Schmerzen, Steifheit und Schwellungen in den Fingern – Rheuma kann die Funktion der Hände spürbar einschränken. Doch es gibt Möglichkeiten, Beschwerden zu lindern. Erfahren Sie in diesem Beitrag, wie sich Rheuma in den Fingern äußert und welche Tipps Sie anwenden können, um die Beweglichkeit Ihrer Hände zu verbessern und Ihren Alltag leichter zu meistern. 

Das Wichtigste in Kürze

  • Rheuma in den Fingern äußert sich durch Schmerzen, Schwellungen und morgendliche Steifheit. 
  • Die häufigsten Formen sind die rheumatoide Arthritis, Osteoarthritis, Psoriasis-Arthritis und Gicht. 
  • Ohne Behandlung kann es zu Gelenkverformungen und Bewegungseinschränkungen kommen. 
  • Die Therapie umfasst eine Kombination aus medikamentöser, Physio- und Ergotherapie. 
  • Nichtmedikamentöse Maßnahmen wie Gelenkschutz, Einsatz von Hilfsmitteln und angepasste Bewegung spielen eine wichtige Rolle im Alltag. 

Wie äußert sich Rheuma in den Fingern? 

Es gibt über 100 verschiedene rheumatische Erkrankungen, die unter dem Oberbegriff „Rheuma“ zusammengefasst werden. Viele dieser rheumatischen Erkrankungen äußern sich an Händen und Fingern. Ob und wie die Finger in Mitleidenschaft gezogen werden, hängt allerdings von der Rheumaform ab. Die häufigsten Formen sind die rheumatoide Arthritis, Osteoarthritis, Psoriasis-Arthritis und Gicht.

Gut zu wissen

Die kleinen Gelenke in den Händen und Fingern sind durch ihre feinen Strukturen und ständige Belastung besonders anfällig für rheumatische Erkrankungen. Zudem ist die Durchblutung hier oft schwächer als in größeren Gelenken, was entzündliche Prozesse begünstigt und schließlich zu rheumatoider Arthritis am Finger führen kann. 

Anatomie der Hand ohne Rheuma in den Fingern

Rheumatoide Arthritis 

Die rheumatoide Arthritis ist eine chronisch entzündliche Autoimmunerkrankung, die typischerweise zuerst die kleinen Gelenke der Hände und Finger betrifft, insbesondere die Fingergrund- und Fingermittelgelenke. 

Die Symptome beginnen oft schleichend mit Schmerzen, Schwellungen und Morgensteifigkeit in diesen Gelenken – typischerweise symmetrisch an beiden Händen. Die Gelenkentzündung verursacht gerötete Schwellungen, die sich warm, weich und prall anfühlen, ähnlich wie ein leicht aufgeblasener Wasserballon. Unbehandelt kann die rheumatoide Arthritis zur Deformation der Finger und einem erheblichen Funktionsverlust der Hände führen. Eine rechtzeitige Diagnose ist daher entscheidend, um den Therapieerfolg positiv zu beeinflussen. 

Osteoarthritis 

Die Osteoarthritis der Hände und Finger, auch als Fingerpolyarthrose bekannt, ist eine degenerative Gelenkerkrankung, die durch den Verschleiß des Gelenkknorpels entsteht. Sie entwickelt sich meist langsam über Jahre hinweg. Typischerweise äußert sie sich an den Fingerendgelenken (Heberden-Arthrose) und den Fingermittelgelenken (Bouchard-Arthrose), wobei der Daumen ebenfalls betroffen sein kann. Im Gegensatz zur rheumatoiden Arthritis sind bei der Osteoarthritis die Grundgelenke der Finger oft ausgespart. Außerdem sind Rötung und Überwärmung der Gelenke weniger ausgeprägt. Während bei der rheumatoiden Arthritis weiche und pralle Schwellungen vorzufinden sind, sind bei der Osteoarthritis die Verdickungen hart und knöchern. Sie sind als Knötchen sicht- und tastbar. Mit fortschreitendem Verlauf können die Finger verformen. 

Psoriasis-Arthritis 

Die Psoriasis-Arthritis ist eine entzündliche Gelenkerkrankung, die mit Schuppenflechte (Psoriasis) einhergeht. Die Erkrankung äußert sich wie die rheumatoide Arthritis durch schmerzhafte, weiche und gerötete Schwellungen der Gelenke, die sich warm anfühlen. Typischerweise sind die Fingergelenke betroffen, wobei oft auch die Fingerendgelenke entzündet sind. Außerdem betrifft die Erkrankung die Gelenke häufig asymmetrisch. Ein charakteristisches Merkmal der Psoriasis-Arthritis ist die sogenannte Daktylitis oder „Wurstfinger“, bei der alle Gelenke eines Fingers gleichzeitig anschwellen. Typisch für die Psoriasis-Arthritis sind neben den Gelenkentzündungen auch Hautveränderungen an Händen und Fingern. Dazu zählen rötliche Plaques mit silbrig-weißen Schuppen. Zusätzlich können lachsfarbene Flecken und trockene, rissige Haut auftreten. Charakteristisch sind auch Nagelveränderungen wie Grübchen oder Lochfraß in den Fingernägeln. Diese Hautveränderungen können in ihrer Ausprägung stark variieren. 

Gicht  

Gicht ist eine Form der Arthritis, die durch Ablagerung von Harnsäurekristallen in den Gelenken verursacht wird. Sie kann die Hände und Finger plötzlich und schmerzhaft befallen. Typischerweise beginnt ein Gichtanfall nachts oder in den frühen Morgenstunden mit intensiven Schmerzen in einem einzelnen Gelenk. Die betroffenen Fingergelenke schwellen stark an, werden rot, fühlen sich heiß an und sind äußerst berührungsempfindlich. Die Schwellung kann so stark sein, dass der Finger ein wurstartiges Aussehen annimmt. Im Laufe der Zeit können sich auch harte, weiße Knötchen unter der Haut bilden, sogenannte Gichttophi. Die Symptome treten häufig asymmetrisch auf. Unbehandelt kann ein Gichtanfall in den Fingern mehrere Tage bis Wochen andauern und zu erheblichen Bewegungseinschränkungen führen. 

Behandlungsmöglichkeiten 

Es gibt verschiedene Therapieansätze, um die Schmerzen in den Fingern zu lindern und die Beweglichkeit zu erhalten: 

Medikamentöse Therapie 

Für die medikamentöse Therapie stehen mehrere Medikamentenklassen zu Verfügung, darunter NSAR (Nichtsteroidale Antirheumatika), DMARDs (krankheitsmodifizierende Antirheumatika), Biologika und Kortison. Genaueres erfahren Sie in unserem Beitrag über die wichtigsten Rheumamedikamente. 

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Physiotherapie 

Physiotherapeut:innen spielen eine wichtige Rolle in der Behandlung von Rheuma in den Händen. Sie führen mit den Patient:innen gezielte Übungen durch, um die Beweglichkeit der Hände zu verbessern und die Kraft zu erhalten. Dabei achten sie besonders darauf, die Gelenke zu schonen. Zusätzlich vermitteln sie Techniken zur Schmerzreduktion und schulen die Patient:innen in gelenkschonenden Bewegungsabläufen für den Alltag. 

Ergotherapie 

Ergotherapeut:innen unterstützen Patient:innen dabei, trotz ihrer Einschränkungen den Alltag zu bewältigen. Beispielsweise durch den Einsatz von Hilfsmitteln oder Schienen zur Stabilisierung von Gelenken. Das Umfeld wird so angepasst, dass Hände weniger belastet werden. 

Chirurgische Therapie 

In fortgeschrittenen Stadien können operative Eingriffe notwendig werden, bei denen entzündete Gewebe aus dem Gelenk entfernt oder Sehnen transplantiert werden. In schweren Fällen kann ein künstliches Gelenk nötig sein. 

Alltagstipps bei Rheuma in den Fingern 

Gelenkschutz ist für Menschen mit rheumatischen Erkrankungen von entscheidender Bedeutung. Er soll die Gelenke vor Überlastung schützen und ihre Funktion erhalten.

“Einer der besten Tipps für meine schmerzenden Finger sind Wärmebäder. Ein Vollbad ist oft zu anstrengend, deshalb lasse ich manchmal einfach ein Waschbecken volllaufen und bade meine Hände darin, wenn sie besonders weh tun.” 

Ellen ist 47 Jahre alt, Mutter und lebt seit 25 Jahren mit rheumatoider Arthritis

Der Gelenkschutz basiert auf drei Hauptsäulen: 

  1. Bewusste Nutzung der Gelenke 
  2. Einsatz von Hilfsmitteln 
  3. Regelmäßige Bewegung

Bewusste Nutzung der Gelenke 

Bei der bewussten Nutzung der Gelenke geht es darum, Bewegungsabläufe so zu gestalten, dass sie die Gelenke minimal belasten. Dies bedeutet beispielsweise, schwere Gegenstände nicht mit den Fingerspitzen, sondern mit der ganzen Handinnenfläche zu greifen, zu schieben, statt zu ziehen und große Gelenke wie Schultern oder Hüften für Kraftübertragungen zu nutzen. Wichtig ist auch, Bewegungen kontrolliert auszuführen und Zwangshaltungen zu vermeiden. So werden unnötige Gelenkbelastungen reduziert. 

Einsatz von Hilfsmitteln 

Hilfsmittel stellen eine entscheidende Unterstützung für Menschen mit rheumatischen Erkrankungen dar. Sie ermöglichen es, Alltagsaufgaben mit minimaler Gelenkbelastung selbstständig und schmerzarm zu bewältigen. Von Küche bis Badezimmer gibt es zahlreiche praktische Helfer: Besteck mit verdickten Griffen, spezielle Öffner für Flaschen oder Schraubgläser, Knöpf- und Reißverschlusshilfen, Haarbürsten mit verlängertem Griff, u. v. m. 

Hilfsmittel bei Rheuma in den Fingern

Regelmäßige Bewegung 

Regelmäßige Bewegung ist ein wichtiger Bestandteil des Gelenkschutzes bei rheumatischen Erkrankungen. Sie stärkt die Muskulatur, was wiederum die Gelenke stabilisiert und entlastet. Dabei sollten gelenkschonende Sportarten getrieben werden, wie Schwimmen, Radfahren oder spezielle Gymnastikübungen. Auch im Alltag sollte auf regelmäßige Bewegung geachtet werden. Hier finden Sie praktische Tipps, wie Sie Bewegung unkompliziert in Ihren Alltag integrieren können. 

Fazit 

Trotz der Herausforderungen, die Rheuma in den Fingern mit sich bringt, gibt es Hoffnung und effektive Wege, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Mit der richtigen Kombination aus medizinischer Behandlung, Therapien und Alltagsanpassungen können Betroffene aktiv und selbstbestimmt leben. 

Geprüft durch unser pharmazeutisches Team

Louisa Löwe, pharmazeutische Expertin

„Die Pharmazie kennt keinen Stillstand – das ist es, was mich so daran fasziniert. Jeden Tag werden spannende neue Wirkstoffe und Behandlungsmöglichkeiten für Krankheiten entdeckt.“

Als Apothekerin ist es Louisa Löwe besonders wichtig, ständig up-to-date und informiert zu bleiben. Bei apo.com lässt sie ihr Wissen in die pharmazeutischen Beiträge einfließen und garantiert Kund:innen so wissenschaftlich fundierte und geprüfte Inhalte.

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