Ein zu hoher Blutzucker, medizinisch Hyperglykämie genannt, ist das Hauptsymptom eines Diabetes mellitus (umgangssprachlich auch Zuckerkrankheit). Um Folgeerkrankungen zu vermeiden, zielt die Behandlung darauf ab, langfristig stabile Blutzuckerwerte zu erreichen. Doch selbst bei einer optimierten Diabetes-Therapie können gelegentlich Blutzuckerspitzen (kurzzeitig erhöhte Werte des Blutzuckerspiegels) auftreten. In diesem Artikel erfahren Sie, warum es zu erhöhten Blutzuckerspiegeln kommen kann, welche Symptome auf eine Überzuckerung hinweisen können und wie Menschen mit Diabetes mellitus sich in solchen Situationen verhalten sollten. 

Das Wichtigste in Kürze

  • Hyperglykämie oder Überzuckerung ist ein charakteristisches Symptom des Diabetes mellitus, das einen erhöhten Blutzuckerspiegel beschreibt. Dabei liegt der Nüchtern-Glukosewert über 125 mg/dl oder der gelegentliche Wert über 200 mg/dl. 
  • Sie kann durch verschiedene Ursachen wie unzureichendes Insulin, hohe Kohlenhydratzufuhr oder Krankheiten ausgelöst werden.  
  • Symptome sind vermehrter Durst, Müdigkeit und Kopfschmerzen. Bei milden Fällen sollten Betroffene viel trinken und eventuell Korrekturinsulin spritzen.  
  • Bei schweren Fällen über 250 mg/dl ist ärztliche Hilfe notwendig, um lebensbedrohliche Komplikationen zu verhindern.  
  • Regelmäßige ärztliche Kontrollen, Schulungen und eine stabile Blutzuckereinstellung sind wichtig, um Hyperglykämien zu vermeiden. 

Definition: Was ist eine Hyperglykämie?

Hyperglykämie (hyper = zu viel, glyk = Zucker, ämie = Blut) ist der medizinische Fachbegriff für einen erhöhten Blutzuckerspiegel und ein typisches Symptom von Diabetes mellitus, bei dem die körpereigene Regulation des Blutzuckers gestört ist.  

Ab welchem Blutzuckerwert eine Hyperglykämie oder Überzuckerung vorliegt, variiert bei Menschen mit Diabetes mellitus je nach den individuell definierten Zielwerten. In der Regel gelten folgende Blutzuckerwerte als zu hoch: 

  • Nüchtern-Glukosewert von mehr als 125 mg/dl (7 mmol/l) 
  • Gelegenheits-Glukosewert (nicht nüchtern) von mehr als 200 mg/dl (11,1 mmol/l) 

Bitte beachten Sie, dass diese Werte allgemeine Richtlinien sind und individuell mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin besprochen werden sollten. 

Obwohl eine leichte Überschreitung der persönlich festgelegten Blutzuckerwerte in der Regel nicht unmittelbar gefährlich ist, können langfristig anhaltend erhöhte Blutzuckerwerte Folgeerkrankungen begünstigen. Daher ist es wichtig, dass Menschen mit Diabetes mellitus häufige Hyperglykämien vermeiden. Ein Indikator für einen chronisch erhöhten Blutzuckerspiegel ist der HbA1c-Wert, der langfristige Informationen über den Blutzuckerstatus liefert. 

Gut zu wissen

Bei einem Blutzuckerspiegel von über 250 mg/dl (13,9 mmol/l) spricht man von einer schweren akuten Hyperglykämie. Solch hohe Zuckerwerte können zu medizinischen Komplikationen führen und erfordern daher eine schnelle Intervention. 

Welche Symptome ruft eine Überzuckerung hervor? 

Erhöhte Blutzuckerwerte können sowohl spürbare Beschwerden verursachen als auch unbemerkt bleiben. Um sicherzustellen, dass hohe Blutzuckerwerte erkannt werden, sollten Menschen mit Diabetes mellitus regelmäßig ihren Blutzucker messen. Deutliche Symptome treten normalerweise bei stark erhöhten Blutzuckerwerten auf und können unterschiedlich ausgeprägt sein. Es ist wichtig, aufmerksam zu sein und bei auftretenden Symptomen angemessen zu handeln. 

Mögliche Symptome einer milden Hyperglykämie

Die Ausprägung der Symptome bei einer milden Überzuckerung variiert von Person zu Person und ist nicht immer eindeutig erkennbar. Besonders wenn sich die Hyperglykämie schleichend entwickelt, kann es schwierig sein, sie zu bemerken. Es gibt jedoch mögliche Warnsignale, auf die Sie achten sollten, um eine Überzuckerung in Betracht zu ziehen. Zu diesen Symptomen gehören:

  • starker Durst 
  • vermehrter Harndrang 
  • Mundtrockenheit 
  • trockene Haut 
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit 
  • Kopfschmerzen 
  • Sehstörungen (z. B. verschwommenes Sehen) 

Einige dieser Symptome könnten Menschen mit Diabetes mellitus bekannt vorkommen, insbesondere aus der Zeit vor der Diagnosestellung der Erkrankung. 

Symptome einer schweren Hyperglykämie

Bei einer starken Hyperglykämie können erhebliche gesundheitliche Probleme auftreten, noch bevor Symptome erkennbar werden. In solchen Fällen steigen die Blutzuckerwerte stark an, was zu einem gesteigerten Flüssigkeitsverlust und dem Verlust wichtiger Mineralstoffe wie Kalium und Magnesium führen kann. 

Insbesondere bei Menschen mit Typ-1-Diabetes besteht die Herausforderung, dass aufgrund des Insulinmangels der Blutzuckerspiegel stark ansteigen kann, während kein Zucker mehr in die Körperzellen gelangt. Um Energie zu gewinnen, baut der Körper Fettreserven ab, was zur Bildung von Ketonkörpern führt. Ein übermäßiger Anstieg dieser Ketonkörper kann zu einer Übersäuerung des Blutes führen, was als diabetische Ketoazidose bezeichnet wird. Dieser Zustand erfordert eine sofortige medizinische Hilfe. 

Zusätzlich zu den typischen Symptomen der Überzuckerung sind folgende Beschwerden möglich: 

  •  süßlicher, teils fruchtiger Geruch der Ausatemluft (da Ketonkörpern teilweise über die Atemwege ausgeschieden werden) 
  •  schnelle, tiefe und unregelmäßige Atmung (um den überschüssigen Säuregehalt im Blut zu reduzieren) 
  • Muskelschmerzen oder Muskelkrämpfe 
  • Bauchschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen 
  • Verwirrung und Bewusstseinsveränderungen 
  • Bewusstlosigkeit bis hin zum diabetischen Koma 

Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes kommt es nur selten zur diabetischen Ketoazidose, weil der Körper meist noch in Restmengen Insulin produziert. Eine schwere Überzuckerung kann aber dennoch zu einer Entgleisung des Stoffwechsels führen, die man hyperosmolares Syndrom nennt.  In einigen Fällen können stark erhöhte Blutzuckerwerte von über 600 mg/dl (33,3 mmol/l) auftreten, was zu einem erheblichen Flüssigkeitsverlust führen kann. Es können folgende Anzeichen auftreten: 

  • starker Durst 
  • vermehrter Harndrang 
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit 
  • Muskelschmerzen oder Muskelkrämpfe 
  • Sehstörungen 
  • Herzrasen 
  • niedriger Blutdruck 
  • Schwindelgefühl 

Ohne Behandlung besteht die Gefahr eines hyperosmolaren Komas, das wie das ketoazidotische Koma einen medizinischen Notfall darstellt.

Mögliche Ursachen: Wie kommt es zu einer Hyperglykämie?

Die Ursache für eine Hyperglykämie bei Diabetes mellitus liegt im Allgemeinen in einem Insulinmangel. Insulin ist ein körpereigenes Hormon, das benötigt wird, um Zucker (Glukose) aus dem Blut in die Körperzellen zu transportieren. Wenn nicht genügend Insulin im Verhältnis zur Glukosemenge vorhanden ist oder die Körperzellen nicht richtig auf das Insulin reagieren, steigt der Blutzuckerspiegel stark an. Durch eine Insulintherapie kann der Mangel an körpereigenem Insulin jedoch ausgeglichen werden. 

Dennoch kann es gelegentlich bei Menschen mit Diabetes mellitus zu einer Hyperglykämie kommen, selbst wenn der Blutzucker normalerweise gut kontrolliert ist. Mögliche Auslöser sind: 

  • Zu viele Kohlenhydrate: Der Verzehr von zu vielen Kohlenhydraten, sei es durch reichhaltige Mahlzeiten, süße Snacks oder stark zuckerhaltige Getränke, kann den Blutzuckerspiegel erhöhen. 

  • Zu geringe Insulindosis: Möglicherweise wurde der Kohlenhydratanteil einer Mahlzeit zu gering eingeschätzt, eine Insulindosis vergessen oder falsch berechnet. 

  • Fehlerhaftes Material: Wenn Defekte an Insulinpens oder Insulinpumpen, wie beispielsweise eine verstopfte Kanüle, unbemerkt bleiben, kann dies zu einem Insulinmangel und somit zu einer Überzuckerung führen. Darüber hinaus kann auch das Insulin selbst unwirksam werden, wenn es falsch gelagert wird oder das Verfallsdatum überschritten ist. 

  • Probleme an der Injektionsstelle: Bei Gewebeverhärtungen an der Injektionsstelle kann der Körper das Insulin oft nicht richtig aufnehmen. Wer regelmäßig Insulin spritzt, sollte die Injektionsstelle daher nach einem festgelegten Schema wechseln. 

  • Krankheiten oder Stress: Fieberhafte Infekte, Entzündungen oder Schmerzen können den Insulinbedarf kurzfristig erhöhen, weil die ausgeschütteten Stresshormone blutzuckersteigernd wirken. Dasselbe passiert oft in psychischen Stresssituationen.

  • Erhöhter Insulinbedarf: Der Insulinbedarf kann sich auch schleichend erhöhen – beispielsweise bei einer Gewichtszunahme oder wenn die körpereigene Insulinproduktion langsam nachlässt. Dadurch steigt das Risiko für Hyperglykämien. 

  • Medikamente: Bestimmte Medikamente (z. B. Glukokortikoide) beeinflussen den Zuckerstoffwechsel und können als mögliche Nebenwirkung Hyperglykämien begünstigen.

Verhalten bei milder Hyperglykämie 

Bei milden Hyperglykämien – Richtwert:  zwischen 180 und 240 mg/dl (10 und 13,3 mmol/l) – ohne ausgeprägte Beschwerden sollten Sie zunächst versuchen, den Blutzucker selbstständig zu korrigieren. Falls ärztlich nicht anders verordnet, erfolgt dies durch das Spritzen von Korrekturinsulin. Die erforderliche Dosis richtet sich nach dem individuellen Behandlungsplan. Verwenden Sie dazu am besten eine neue Insulinampulle, prüfen Sie Insulinpens oder Insulinpumpen auf mögliche Defekte und tauschen Sie das Set im Zweifelsfall aus.  

Um einem Flüssigkeitsverlust vorzubeugen, sollten Sie viel trinken – am besten Wasser oder ungesüßten Tee.  Es ist ratsam, regelmäßig den Blutzucker zu überwachen und bei anhaltend erhöhten Werten oder Unsicherheit ärztlichen Rat einzuholen. 

Sofortmaßnahmen bei schwerer Hypoglykämie

Bei Blutzuckerwerten von 250 mg/dl (13,9 mmol/l) oder höher besteht das Risiko von Komplikationen wie einer diabetischen Ketoazidose. Daher ist es in solchen Situationen wichtig, einen Test auf Ketonkörper durchzuführen. Dies kann mit speziellen Urin- oder Blutketon-Teststreifen erfolgen, die auf ärztliche Verordnung für Menschen mit Diabetes erhältlich sind. Diese Teststreifen helfen dabei, das Vorhandensein von Ketonkörpern im Körper zu überprüfen und gegebenenfalls weitere medizinische Maßnahmen einzuleiten. 

Fällt der Test auf Ketonkörper negativ aus, dann sind die gleichen Maßnahmen wie bei einer milden Hyperglykämie erforderlich: Der Blutzucker muss umgehend gesenkt werden, was normalerweise mithilfe von Korrekturinsulin erfolgt. Vergewissern Sie sich, dass die verwendeten Insulinpens oder Insulinpumpen intakt sind, und trinken Sie reichlich ungesüßte Flüssigkeit.  

Sollte der Test auf Ketonkörper positiv ausfallen, ist es wichtig, sofort zu handeln. Es ist ratsam, die erforderlichen Maßnahmen im Voraus mit dem behandelnden Arzt oder der Ärztin zu besprechen. In der Regel ist eine erhöhte Dosis an Korrekturinsulin erforderlich. Zudem sollten Sie ausreichend ungesüßte Flüssigkeit trinken, körperliche Aktivitäten minimieren und darauf achten, nicht einzuschlafen. Nach Möglichkeit sollten andere Menschen anwesend sein, um im Notfall eingreifen zu können. 

Wenn die Blutzucker- und Ketonwerte über einen bestimmten Zeitraum hinweg nicht sinken oder sogar ansteigen, ist es wichtig, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auch bei starken Symptomen wie Erbrechen, Schläfrigkeit oder Verwirrtheit sollte umgehend eine Arztpraxis kontaktiert oder der Rettungsdienst gerufen werden. Es handelt sich um potenziell ernste Anzeichen, die auf eine unkontrollierte Stoffwechsellage hinweisen können und eine sofortige medizinische Hilfe erfordern, um Komplikationen zu vermeiden. 

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Wie lässt sich Hyperglykämien vorbeugen? 

Die wichtigste Maßnahme, um Überzuckerungen zu vermeiden, ist eine gute und stabile Einstellung der Blutzuckerwerte. Den richtigen Umgang mit Medikamenten und Insulin können Menschen mit Diabetes mellitus im Rahmen von Schulungen erlernen und einüben. Dabei sollte auch das Verhalten in speziellen Situationen wie beispielsweise bei Krankheit besprochen werden.  

Für Menschen mit Diabetes mellitus sind regelmäßige ärztliche Kontrollen von großer Bedeutung. Im Laufe der Zeit kann sich der Bedarf an Medikamenten oder Insulin verändern, was eine Anpassung des individuellen Therapieplans erforderlich macht. Durch diese regelmäßigen Untersuchungen und Anpassungen kann die Behandlung optimal auf die Bedürfnisse und den aktuellen Zustand des Patienten abgestimmt werden, um eine gute Blutzuckerkontrolle und eine bestmögliche Gesundheit zu gewährleisten. 

Wichtiger Hinweis: Unsere Artikel und Grafiken werden von unserem Expertenteam für chronische Erkrankungen überprüft. Grundlage sind stets seriöse Quellen, wissenschaftliche Artikel, Leitlinien und ärztliche Aussagen. Die Inhalte werden in regelmäßigen Abständen aktualisiert und dienen weder der Selbstdiagnose noch ersetzen sie einen Arztbesuch.

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