Für Menschen mit Multipler Sklerose (MS) und ihre Angehörigen sind die täglichen Herausforderungen oft komplex und gehen weit über die körperlichen Symptome hinaus. Die Erkrankung bringt häufig emotionale und psychische Belastungen mit sich. Besonders herausfordernd sind die vielfältigen Symptome, die kognitiven Einschränkungen und die Unvorhersehbarkeit des Krankheitsverlaufs. Doch es gibt Strategien, die helfen können, mit diesen emotionalen Schwierigkeiten umzugehen und einen positiven Umgang mit der Erkrankung zu finden. Erfahren Sie hier, wie MS die Psyche beeinflussen kann, und erhalten Sie hilfreiche Tipps, um Ihr seelisches Wohlbefinden zu stärken.
Das Wichtigste in Kürze
- MS beeinflusst nicht nur den Körper, sondern kann auch starke psychische Auswirkungen haben, wie Depressionen und Angstzustände, die häufig unterschätzt werden.
- Viele MS-Betroffene entwickeln Persönlichkeitsveränderungen und psychische Belastungen wie Depressionen oder Angstzustände.
- Veränderungen im Gehirn, belastende Symptome und Nebenwirkungen von MS-Medikamenten tragen oft zu emotionalen Herausforderungen bei.
- Ein stabiles soziales Umfeld sowie Hobbys, Bewegung und Entspannung können helfen, den emotionalen Druck zu reduzieren.
- Professionelle Unterstützung, z. B. durch Psychotherapie und Selbsthilfegruppen, bietet wertvolle Hilfe bei der Bewältigung dieser Herausforderungen.
Die Folgen von MS: Wie die Krankheit die Psyche beeinflusst
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark), die das Leben in vielerlei Hinsicht beeinflusst – körperlich, aber auch seelisch. Besonders stark zeigt sich bei MS die enge Verbindung zwischen Körper und Psyche, da die Erkrankung das Nervensystem betrifft, welches eng mit der psychischen Gesundheit verknüpft ist.
Studien zeigen, dass bis zu 50 % der Menschen mit MS im Laufe ihrer Erkrankung depressive Phasen oder Angstzustände entwickeln, während dies in der Allgemeinbevölkerung nur bei etwa 20 % der Fall ist. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die seelischen Auswirkungen von MS nicht zu unterschätzen sind, da sie das Wohlbefinden erheblich beeinträchtigen können.
Warum MS die Psyche belastet: Hauptursachen im Überblick
Die psychischen Herausforderungen bei MS sind vielfältig und oft eng mit der persönlichen Lebenssituation verbunden. Verschiedene Faktoren können dazu beitragen, dass sich seelische Belastungen entwickeln:
Reaktionen auf neue Lebensumstände: Das Leben mit MS kann für viele Menschen Veränderungen im Alltag, im Beruf und in ihren Beziehungen mit sich bringen. Es kann eine Herausforderung sein, sich auf diese neuen Situationen einzustellen, und Gefühle von Unsicherheit oder Sorge sind dabei ganz normal. Zudem kann die Ungewissheit über den Verlauf der Erkrankung bei vielen Betroffenen Ängste auslösen.
Veränderungen im Gehirn durch MS: Multiple Sklerose verursacht Entzündungen und Schädigungen im zentralen Nervensystem, also im Gehirn und Rückenmark. Diese können Bereiche betreffen, die für Emotionen und Stimmungen verantwortlich sind, wodurch Persönlichkeitsveränderungen auftreten können. Dazu gehören Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Angstzustände, die ohne äußere Auslöser entstehen. Besonders bei langjährigen Verläufen sind solche Persönlichkeitsveränderungen bei MS vermehrt bemerkbar, da über längere Zeit hinweg fortschreitende Schädigungen im Gehirn stattfinden.
Belastende Symptome der MS: Körperliche Symptome wie Blasenprobleme, Inkontinenz oder sexuelle Funktionsstörungen können das Selbstwertgefühl beeinträchtigen und zu Scham oder sozialem Rückzug führen.
Nebenwirkungen von Medikamenten: Bestimmte MS-Medikamente können Nebenwirkungen haben, die die Psyche betreffen. Interferone werden häufig als verlaufsmodifizierende Therapien eingesetzt und können bei manchen Menschen Stimmungsschwankungen oder depressive Symptome auslösen. Kortikosteroide, die oft zur Behandlung akuter Schübe verwendet werden, können ebenfalls zu Schlafstörungen, Unruhe oder Stimmungsschwankungen führen. Es ist wichtig, diese möglichen Nebenwirkungen zu kennen und sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu besprechen, insbesondere wenn Sie sie verstärkt bei sich bemerken. Gegebenenfalls kann eine Anpassung oder ein Wechsel der Medikation sinnvoll sein.
Bereits bestehende psychische Erkrankungen: Wenn bereits vor der MS-Diagnose psychische Probleme wie Depressionen oder Angststörungen bestanden haben, können diese durch die zusätzlichen Belastungen der MS verstärkt werden. Die Bewältigung der neuen gesundheitlichen Herausforderungen kann bestehende seelische Schwierigkeiten intensivieren und erfordert besondere Aufmerksamkeit.
Gut zu wissen
In einigen Fällen können bei MS ärztlich verordnete Medikamente dabei helfen, anhaltende Symptome wie Depressionen oder Angstzustände zu lindern. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber, ob eine medikamentöse Behandlung begleitend zur Psychotherapie für Sie sinnvoll ist und welche Optionen bei Ihrer Form der MS zur Verfügung stehen.
Haben Sie bei Ihrer Medikation Nebenwirkungen festgestellt oder möchten Sie sich im Vorfeld informieren? Unser pharmazeutisches Fachpersonal hilft Ihnen gerne weiter – per Telefon, E-Mail, Live-Chat oder Videosprechstunde.
Stärkung der Psyche: Tipps für einen besseren Umgang mit MS
Die erhöhten Fälle von Depressionen bei Patient:innen mit chronischen Erkrankungen wie MS machen deutlich, wie wichtig es ist, auf die seelische Gesundheit zu achten. Das Leben mit MS ist für jeden Menschen individuell und bringt Höhen und Tiefen mit sich. Es ist völlig normal, sich manchmal überwältigt zu fühlen. Doch es gibt Wege und Unterstützung, um mit diesen Gefühlen umzugehen und einen positiven Umgang mit der Erkrankung zu finden. Die folgenden Strategien können dabei hilfreich sein:
Selbstmitgefühl entwickeln: Seien Sie freundlich und geduldig mit sich selbst. Es ist in Ordnung, auch mal schwierige Tage zu haben. MS erfordert Akzeptanz und Selbstfürsorge. Indem Sie sich erlauben, Gefühle wie Trauer oder Frustration zuzulassen, können Sie besser damit umgehen und Stress reduzieren.
Kleine Erfolge wertschätzen: Alltagserfolge – sei es ein Spaziergang, ein Treffen mit Freund:innen oder das Erlernen einer neuen Fähigkeit – können das Selbstbewusstsein stärken. Das Bewusstmachen dieser positiven Erlebnisse fördert die emotionale Widerstandsfähigkeit und hilft, optimistisch zu bleiben.
Soziale Kontakte und Hobbys pflegen: Tun Sie Dinge, die Ihnen Freude bereiten. Vernetzen Sie sich mit anderen Menschen, sei es im Freundes- und Familienkreis oder in Selbsthilfegruppen. Der Austausch mit anderen Betroffenen kann Trost spenden und wertvolle Tipps bieten. Gemeinsame Aktivitäten und Gespräche helfen, sich verstanden zu fühlen und emotionale Belastungen zu teilen. Setzen Sie sich realistische und erreichbare Ziele in persönlichen Projekten, Hobbys oder im Beruf – das motiviert und lenkt den Fokus weg von der Erkrankung hin zu positiven Aspekten in Ihrem Leben.
Aktiv bleiben: Körperliche Bewegung hat positive Effekte auf Körper und Geist. An Ihre Erkrankung angepasste Aktivitäten wie Spazierengehen, Schwimmen oder leichte Gymnastik können Ihr Wohlbefinden und Ihre Fitness fördern. Sport setzt außerdem Glückshormone frei, reduziert Stress und stärkt das Selbstwertgefühl.
Eigene Grenzen akzeptieren: Lernen Sie, Ihre persönlichen Grenzen zu erkennen. Es ist in Ordnung, Hilfe anzunehmen und Aufgaben abzugeben, wenn es nötig ist. Indem Sie realistische Erwartungen an sich selbst stellen, vermeiden Sie eine Überforderung und können ein ausgeglicheneres Leben führen.
Professionelle Hilfe: Wann und warum Unterstützung wichtig ist
Scheuen Sie sich nicht, Hilfe von Fachleuten zu suchen. Psychologische Therapien, wie die kognitive (geistige) Verhaltenstherapie, können dabei helfen, negative Denkmuster zu erkennen und durch positive zu ersetzen. Eine Therapeutin oder ein Therapeut kann Sie dabei unterstützen, individuelle Bewältigungsstrategien zu entwickeln und emotionale Herausforderungen zu meistern.
Viele Menschen finden durch Gespräche mit Ärzt:innen, Psychotherapeut:innen oder in Selbsthilfegruppen Wege, mit ihren Ängsten umzugehen und neuen Mut zu fassen. Es gibt zahlreiche Angebote von Patientenverbänden oder Selbsthilfegruppen, wie zum Beispiel wöchentliche Sprechstunden, die sowohl Unterstützung als auch Aufklärung bieten. Mit der Zeit und durch positive Erfahrungen lernen viele Betroffene, trotz der Unsicherheiten einen zuversichtlichen Blick auf die Zukunft zu entwickeln.
Psychische Belastungen durch MS – Reden ist Gold
Es ist wichtig zu verstehen, dass psychische Belastungen bei MS kein Zeichen von Schwäche sind und nicht als Tabuthema behandelt werden sollten. Viele Betroffene erleben emotionale und mentale Herausforderungen, die aufgrund der Erkrankung völlig normal sind. Ein erster Schritt zur Verbesserung ist, Hilfe in Anspruch zu nehmen und Unterstützung von Angehörigen oder von außen zu suchen.
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32585615/
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32585615/
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22058085/
- https://www.msges.at/multiple-sklerose/seelische_auswirkungen_und_krankheitsbewaeltigung/multiple-sklerose-und-psyche/
- https://www.msundich.de/leben-mit-ms/psyche/auswirkungen
- https://www.multiplesklerose.ch/PDF/de/Infoblaetter/03_Psychische_Aspekte/MS-Info_Psychische_Auswirkungen.pdf
Geprüft durch unser pharmazeutisches Team
![2[1] Sofia Westermann, pharmazeutische Expertin](https://www.apo.com/magazin/wp-content/uploads/2024/05/21-2-1024x1024.jpg)
„Die Pharmazie ist eine faszinierende Wissenschaft. Ein ganz wichtiger Grund für mich, Apothekerin zu werden, war es, dass ich damit anderen Menschen helfen kann.“
Für Apothekerin Sophia Westermann ist Pharmazie nicht nur ein Beruf, sondern eine Passion. Menschen mit ihrem Wissen zu unterstützen, hat für sie oberste Priorität. Als pharmazeutische Expertin garantiert sie daher die Richtigkeit der Inhalte im apo Magazin und prüft diese vor einem wissenschaftlichen Hintergrund.
Wichtiger Hinweis: Unsere Artikel und Grafiken werden von unserem Expertenteam aus Apotheker:innen überprüft. Grundlage sind stets seriöse Quellen, wissenschaftliche Artikel, Leitlinien und ärztliche Aussagen. Die Inhalte werden in regelmäßigen Abständen aktualisiert und dienen weder der Selbstdiagnose noch ersetzen sie einen Arztbesuch.
