wird oft auch unter körperlicher Belastung durchgeführt (Belastungs-EKG).

  • Ultraschall-Untersuchungen (Sonographie) machen mögliche Folgeschäden von Bluthochdruck sichtbar, etwa Veränderungen von Blutgefäßen oder Nieren.

  • Die Echokardiographie des Herzens ist eine besondere Form der Ultraschall-Untersuchung, die beispielsweise zeigen kann, ob der Herzmuskel als Folge von Bluthochdruck vergrößert ist.

  • Mithilfe einer sogenannten Funduskopie lassen sich die Blutgefäße der Augennetzhaut untersuchen. Vor allem bei länger bestehendem Bluthochdruck können diese Blutgefäße geschädigt sein.

Bei Bedarf wird der Arzt oder die Ärztin zusätzliche Untersuchungen von Organen wie Herz, Nieren, Gehirn oder Hormondrüsen veranlassen, um mögliche Grund-, Begleit- oder Folgeerkrankungen festzustellen oder auszuschließen.

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