Diabetes Typ 1 ist eine Form der im Volksmund bekannten “Zuckerkrankheit” und wurde früher auch als “juveniler Diabetes” bezeichnet, da die Erkrankung vorrangig im Kinder- und Jugendalter erstmalig auftritt. Unbehandelt kann Typ 1 Diabetes zu schweren Komplikationen führen. Lesen Sie hier, welche Symptome für Diabetes Typ 1 charakteristisch sind und worauf Sie achten sollten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung, infolge derer kein Insulin mehr produziert werden kann.
  • Insulin muss im Rahmen einer individuellen Therapie ab Diagnosestellung ersetzt werden.
  • Frühe Anzeichen eines Diabetes Typ 1 sind beispielsweise: ständiger Durst, häufiges Wasserlassen, stetige Müdigkeit und eine ungewollte Gewichtsabnahme.
  • Unerkannt kann Diabetes Typ 1 zu einer schwerwiegenden Komplikation, dem sogenannten ketoazidotischen Koma, führen.

Frühe Anzeichen von Diabetes Typ 1

Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung. Bei einer Autoimmunerkrankung werden durch eine Fehlregulation des Immunsystems körpereigene Zellen angegriffen und zerstört. Bei Typ 1 Diabetes sind das die Betazellen der Bauchspeicheldrüse. In der Folge können diese kein Insulin mehr produzieren. Das Hormon Insulin transportiert über die Nahrung aufgenommenen Zucker als Kraftstoff z. B. für Muskeln, Organe und Gehirn, aus dem Blut in die Zellen.

Die ersten Symptome des Typ 1 Diabetes treten erst dann auf, wenn bereits ein Großteil (ca. 80 %) der Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört wurde. Das von den verbleibenden Betazellen (ca. 20 %) produzierte Insulin reicht dann nicht mehr aus, um Zucker aus dem Blut in die Zellen zu transportieren. Der Blutzuckerspiegel steigt an und bleibt dauerhaft erhöht. Damit assoziiert treten Frühsymptome auf. Dazu gehören:

  • ständiger Durst

  • häufiges Wasserlassen

  • stetige Müdigkeit

  • ungewollte Gewichtsabnahme

  • Sehstörungen

  • erhöhte Infektanfälligkeit

  • Juckreiz

  • Abgeschlagenheit

  • Konzentrationsstörungen

  • Übelkeit

  • Schwindel

  • Kopfschmerzen

  • Bauchschmerzen

  • Muskelkrämpfe in den Waden

  • trockene und juckende Haut

  • höhere Anfälligkeit für bakterielle Infektionen und Pilzinfektionen

  • schlechtere Wundheilung

Symptome eines fortgeschrittenen Diabetes Typ 1

Die fortlaufende Zerstörung der Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse führt schließlich zum vollständigen Erliegen der Insulinproduktion (absoluter Insulinmangel). Zucker als Energielieferant gelangt nun nicht mehr in die Zellen. Um diesem Energiedefizit entgegenzusteuern, kommt es zu einer Produktion von Ketonkörpern durch Fettverbrennung in der Leber. Die Leber kann damit temporär die Energieversorgung z. B. für das Gehirn oder das Muskelgewebe sicherstellen.

Dr. Tobias Wiesner, Diabetologe und Endokrinologe in Leipzig sagt:

Ketonkörper sind das, was übrigbleibt, wenn Glukose nicht mithilfe von Insulin verstoffwechselt wird. Wenn ich eine Neudiagnose eines Diabetes mellitus Typ 1 stelle, dann messe ich im Urin auch die Ketonkörper. Bei absolutem Insulinmangel kommt es dazu, dass ich diese Ketonkörper in hohen Konzentrationen im Urin messen kann.

Ketoazidose bei Diabetes Typ 1

Da Ketonkörper in einem großen Ausmaß produziert werden und diese sauer sind, kann der Säure-Basen-Haushalt des Körpers allerdings aus dem Gleichgewicht kommen. Der pH-Wert des Blutes sinkt (Azidose), was zu einer Stoffwechselentgleisung mit Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit führen kann (Ketoazidose bzw. ketoazidotisches Koma).

Die Ketoazidose ist demnach eine schwerwiegende Folge eines nicht behandelten Diabetes Typ 1 und bedarf einer sofortigen intensivmedizinischen Behandlung im Krankenhaus. Die Symptome einer Ketoazidose ähneln denen des Diabetes und umfassen Übelkeit und Erbrechen, starke Bauchschmerzen, Schwäche, Durst und häufiges Wasserlassen sowie Bewusstseinsstörungen. Als typischer Hinweis entwickelt sich ein charakteristischer süßlicher Azetongeruch der ausgeatmeten Luft, der an überreifes Obst oder Nagellackentferner erinnert. Zudem kommt es zu einer sogenannten “Kussmaul-Atmung”. Durch diese pausenlos tiefe und betonte Atmung versucht der Körper, der Übersäuerung entgegenzuwirken.

Meist erfahren Menschen mit Diabetes Typ 1 erst durch eine Ketoazidose von ihrer Diabetes-Erkrankung. Um diese potentielle Gefahr zu vermeiden, ist die Kenntnis der Frühsymptome von Diabetes Typ 1 von entscheidender Bedeutung.

Symptome von Unter- und Überzucker bei Diabetes Typ 1

Nach der Diagnose erfordert ein Diabetes Typ 1 eine kontinuierliche Behandlung (Insulintherapie). Ziel einer Behandlung mit Insulin ist es, den Blutzucker zu senken und in einem individuellen, ärztlich vorgegebenen Zielbereich einzustellen.

Gut zu wissen

Ein gut eingestellter Blutzuckerspiegel ist von besonderer Bedeutung, da er langfristig das Risiko von Folge- und Begleiterkrankungen reduzieren kann.

Bei Menschen mit Insulintherapie können kurzfristige Notfallsituationen auftreten, die unter Umständen einer ärztlichen Behandlung bedürfen. Dazu zählen eine Überzuckerung (Hyperglykämie) und eine Unterzuckerung (Hypoglykämie). Ein erhöhtes Risiko dafür besteht beispielsweise, wenn vor einer Mahlzeit zu viel oder zu wenig Insulin verabreicht, oder die Insulingabe vergessen wurde. Zudem können Sport, geistige Anstrengung oder Stress zu Schwankungen des Blutzuckerspiegels führen. Menschen mit Typ-1-Diabetes sollten daher mit den Symptomen von einer Über- und Unterzuckerung vertraut sein, um bereits bei ersten Anzeichen handeln zu können.

Unterzuckerung

Zu den wichtigsten Symptomen einer Unterzuckerung (Hypoglykämie; umgangssprachlich auch “Hypo” genannt) zählen:

  • Unruhe

  • Zittern

  • Heißhunger

  • Schweißausbrüche

  • Gesichtsblässe

  • Angst

  • Verwirrtheit

  • erhöhter Puls

  • Konzentrationsstörungen

  • bei schwerem Unterzucker: Kopfschmerzen, Seh- und Sprechstörungen, unkontrolliertes Verhalten, Wesensveränderungen, Krampfanfälle, Bewusstseinseintrübungen bis hin zu Bewusstlosigkeit

Überzuckerung

Die Symptome von einer Überzuckerung (Hyperglykämie) umfassen:

  • großen Durst

  • häufiges Wasserlassen

  • Muskelkrämpfe in den Waden

  • Übelkeit

  • Kopfschmerzen

  • Müdigkeit, Erschöpfung oder Abgeschlagenheit

  • Konzentrationsstörungen

  • Bauchschmerzen

  • evtl. Azetongeruch der ausgeatmeten Luft

Sofortmaßnahmen und Handlungstipps

Menschen mit einem Diabetes Typ 1, die diese Symptome aufweisen, können bei einer Unterzuckerung mit der Zufuhr von Kohlenhydraten, z. B. Traubenzucker oder zuckerhaltigen Getränken, kurzfristig gegensteuern. In der Regel normalisiert sich der Blutzuckerspiegel daraufhin innerhalb weniger Minuten.

Person reicht einer anderen ein WasserglasBei den ersten Anzeichen einer Überzuckerung sollte der Blutzucker gemessen werden. Zeigen sich stark erhöhte Werte, kann dies ein möglicher Warnhinweis auf eine Stoffwechselentgleisung (Ketoazidose) sein. Es sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. Gegebenenfalls kann eine zuvor mit der Ärztin oder dem Arzt besprochene Menge Insulin gespritzt werden. Zusätzlich kann ein Urintest für Ketonkörper Sicherheit bringen. Fällt dieser Ketontest positiv aus, muss schnell gehandelt und ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Ein Notfallausweis informiert Ersthelfer:innen und Ärzte sowie Ärztinnen im Notfall über das Vorliegen einer Diabetes-Diagnose und deren medikamentöse Behandlung.

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ICD 10 Code(s): Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, kurz ICD, ist ein weltweit anerkanntes Klassifikationssystem für medizinische Diagnosen. Diese finden sich zum Beispiel auf Arztbriefen oder Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen.

ICD 10 Codes die im Rahmen einer Diabetes Diagnose Anwendung finden: E 10, E 11, E 12, E 13, E 14

  • S3-Leitlinie Therapie des Typ-1-Diabetes, 2. Auflage Deutsche Diabetes Gesellschaft 2018
  • Neu A et al (2019) S2 Leitlinie: Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Kindesalter. Diabetologie 14 (Suppl 2):S153–S166
  • Kamrath C, Mönkemöller K, Biester T et al. Ketoacidosis in Children and Adolescents With Newly Diagnosed Type 1 Diabetes During the COVID-19 Pandemic in Germany. JAMA. 2020;324(8):801-4
  • DiMeglio LA, Evans-Molina C, Oram RA. Type 1 diabetes. Lancet. 2018 Jun 16;391(10138):2449-2462. doi: 10.1016/S0140-6736(18)31320-5. PMID: 29916386; PMCID: PMC6661119.

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