Mit der Schwangerschaft beginnt für die werdende Mutter ein neues und aufregendes Kapitel in ihrem Leben. Auf einmal stellen sich zahlreiche Fragen und es kommen noch einige mehr dazu, wenn die Schwangere eine Multiple-Sklerose-Erkrankung hat. Nun gilt es, wichtige Entscheidungen zu treffen, etwa ob man stillen soll oder nicht und wann die MS-Therapie pausiert werden kann. Es ist völlig normal, wenn Sie sich fragen, was als Nächstes kommt und wie Sie Ihre Gesundheit und die Ihres Babys am besten unterstützen können. Mit der richtigen Vorbereitung und einer engen medizinischen Begleitung lässt sich diese besondere Phase voller Zuversicht und Sicherheit erleben. Erfahren Sie in diesem Artikel, was während der Schwangerschaft mit MS zu beachten ist – von den ersten Tagen bis zum Stillen – und wie Sie Ihre Schwangerschaft optimal gestalten können.
Inhaltsverzeichnis
- Wie wirkt sich die Schwangerschaft auf die MS-Erkrankung aus?
- Verändert sich die Schubrate in der Schwangerschaft?
- MS-Therapie und Schwangerschaft
- Verlaufsmodifizierende Therapie während der Schwangerschaft
- Schubtherapie während der Schwangerschaft
- Geburt mit MS: Was erwartet Sie?
- Ist Stillen mit MS möglich?
- Unterstützung und Beratung
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Schwangerschaft verläuft bei Frauen mit MS in der Regel wie bei gesunden Frauen.
- Ab dem 2. Trimester nimmt die Krankheitsaktivität oft ab, was auf hormonelle Veränderungen und die Anpassung des Immunsystems während der Schwangerschaft zurückzuführen ist.
- Je nach Krankheitsaktivität und Risiko muss die MS-Therapie während der Schwangerschaft entweder abgesetzt oder angepasst werden, weshalb eine enge ärztliche Betreuung wichtig ist.
- Die Geburt verläuft in den meisten Fällen normal, wie bei gesunden Frauen, allerdings kann das Schubrisiko kurz nach der Entbindung wieder ansteigen.
- Stillen wird empfohlen und ist vorteilhaft für das Baby, allerdings können die meisten MS-Medikamente in der Stillzeit nicht fortgeführt werden, mit einigen Ausnahmen.
Wie wirkt sich die Schwangerschaft auf die MS-Erkrankung aus?
Auch mit Multipler Sklerose (MS) ist eine erfüllte Schwangerschaft möglich. Während der Schwangerschaft passt sich Ihr Körper in vielerlei Hinsicht an. Besonders in den ersten Wochen und Monaten Ihrer Schwangerschaft kann es zu vielen Veränderungen kommen. Ihr Körper stellt sich auf das wachsende Baby ein und dies bringt manchmal zusätzliche Herausforderungen mit sich.
Die Schwangerschaft verläuft in drei Phasen, den sogenannten Trimestern, in denen jede Frau verschiedene körperliche Veränderungen und Gefühle erlebt. Bei Frauen mit und ohne Multiple Sklerose sind die Prozesse ähnlich und es gibt keine signifikant höheren Risiken für Komplikationen wie Fehlgeburten oder Frühgeburten. Jedoch kann es zu Veränderungen der MS-Symptome kommen, was wiederum Einfluss auf die MS-Therapie während der Schwangerschaft und Stillzeit hat und ggf. Anpassungen nötig macht.
Gut zu wissen
Auch für Schwangere mit MS ist eine Versorgung mit bestimmten Nährstoffen wichtig, um die gesunde Entwicklung des Babys zu unterstützen und das Wohlbefinden der Mutter zu fördern. Empfohlen wird in der Regel die Einnahme von Folsäure für die Entwicklung des Nervensystems, Vitamin D für das Immunsystem und die Knochen sowie Jod für eine gesunde Schilddrüsenfunktion. Besprechen Sie die richtige Dosierung mit ihrem Frauenarzt oder mit ihrer Frauenärztin. Wenn Sie Ihre Nahrungsergänzungsmittel bequem und günstig von zu Hause bestellen möchten, besuchen Sie unsere Online-Apotheke in der Rubrik „Schwangerschaft und Kinderwunsch“.
Verändert sich die Schubrate in der Schwangerschaft?
Eine häufige Sorge bei Frauen mit MS ist die Frage, ob eine Schwangerschaft den Krankheitsverlauf beeinflusst. Hier gibt es beruhigende Neuigkeiten: Studien zeigen, dass während der Schwangerschaft – vor allem im zweiten und dritten Trimester – das Risiko von MS-Schüben für schwangere Frauen deutlich sinkt. Es wird vermutet, dass hormonelle Veränderungen und die Anpassung des Immunsystems während der Schwangerschaft für diesen Effekt sorgen.
Viele Frauen fühlen sich während der Schwangerschaft belastbarer und erleben weniger MS-Symptome. Doch auch wenn die Erkrankung in dieser Zeit oft weniger aktiv ist, sollte man nicht vergessen, dass das Schubrisiko nach der Geburt wieder ansteigen kann.
Gut zu wissen
Das Risiko für MS-Schübe während der Schwangerschaft besteht vor allem, wenn die Erkrankung vor der Schwangerschaft besonders aktiv war, nicht ausreichend durch eine Therapie kontrolliert wurde oder wenn stark wirksame MS-Medikamente wie Fingolimod oder Natalizumab abgesetzt werden. Bei einigen Frauen wurde nach dem Absetzen dieser Wirkstoffe ein erhöhtes Schubrisiko während und nach der Schwangerschaft beobachtet. Daher sollte die Therapie bei aktiver MS rechtzeitig angepasst und optimal auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt werden, wenn eine Schwangerschaft geplant ist.
MS-Therapie und Schwangerschaft
Im Rahmen der Behandlung von Multipler Sklerose werden regelmäßig Medikamente eingesetzt, um Schübe zu verhindern und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen. Einer der schwierigsten Aspekte bei MS und Schwangerschaft ist die Frage, welche Medikamente sicher während der Schwangerschaft eingenommen werden können. Es gibt hier keine einfache Antwort, da nicht alle MS-Medikamente ausreichend auf ihre Sicherheit während der Schwangerschaft untersucht wurden.
Einige der Medikamente, die zur Behandlung von MS eingesetzt werden, sind während der Schwangerschaft und Stillzeit nicht oder nur eingeschränkt zugelassen. Bestimmte MS-Arzneimittel können das ungeborene Kind beeinträchtigen, da sie während der Schwangerschaft durch die Plazenta (Mutterkuchen) vom Kind aufgenommen oder nach der Geburt über die Muttermilch an das gestillte Baby weitergegeben werden.
Wenn ein Kinderwunsch besteht, ist es besonders wichtig, frühzeitig mit Ihrem Facharzt oder Ihrer Fachärztin für Neurologie (Spezialist:innen für Erkrankungen des Nervensystems) zu sprechen.
Verlaufsmodifizierende Therapie während der Schwangerschaft
Die meisten verlaufsmodifizierenden MS-Medikamente sollten vor der Schwangerschaft abgesetzt werden, da sie mit einem erhöhten Risiko für Fehlbildungen verbunden sind. Vor der Empfängnis wird häufig eine sogenannte „Wash-Out-Periode“ eingelegt, um sicherzustellen, dass der Körper die Substanzen vollständig abbaut. Dieser Prozess kann mehrere Monate dauern und sollte in enger Absprache mit dem Neurologen oder der Neurologin erfolgen.
Medikamente wie Fingolimod, Teriflunomid und Cladribin sind während der Schwangerschaft nicht sicher und sollten rechtzeitig vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt werden. Für Dimethylfumarat und Natalizumab gibt es gemischte Daten: Dimethylfumarat sollte nach Feststellung der Schwangerschaft abgesetzt werden, während Natalizumab in bestimmten Fällen unter ärztlicher Überwachung weitergeführt werden kann. Wirkstoffe wie Glatirameracetat und Interferon-beta gelten als sicherer.
Die Entscheidung, ob eine Therapie Monate vor der geplanten Empfängnis, ab dem positiven Schwangerschaftstest oder während der Schwangerschaft fortgeführt wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab, vor allem von der Krankheitsaktivität der MS. Eine enge Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin ist notwendig, um eine fundierte Nutzen-Risiko-Abwägung zu treffen und den besten Behandlungsplan für Sie zu finden.
Schubtherapie während der Schwangerschaft
Sollte es während der Schwangerschaft zu einem MS-Schub kommen, ist eine Schubtherapie mit Kortison ab dem zweiten Trimester möglich. Es ist wichtig zu beachten, dass eine Kortisontherapie im ersten Trimester das Risiko für Fehlbildungen, wie z. B. eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, erhöhen kann. In Ausnahmefällen kann eine Kortisontherapie im ersten Trimester dennoch notwendig sein, sollte aber gut abgewogen werden.
Eine weitere Option bei schweren Schüben, die nicht auf Kortison ansprechen, ist die Blutwäsche. Diese Therapie wird nur in besonderen Fällen empfohlen und erfordert eine enge medizinische Überwachung.
Geburt mit MS: Was erwartet Sie?
In der Regel gibt es aufgrund der MS keine besonderen Unterschiede oder Einschränkungen bei der Geburt. Einige Frauen mit MS entscheiden sich für eine natürliche Geburt, andere für einen Kaiserschnitt – diese Entscheidung sollte in Absprache mit dem geburtshilflichen Team individuell getroffen werden.
Bei manchen Frauen mit MS-bedingten Symptomen wie Spastiken oder Muskelschwäche kann es während der Geburt zu Schwierigkeiten kommen, was in seltenen Fällen einen Kaiserschnitt notwendig machen kann. Es ist empfehlenswert, dies im Vorfeld mit der Geburtsklinik zu besprechen, um gut vorbereitet zu sein.
Mehr zu den Symptomen bei MS und deren Behandlung erfahren Sie hier.
Gut zu wissen
Vor allem in den ersten drei Monaten nach der Entbindung berichten viele Frauen von einer intensiveren Schubaktivität. Um dieses Risiko zu verringern, ist es wichtig, nach der Geburt zeitnah eine Rücksprache mit dem behandelnden Arzt oder behandelnder Ärztin zu halten und eventuell die Therapie zeitnah wieder aufzunehmen.
Ist Stillen mit MS möglich?
Muttermilch ist für Babys von großer Bedeutung, da sie wichtige Nährstoffe und Abwehrstoffe enthält. Stillen ist für viele Eltern zudem ein wichtiger Bestandteil der frühen Bindung zum Baby. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät dazu, in den ersten 4 bis 6 Monaten ausschließlich zu stillen. Studien haben gezeigt, dass volles Stillen nach der Geburt sogar einen leicht positiven Einfluss auf die Reduzierung von MS–Schüben bei der Mutter haben kann. Während dieser Zeit werden krankheitsmodifizierende MS-Therapien oft pausiert, da die meisten Medikamente, die zur Behandlung von MS eingesetzt werden, in die Muttermilch übergehen können. Einige Medikamente, wie Interferon-beta und Glatirameracetat, können nach Absprache mit dem Arzt oder der Ärztin während der Stillzeit angewendet werden, da sie nur in geringen Mengen in die Muttermilch übergehen.
Falls während des Stillens ein Schub auftritt, können Kortikosteroide in hoher Dosis verabreicht werden, wobei nach der Einnahme eine Stillpause von etwa 4 Stunden empfohlen wird. Sobald die Stillzeit beendet ist, kann die MS-Therapie fortgesetzt werden. Ob Sie sich für das Stillen oder Flaschennahrung entscheiden, bleibt ganz Ihnen überlassen. Sollten Sie nicht stillen, ist es empfehlenswert, die medikamentöse Behandlung nach der Geburt möglichst bald wieder aufzunehmen.
Unterstützung und Beratung
Eine Schwangerschaft ist für jede Frau eine besondere Phase im Leben. Mit MS erfordert diese vielleicht etwas mehr Planung, aber sie ist keineswegs ein Hindernis für ein erfülltes und glückliches Familienleben. Fachärzt:innen und auch Hebammen stehen Ihnen jederzeit zur Seite, um Sie auf Ihrem Weg zu begleiten. Nutzen Sie die Unterstützung, die Ihnen zur Verfügung steht, und scheuen Sie sich nicht, Fragen zu stellen oder Ihre Sorgen zu teilen.
Denken Sie daran: Diese Zeit gehört Ihnen und Ihrem Baby. Mit der richtigen Vorbereitung, den passenden Therapiemaßnahmen und der Unterstützung Ihres medizinischen Teams können Sie Ihre Schwangerschaft mit MS voller Zuversicht und Freude erleben.
- https://register.awmf.org/assets/guidelines/030-050p_S2e_Multiple-Sklerose_2022-05_01.pdf
- https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/neurologie/pdf_downloads/MS_und_Schwangerschaft_Patiententag_MS_Korporal-Kuhnke.pdf
- https://www.ms-gateway.de/leben-und-alltag-mit-ms/familienplanung-mit-ms/ms-und-vererbung
- https://www.ms-und-kinderwunsch.de/allgemeine-informationen.html
- https://www.multiplesklerose.ch/PDF/de/Infoblaetter/01_Medizinische_und_therapeutische_Fragen/MS-Info_MS-Medikamente_und_Familienplanung.pdf
Geprüft durch unser pharmazeutisches Team

„An der Pharmazie fasziniert mich am meisten, wie alles zusammenspielt. Von Zusammenhängen im Stoffwechsel hin zur Einnahme von Medikamenten. Wer sich damit auskennt, kann sein Leben positiv beeinflussen.“
Felix Hoffmann lebt für die Pharmazie und bringt eine große Expertise in der Beratung mit. Mit seinem fundierten Wissen garantiert er die hohen Qualitätsstandards der pharmazeutischen Inhalte auf apo.com.
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