Ein Rheumaschub kann Betroffene plötzlich und unerwartet treffen – Schmerzen und Entzündungen nehmen zu und der Alltag wird zur Herausforderung. Bei einem Rheumaschub handelt es sich um eine vorübergehende Phase, in der sich die Symptome der rheumatischen Erkrankung verschlimmern. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie einen Rheumaschub frühzeitig erkennen, was Ihnen in der akuten Phase helfen kann und wie Sie zukünftigen Schüben vorbeugen können, um wieder mehr Lebensqualität zu gewinnen.
Das Wichtigste in Kürze
- Rheumaschübe sind durch verstärkte Schmerzen und Entzündungen gekennzeichnet.
- Frühzeitiges Erkennen und Handeln kann die Dauer und Intensität eines Schubs reduzieren.
- Eine angepasste Therapie und Lebensstiländerungen können helfen, Schübe zu kontrollieren.
- Regelmäßige Arztbesuche sind wichtig für die Überwachung und Anpassung der Behandlung.
Anzeichen eines Rheumaschubs
Ein Rheumaschub steht in Zusammenhang mit einer erhöhten Entzündungsaktivität. Er kann sich auf unterschiedliche Weise äußern und ist oft für die Betroffenen mit einer deutlichen aber vorübergehenden Verschlechterung des Wohlbefindens verbunden.

“Wenn ich in einem akuten Schub bin, fühle ich mich sehr verletzlich und habe Angst.”
Ellen ist 47 Jahre alt, Mutter und lebt seit 25 Jahren mit rheumatoider Arthritis
Zu den häufigsten Symptomen zählen:
- Verstärkte Gelenkschmerzen und -schwellungen: Die betroffenen Gelenke können sich empfindlicher anfühlen, anschwellen, erwärmen und bei Bewegung oder Druck starke Schmerzen verursachen.
- Erhöhte Steifheit, besonders am Morgen: Viele Betroffene berichten, dass sich die Gelenke am Morgen wie „eingerostet“ anfühlen und es Zeit braucht, bis die Beweglichkeit zurückkehrt.
- Zunehmende Müdigkeit und Erschöpfung: Ein Schub wirkt sich oft nicht nur körperlich, sondern auch auf die allgemeine Energie aus.
- Leichtes Fieber oder allgemeines Krankheitsgefühl: Neben den Gelenksymptomen kann sich ein Schub auch wie eine Art Grippe anfühlen – mit leichtem Fieber, Abgeschlagenheit und einem allgemeinen Unwohlsein.
- Verminderte Beweglichkeit der betroffenen Gelenke: Die Entzündungen können die Bewegungsfreiheit einschränken, was alltägliche Aktivitäten erschwert.
Diese Symptome sind individuell verschieden und können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Deshalb ist es wichtig, auf die Signale des Körpers zu achten und bei Verdacht auf einen Schub rechtzeitig ärztlichen Rat einzuholen.
Auslöser für Rheuma Schübe
Ein Rheumaschub kann durch verschiedene Faktoren begünstigt werden. Oft spielen innere und äußere Einflüsse eine Rolle, die die Krankheitsaktivität ankurbeln. Zu den häufigsten Auslösern gehören:
- Stress und emotionale Belastungen: Chronischer Stress kann die Krankheitsaktivität bei rheumatoider Arthritis erhöhen und Schübe auslösen. Studien zeigen, dass Patient:innen, die unter erheblichem Stress stehen, eine höhere Krankheitsaktivität und mehr betroffene Gelenke aufweisen. Deshalb sind Techniken zum Stressabbau – wie Entspannungsübungen oder achtsame Atemtechniken – besonders wichtig.
- Infektionen oder andere Erkrankungen: Rheumapatient:innen haben eine erhöhte Infektionsanfälligkeit, was wiederum zu Schüben führen kann. Erkältungen, Grippe oder andere Infekte können das Immunsystem zusätzlich belasten und Entzündungsreaktionen verstärken, was zu einem Schub führen kann. Erfahren Sie hier, was Rheumapatient:innen in der Erkältungssaison beachten sollten.
Gut zu wissen
Da viele Formen von Rheuma Autoimmunerkrankungen sind, bei denen das Immunsystem stetig körpereigene Zellen angreift, kann es zum sogenannten T-Zell-Burnout kommen. Der T-Zell-Burnout beschreibt einen Zustand, bei dem die T-Zellen, also die Abwehrzellen des Immunsystems, durch ständige Belastung erschöpft und weniger effektiv werden. Bei Rheumapatient:innen führt dies dazu, dass die T-Zellen zwar weiterhin Entzündungen fördern, aber gleichzeitig nicht mehr gut auf neue Bedrohungen wie Infektionen reagieren können, was die erhöhte Anfälligkeit für Krankheiten erklärt.
- Hormonelle Veränderungen: Geschlechtshormone haben einen erheblichen Einfluss auf das Immunsystem und können den Verlauf von Rheumaerkrankungen bedingen. Besonders in hormonellen Umstellungsphasen, wie während der Pubertät oder den Wechseljahren, können Beschwerden zu- oder abnehmen.
- Wetterwechsel oder extreme Temperaturen: Viele Rheumapatient:innen berichten von einer Verschlechterung ihrer Symptome bei Wetterumschwüngen oder extremen Temperaturen. Plötzliche Kälte zum Beispiel kann die Symptome verstärken. Lesen Sie hier unsere Tipps bei Rheuma im Winter.
- Übermäßige körperliche Belastung: Zwar ist Bewegung für Rheumapatient:innen wichtig, doch eine Überbeanspruchung der Gelenke kann zur Verstärkung der Entzündungen führen. Eine angemessene Balance zwischen Aktivität und Schonung ist wichtig.
- Unregelmäßige Medikamenteneinnahme: Eine konsequente Einnahme der verordneten Medikamente ist entscheidend für die Kontrolle der Krankheitsaktivität. Eine unregelmäßige Einnahme hingegen kann zu einem Wiederaufflammen der Entzündung und somit zu Schüben führen. Eine enge Abstimmung mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt ist essenziell.
Diagnose eines Rheumaschubs
Die Diagnose eines Rheumaschubs beruht auf mehreren Bausteinen, die zusammen ein umfassendes Bild der aktuellen Krankheitsaktivität liefern:
- Patientenberichte: Schilderungen zu Schmerzen, Schwellungen oder Morgensteifigkeit geben erste Hinweise auf einen Schub. Ein Schub-Tagebuch hilft, Veränderungen nachzuvollziehen und die Diagnose zu erleichtern.
- Körperliche Untersuchung: Ergänzt die subjektiven Wahrnehmungen und liefert weitere Anhaltspunkte.
- Laboruntersuchungen: Erhöhte Entzündungswerte wie CRP und BSG dienen als objektive Indikatoren für die Krankheitsaktivität. Erfahren Sie hier mehr über Blutwerte bei Rheuma.
- Bildgebende Verfahren: Ermöglichen eine detaillierte Beurteilung der Gelenkentzündung.
Behandlungsstrategien
Die Behandlung eines Rheumaschubs erfordert einen ganzheitlichen Ansatz. Ziel ist es, Schmerzen und Entzündungen zu lindern, die Beweglichkeit zu fördern und die Lebensqualität der Betroffenen spürbar zu verbessern. Die Therapie kombiniert verschiedene Bausteine, die individuell an Ihre Bedürfnisse angepasst werden.
Medikamentöse Therapie
Im Zentrum der Behandlung steht oft die medikamentöse Therapie. Bei akuten Schüben kann eine kurzfristige Erhöhung der Dosis von Schmerzmitteln oder entzündungshemmenden Medikamenten, wie nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), notwendig sein. Diese Wirkstoffe, zu denen Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen gehören, können schnell und effektiv Schmerzen lindern sowie Entzündungen hemmen.
Bei schweren Schüben kommt häufig Kortison zum Einsatz. Kortison wirkt stark entzündungshemmend und kann die Symptome rasch lindern. Allerdings sollte die Anwendung aufgrund möglicher Nebenwirkungen zeitlich begrenzt sein. In einigen Fällen kann auch eine Anpassung der Basistherapie mit krankheitsmodifizierenden antirheumatischen Medikamenten (DMARDs) erforderlich sein, um den Krankheitsverlauf langfristig zu beeinflussen.
Gut zu wissen
In unserem Beitrag über Rheumamedikamente können Sie sich umfassend über die genannten medikamentösen Therapien informieren.
Physikalische Therapie
Ergänzend zur medikamentösen Behandlung spielt die physikalische Therapie eine wichtige Rolle. Je nach individueller Verträglichkeit können Kälte– oder Wärmeanwendungen zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.

“Wenn meine Gelenke entzündet sind, fühlen sie sich sehr heiß an. Dann vermeide ich Wärme und setze stattdessen lieber auf kühlende Anwendungen, das tut mir deutlich besser.”
Ellen ist 47 Jahre alt, Mutter und lebt seit 25 Jahren mit rheumatoider Arthritis
Gezielte Physiotherapie und Krankengymnastik sind entscheidend, um die Beweglichkeit zu erhalten und zu verbessern. Diese Übungen können an Ihre körperliche Verfassung angepasst werden und helfen, Versteifungen vorzubeugen. Zusätzlich bietet die Ergotherapie praktische Unterstützung im Alltag. Ergotherapeut:innen zeigen Ihnen, wie Sie Ihre Gelenke schonen, gelenkschonende Bewegungsabläufe erlernen und Hilfsmittel effektiv nutzen können. So können Sie Alltagsaufgaben leichter bewältigen und Ihre Selbstständigkeit bewahren.
Stressreduktion und Entspannung
Ein oft unterschätzter, aber wichtiger Aspekt der Behandlung ist die Stressreduktion. Das Erlernen von Entspannungstechniken kann helfen, den Schmerz besser zu bewältigen und das allgemeine Wohlbefinden zu steigern. Viele Rheumapatient:innen profitieren von Achtsamkeitsübungen, die dazu beitragen können, dass der Schmerz nicht den Alltag dominiert. Ausreichend Schlaf und regelmäßige Ruhephasen sind ebenfalls wichtig, um dem Körper Erholung zu ermöglichen und die Belastung der Gelenke zu reduzieren.

“Entspannung ist für mich der Schlüssel, um meine Symptome zu bewältigen. Stress und Überanstrengung setzen mir persönlich sehr zu, deshalb machen ausreichend Ruhe und Schlaf einen riesigen Unterschied.”
Ellen ist 47 Jahre alt, Mutter und lebt seit 25 Jahren mit rheumatoider Arthritis
Leiden Sie unter Schlafstörungen, chronischen Schmerzen oder Stress? Erfahren Sie hier, wie Sie schnell und einfach Unterstützung erhalten können – ganz einfach von zu Hause aus.
Einem Rheumaschub vorbeugen
Um die Häufigkeit und Intensität eines Rheumaschubs zu reduzieren, können Ihnen folgende Tipps helfen:
- Gehen Sie regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen bei Ihrem Rheumatologen bzw. Ihrer Rheumatologin.
- Nehmen Sie Ihre verordneten Medikamente ordnungsgemäß ein.
- Ernähren Sie sich ausgewogen und achten Sie auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr. In unserem Beitrag erfahren Sie mehr über die richtige Ernährung bei Rheuma.
- Bewegen Sie sich regelmäßig und treiben Sie gelenkschonenden Sport.
- Reduzieren Sie nach Möglichkeit Ihr Stresslevel und erlernen Sie Entspannungstechniken.
- Führen Sie ein Symptomtagebuch, um Ihre Krankheitsaktivität besser einschätzen zu können und Schübe schneller zu erkennen.
- Vermeiden Sie bekannte individuelle Auslöser.
Sollten Sie vermuten, einen Rheumaschub zu haben:
- Kontaktieren Sie frühzeitig Ihren Rheumatologen bzw. Ihre Rheumatologin.
- Passen Sie Ihre medikamentöse Therapie entsprechend der Anweisungen Ihres Rheumatologen bzw. Ihrer Rheumatologin an.
- Passen Sie Ihren Lebensstil an, planen Sie mehr Ruhephasen ein und vermeiden Sie unnötigen Stress.
- Bitten Sie bei Bedarf im Familien- und Freundeskreis um Unterstützung.
Fazit
Ein Rheumaschub ist eine Herausforderung, da er Betroffene mitunter im Alltag stark einschränken kann. Doch mit dem richtigen Management und einer guten Zusammenarbeit zwischen Patient:in und Arzt bzw. Ärztin kann diese Phase oft erfolgreich bewältigt werden. Eine frühzeitige Erkennung und Behandlung sowie präventive Maßnahmen können dazu beitragen, die Häufigkeit und Intensität von Schüben zu reduzieren und die Lebensqualität zu verbessern.
Wichtig ist, dass Sie Patient:innen aktiv an Ihrer Behandlung mitwirken. Eine offene und ehrliche Kommunikation mit dem Behandlungsteam hilft dabei, die für Betroffenen passende Therapie zu finden und individuell anzupassen.
- Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.: Skriptum Rheumatologie 3. Auflage 2023
- Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie E.V. S2e-Leitlinie „Therapie der rheumatoiden Arthritis mit krankheitsmodifizierenden Medikamenten„
- Choy E, Understanding the dynamics: pathways involved in the pathogenesis of rheumatoid arthritis. Rheumatology 2012;51(5):v3-v11.
- Schneider, M., & Krüger, K. (2023). Umweltfaktoren und Lebensstil als Trigger für rheumatische Schübe. Der Internist, 64(11), 1145-1152
- Keyßer, G. (2011). Therapie des akuten Schubes der rheumatoiden Arthritis. Zeitschrift für Rheumatologie, 70(3), 206-211.
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