Die Diagnose einer chronischen Erkrankung wie Morbus Bechterew ist für viele Betroffene und deren Angehörige eine Herausforderung. Fragen über die Lebensqualität, den Alltag und nicht zuletzt die Lebenserwartung stehen plötzlich im Raum. Doch wie stark beeinflusst diese chronisch-entzündliche Erkrankung das Leben?
Das Wichtigste in Kürze
- Bei frühzeitiger Diagnose und konsequenter Behandlung ist die Lebenserwartung bei Morbus Bechterew in der Regel kaum eingeschränkt.
- Begleiterkrankungen, Rauchen, Bewegungsmangel oder mangelnde Therapietreue können den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen.
- Eine Kombination aus medikamentöser Therapie, Bewegung und gesunder Lebensweise verbessert Lebensqualität und Prognose.
- Mit gezielter Bewegung, gesunder Ernährung und regelmäßigen Arztbesuchen lässt sich der Alltag mit Morbus Bechterew gut gestalten.
Wann tritt Morbus Bechterew auf und wer ist betroffen?
Morbus Bechterew ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Wirbelsäule. Sie manifestiert sich oft schleichend, typischerweise zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Rückenschmerzen, die vor allem in Ruhephasen auftreten (z. B. nachts oder frühmorgens), gehören zu den ersten Anzeichen.
Betroffen sind in Deutschland schätzungsweise 350.000 bis 400.000 Menschen, wobei Männer etwa doppelt so häufig an Morbus Bechterew erkranken wie Frauen. Bei Frauen verläuft die Krankheit zudem oft milder, was die Diagnose zusätzlich erschwert.
Gut zu wissen
Die Erkrankung wird nicht selten erst Jahre nach dem Auftreten der ersten Symptome diagnostiziert, da viele Beschwerden zunächst als unspezifische Rückenschmerzen abgetan werden. Ein Selbsttest für Morbus Bechterew kann bei einer frühzeitigen Erkennung helfen.
Wie beeinflusst Morbus Bechterew die Lebenserwartung?
Die Diagnose Morbus Bechterew wirft verständlicherweise viele Fragen auf – auch zur Lebenserwartung. Studien zeigen, dass Menschen mit Morbus Bechterew bei guter medizinischer Versorgung in der Regel eine normale Lebenserwartung haben. Entscheidend dafür ist ein aktives Gesundheitsmanagement – also regelmäßige ärztliche Kontrollen, eine individuell abgestimmte Therapie und ein gesunder Lebensstil.
In seltenen Fällen, bei besonders schweren Verlaufsformen oder wenn zusätzlich innere Organe wie Herz oder Lunge betroffen sind, kann die Erkrankung komplexer verlaufen. Doch auch hier gilt: Frühzeitiges Erkennen und eine enge medizinische Begleitung können entscheidend dazu beitragen, die Lebensqualität langfristig zu erhalten.
Welche Risikofaktoren spielen für die Morbus Bechterew Lebenserwartung eine Rolle?
Obwohl Morbus Bechterew in der Regel keine direkte Auswirkung auf die Lebenserwartung hat, können bestimmte Risikofaktoren indirekt Einfluss nehmen.
Schweregrad der Erkrankung
Der Schweregrad der Erkrankung beeinflusst die Prognose. Schwere Verläufe mit Organbeteiligung (z. B. Herz oder Lunge) oder vollständiger Versteifung der Wirbelsäule können die Lebenserwartung negativ beeinflussen. Leichte Verläufe haben hingegen oft keinen Einfluss auf die Lebenserwartung.
Begleiterkrankungen
Morbus Bechterew kann im Laufe der Zeit mit weiteren gesundheitlichen Problemen einhergehen. Dazu zählen unter anderem
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
- entzündliche Haut- oder
- Darmerkrankungen (wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa),
- Uveitis (eine Entzündung im Auge) sowie
- Osteoporose,
die je nach Ausprägung Einfluss auf die Lebenserwartung haben können. Daher sind frühzeitige Erkennung und Behandlung dieser sogenannten Komorbiditäten sehr wichtig. Mehr zu den Begleiterkrankungen von Morbus Bechterew erfahren Sie in unserem apo.com Magazin.
Therapietreue
Die Therapietreue spielt eine entscheidende Rolle für den Krankheitsverlauf und die Lebenserwartung bei Morbus Bechterew. Patient:innen, die ihre Medikamente regelmäßig einnehmen und ärztliche Empfehlungen befolgen, können die Krankheitsaktivität besser kontrollieren. Eine mangelnde Therapietreue kann hingegen zu einer schlechteren Prognose führen.
Lebensstil
Ein ungesunder Lebensstil kann den Krankheitsverlauf von Morbus Bechterew negativ beeinflussen. Rauchen ist ein bedeutender Risikofaktor, da es die Entzündungsaktivität verstärken und die Wirbelsäulenversteifung beschleunigen kann. Außerdem begünstigt Rauchen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes als Begleiterkrankungen.
Mangelnde Bewegung führt zu einer Verschlechterung der Mobilität und erhöht das Risiko für Begleiterkrankungen wie Osteoporose. Auf der anderen Seite kann ein gesunder Lebensstil die Lebensqualität verbessern und indirekt die Lebenserwartung positiv beeinflussen.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Je früher Morbus Bechterew erkannt wird, desto eher kann mit einer passenden Therapie begonnen werden. Daher geht eine frühzeitige Diagnose mit einer günstigen Prognose einher. Die Behandlung stützt sich im Wesentlichen auf die beiden Säulen medikamentöse Therapie und Physiotherapie.
Tipps für ein langes und aktives Leben mit Morbus Bechterew
Neben der ärztlichen Behandlung kann einiges im Alltag getan werden, um das Krankheitsfortschreiten zu verlangsamen und die Lebensqualität zu verbessern.
Regelmäßige Bewegung
Sportarten wie Schwimmen, Yoga oder gezielte Rückengymnastik fördern die Beweglichkeit und lindern Schmerzen. Besonders wichtig ist Bewegung, die die Wirbelsäule mobilisiert und stabilisiert, wie Nordic Walking oder Mobilisationsübungen.
Mehr Bewegung kann bereits durch kleine Veränderungen in den Alltag integriert werden. Tipps dazu erhalten Sie in unserem Beitrag über mehr Bewegung im Alltag.
Auf das Rauchen verzichten
Rauchen verstärkt Entzündungen und erhöht das Risiko für Begleiterscheinungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ein Rauchstopp verbessert die Prognose. Tipps für eine gelungene Rauchentwöhnung finden Sie in unserem apo.com Magazin.
Gesunde Ernährung
Eine entzündungshemmende Ernährung, wie die mediterrane Kost mit viel Gemüse, Fisch (reich an Omega-3-Fettsäuren) und hochwertigen Ölen, kann Krankheitsschübe reduzieren und die allgemeine Gesundheit fördern.
Entzündungsfördernde Lebensmittel wie z. B. Transfette aus fettigen Fertiggerichten sollten bestmöglich vermieden werden. In unserem apo.com Magazin können Sie sich über die optimale Ernährungsumstellung informieren.
Regelmäßige Arztbesuche
Kontrolluntersuchungen helfen, den Krankheitsverlauf zu überwachen und frühzeitig auf Veränderungen zu reagieren.
Fazit
Morbus Bechterew ist eine chronische Erkrankung, die das Leben der Patient:innen herausfordert, jedoch bei frühzeitiger Diagnose und Behandlung in der Regel keinen Einfluss auf die Lebenserwartung hat. Entscheidend ist ein aktives Gesundheitsmanagement mit regelmäßigen ärztlichen Kontrollen, eine individuell abgestimmte Therapie und ein gesunder Lebensstil.
- Kiltz et al. (2019b). Langfassung zur S3-Leitlinie Axiale Spondyloarthritis inklusive Morbus Bechterew und Frühformen, Update 2019. Zeitschrift für Rheumatologie, 78(S1), 3–64.
- Rudwaleit, M. & Sieper, J. (2004). Diagnose und Frühdiagnose der ankylosierenden Spondylitis (Morbus Bechterew). Zeitschrift für Rheumatologie, 63(3).
- Healey et al. (2012). Patients with well-established ankylosing spondylitis show limited deterioration in a ten-year prospective cohort study. Clinical Rheumatology, 32(1), 67–72. https://doi.org/10.1007/s10067-012-2092-3
- Axiale spondylarthritis – wissen @ AMBOSS. (o. D.). https://www.amboss.com/de/wissen/axiale-spondylarthritis/
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