Diabetes betrifft nicht nur den Blutzuckerspiegel, sondern kann auch das Liebesleben beeinträchtigen. Menschen mit Diabetes sind häufiger von einer sexuellen Funktionsstörung betroffen als die ohne Diabetes. Dafür gibt es vielfältige Gründe. Sie reichen von diabetesbedingten Nervenschädigungen, über Hormonstörungen bis hin zu psychischen Problemen. Generell sind Männer etwas häufiger betroffen als Frauen. Gibt es jedoch Lösungen für Probleme wie erektile Dysfunktion oder verminderte Libido? Wie sich diese Störungen äußern und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, erfahren Sie hier.
Das Wichtigste in Kürze
- Diabetes kann sexuelle Funktionsstörungen verursachen, die sowohl physische als auch psychische Ursachen haben und sowohl Männer als auch Frauen betreffen.
- Verschiedene Faktoren wie physische Einschränkungen, psychische Belastungen, hormonelle Einflüsse, medikamentöse Nebenwirkungen und das Alter können zu sexuellen Funktionsstörungen bei Diabetes beitragen.
- Männer mit Diabetes leiden häufiger unter Erektionsstörungen und anderen sexuellen Problemen wie Libidostörungen und Ejakulationsstörungen, was zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität führen kann.
- Frauen mit Diabetes können ebenfalls unter verschiedenen sexuellen Problemen leiden, darunter eine verminderte Libido, Scheidentrockenheit und verringerte Erregbarkeit, die das sexuelle Wohlbefinden beeinträchtigen können.
- Es ist wichtig, über sexuelle Probleme bei Diabetes zu sprechen, da eine angemessene Therapie die Lebensqualität deutlich verbessern kann.
- Ein umfassender Ansatz zur Gesundheitsförderung, der das Blutzuckermanagement, einen gesunden Lebensstil und die Behandlung von Begleiterkrankungen umfasst, ist entscheidend, um Folgeerkrankungen bei Diabetes zu verhindern und das sexuelle Wohlbefinden zu verbessern.
Von Libidoverlust bis Lubrikationsstörung
Diabetes mellitus ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, bei der der Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöht ist, entweder entweder aufgrund einer vollständig fehlenden Insulinproduktion (Diabetes Typ 1) oder einer gestörten Reaktion der Zellen auf das ausgeschüttete Insulin und/oder einer unzureichenden Insulinproduktion (Diabetes Typ 2). Doch was hat das mit sexuellen Störungen zu tun? Diabetes kann verschiedene Gefäße sowie Bereiche des Körpers beeinflussen durch die dauerhaft hohen Blutzuckerwerte, was zu Störungen der Organe führen kann, darunter auch der Geschlechtsorgane.
Eine sexuelle Funktionsstörung (sexuelle Dysfunktion) liegt vor, wenn Personen, die betroffen sind, ihre eigene Sexualität nicht befriedigend ausleben können und darunter leiden. Das kann sich zum einen in einem Libidoverlust (Verlust des sexuellen Verlangens) äußern, aber auch in anderen Problemen wie Erektionsstörungen bei Männern sowie Orgasmusstörungen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr bei Frauen.
Bei Menschen mit Diabetes treten sexuelle Funktionsstörungen öfter auf als bei Menschen, die nicht von Diabetes betroffen sind. So sind etwa 50 % der Männer und ein Drittel der Frauen davon betroffen. Bei Frauen, die mit Diabetes Typ 1 leben, sind es sogar bis zu 70 %.
Was verursacht sexuelle Probleme bei Diabetes?
Bei der Entstehung sexueller Funktionsstörungen bei Diabetes spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, oft in einer komplexen Kombination. Diese Auslöser beeinflussen die sexuelle Gesundheit auf vielfältige Weise und können sowohl physische als auch hormonelle, medikamentöse und psychische Aspekte umfassen. Folgende Auslöser sind dabei besonders relevant:
Physische Einschränkungen: Zu den physischen Ursachen zählen häufig die autonome Neuropathie – also die Schädigung von sensiblen Nerven – oder Durchblutungsstörungen aufgrund von Gefäßerkrankungen wie z. B. Arteriosklerose (Verkalkung der Gefäßen), die beide durch einen dauerhaft erhöhten Blutzucker entstehen können. Erhöhte Blutzuckerspiegel, Insulinresistenz und auch schlechte Blutfettwerte verändern Mechanismen in den Geschlechtsorganen, die durch Nerven und Blutgefäße gesteuert werden. Zum Beispiel kann das Einströmen von Blut in die Geschlechtsorgane / Schwellkörper beeinträchtigt sein.
Psychische Faktoren: Menschen mit Diabetes haben 2 bis 3-mal häufiger Depressionen als Menschen ohne Diabetes. Depressionen und Ängste können das Sexualleben negativ beeinflussen, und zwar bei beiden Geschlechtern. Psychische Belastungen aufgrund der Diabeteserkrankung und ihrer Auswirkungen können zu einer Verschlechterung der sexuellen Funktion führen.
Hormonelle Einflüsse: Bei Männern mit Diabetes ist ein Testosteronmangel häufig, was sich negativ auf die sexuelle Funktion auswirken kann. Testosteron ist ein wichtiges männliches Hormon, das für die sexuelle Funktion, den Muskelaufbau und andere Körperfunktionen wichtig ist. Bei Diabetes kann die gestörte Insulinproduktion die Testosteronproduktion beeinträchtigen. Bei Frauen kann ein Östrogenmangel, der während der Wechseljahre ohnehin problematisch ist, ebenfalls zu sexuellen Funktionsstörungen beitragen. Diabetes kann indirekt zu einem Östrogenmangel führen, indem es die Funktion der Eierstöcke beeinträchtigt oder den Hormonhaushalt stört.
Medikamentöse Einflüsse: Bestimmte Medikamente zur Behandlung von Diabetes und seinen Begleiterkrankungen können die sexuelle Funktion beeinträchtigen, indem sie zum Beispiel den Hormonhaushalt oder die Durchblutung beeinflussen. Studien haben gezeigt, dass beispielsweise Metformin, ein häufig verschriebenes Medikament zur Behandlung von Diabetes, in einigen Fällen den Testosteronspiegel senken und das sexuelle Verlangen verringern kann. Statine zur Senkung von Cholesterin können ebenfalls die Testosteronproduktion beeinträchtigen, was wiederum zu sexuellen Problemen führen kann.
Alter: Die Häufigkeit sexueller Funktionsstörungen nimmt mit dem Alter zu, insbesondere bei Männern, aber auch bei Frauen. Dies liegt daran, dass Diabetes oft mit fortschreitendem Alter einhergeht und gleichzeitig das Risiko für sexuelle Dysfunktionen erhöht. Mit zunehmendem Alter werden auch andere Risikofaktoren für sexuelle Probleme, wie physische Einschränkungen und hormonelle Veränderungen, häufiger. Diese können sich gegenseitig verstärken und das Risiko für sexuelle Funktionsstörungen bei Menschen mit Diabetes zusätzlich erhöhen.
Gut zu wissen
Die Diabetesdauer, die Einstellung des Blutzuckers, medikamentöse Wechselwirkungen können das Auftreten einer sexuellen Funktionsstörung beeinflussen. Um einer sexuellen Funktionsstörung als Folgekomplikation von Diabetes vorzubeugen, ist ein gewissenhaftes Blutzucker-Management entscheidend. Bei übergewichtigen Diabetes Typ 2 Patient:innen mit einer Insulinresistenz erfordert dies neben der Einnahme oraler Antidiabetika unbedingt eine Gewichtsreduktion. Dazu ist eine Umstellung der Lebensweise mit gesunder Ernährung und viel Bewegung unerlässlich. Um diese Ziele zu erreichen, helfen ein Ernährungsplan sowie ein Fitnessprogramm. Bei Diabetes Typ 1 ist hingegen die regelmäßige Insulingabe ausschlaggebend, um den Blutzucker auf ein normales Niveau zu bringen.
Sexuelle Funktionsstörungen bei Männern mit Diabetes
Ältere Männer, die bereits seit vielen Jahren mit Diabetes leben und ein schlechtes Blutzucker-Management haben, sind am häufigsten von sexuellen Funktionsstörungen betroffen. Insgesamt treten sexuelle Funktionsstörungen wie erektile Dysfunktion und Ejakulationsstörungen häufiger bei Typ-2-Diabetes als bei Typ-1-Diabetes auf. Männer mit Diabetes leiden etwa 3,5-mal häufiger unter Erektionsstörungen als Männer ohne Diabetes-Erkrankung.
Eine sexuelle Funktionsstörung beim Mann kann sich unterschiedlich äußern:
- Libidostörungen: Diese bezeichnen eine verminderte sexuelle Lust, die sowohl Männer als auch Frauen mit Diabetes erleben können. Der Verlust der Libido führt oft zu erheblichem Leidensdruck innerhalb der Partnerschaft.
- Erektionsstörungen: Am häufigsten tritt eine erektile Dysfunktion (Erektionsstörung) auf. Diese ist bei der Hälfte aller Männer mit Diabetes das Hauptproblem und gilt insgesamt als die dritthäufigste Komplikation bei männlichen Patienten. Wenn über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten keine ausreichende Erektion erreicht werden kann, sprechen Mediziner:innen von erektiler Dysfunktion.
- Ejakulationsstörungen: Dies umfasst Schwierigkeiten beim Samenerguss, wie vorzeitige, verzögerte, schmerzhafte oder fehlgeleitete Ejakulationen (in die Harnblase). Im schlimmsten Fall kann es auch bei Männern mit Diabetes vorkommen, dass kein Samenerguss stattfindet.
Diese sexuellen Funktionsstörungen sind für die meisten Betroffenen mit einer großen Beeinträchtigung der Lebensqualität verbunden, weil darunter die Partnerschaft und das Sexualleben leiden. Geschädigte Nerven und Blutgefäße im Intimbereich sind die Ursache. Auch ein diabetesbedingter Testosteronmangel spielt eine Rolle, denn Testosteron ist das wichtigste männliche Sexualhormon. Kommen noch seelische Belastungen wie Depressionen und Angststörungen als Folge von Diabetes hinzu, wirkt sich auch das auf die Erektionsfähigkeit aus, was wiederum zu sexuellen Versagensängsten führen kann.
Gut zu wissen
Wie werden Sexualstörungen bei Männern behandelt? Männer, die von einer erektilen Dysfunktion betroffen sind, können sich zunächst einer medikamentösen Behandlung unterziehen. PDE-5-Hemmer sind hier gängige Medikamente zur besseren Durchblutung des Schwellkörpers. Neben Tabletten können auch mechanische Erektionshilfen, etwa Vakuumpumpen, zum Einsatz kommen. Gefäßerweiternde Injektionen sind ebenfalls möglich, auch wenn diese oft als unangenehm empfunden werden. Liegt ein Testosteronmangel vor, kann eine Hormonersatztherapie Abhilfe schaffen, jedoch erfordert dies zuvor eine gründliche Evaluierung durch Endokrinolog:innen (Fachärzt:innen für Hormonstörungen).
Sexuelle Funktionsstörungen bei Frauen mit Diabetes
Auch bei Diabetes-Patientinnen führen sexuelle Funktionsstörungen zur Beeinträchtigung ihres Liebeslebens. Studien haben gezeigt, dass sexuelle Dysfunktionen bei Frauen mit Diabetes besonders häufig auftreten, insbesondere bei denen, die von Depressionen betroffen sind. Es gibt jedoch noch Lücken in den verfügbaren Daten darüber, wie häufig diese Probleme bei Frauen auftreten. Es ist möglich, dass noch mehr Frauen mit Diabetes von sexuellen Funktionsstörungen betroffen sind als bisher angenommen.
Wie bei Männern spielen also auch hier physische und psychische Faktoren eine Rolle. Die häufigsten Probleme sind:
- eine verminderte Libido
- Scheidentrockenheit, die zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr führt
- eine verringerte Erregbarkeit und Orgasmusfähigkeit
Diabetes kann dazu beitragen, dass bei Frauen das Bedürfnis nach Sex stark nachlässt oder gänzlich verschwindet (Libidoverlust). Ursache können durch einen zu hohen Blutzucker bedingte Nervenschäden (diabetische Neuropathie) oder Gefäßschäden (diabetische Angiopathie) sein. Auch seelische Probleme haben diesbezüglich einen großen Einfluss, denn Diabetes führt häufig zu psychischen Folgeerkrankungen. Eine häufig auftretende organische sexuelle Funktionsstörung ist Scheidentrockenheit (Lubrikationsstörung). Die mangelnde Feuchtigkeit kann beim Geschlechtsverkehr brennende oder krampfartige Schmerzen verursachen. Auch ein Östrogenmangel in den Wechseljahren kann die Bildung von Scheidenflüssigkeit reduzieren. Eine Lubrikationsstörung bereitet aber oft auch unabhängig vom Sex Probleme und führt zu Missempfindungen (Vulvodynie) wie Brennen oder Juckreiz. Hinzu kommt, dass bestimmte Diabetes-Medikamente eine Scheideninfektion begünstigen können, etwa die so genannten SGLT-2-Hemmer. Eine dritte sexuelle Funktionsstörung bei Frauen ist eine reduzierte Erregbarkeit der Klitoris und damit verbundene Orgasmusschwierigkeiten.
Gut zu wissen
Auch für Frauen mit sexuellen Funktionsstörungen gibt es mehrere Therapiemöglichkeiten. Mit Vaginal- und Beckenbodentraining lassen sich die Muskeln stärken und die Durchblutung des Genitalbereichs verbessern. Im Fall von Lubrikationsstörungen helfen Gleitmittel beim Geschlechtsverkehr oder hormonell wirksame Cremes, die den Wirkstoff Estriol enthalten. Auch bei Hormonstörungen sind verschiedene Behandlungsmethoden denkbar – von Tabletten, über Vaginalkapseln bis hin zu Pflastern. Bestehen psychische Probleme, sind Frauen wie Männer bei Psychodiabetolog:innen gut aufgehoben.
Warum es wichtig ist, offen zu sprechen
Sexualität ist ein sensibles Thema, doch besonders bei Diabetes ist es wichtig, sich darüber auszutauschen. Für viele Menschen ist es eine Herausforderung, über Sexualität zu sprechen. Menschen mit Diabetes, die auch in ihrem Liebesleben Einschränkungen erleben, stehen vor einer zusätzlichen Hürde.
Menschen mit Diabetes, die sexuellen Funktionsstörungen bemerken, sollten diese ganz offen bei ihrem Arzt, ihrer Ärztin oder ihrem Diabetologen bzw. ihrer Diabetologin ansprechen. Oftmals ist hier die Hemmschwelle recht hoch. Doch seien Sie sich dessen bewusst: Sie sind mit Ihren Problemen nicht allein und mit einer entsprechenden Therapie wird sich Ihre Lebensqualität spürbar verbessern.
Wer den Mut aufbringt, wird am Ende mit einer verbesserten Lebensqualität belohnt, denn die meisten Probleme sind behandelbar.
Ganzheitliches Vorgehen
Ein individueller Therapieplan kann dabei neben einer medikamentösen Behandlung auch Einzel- oder Gruppengespräche oder andere Methoden zur psychischen Stärkung beinhalten. Auch in Selbsthilfegruppen gibt es Unterstützung und viele Tipps für den Alltag mit , wie zum Beispiel die regelmäßige Einbindung von Bewegung. Unabhängig davon sollten Menschen mit Diabetes regelmäßig den Blutzucker messen und bei einem Insulinmangel richtig Insulin spritzen. Ein gewissenhaftes Blutzucker- und Blutdruckmanagement sind wichtige Stellschrauben, um Folgekomplikationen von Diabetes vorzubeugen oder sie erfolgreich zu bekämpfen. Neben sexuellen Funktionsstörungen können beispielsweise ebenfalls Nierenprobleme folge, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Wundheilungsstörungen auftreten. Meist liegen zusätzlich noch erhöhte Cholesterinwerte (Blutfettwerte), Übergewicht und Bluthochruck. Treten diese Faktoren zusammen auf, spricht man auch vom metabolischen Syndrom, das ebenfalls mit einem erhöhten Risiko für sexuelle Dysfunktionen einhergeht.
Daher ist ein ganzheitlicher Ansatz für die Gesundheit von entscheidender Bedeutung, der das Blutzuckermanagement, einen gesunden Lebensstil inklusive ausgewogener Ernährung und regelmäßiger Bewegung sowie das Aufhören des Rauchens umfasst. Dies ist wichtig, um die Entwicklung von Folgeerkrankungen bei Diabetes zu verhindern, die sowohl die körperliche als auch die psychische Gesundheit sowie das sexuelle Leben beeinträchtigen können.
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- Diabetes und Sexualität – diabetes-news : diabetes-news
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