Für Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen stellt die Ernährung eine der größten Herausforderungen im täglichen Umgang mit ihrer Erkrankung dar – das ergab eine Umfrage der Deutschen Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV). Unverträglichkeiten, Durchfall, Bauchschmerzen sowie das Risiko für Mangelernährung beeinflussen ihren Alltag. Erfahren Sie in diesem Beitrag, welche Rolle die Ernährung bei Morbus Crohn spielt und wie Sie Ihren Speiseplan gezielt anpassen können.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Ernährung spielt im Umgang mit Morbus Crohn eine zentrale Rolle.
- Ernährung bei Morbus Crohn ist individuell und sollte phasenweise angepasst werden.
- Im Schub empfiehlt sich leicht verdauliche Schonkost, in der Remission entzündungshemmende Nahrung.
- Entzündungsfördernde und stark verarbeitete Lebensmittel sollten gemieden werden.
- Eine professionelle Ernährungsberatung, das Führen eines Ernährungstagebuchs und regelmäßige ärztliche Kontrollen sind oft hilfreich.
Warum ist die Ernährung bei Morbus Crohn so wichtig?
Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, bei der die Ernährung
- in der Krankheitsentstehung,
- in der Entzündungsreduktion,
- in der Symptomlinderung und
- in der Vorbeugung und Behandlung von Mangelerscheinungen
eine wichtige Rolle spielt. Eine individuell abgestimmte Ernährung ist daher essenziell für Prävention, Therapie und langfristiges Wohlbefinden.
Ernährung und Krankheitsentstehung
Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, deren Entstehung durch ein Zusammenspiel aus genetischen, immunologischen und Umweltfaktoren beeinflusst wird. Da es sich um eine Erkrankung des Verdauungstrakts handelt, stellt sich die Frage, ob auch die Ernährung ein Krankheitsauslöser sein könnte.
Aktuelle große prospektive Studien, darunter die Nurses’ Health Study I & II und die Health Professionals Follow-up Study mit über 200.000 Teilnehmenden, zeigen, dass eine entzündungsfördernde Ernährungsweise das Risiko für die Entwicklung eines Morbus Crohn signifikant erhöhen kann.
Gut zu wissen
Bei einer prospektiven Studie wird eine Gruppe von Menschen über längere Zeit begleitet. Zu Beginn der Studie ist das überprüfte Ereignis (z. B. eine Krankheit wie Morbus Crohn) noch nicht eingetreten. Die Forscher beobachten und untersuchen die Probanden teilweise über Jahrzehnte hinweg, um herauszufinden, ob bestimmte Faktoren (wie z. B. die Ernährung) das Risiko für dieses Ereignis beeinflussen. So startete beispielsweise die Nurses’ Health Study I bereits 1976 und dauert bis heute an.
Ernährung und Entzündungsreduktion
Grundsätzlich darf alles gegessen werden, was individuell gut vertragen wird. Es gibt keine pauschal erlaubten oder verbotenen Lebensmittel bei Morbus Crohn – die Verträglichkeit ist von Person zu Person sehr unterschiedlich. Wichtig ist daher, auf die eigenen Symptome und Unverträglichkeiten zu achten und die Ernährung entsprechend anzupassen.
Gleichzeitig kann eine gezielte Ernährung dazu beitragen, die Entzündungsaktivität bei Morbus Crohn zu verringern. Besonders während der Remission (beschwerdefreie oder -arme Phase) empfiehlt sich eine entzündungshemmende Ernährung. Diese kann helfen, den nächsten Schub hinauszuzögern und die Symptome zu mildern. Geeignet sind ballaststoffreiche, aber leicht verdauliche Lebensmittel wie
- Hafer,
- Reis,
- gedünstetes Gemüse und
- fermentierte Milchprodukte, die Probiotika enthalten, wie z. B. Naturjoghurt, Buttermilch oder Kefir.
Auch wenn es keine grundsätzlich verbotenen Lebensmittel bei Morbus Crohn gibt, sollten einige entzündungsfördernde Lebensmittel besser gemieden werden. Dazu gehören
- stark verarbeitete Lebensmittel,
- Fertiggerichte,
- gesättigte Fette, wie sie in Wurst, Butter oder Sahne vorkommen,
- frittierte und fettige Speisen sowie
- Alkohol.


Gut zu wissen
Auch Rheuma ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung. Daher spielt eine möglichst entzündungshemmende Ernährung eine große Rolle in der Behandlung. Gleichzeitig sollten entzündungsfördernde Lebensmittel gemieden werden.
Ernährung und Symptomlinderung
Die Ernährung bei Morbus Crohn sollte immer individuell angepasst werden. Während akuter Schübe mit entsprechenden Symptomen sollte die Ernährung möglichst leicht verdaulich und fettarm sein. Ballaststoffe, die den Darm reizen könnten, sollten vorübergehend reduziert werden. Hier eignen sich milde Speisen wie gedünstetes oder püriertes Gemüse, Reis, Kartoffeln, Weißbrot und magere Milchprodukte.
Ernährung und Mangelerscheinungen
Die Entzündung der Darmwand bei Morbus Crohn führt dazu, dass Nährstoffe schlechter aufgenommen werden können. Die Aufnahme von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen wie Eisen, Vitamin B12, Folsäure und Vitamin D ist dadurch deutlich erschwert. Zusätzlich kommt es durch häufige Durchfälle zu einem erhöhten Verlust von Nährstoffen und Flüssigkeit. Auch die Angst vor Beschwerden oder Unverträglichkeiten kann dazu führen, dass Betroffene bestimmte Lebensmittel meiden. Dadurch kann ihre Ernährung einseitig werden, was das Risiko für Mangelerscheinungen weiter erhöht.
Insgesamt entsteht so eine Situation, in der der Körper einerseits einen erhöhten Bedarf an Nährstoffen hat, diese aber andererseits nur unzureichend aufnehmen kann. Das begünstigt Mangelzustände, die sich negativ auf das Wohlbefinden und die Krankheitsprognose auswirken können.
Tipps für Ihre Morbus Crohn Ernährung
Folgende Tipps können Sie gezielt befolgen, um Ihre Ernährung bei Morbus Crohn bestmöglich anzupassen:
- Essen Sie im Schub leicht verdauliche, fettarme Kost wie Reis, Kartoffeln und gedünstetes Gemüse.
- Verteilen Sie Ihre Mahlzeiten auf mehrere kleine Portionen und trinken Sie ausreichend stilles Wasser oder Kräutertees.
- Führen Sie ein Ernährungstagebuch, um Ihre persönlichen Unverträglichkeiten besser zu erkennen.
- Meiden Sie stark verarbeitete Lebensmittel, Fertigprodukte, frittierte und sehr fettige Speisen, Alkohol, Süßigkeiten sowie blähende und schwer verdauliche Gemüse wie Kohl, Zwiebeln und Hülsenfrüchte.
- Achten Sie in beschwerdefreien Zeiten auf eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung.
- Ziehen Sie bei Bedarf eine professionelle Ernährungsberatung hinzu.
- Achten Sie auf eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen, insbesondere Eisen, Vitamin B12, Folsäure und Vitamin D, um Mangelerscheinungen vorzubeugen.
Fazit
Eine individuell angepasste Ernährung spielt bei Morbus Crohn eine zentrale Rolle, da sie die Krankheitsentstehung beeinflussen, Entzündungen reduzieren, Symptome lindern sowie Mangelerscheinungen vorbeugen und behandeln kann. Dabei reagiert nicht jede Person mit Morbus Crohn gleich auf bestimmte Lebensmittel. Daher ist es wichtig, auf den eigenen Körper zu hören und neue Nahrungsmittel schrittweise zu testen. Ziel ist es, eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung zu finden, die Beschwerden reduziert und das Wohlbefinden fördert.
- Sturm et al. (2024). Aktualisierte S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Morbus Crohn“ der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) (Version 4.1) – living guideline. Zeitschrift für Gastroenterologie, 62(08), 1229–1318.
- Morbus Crohn – wissen @ AMBOSS. (o. D.).
- https://www.amboss.com/de/wissen/morbus-crohn/
Verfasst von unserem pharmazeutischen Team

„Pharmazie vereint für mich Wissenschaft und Hilfsbereitschaft. Ich habe mich für diesen Beruf entschieden, weil ich mein wissenschaftliches Interesse gezielt dafür einsetzen möchte, anderen Menschen zu helfen.“
Nawal Thaher ist approbierte Apothekerin und Autorin der apo.com Magazinbeiträge. Mit ihrer pharmazeutischen Expertise stellt sie sicher, dass alle Inhalte wissenschaftlich fundiert und fachlich korrekt aufbereitet sind. Ihr besonderes Anliegen ist es, Menschen mit chronischen Erkrankungen auf Augenhöhe zu begegnen – mit verlässlichen Informationen, Einfühlungsvermögen und dem Anspruch, komplexe Themen verständlich und greifbar zu machen.
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