Haben Sie ständige Rückenschmerzen, die sich im Liegen verschlimmern und morgens mit Steifheit beginnen? Viele schieben diese Beschwerden zunächst auf eine schlechte Körperhaltung, Bewegungsmangel oder Stress. Doch hinter den Symptomen könnte eine entzündlich-rheumatische Erkrankung stecken – Morbus Bechterew. Selbsttests können erste Hinweise liefern und dabei helfen, Beschwerden besser einzuordnen.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Morbus Bechterew Selbsttest kann helfen, typische Symptome frühzeitig zu erkennen.
- Der Selbsttest besteht aus einem Fragenkatalog, der charakteristische Beschwerden der Erkrankung erfasst.
- Abgefragt werden unter anderem Alter, Schmerzverlauf, Beweglichkeit, Medikamentenwirkung und familiäre Vorbelastung.
- Bei verdächtigem Selbsttestergebnis sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.
- Wenn der Verdacht bestätigt ist, wird eine Therapie eingeleitet. Diese umfasst medikamentöse Maßnahmen und Physiotherapie
Was ist Morbus Bechterew überhaupt?
Morbus Bechterew ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des Bewegungsapparates, die vor allem die Wirbelsäule betrifft. Typisch sind tiefliegende Rückenschmerzen, insbesondere im unteren Rückenbereich, die oft bereits in jungen Jahren beginnen. Weil Morbus Bechterew häufig spät erkannt wird, wissen viele Menschen lange nicht, dass ihre Beschwerden mit dieser Erkrankung zusammenhängen.
Gut zu wissen
Morbus Bechterew kann auch andere Organe wie die Augen, die Haut und den Magen-Darm-Trakt betreffen. Weiteres erfahren sie in unserem Beitrag über die Begleiterkrankungen von Morbus Bechterew.
Wie funktioniert ein Morbus Bechterew Selbsttest?
Ein Selbsttest dient dazu, typische Symptome von Morbus Bechterew zu erkennen. Er besteht aus einem Katalog mit gezielten Fragen zur Art, Dauer und dem Verlauf der Beschwerden und wird von zahlreichen Anbietern online zur Verfügung gestellt.
Folgende Aspekte werden im Morbus Bechterew Selbsttest abgefragt:
| Kriterium | Frage |
|---|---|
| Alter | Sind Sie unter 45 Jahre alt? |
| Dauer der Schmerzen | Haben Sie seit mindestens 3 Monaten Rückenschmerzen? |
| Schmerzverlauf | Sind Ihre Schmerzen schleichend stärker geworden? |
| Bewegung | Bessern sich Ihre Schmerzen bei Bewegung? |
| Ruhe | Werden Ihre Schmerzen durch Ruhe nicht besser? |
| Morgensteifigkeit | Besteht morgens eine Steifigkeit im Rücken von 30 Minuten oder länger? |
| Tageszeit | Haben Sie vor allem nachts Schmerzen? |
| Schlaf | Wachen Sie durch die Rückenschmerzen häufiger auf, vor allem in der zweiten Nachthälfte? |
| Medikamentenwirkung | Haben Sie schonmal ein nichtsteroidales Antirheumatikum wie Ibuprofen oder Diclofenac gegen die Rückenschmerzen eingenommen und wurden die Schmerzen dadurch besser? |
| Begleiterkrankungen | Litten Sie schon Mal oder leiden Sie unter einer Regenbogenhautentzündung (Uveitis), einer Schuppenflechte (Psoriasis) oder einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa)? |
| Familienanamnese | Gibt es in Ihrer Familie Fälle von Morbus Bechterew oder oben genannten Begleiterkrankungen? |
Wenn mehrere dieser Fragen mit „Ja“ beantwortet werden, kann das auf Morbus Bechterew hindeuten – eine ärztliche Abklärung ist dann dringend empfohlen.
Was tun bei einem auffälligen Ergebnis?
Bei einem positiven Selbsttest sollte der nächste Schritt eine ärztliche Abklärung sein. Denn gerade Morbus Bechterew wird häufig erst nach vielen Jahren erkannt. Zur Diagnosestellung werden
- Anamnese,
- körperliche Untersuchungen,
- bildgebende Verfahren (z. B. MRT, CT und Röntgen) und
- Blutuntersuchungen
durchgeführt. Ausführliche Informationen hierzu erhalten Sie in unserem Magazinbeitrag über die Diagnostik von Morbus Bechterew.
Morbus Bechterew bestätigt – Was nun?
Je früher Morbus Bechterew erkannt wird, desto eher kann mit einer passenden Therapie begonnen werden. Ziel ist es, die Entzündung zu kontrollieren, Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zu erhalten.
Medikamentöse Therapie
In der Regel wird Morbus Bechterew mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) behandelt, die Schmerzen lindern und Entzündungen hemmen. Dazu gehören z. B. Ibuprofen und Diclofenac. Bei schweren Entzündungen können auch Biologika zum Einsatz kommen. Beispiele hierfür sind Adalimumab und Etanercept. Diese Wirkstoffe richten sich gegen den entzündungsfördernden Botenstoff Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-α), der bei Morbus Bechterew überaktiv ist. So greifen sie aktiv ins Entzündungsgeschehen ein und können den Krankheitsverlauf beeinflussen.
Gut zu wissen
Biologika sind spezielle Medikamente, die bei Autoimmunerkrankungen eingesetzt werden, um das fehlgeleitete Immunsystem gezielt zu regulieren. Sie bestehen aus gentechnisch hergestellten Eiweißen (z. B. Antikörpern) und greifen sehr spezifisch in das Immungeschehen ein – zum Beispiel, indem sie entzündungsfördernde Botenstoffe wie TNF-α oder bestimmte überaktive Immunzellen blockieren. Dadurch können sie Entzündungen reduzieren, Krankheitsschübe verhindern und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. In der Regel werden sie als Injektion oder Infusion verabreicht und müssen durchgängig kühl gelagert werden.
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Physiotherapie
Morbus Bechterew zeichnet sich durch eine Besserung der Schmerzen durch Bewegung aus. Deswegen spielt regelmäßige Bewegung und Physiotherapie eine zentrale Rolle in der Behandlung. Durch sie kann die Beweglichkeit der Wirbelsäule und anderer betroffener Gelenke erhalten, die Rückenmuskulatur gestärkt und die Körperhaltung korrigiert werden. Geeignete Sportarten sind z. B. Gymnastik, Schwimmen oder Radfahren. Auch im alltäglichen Leben kann schon viel getan werden, um die eigene Beweglichkeit zu verbessern. Daher finden Sie in unserem Magazin zwölf Tipps für mehr Bewegung im Alltag.
Fazit
Insbesondere bei anhaltenden Rückenschmerzen mit typischen Merkmalen wie Morgensteifigkeit oder nächtlichem Schmerz kann der Morbus Bechterew Selbsttest helfen, die Beschwerden besser einzuordnen. Ein auffälliges Testergebnis ersetzt keine ärztliche Diagnose, sollte aber als Anlass genommen werden, medizinischen Rat einzuholen. Durch frühzeitige Abklärung und Behandlung lässt sich der Krankheitsverlauf positiv beeinflussen und die Lebensqualität deutlich verbessern.
- Kiltz et al. (2019b). Langfassung zur S3-Leitlinie Axiale Spondyloarthritis inklusive Morbus Bechterew und Frühformen, Update 2019. Zeitschrift für Rheumatologie, 78(S1), 3–64.
- Rudwaleit, M. & Sieper, J. (2004). Diagnose und Frühdiagnose der ankylosierenden Spondylitis (Morbus Bechterew). Zeitschrift für Rheumatologie, 63(3).
- Online Bechterew-Check der Charité – Universitätsmedizin Berlin https://www.bechterew-check.de/
- Axiale spondylarthritis – wissen @ AMBOSS. (o. D.). https://www.amboss.com/de/wissen/axiale-spondylarthritis/
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![2[1] Sofia Westermann, pharmazeutische Expertin](https://www.apo.com/magazin/wp-content/uploads/2024/05/21-2-1024x1024.jpg)
„Die Pharmazie ist eine faszinierende Wissenschaft. Ein ganz wichtiger Grund für mich, Apothekerin zu werden, war es, dass ich damit anderen Menschen helfen kann.“
Für Apothekerin Sophia Westermann ist Pharmazie nicht nur ein Beruf, sondern eine Passion. Menschen mit ihrem Wissen zu unterstützen, hat für sie oberste Priorität. Als pharmazeutische Expertin garantiert sie daher die Richtigkeit der Inhalte im apo Magazin und prüft diese vor einem wissenschaftlichen Hintergrund.
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