Viele Menschen mit Multipler Sklerose (MS) suchen nach Möglichkeiten, selbst aktiv den Verlauf ihrer Erkrankung positiv zu beeinflussen. Eine ausgewogene Ernährung ist allgemein dafür bekannt, die Gesundheit zu fördern. Doch wie wirkt sie sich bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose aus? Bestimmte Nährstoffe und entzündungshemmende Lebensmittel könnten tatsächlich den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen und gewisse Symptome lindern. Erfahren Sie hier, wie eine bewusste Ernährung bei MS Patient:innen unterstützen kann, welche Lebensmittel gemieden oder bevorzugt werden sollten, und erhalten Sie wertvolle Tipps für den Alltag.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine gesunde, ausgewogene Ernährung kann den Krankheitsverlauf bei MS positiv beeinflussen.
- Bestimmte entzündungshemmende Lebensmittel wie Gemüse, fettreicher Fisch und ungesättigte Öle unterstützen die Gesundheit.
- Gesättigte Fette und Transfette sollten in Maßen konsumiert werden, da sie Entzündungen begünstigen können.
- Wichtige Nährstoffe wie Vitamin D sind für Menschen mit MS besonders relevant.
- Eine bewusste Ernährung kann helfen, MS-Symptome wie Fatigue zu lindern und Ihr Wohlbefinden zu unterstützen.
Wie wirkt sich die Ernährung auf MS aus?
Die Ernährung gewinnt zunehmend mehr Aufmerksamkeit im Zusammenhang mit Multipler Sklerose. Zwar gibt es bislang keine spezielle Diät, die MS heilen oder das Fortschreiten der Krankheit aufhalten kann. Aktuelle Studien zeigen jedoch, dass eine bewusste Ernährung den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen kann.
Warum ist das so? MS ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS). Einige Lebensmittel fördern Entzündungen, während andere diese hemmen. Je nach Auswahl der Nahrungsmittel können Entzündungsprozesse im Körper möglicherweise verstärkt oder gemildert werden. Somit kann die Ernährung durchaus einen Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben.
Zudem kann eine gesunde, ausgewogene Ernährung dabei helfen, MS-bedingte Begleiterkrankungen wie Übergewicht oder Blasen- und Darmprobleme zu vermeiden oder besser zu kontrollieren.
Gut zu wissen
Aktuelle Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass der Darm und das Gehirn stark miteinander vernetzt sind und in ständiger Wechselwirkung stehen. Es wird vermutet, dass bestimmte im Darm gebildete Stoffwechselprodukte eine bedeutende Rolle für die Funktion des Immunsystems spielen. Dies ist bei MS besonders relevant, da das Immunsystem irrtümlicherweise das Nervensystem angreift. Derzeit wird intensiv untersucht, ob Probiotika (gesunde Darmbakterien) und Präbiotika (Nährstoffe für gesunde Darmbakterien) den Krankheitsverlauf von MS beeinflussen können.
Welche Rolle spielen entzündungshemmende Lebensmittel bei MS?
Bestimmte Nahrungsmittel besitzen nachweislich entzündungshemmende Eigenschaften. Diese sollten Sie regelmäßig in Ihren Speiseplan integrieren, um Ihre Gesundheit zu unterstützen:
- Gemüse und Obst: Brokkoli, Spinat, rote Beeren und Zwiebeln sind reich an Antioxidantien, die das Immunsystem stärken.
- Fettreiche Fische: Lachs, Makrele und Sardinen liefern wertvolle Omega-3-Fettsäuren, die entzündungshemmend wirken.
- Gesunde Öle: Oliven-, Raps- und Leinöl enthalten ungesättigte Fettsäuren, die helfen, Entzündungen zu bekämpfen.
- Nüsse und Samen: Mandeln, Walnüsse und Chiasamen sind reich an Nährstoffen und unterstützen die Zellgesundheit.
- Hülsenfrüchte: Linsen, Kichererbsen und Bohnen liefern wichtige Ballaststoffe und pflanzliches Eiweiß.
- Gewürze: Kurkuma und Ingwer wirken nachweislich entzündungshemmend und sollten daher in Ihrer Küche nicht fehlen.
Gut zu wissen
Fette spielen eine zentrale Rolle für die Funktion von Zellen und Nerven. Besonders ungesättigte Fette, wie sie in Fisch, Nüssen und gesunden Ölen vorkommen, unterstützen die Gesundheit und wirken entzündungshemmend. Gesättigte Fette, vor allem in Fleisch, und Transfette, die z. B in verarbeiteten Lebensmitteln enthalten sind, sollten nur in Maßen verzehrt werden, da sie Entzündungen fördern können.
Lebensmittel, die Sie bei MS reduzieren sollten
Einige Nahrungsmittel können Entzündungen im Körper begünstigen und sollten nur in Maßen konsumiert werden:
- Verarbeitete Fleischprodukte: Wurstwaren und Speck enthalten oft eine Vielzahl an gesättigten Fettsäuren, die Entzündungen fördern können.
- Weißmehlprodukte und raffinierter Zucker: Diese Lebensmittel können den Blutzuckerspiegel stark schwanken lassen und entzündliche Prozesse begünstigen.
- Transfette und raffinierte Öle: Margarine und Sonnenblumenöl enthalten gesättigte Fettsäuren, die Entzündungen verstärken.
- Herzhafte Snacks und Fast Food: Diese enthalten häufig hohe Mengen an Salz und Transfetten.
Wichtige Nährstoffe für Menschen mit MS
Eine ausgewogene Nährstoffversorgung ist für alle Menschen wichtig, aber bei MS haben einige Vitamine und Mineralstoffe eine besondere Bedeutung:
- Vitamin D: Dieses Vitamin ist unerlässlich für die Gesundheit Ihrer Knochen und Ihr Immunsystem. Lassen Sie regelmäßig Ihren Vitamin-D-Spiegel überprüfen, um einen Mangel zu vermeiden.
- Vitamin B12: Dieses Vitamin unterstützt die Regeneration von Nervenzellen und trägt zur normalen Funktion des Nervensystems bei.
- Magnesium: Ein wichtiger Mineralstoff für die Muskelfunktion ist Magnesium – insbesondere zur Vorbeugung von Krämpfen.
- Calzium: Bei Menschen mit MS ist eine ausreichende Calziumzufuhr besonders wichtig, um die Knochengesundheit zu erhalten.
Wichtig: Besprechen Sie Änderungen in Ihrer Ernährung oder die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln immer mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.
Neben alltäglichen Lebensmitteln gibt es auch sogenannte Superfoods, die durch ihren hohen Gehalt an Nährstoffen besonders wertvoll sind. Dazu zählen beispielsweise Goji- oder Acaibeeren, Chiasamen, Sanddorn und Leinsamen. Diese können im Rahmen einer entzündungshemmenden Ernährung bei MS unterstützend wirken. Es ist ratsam, sich hierzu mit einer Ernährungsberatung abzustimmen. In unserer Online-Apotheke finden Sie eine große Auswahl an Superfoods, die Sie bequem von zu Hause aus bestellen können.
Ernährungstipps bei Fatigue
Fatigue, eine schwere und oft belastende Erschöpfung, betrifft viele Menschen mit MS. Mit der richtigen Ernährung können Sie Ihre Energielevel stabilisieren und Ihre Lebensqualität steigern. Achten Sie daher auf folgende Tipps:
Kleine, regelmäßige Mahlzeiten einplanen: Anstatt große Mahlzeiten zu sich zu nehmen, hilft es, über den Tag mehrere kleine Mahlzeiten zu essen. Dies sorgt dafür, dass der Blutzuckerspiegel konstant bleibt und verhindert starke Schwankungen, die zu Erschöpfung führen können. Versuchen Sie, alle 2 bis 3 Stunden eine kleine, ausgewogene Mahlzeit oder einen Snack zu sich zu nehmen, um den Energiehaushalt stabil zu halten.
Vollkornprodukte bevorzugen: Lebensmittel wie Vollkornbrot, Haferflocken oder Quinoa sind reich an komplexen Kohlenhydraten, die langsam verdaut werden und so eine langanhaltende Energiequelle darstellen. Im Gegensatz zu einfachen Kohlenhydraten, wie sie in Weißmehl oder Zucker vorkommen, verhindern Vollkornprodukte plötzliche Blutzuckerschwankungen, die häufig zu Müdigkeit führen.
Proteine und gesunde Fette integrieren: Proteinreiche Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Nüsse, Eier oder mageres Fleisch sind wichtig für den Muskelaufbau und fördern die langfristige Energiebereitstellung. Gesunde Fette, wie sie in Avocados, Nüssen, Samen oder Olivenöl vorkommen, unterstützen zusätzlich das Sättigungsgefühl und versorgen den Körper über längere Zeit mit Energie. Diese Kombination hält Sie nicht nur länger satt, sondern sorgt auch dafür, dass der Blutzucker nicht plötzlich abfällt.
Ausreichend Flüssigkeit trinken: Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist essenziell für das Wohlbefinden und das Energielevel. Trinken Sie täglich mindestens 2 Liter Wasser oder ungesüßten Tee, um eine Dehydration zu vermeiden, die oft als Ursache für Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten gilt. Bei körperlicher Aktivität oder warmem Wetter kann der Flüssigkeitsbedarf sogar noch höher sein. Achten Sie darauf, regelmäßig über den Tag verteilt zu trinken, anstatt große Mengen auf einmal.
Praktische Tipps zur Umsetzung
Es kann herausfordernd sein, neue Ernährungsempfehlungen im Alltag umzusetzen – insbesondere, wenn Sie bereits tagtäglich mit den Symptomen von MS konfrontiert werden. Eine ausgewogene und auf Sie abgestimmte Ernährung kann jedoch einen positiven Einfluss auf Ihre Gesundheit und Ihr Wohlbefinden haben. Hier sind einige einfache und praktische Tipps, die Ihnen dabei helfen können, die Empfehlungen Schritt für Schritt in Ihren Alltag zu integrieren:
Setzen Sie auf eine pflanzenbasierte Ernährung mit viel Obst und Gemüse. Versuchen Sie, Ihre Mahlzeiten bunt zu gestalten und jeden Tag eine Vielzahl an Gemüsesorten zu integrieren – von Blattgemüse wie Spinat bis hin zu Karotten und Paprika.
Ersetzen Sie Fleisch durch fettreiche Fischsorten wie Lachs oder Makrele. Ein bis zwei Fischmahlzeiten pro Woche reichen bereits aus, um von den gesundheitlichen Vorteilen zu profitieren. Lachs, Makrele oder Hering lassen sich leicht in den Speiseplan einbauen, sei es in einer Quinoa-Pfanne oder als leichtes Abendessen.
Entscheiden Sie sich für fettarme Milchprodukte oder Pflanzenmilch. Anstatt vollständig auf Milch oder Milchprodukte zu verzichten, setzen Sie auf gesündere Alternativen. Achten Sie darauf, dass pflanzliche Alternativen mit Vitamin D und Kalzium angereichert sind.
Verwenden Sie gesunde Öle wie Oliven- oder Leinöl. Nutzen Sie diese Öle nicht nur zum Braten, sondern auch für Salatdressings oder als Topping auf gedünstetem Gemüse, um den vollen gesundheitlichen Nutzen zu erhalten.
Integrieren Sie Hülsenfrüchte als wertvolle Proteinquelle in Ihre Mahlzeiten. Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen und Bohnen sind nicht nur reich an Ballaststoffen, sondern auch eine hervorragende pflanzliche Eiweißquelle. Sie fördern eine langanhaltende Sättigung und unterstützen die Verdauung. Sie können sie ganz einfach in Suppen, Eintöpfen oder als Beilage zu Ihren Hauptgerichten verwenden.
Ein beispielhafter Speiseplan für den Tag kann folgendes sein:
Frühstück: Starten Sie den Tag mit einer Scheibe Vollkornbrot, belegt mit cremiger Avocado und frischen Tomatenscheiben. Dieses Frühstück ist reich an Ballaststoffen und gesunden Fetten und hält Sie lange satt.
Snack: Ein Obstsalat mit Beeren (z. B. Heidelbeeren, Himbeeren) und einer Handvoll Nüsse ist der perfekte Snack für Zwischendurch. Beeren enthalten Antioxidantien, die das Immunsystem unterstützen, und Nüsse liefern gesunde Fette und Eiweiß.
Mittagessen: Eine Quinoa-Gemüse-Pfanne mit Lachs ist eine ausgewogene, nährstoffreiche Mahlzeit. Quinoa liefert komplexe Kohlenhydrate und pflanzliches Eiweiß, während der Lachs wertvolle Omega-3-Fettsäuren beisteuert. Kombinieren Sie das Ganze mit gedünstetem Gemüse wie Brokkoli oder Paprika für zusätzlichen Geschmack und Nährstoffe.
Nachmittags-Snack: Knabbern Sie zwischendurch an Gemüsesticks (z. B. Karotten, Gurken, Paprika) mit Hummus. Der Hummus liefert wertvolles Eiweiß und gesunde Fette aus Kichererbsen und Olivenöl, während das Gemüse für eine Extraportion Vitamine und Ballaststoffe sorgt.
Abendessen: Ein gemischter Salat mit Hühnchenstreifen, frischem Gemüse und einem Dressing aus Olivenöl und Zitronensaft bildet einen leichten, aber sättigenden Abschluss des Tages. Verwenden Sie Blattgemüse, Gurken, Tomaten und vielleicht etwas Avocado, um den Salat zu einem ausgewogenen Abendessen zu machen.
Fazit: Mit der richtigen Ernährung zu einer höheren Lebensqualität
Eine gesunde und ausgewogene Ernährung kann einen positiven Einfluss auf Ihre Gesundheit und den Verlauf der MS haben. Neben einer pflanzenbetonten Kost und gesunden Fetten spielen auch tägliche Bewegung, ein gutes Stressmanagement und der Verzicht auf Rauchen eine wichtige Rolle, um Ihren Körper bestmöglich zu unterstützen. Indem Sie auf Ihr Gewicht achten und bewusst auf diese Faktoren Einfluss nehmen, fördern Sie Ihr Wohlbefinden. Kleine Veränderungen im Lebensstil können große Wirkungen haben.
- https://register.awmf.org/assets/guidelines/030-050l_S2k_Diagnose-Therapie-Multiple-Sklerose-Neuromyelitis-Optica-Spektrum-MOG-IgG-assoziierte-Erkrankungen_2024-01.pdf
- https://www.dge.de/fileadmin/dok/gesunde-ernaehrung/ernaehrungsempfehlung/10-regeln/10-Regeln-der-DGE.pdf
- https://www.netdoktor.de/ernaehrung/lebensmittel/entzuendungshemmende-lebensmittel/
- https://www.meinalltagmitms.de/leben-mit-ms/ernaehrung/
- https://www.multiplesklerose.ch/de/leben-mit-ms/gesundheitstipps/ernaehrung/
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