Ein Schwangerschaftsdiabetes tritt meist ab dem zweiten Drittel der Schwangerschaft auf und verläuft typischerweise symptomarm. Daher wird ein Screeningtest auf Schwangerschaftsdiabetes laut Mutterschaftsrichtlinien allen Schwangeren empfohlen. Gestationsdiabetes bedarf einer ärztlichen Behandlung. Erfahren Sie hier mehr über die Ursachen, die Symptome, die Diagnose und die Behandlung des Schwangerschaftsdiabetes.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schwangerschaftsdiabetes ist eine Stoffwechselerkrankung, die mit einem erhöhten Blutzuckerspiegel einhergeht (Glucosetoleranzstörung).
  • Grundlegende Ursache sind die hormonellen Veränderungen während der Schwangerschaft.
  • wichtige Risikofaktoren sind u. a. ein mütterliches Alter über 35 Jahre, Übergewicht, bestehende familiäre Diabeteserkrankungen oder ein aufgetretener Gestationsdiabetes bei einer vorangegangenen Schwangerschaft
  • Ziel der Therapie ist die Vermeidung von Komplikationen in der Schwangerschaft und unter der Geburt.
  • Die Mutterschaftsrichtlinien sehen einen Test auf Schwangerschaftsdiabetes zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche für jede schwangere Frau vor.

Was ist Schwangerschaftsdiabetes?

Schwangerschaftsdiabetes, auch bekannt als Gestationsdiabetes oder Typ-4-Diabetes, zählt zu den häufigsten Schwangerschaftskomplikationen. In Deutschland wird dieser Diabetes-Typ bei über 4 Prozent aller Schwangeren diagnostiziert. Bei dieser Stoffwechselerkrankung gerät der Blutzuckerspiegel der werdenden Mutter aufgrund hormoneller Veränderungen aus dem Gleichgewicht. In der zweiten Schwangerschaftshälfte kommt es durch eine vermehrte Ausschüttung bestimmter Hormone zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels. Damit wird sichergestellt, dass genügend Energie in Form von Zucker für das Wachstum des ungeborenen Kindes bereitsteht. Der Blutzuckerspiegel wird durch das Hormon Insulin reguliert. Es bewirkt eine Senkung des Blutzuckers durch Aufnahme von Zucker in die Zellen.

Wie entsteht Schwangerschaftsdiabetes?

Als Antwort auf einen hohen Blutzuckerspiegel produziert der Körper der Schwangeren mehr Insulin. Ist die Bauchspeicheldrüse dazu nicht in der Lage, kann sich ein Typ-4-Diabetes entwickeln. Parallel bewirken die Schwangerschaftshormone eine verminderte Wirksamkeit von Insulin (Insulinresistenz). Durch das Zusammenspiel einer unzureichenden Steigerung der Insulinproduktion und einer Insulinresistenz kommt es schließlich zu einem dauerhaften Anstieg des Blutzuckerspiegels. Ein Schwangerschaftsdiabetes liegt vor. Da ein Schwangerschaftsdiabetes unspezifische Symptome zeigt und unbehandelt ein Risiko sowohl für Mutter als auch Kind darstellt, raten Frauenärzte zu einem Suchtest auf Schwangerschaftsdiabetes im Rahmen der regulären Vorsorgeuntersuchungen.

Sollte der Schwangerschaftsdiabetes trotz aller Vorkehrungen nicht entdeckt und somit nicht behandelt werden, besteht für die Schwangere ein erhöhtes Risiko, an Präeklampsie zu erkranken. Präeklampsie ist eine Erkrankung, die mit Bluthochdruck, Wassereinlagerungen im Gewebe und der Ausscheidung von Eiweiß über den Urin verbunden ist. Auch das Risiko für Harnwegsinfekte, übermäßiges Fruchtwasser (Hydramnion) oder eine Kaiserschnittgeburt nimmt zu. Beim Fötus steigt die Gefahr für eine verzögerte Lungenreifung und ein übermäßiges Wachstum (Makrosomie), das zu Komplikationen bei der Geburt beitragen kann. Darüber hinaus ist die Wahrscheinlichkeit einer Frühgeburt erhöht. Nach der Geburt besteht für das Neugeborene unter anderem das Risiko, eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) zu erleiden. Die werdende Mutter trägt infolge des Schwangerschaftsdiabetes außerdem ein erhöhtes Risiko, später an Diabetes Typ 2 zu erkranken.

Therapie und Betreuung bei Schwangerschaftsdiabetes

Die grundlegende Therapie des Schwangerschaftsdiabetes besteht zunächst aus einer Lebensstiländerung. Dazu zählen eine Ernährungsumstellung und eine Bewegungssteigerung sowie eine Gewichtskontrolle bzw. eine Beschränkung der Gewichtszunahme.Schwangere kocht gesund Bei Bedarf wird zusätzlich eine Insulintherapie begonnen.

Um sich in einer Schwangerschaft mit Diabetes so sicher wie möglich zu fühlen, ist eine engmaschige ärztliche Betreuung von besonderer Bedeutung.

Ursachen und Risikofaktoren für einen Schwangerschaftsdiabetes

Die hormonellen Veränderungen während der Schwangerschaft sind die Ursache für einen Schwangerschaftsdiabetes. Es gibt darüber hinaus aber verschiedene Risikofaktoren, die die Entstehung von Schwangerschaftsdiabetes zusätzlich begünstigen

Welche Veränderungen im Hormonhaushalt zu einem Schwangerschaftsdiabetes beitragen und welche Faktoren das Erkrankungsrisiko steigern, erfahren Sie hier.

Symptome eines Schwangerschaftsdiabetes

Die Anzeichen für einen Schwangerschaftsdiabetes sind meist unspezifisch. Ein frühzeitiges Erkennen hilft jedoch, die Behandlung zu verbessern und so die gesundheitlichen Risiken für Mutter und Kind zu minimieren. Lesen Sie hier, welche Symptome typisch für Schwangerschaftsdiabetes sind und worauf Sie achten sollten.

Diagnose eines Schwangerschaftsdiabetes

Im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen sowie bei einem Verdacht auf einen Diabetes Typ 4 stehen verschiedene Diagnoseverfahren zur Verfügung, mit denen sich ein Gestationsdiabetes für Mutter und Kind gefahrlos bestimmen lässt. Klicken Sie hier, um zu erfahren, welche Untersuchungen zur Diagnose eines Schwangerschaftsdiabetes durchgeführt werden.

Blutzuckerwerte bei Schwangerschaftsdiabetes

Während einer Schwangerschaft verändert sich der Hormonhaushalt im Körper der werdenden Mutter. Dies kann zu Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel führen, der bei einem Schwangerschaftsdiabetes zu hoch ist.

  • S3-Leitlinie Gestationsdiabetes mellitus (GDM), Diagnostik, Therapie und Nachsorge. 2. Auflage. 2018. Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Schwangerschaft der Deutsche Diabetes Gesellschaft. Arbeitsgemeinschaft Geburtshilfe und Pränatalmedizin in der Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe.
  • S2k-Leitlinie Betreuung von Neugeborenen diabetischer Mütter. 2017. Leitlinie der Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin, der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin, der Deutschen Diabetes-Gesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft und dem Deutschen Hebammenverband, der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe.
  • S2e-Leitlinie Diabetes in der Schwangerschaft. 3. Auflage. 2021. Deutsche Diabetes Gesellschaft.
  • Bekanntmachung eines Beschlusses des Gemeinsamen Bundesausschusses über eine Änderung der Richtlinien über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung (Mutterschafts-Richtlinien): Einführung eines Screenings auf Gestationsdiabetes Vom 15. Dezember 2011. Bundesministerium für Gesundheit

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