Rund fünf bis zehn Prozent aller Schwangeren leiden unter erhöhtem Blutdruck, medizinisch Hypertonie genannt. In den meisten Fällen ist das ungefährlich, manchmal können daraus aber ernsthafte Komplikationen entstehen. Doch was ist überhaupt ein normaler Blutdruck in der Schwangerschaft und wann spricht man von einer schwangerschaftsinduzierten Hypertonie? Wie erkennt man Bluthochdruck in der Schwangerschaft und was lässt sich dagegen tun? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert der folgende Artikel.   

Das Wichtigste in Kürze

  • Blutdruckschwankungen während der Schwangerschaft sind nicht ungewöhnlich.
  • Liegt der Blutdruck aber dauerhaft über dem Wert 140/90 mmHg, spricht man von Bluthochdruck.  
  • Typische Risikofaktoren sind Übergewicht, Diabetes bzw. Schwangerschaftsdiabetes, ein höheres Alter (über 40) und Mehrlingsschwangerschaften. 
  • In seltenen Fällen kann Bluthochdruck während der Schwangerschaft gefährlich werden und zu Komplikationen wie einer Präeklampsie oder Eklampsie führen. 
  • Zur Therapie von Bluthochdruck in der Schwangerschaft kommt eine medikamentöse und eine nicht-medikamentöse Behandlung infrage. 

Welcher Blutdruck ist in der Schwangerschaft normal?

Grundsätzlich gelten während einer Schwangerschaft die gleichen Blutdruck-Richtwerte wie sonst auch: Normal sind Blutdruckwerte unter 140/90 mmHg. Gerade zu Beginn der Schwangerschaft kann der Blutdruck aber zunächst deutlich unter dieses Niveau sinken: Mehr als 80 Prozent aller Frauen haben im ersten Drittel der Schwangerschaft einen Blutdruck von weniger als 125/75 mmHg. Der Grund ist, dass sich durch die hormonelle Umstellung die Blutgefäße erweitern, was den Blutdruck sinken lässt. In den letzten drei Schwangerschaftsmonaten steigt der Blutdruck normalerweise wieder auf das Level wie vor der Schwangerschaft. 

Welche Formen von Bluthochdruck in der Schwangerschaft gibt es?

Bluthochdruck in der Schwangerschaft liegt vor, wenn die Blutdruckwerte längerfristig über 140/90 mmHg liegen. Medizinisch sind dabei verschiedene Formen zu unterscheiden:  

  • Vorbestehende Hypertonie: Manche Frauen leiden bereits vor der Schwangerschaft unter Bluthochdruck. Dieser kann weiter bestehen, bei einigen Frauen normalisiert sich der Blutdruck in den ersten Monaten der Schwangerschaft durch die physiologischen Veränderungen aber. Von einem schwangerschaftsunabhängigen Bluthochdruck ist auszugehen, wenn der erhöhte Blutdruck schon vor der 20. Schwangerschaftswoche besteht oder wenn er nach der Geburt länger als 42 Tage anhält.   

  • Gestationshypertonie (schwangerschaftsinduzierte Hypertonie): Durch die Schwangerschaft ausgelöster Bluthochdruck beginnt typischerweise nach der 20. Schwangerschaftswoche. Oft tritt der hohe Blutdruck erst gegen Ende der Schwangerschaft auf. Die Blutdruckwerte können noch einige Wochen nach der Geburt erhöht sein, sollten aber nach spätestens 42 Tagen wieder auf ein normales Niveau sinken. In seltenen Fällen kann sich eine Gestationshypertonie erst nach der Geburt einstellen. 

  • Vorbestehende Hypertonie mit aufgepfropfter Gestationshypertonie: Manchmal kommen beide Formen gemeinsam vor, das heißt, ein vorbestehender Bluthochdruck verschlechtert sich durch die Schwangerschaft deutlich. Frauen mit bereits bekanntem Bluthochdruck sollten ihre Werte während der Schwangerschaft daher regelmäßig kontrollieren. 

Welche Ursachen hat Bluthochdruck in der Schwangerschaft?

Warum manche Frauen unter Bluthochdruck in der Schwangerschaft leiden und andere nicht, lässt sich nicht mit Sicherheit beantworten. 

Fest steht, dass die hormonelle und physiologische Umstellung während einer Schwangerschaft viele Regelkreise im mütterlichen Organismus beeinflusst. Forscher:innen nehmen an, dass dadurch latent vorhandene Erkrankungen ausgelöst oder verstärkt werden können. Ein latent vorhandener (leichter) Bluthochdruck könnte während einer Schwangerschaft also in eine „richtige“ Hypertonie übergehen. 

Bekannte Risikofaktoren für Bluthochdruck in der Schwangerschaft sind:

  • Übergewicht 

  • Diabetes oder Schwangerschaftsdiabetes 

  • höheres Alter (> 40 Jahre) 

  • Mehrlingsschwangerschaften 

Trotzdem können auch Frauen, auf die keine dieser Risikofaktoren zutreffen, eine Gestationshypertonie entwickeln.  

Wie gefährlich ist zu hoher Blutdruck in der Schwangerschaft?

In den meisten Fällen verlaufen Schwangerschaften trotz Bluthochdruck normal und ohne weitere gesundheitliche Komplikationen für Mutter und Kind. Gerade wenn der Blutdruck nur mäßig erhöht ist (< 160/110 mmHg) und die Schwangere keine weiteren Begleiterkrankungen hat, ist die Gefahr für Komplikationen bei Mutter und Kind eher gering. Trotzdem geht mit Bluthochdruck in der Schwangerschaft ein gewisses Gesundheitsrisiko einher, insbesondere für schwangerschaftsbezogene Komplikationen.  

In seltenen Fällen kann Bluthochdruck in der Schwangerschaft aber ein akut gefährliches Ausmaß annehmen – auch hypertensiver Notfall genannt. Manchmal ist er Vorbote oder Begleiterscheinung einer sogenannten Präeklampsie oder Eklampsie, einer ernsthaften Erkrankung während der Schwangerschaft. 

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Präeklampsie

Das Krankheitsbild Präeklampsie ist umgangssprachlich auch unter der missverständlichen Bezeichnung „Schwangerschaftsvergiftung“ bekannt. Tatsächlich handelt es sich nicht um eine Vergiftung, sondern um eine Anpassungsstörung des weiblichen Körpers an die Schwangerschaft 

Bei einer Präeklampsie ist der Aufbau der Blutgefäße in der Plazenta (Mutterkuchen) gestört. Dadurch besteht die Gefahr, dass das Ungeborene mit zu wenig Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. Die Plazenta schüttet daraufhin häufig Hormone aus, die den mütterlichen Blutdruck erhöhen, damit das Blut besser durch die Plazenta fließt. Gelingt das nicht, dann kann der Blutdruck gefährlich ansteigen und die Mutter in Gefahr bringen. 

Die Leitsymptome einer Präeklampsie sind erhöhter Blutdruck, eine erhöhte Eiweißausscheidung im Urin und Wassereinlagerungen (Ödeme), die zu einer plötzlichen Gewichtszunahme führen können. Mögliche weitere Symptome sind: 

  • starke Kopfschmerzen 

  • Übelkeit, Erbrechen 

  • Benommenheit 

  • Schwindel 

  • Sehstörungen 

Eine Präeklampsie kann unbehandelt zu einem Organversagen auf Seiten der Mutter oder einer vorzeitigen Plazentaablösung mit potenziell tödlichen Folgen für Mutter und Kind führen. Durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wird das Krankheitsbild heute meist schon in der Frühphase erkannt, so dass derartige Komplikationen sehr selten geworden sind. 

Eklampsie

Eine schwere Verlaufsform der Präeklampsie ist die Eklampsie, bei der zu den oben genannten Symptomen noch epilepsieartige Krampfanfälle hinzukommen. Diese Anfälle sind durch wiederholte Verkrampfungen der Körpermuskulatur und einen Bewusstseinsverlust gekennzeichnet. Ohne medizinische Hilfe kann eine Eklampsie lebensbedrohlich sein. 

Wie wird Bluthochdruck in der Schwangerschaft diagnostiziert?

Bluthochdruck verursacht an sich meist keine oder nur sehr geringe Beschwerden und Symptome. Zuverlässig diagnostizieren lässt er sich daher nur durch regelmäßige Blutdruckmessungen. Diese sind Teil der regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft. Einmalig erhöhte Blutdruckwerte müssen dabei noch nicht bedenklich sein, denn der Blutdruck kann in der Schwangerschaft situationsbedingt schwanken. Erst wenn sich die erhöhten Blutdruckwerte bei mehrmaligen Messungen bestätigen, idealerweise auch außerhalb der Arztpraxis, ist von Bluthochdruck in der Schwangerschaft auszugehen.  

Auch Harnuntersuchungen zur Feststellung einer erhöhten Eiweißausscheidung im Urin zählen zur normalen Vorsorgeroutine. Für Frauen mit erhöhtem Präeklampsie-Risiko kann nach ärztlicher Absprache im ersten Trimester ein Präeklampsie-Screening sinnvoll sein, bei dem unter anderem die Durchblutung der Gebärmutter-Arterien untersucht wird.  

Wie lässt sich Bluthochdruck in der Schwangerschaft behandeln?

Die Behandlung von Bluthochdruck in der Schwangerschaft unterscheidet sich in einigen Aspekten von derjenigen nicht schwangerer Patient:innen. Bei allen Behandlungsmaßnahmen ist schließlich zwischen dem Nutzen und möglichen Risiken für das ungeborene Kind abzuwägen. Allerdings bringt unbehandelter Bluthochdruck genauso Risiken für Mutter und Kind mit sich.  

Prinzipiell kommen sowohl nicht-medikamentöse Maßnahmen als auch Medikamente in Frage, um erhöhten Blutdruck zu senken. 

Nicht-medikamentöse Maßnahmen

Menschen mit Bluthochdruck wird meist empfohlen, auf ihren Lebensstil zu achten. Bestimmte Lebensstilmaßnahmen können auch für Schwangere mit Bluthochdruck sinnvoll sein, etwa 

  • eine ausgewogene Ernährung (aber nicht kochsalzreduziert)

  • regelmäßige Bewegung (kein Extremsport) 

  • stressreduzierende Maßnahmen, Ruhe und Entspannung 

  • der absolute Verzicht auf Alkohol und Nikotin 

Eine Reduktion von Übergewicht, wie sie Menschen mit Bluthochdruck sonst nahegelegt wird, ist während einer Schwangerschaft jedoch nicht sinnvoll. Frauen mit Übergewicht oder Adipositas sollten aber darauf achten, nicht mehr an Gewicht zuzunehmen, als es ihre Ärztin oder ihr Arzt empfiehlt. Welche Maßnahmen konkret geeignet sind, besprechen schwangere Frauen am besten individuell mit ihrem Behandlungsteam. 

Blutdrucksenkende Medikamente während der Schwangerschaft

Gelingt es nicht, den Blutdruck mit natürlichen Maßnahmen unter 140/90 mmHg zu halten, dann ist eventuell eine zusätzliche medikamentöse Behandlung mit Blutdrucksenkern nötig. Nicht alle Medikamente zur Behandlung von Bluthochdruck sind für schwangere Frauen geeignet. Bei Frauen mit vorbestehender Hypertonie wird daher die Medikation in der Regel umgestellt. 

Neuere Forschungsergebnisse zeigen, dass eine medikamentöse Behandlung von Bluthochdruck in der Schwangerschaft sicher und effektiv ist und dass die Vorteile in der Regel überwiegen. Trotzdem lässt sich die Entscheidung für oder gegen die Einnahme von Medikamenten nur auf individueller Basis treffen.  

Bei einem erhöhten Risiko für eine Präeklampsie ist oft die Gabe von niedrig dosiertem ASS (Acetylsalicylsäure) während der 12. bis 35. Schwangerschaftswoche sinnvoll. Das kann die Wahrscheinlichkeit verringern, dass es tatsächlich zu einer Präeklampsie kommt.  

Behandlung bei Präeklampsie

Eine Präeklampsie klingt nach der Entbindung normalerweise ab. Während der Schwangerschaft wird symptomatisch behandelt: Bei milden Formen der Präeklampsie kann eine engmaschige ambulante Überwachung ausreichend sein. Schwangere mit Präeklampsie sollten sich unbedingt körperlich schonen und Stress vermeiden. 

Bessern sich die Symptome nicht, dann ist oft eine stationäre Aufnahme in ein Krankenhaus erforderlich. Die Schwangere und ihr ungeborenes Kind können im Krankenhaus besser überwacht werden, um bei Komplikationen sofort zu handeln. Je nachdem, wie weit die Schwangerschaft fortgeschritten ist, wird das Behandlungsteam die Einleitung der Entbindung erwägen. Nach der 37. Schwangerschaftswoche ist eine Entbindung meist eine mögliche Lösung, da die kindlichen Organe zu diesem Zeitpunkt ausgereift sind.  

Nachbehandlung

Durch das Ende der Schwangerschaft und die Hormonumstellung nach der Geburt klingt der Bluthochdruck normalerweise innerhalb weniger Wochen ab. Trotzdem tragen Frauen mit einer Gestationshypertonie ein erhöhtes Risiko, später im Leben unter Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu leiden. Deshalb ist es auch nach der Geburt sinnvoll, von Zeit zu Zeit den Blutdruck zu messen und mögliche weitere Risikofaktoren wie Übergewicht oder Bewegungsmangel unter Kontrolle zu halten.  

Geprüft durch unser pharmazeutisches Team

Felix Hoffman, pharmazeutischer Experte

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Felix Hoffmann lebt für die Pharmazie und bringt eine große Expertise in der Beratung mit. Mit seinem fundierten Wissen garantiert er die hohen Qualitätsstandards der pharmazeutischen Inhalte auf apo.com. 

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