Chronische Schmerzen, Erschöpfung und Entzündungen – diese Symptome verbinden viele Menschen mit rheumatischen Erkrankungen. Doch Rheuma betrifft nicht nur die Gelenke, sondern auch die Psyche. Viele Betroffene und Angehörige bemerken im Verlauf der Erkrankung eine Veränderung des Wesens, wie Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit oder sozialen Rückzug. Doch was steckt dahinter und gibt es Möglichkeiten, damit umzugehen? 

Das Wichtigste in Kürze 

  • Rheuma kann die Psyche beeinflussen: Schmerzen, Entzündungen und Medikamente wirken sich auf das seelische Wohlbefinden aus. 
  • Typische Wesensveränderungen bei Rheuma sind Gereiztheit, Angststörungen, depressive Verstimmungen und sozialer Rückzug. 
  • Körperliche und seelische Beschwerden können sich in einem Teufelskreis gegenseitig verstärken. 
  • Hilfsmöglichkeiten, wie psychologische Unterstützung, Bewegung, Entspannungstechniken und soziale Kontakte, unterstützen im Umgang mit den Wesensveränderungen. 

Wesensveränderung bei Rheuma Diese Auswirkungen können auftreten

Die psychischen Auswirkungen von Rheuma sind oft genauso belastend wie die körperlichen Beschwerden. Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und die Unvorhersehbarkeit der Erkrankung können emotionalen Stress verursachen. Viele Betroffene erleben daher Phasen der Unsicherheit, in denen sie ihre Lebensqualität und Zukunftsperspektiven infrage stellen. Aus diesem Grund kommt es bei Betroffenen von Rheuma mitunter zu verschiedenen Wesensveränderungen, wie: 

  • Depressionen und Angstzustände 
  • Frustration und Hoffnungslosigkeit 
  • Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen 
  • Sozialer Rückzug, der zu Einsamkeit und Isolation führen kann
  • Wut, Verunsicherung und negative Gefühle 
  • Schlafstörungen, die die Stimmung zusätzlich beeinträchtigen können

Wichtig zu erwähnen ist, dass nicht jede Veränderung im Verhalten sofort ein Grund zur Sorge ist. Es ist verständlich, dass eine chronische Erkrankung das Leben beeinflussen und emotionale Reaktionen hervorrufen kann. Doch wenn Niedergeschlagenheit und Reizbarkeit den Alltag stark beeinträchtigen, ist Achtsamkeit angezeigt. In diesem Falle sollte nicht gezögert werden, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die psychischen Veränderungen können die Lebensqualität der Betroffenen nämlich erheblich beeinflussen. Zusätzlich können sie Teil eines Teufelskreises werden, in dem die körperlichen und seelischen Beschwerden sich gegenseitig verstärken.

“Rheumatoide Arthritis hat nicht nur meinen Körper verändert, sondern auch meine Sicht auf die Welt, auf meine Prioritäten und sogar auf mich selbst. Ich muss sehr achtsam mit dem umgehen, was ich tue – stellen Sie sich vor, Sie rennen die Treppe nicht mehr in vollem Tempo hinunter, sondern machen einen Schritt nach dem anderen, ganz vorsichtig.” 

Ellen ist 47 Jahre alt, Mutter und lebt seit 25 Jahren mit rheumatoider Arthritis

Was ist die Ursache der Wesensveränderung bei Rheuma?  

Rheumatische Erkrankungen, wie rheumatoide Arthritis oder Morbus Bechterew sind nicht nur eine Herausforderung für den Körper, sondern auch für die Psyche. Chronische Schmerzen, Entzündungen und Erschöpfung sind typische Symptome einer Rheumaerkrankung, die sich langfristig auch auf die seelische Gesundheit auswirken können. Nebenwirkungen von Medikamenten und sozialer Rückzug kommen als weitere Faktoren hinzu, die das Verhalten und die Persönlichkeit im Laufe der Erkrankung verändern können. 

Chronische Schmerzen 

Dauerhafte Schmerzen sind eine enorme Belastung. Wer täglich unter Schmerzen leidet, entwickelt oft eine erhöhte Reizbarkeit, Nervosität oder eine depressive Verstimmung. Dies kann zu einer Art “Teufelskreis“ führen, da Stress wiederum die Schmerzempfindlichkeit erhöht. 

Entzündungen 

Rheuma ist eine entzündliche Erkrankung, die nicht nur die Gelenke betrifft, sondern auch das zentrale Nervensystem (ZNS) beeinflussen kann. Treten Entzündungen im ZNS auf, können sie emotionale und kognitive Veränderungen hervorrufen. Folgen können depressive Verstimmungen, Angststörungen oder Antriebslosigkeit sein. 

Erschöpfung und Schlafmangel 

Viele Menschen mit Rheuma leiden unter Fatigue, einer anhaltenden Erschöpfung, die selbst nach Ruhephasen nicht verschwindet. Die ständige Müdigkeit schränkt die Fähigkeit ein, alltägliche Aufgaben zu bewältigen oder soziale Kontakte zu pflegen. Dies kann Gefühle von Isolation, Frustration und Hoffnungslosigkeit verstärken, was langfristig zu einer Veränderung der Persönlichkeit führen kann. Hinzu kommen oft Schlafprobleme, die durch Schmerzen oder nächtliche Entzündungsschübe verstärkt werden. Schlafmangel führt nachweislich zu Konzentrationsstörungen, schlechter Laune und einem allgemein verminderten Antrieb. 

„Irgendwann muss man erkennen, dass es keine gute Idee ist, so weiterzumachen wie bisher. Man muss das Tempo drosseln, auf seinen Körper hören und einen Tag nach dem anderen nehmen. Ich schaffe nicht mehr so viel am Tag wie früher, deshalb konzentriere ich mich auf kleine Erfolge – wenn ich ein Bad genommen, mein Zimmer gesaugt und mir ein Getränk gemacht habe, reicht das schon.”

Ellen ist 47 Jahre alt, Mutter und lebt seit 25 Jahren mit rheumatoider Arthritis

Gut zu wissen

In unserem Magazinbeitrag über Schlafstörungen erhalten Sie sieben wertvolle Tipps, die Ihnen helfen können, mehr Ruhe in Ihrem Schlaf zu finden. 

Nebenwirkungen von Medikamenten 

Rheuma wird oft mit Medikamenten wie Immunsuppressiva, NSAR und Kortison behandelt. Diese Medikamente können auch Nebenwirkungen auf die Psyche haben: 

  • Immunsuppressiva: Immunsuppressiva können zu depressiven Verstimmungen, Stimmungsschwankungen und Antriebslosigkeit führen. Möglich sind auch Müdigkeit und Erschöpfung, die die psychische Belastung verstärken. Gelegentlich können Angstzustände oder Konzentrationsprobleme hinzukommen. 
  • Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR): NSAR können auf lange Sicht die Stimmung beeinflussen. Sie können zu Depressionen und einer Abflachung emotionaler Reaktionen führen. Müdigkeit und Erschöpfung sind ebenfalls Nebenwirkungen, die sich auf die Psyche auswirken können. 
  • Kortison: Die psychischen Nebenwirkungen von Kortison umfassen Stimmungsschwankungen wie Reizbarkeit und Nervosität sowie depressive Verstimmungen. Zudem können Angstzustände und Schlafstörungen auftreten. 

Gut zu wissen

Kortisol ist ein natürlich im Körper vorkommendes Hormon, das in der Nebennierenrinde aus seiner Vorstufe Kortison gebildet wird. Sowohl Kortison als auch Kortisol werden ebenfalls als Arzneimittel eingesetzt. Aufgrund ihrer schnellen und stark antientzündlichen Wirkung sind sie eine enorm wichtige Wirkstoffgruppe in der Behandlung entzündlicher Erkrankungen. Insbesondere während akuter Schübe, wie sie bei Rheuma auftreten, kommen kortisonhaltige Arzneimittel daher zum Einsatz. Aber nicht nur im Inneren, auch als Creme oder Salbe kann Kortison Abhilfe bei entzündlichen oder allergischen Hautreaktionen schaffen. 

Das Auftreten und die Intensität von Nebenwirkungen können individuell stark variieren. Trotz des Risikos für Nebenwirkungen ist es wichtig, die notwendigen Medikamente einzunehmen, denn ihre positive Wirkung auf die Entzündung und den Schmerz ermöglicht es, die Lebensqualität zu verbessern und den Alltag wieder aktiver zu gestalten. Sollten Nebenwirkungen auftreten, wird der behandelnde Arzt bzw. die behandelnde Ärztin entsprechende Schritte einleiten, um die Beschwerden zu mildern. 

Sollten Sie Fragen zu Ihren Medikamenten und möglichen Nebenwirkungen haben, berät Sie unser pharmazeutisches Fachpersonal gerne per Telefon, Chat, E-Mail und sogar per Videosprechstunde. 

Sozialer Rückzug 

Einschränkungen in der Beweglichkeit und Müdigkeit erschweren die Teilnahme an sozialen Aktivitäten, sodass sich Betroffene häufig aus dem sozialen Leben zurückziehen. Dadurch kann es zu einem Verlust sozialer Kontakte kommen, was depressive Verstimmungen und das Gefühl von Einsamkeit verstärken kann. 

Wie kann man mit einer Wesensveränderung bei Rheuma umgehen? 

Auch wenn Wesensveränderungen bei Rheuma herausfordernd sind – es gibt Möglichkeiten, damit umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern. 

Selbstfürsorge und eigene Bedürfnisse ernst nehmen 

Sich selbst Gutes zu tun, ist ein zentraler Baustein im Umgang mit Wesensveränderungen bei Rheuma. Achten Sie darauf, sich bewusst Auszeiten zu nehmen, um Körper und Geist zu entspannen. Kleine Routinen, wie ein warmes Bad, eine Tasse Tee in Ruhe oder das Hören Ihrer Lieblingsmusik, können helfen, das emotionale Gleichgewicht zu stabilisieren. 

Ebenso wichtig ist es, eigene Grenzen zu erkennen und anzunehmen. Überforderung kann die Stimmung verschlechtern und das Wohlbefinden mindern. Lernen Sie, Nein zu sagen, wenn etwas zu viel wird, und gestehen Sie sich Pausen zu, ohne Schuldgefühle zu haben. Eine liebevolle Haltung sich selbst gegenüber kann langfristig dabei helfen, mit emotionalen Belastungen besser umzugehen. 

„Selbstfürsorge bedeutet für mich nicht nur, sich auszuruhen, sondern nach dem zu suchen, was hilft, sei es das richtige Essen, Bewegung oder sogar Singen. Jetzt mache ich Pausen, wenn mein Körper es mir sagt. Wenn etwas anfängt zu zittern oder zu blockieren, höre ich auf ich höre zu, anstatt mich durchzukämpfen.“

Ellen ist 47 Jahre alt, Mutter und lebt seit 25 Jahren mit rheumatoider Arthritis

Offenheit und Kommunikation 

Ein wichtiger erster Schritt ist, sich selbst und anderen gegenüber ehrlich zu sein. Mit Angehörigen und Freunden ein offenes Gespräch darüber zu führen, dass auch die Psyche unter der rheumatischen Erkrankung leidet, kann schon Abhilfe schaffen. Gleichzeitig können Sie so große seelische Unterstützung von Ihren Liebsten erfahren. 

Psychologische Unterstützung nutzen 

Wer das Gefühl hat, unter anhaltenden Stimmungsschwankungen oder depressiven Verstimmungen zu leiden, sollte professionelle Hilfe in Betracht ziehen. Psychotherapie, kognitive Verhaltenstherapie oder Selbsthilfegruppen können helfen, mit den emotionalen Herausforderungen besser umzugehen.  

Auch digitale Gesundheitsanwendungen wie zum Beispiel von HelloBetter können helfen, speziell mit chronischen Schmerzen umzugehen. Hier erfahren Sie mehr! 

Bewegung und Entspannungstechniken 

Sport und Bewegung haben nachweislich positive Effekte auf die Psyche. Geeignete Sportarten wie Yoga, Schwimmen oder sanfte Gymnastik können nicht nur Schmerzen lindern, sondern auch den Stress reduzieren und die Stimmung verbessern. Auf unserem YouTube-Kanal apo.com finden Sie eine Videoanleitung für eine begleitete 28-minütige Stretching-Einheit, mit der Sie bequem von zu Hause aus und ohne Equipment etwas Gutes für sich und Ihre Seele tun können: 

Auch progressive Muskelentspannung, Meditation, Achtsamkeits- und Atemübungen können helfen, Stress zu reduzieren. 

Medikamente überprüfen 

Falls eine Veränderung des Wesens nach Beginn einer bestimmten Medikation auftritt, sollte dies mit dem behandelnden Arzt bzw. der behandelnden Ärztin besprochen werden. In solchen Fällen kann die Medikation angepasst werden, indem die Dosis verändert oder das Präparat gewechselt wird. 

Soziale Kontakte pflegen 

Auch wenn es manchmal schwerfällt – regelmäßige soziale Kontakte sind wichtig. Eine rege Teilnahme am sozialen Leben ist essentiell, um der Isolation entgegenzuwirken und negative Gedankenmuster zu durchbrechen. 

Fazit 

Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis betreffen nicht nur die Gelenke, sondern auch die Psyche. Schmerzen, Entzündungen und Medikamente können zu einer Wesensveränderung bei Rheuma führen – von Gereiztheit über depressive Verstimmungen bis hin zum sozialen Rückzug. Doch es gibt Möglichkeiten, damit umzugehen: Offenheit, Bewegung, Entspannung und gegebenenfalls professionelle Unterstützung helfen, die emotionale Balance wiederzufinden und die Lebensqualität zu verbessern. 

Geprüft durch unser pharmazeutisches Team

Felix Hoffman, pharmazeutischer Experte

„An der Pharmazie fasziniert mich am meisten, wie alles zusammenspielt. Von Zusammenhängen im Stoffwechsel hin zur Einnahme von Medikamenten. Wer sich damit auskennt, kann sein Leben positiv beeinflussen.“ 

Felix Hoffmann lebt für die Pharmazie und bringt eine große Expertise in der Beratung mit. Mit seinem fundierten Wissen garantiert er die hohen Qualitätsstandards der pharmazeutischen Inhalte auf apo.com. 

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