Eine Erkältung kann uns für mehrere Tage, manchmal sogar Wochen, beschäftigen. Für viele Menschen mag das lästig sein, ist jedoch nicht weiter gefährlich. Bei Menschen mit Rheuma sieht das anders aus. Laut verschiedener Studien infizieren sich Rheumapatient:innen tatsächlich öfter mit Viren und Bakterien und neigen zu schwereren Krankheitsverläufen. Wie Rheuma und das Immunsystem zusammenhängen, inwiefern sich Infekte auf Patient:innen mit Rheuma auswirken und welche Präventionsmaßnahmen Sie ergreifen können, verraten wir Ihnen in unserem Beitrag.

Was ist Rheuma?

Rheuma ist ein Sammelbegriff für viele verschiedene Krankheiten, die Schmerzen verursachen und unseren Bewegungsapparat beeinträchtigen können. Laut der Daten der Rheuma-Liga sind etwa 20 Millionen Menschen in Deutschland, darunter auch Kinder und Jugendliche, von diesen Beschwerden betroffen. Der Begriff „Rheuma“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „fließend“. Er wurde verwendet, weil die Schmerzen und Beschwerden, die Menschen mit Rheuma haben, manchmal von einem Gelenk zum anderen „fließen“.

Der Einfluss von Infekten auf Rheumapatient:innen

Das Immunsystem ist ein lebenswichtiges Netzwerk von Zellen und Proteinen, das den Körper vor Infektionen schützt. Mehrere Studien haben gezeigt, dass das Immunsystem bei Rheuma, konkret bei entzündlichen rheumatischen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis, bis zu einem gewissen Grad unterdrückt wird.

Twincore, eine Einrichtung für experimentelle und klinische Infektionsforschung, veröffentlichte 2016 Studienergebnisse zur Immunschwächung bei entzündlichen rheumatischen Erkrankungen. Die gemeinsame Studie mit der Medizinischen Hochschule Hannover fand heraus, dass bei Patient:innen mit entzündlich rheumatischen Erkrankungen, einschließlich Rheumatoider Arthritis (RA) und Spondyloarthritis, eine Erschöpfung der Abwehrzellen, insbesondere der CD4+ T-Helferzellen, auftritt.

CD4+ T-Helferzellen sind entscheidend für die Koordination der Immunantwort, indem sie andere Immunzellen aktivieren. Diese Zellen spielen eine Schlüsselrolle in der Infektionsabwehr, indem sie B-Zellen zur Produktion von Antikörpern anregen und andere T-Zellen unterstützen. Antikörper, auch Immunglobuline genannt, sind Proteine, die vom Immunsystem produziert werden, um Krankheitserreger wie Viren, Bakterien und andere Fremdstoffe zu erkennen und zu neutralisieren.

Die Studie ergab eine gestörte Balance zwischen der Aktivierung und Hemmung dieser T-Helferzellen bei Patient:innen mit rheumatoider Arthritis und Spondyloarthritis. Die Zellen befinden sich in einem Zustand der Unklarheit zwischen Teilung und Tod, was zu einer Beeinträchtigung der Immunreaktion gegen Krankheitserreger führt. Diese beobachtete Erschöpfung der T-Helferzellen ähnelt der bei einer chronischen Virusinfektion.

Rheuma und das Immunsystem: Eine komplexe Verbindung

Da das Abwehrsystem bei Personen mit chronisch entzündlich-rheumatischen Erkrankungen nicht mehr so aktiv ist wie bei gesunden Menschen, kann es auch seine ursprüngliche Aufgabe nicht mehr vollständig erfüllen. Das hat zur Folge, dass Viren und Bakterien den Körper leichter angreifen können.

Es gibt einen komplexen Zusammenhang zwischen Immunität und rheumatischen Erkrankungen, wobei verschiedene Faktoren eine Rolle spielen könnten:

  • Entzündung und Immunschwäche: Sowohl bei degenerativen Rheuma-Erkrankungen wie Arthrose als auch bei Autoimmunerkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis kann es zu einer lokalen Entzündung in den Gelenken kommen. Die chronische Entzündung, sei es bei Arthrose oder RA, kann das Immunsystem beeinträchtigen und die Anfälligkeit für Infektionen erhöhen.

  • Medikamentöse Therapie: Patient:innen mit Rheuma erhalten häufig langfristig Medikamen, die über längere Zeit zur Schwächung des Immunsystems führen können. Nach der Diagnosestellung wird bei Rheumatoider Arthritis oft eine Kombination von sogenannten DMARDs (Disease Modifying Anti-Rheumatic Drugs) verschrieben. DMARDs sind Medikamente, die darauf abzielen, den Verlauf der Erkrankung zu beeinflussen und die Gelenkschädigung zu verlangsamen. Beispiele für DMARDs sind Methotrexat, Leflunomid und Sulfasalazin. Diese immunsupprimierenden Medikamente modulieren das Immunsystem, indem sie die überaktive Immunantwort kontrollieren. Für Patient:innen mit anderen rheumatischen Erkrankungen wie Arthrose kommen oft nichtsteroidale entzündungshemmende Medikamente (NSAIDs) zum Einsatz. Diese, einschließlich Ibuprofen und Diclofenac, werden in erster Linie zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung eingesetzt. Studien legen nahe, dass der langfristige Einsatz von NSAIDs die Immunantwort beeinträchtigen und die Abwehr gegen Infektionen schwächen kann.

  • Bewegungseinschränkungen: Menschen mit Arthrose und rheumatoider Arthritis können aufgrund von Schmerzen und Steifheit Schwierigkeiten beim Bewegen haben. Die eingeschränkte Mobilität stellt ein gemeinsames Merkmal dar. Bei rheumatoider Arthritis kann die Bewegungseinschränkung durch Gelenkentzündungen und -schäden verstärkt werden. Eine eingeschränkte Mobilität kann das Risiko von Infektionen erhöhen, da körperliche Aktivität wichtig für die Stärkung des Immunsystems ist.

Präventive Maßnahmen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Infektionen vorzubeugen:

  • Bewegung an der frischen Luft, sei es durch tägliche Spaziergänge oder halbstündige sportliche Aktivitäten wie Wandern, Radfahren oder Walken, wirkt nicht nur förderlich auf das Immunsystem, sondern kann auch den Verlauf von Erkrankungen positiv beeinflussen. Diese Sportarten stärken Muskeln, Knochen und das Herz-Kreislauf-System. Insbesondere bei rheumatischen Erkrankungen wie Arthrose kann dies den Krankheitsverlauf verlangsamen. Vermeiden Sie jedoch das Treppensteigen und Joggen auf asphaltierten oder harten Böden, um zusätzlichen Druck auf die Gelenke zu verhindern. Eine Konsultation eines Physiotherapeuten oder einer Physiotherapeutin ist empfehlenswert. In diesem Beitrag haben wir für Sie 12 Tipps bereitgestellt, wie sie Bewegung einfach in Ihren Alltag integrieren können.

  • Achten Sie auf eine ausgewogene und vielseitige Ernährung, die Obst, Gemüse, Fisch und Vollkornprodukte einschließt. Diese Lebensmittel versorgen den Körper mit wichtigen Vitaminen (A, C, D, E) sowie den Spurenelementen Eisen und Zink.

  • Reduzieren Sie Stress, da er den Körper schwächt und das Risiko für Infektionen erhöhen kann.

  • Sorgen Sie für ausreichenden Schlaf, da Studien zeigen, dass Schlafmangel das Risiko von Erkältungen erheblich beeinflussen kann. Die empfohlene Schlafdauer für Erwachsene liegt zwischen 7 und 9 Stunden pro Nacht. Hier erhalten Sie Tipps, sollten Sie unter Schlafstörungen leiden.

  • Verwenden Sie bevorzugt Besteck, Gläser oder Flaschen, die noch nicht von anderen Menschen benutzt wurden, um die Übertragung von Keimen zu minimieren. Meiden Sie direkten Kontakt mit erkrankten Personen, dazu gehören Händeschütteln, enge Umarmungen oder Küsse.

  • Im Winter schützt ein bis zur Nase hochgezogener Schal vor Tröpfcheninfektionen, und Handschuhe können die Übertragung von Viren an Haltegriffen in öffentlichen Verkehrsmitteln minimieren.

  • Um sich vor saisonalen Erkrankungen wie der echten Grippe (Influenza), neuen Covid-19-Varianten oder Pneumonie zu schützen, sollten Sie in Erwägung ziehen, sich impfen zu lassen. Beachten Sie dabei die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission Deutschlands oder des Robert Koch-Instituts, insbesondere wenn Ihr Immunsystem geschwächt ist. Erfahren Sie mehr in unserem Beitrag zu saisonalen Impfungen bei chronischen Erkrankungen.

Gemeinsam das Infektionsrisiko minimieren

Die kalten Monate können für Menschen mit Rheuma zur Herausforderung werden. Die erhöhte Infektanfälligkeit ist auf einen komplexen Zusammenhang zwischen der Grunderkrankung, der notwendigen medikamentösen Therapie und eine verminderte Beweglichkeit zurückzuführen. Durch gezielte Präventionsmaßnahmen können sie jedoch aktiv dazu beitragen, ihr Infektionsrisiko zu minimieren und ihre Lebensqualität zu erhalten. Das Einbeziehen von bewährten Praktiken wie regelmäßige Bewegung an der frischen Luft, eine ausgewogene Ernährung und das Beachten hygienischer Maßnahmen wird zu einem Akt der Selbstfürsorge.

Obwohl es schwierig sein kann, diese Empfehlungen konsequent zu verfolgen, sollten Betroffene wissen, dass sie nicht alleine sind. Zahlreiche Selbsthilfegruppen wie die Deutsche Rheuma-Liga haben es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen mit chronisch-rheumatischen Erkrankungen im Alltag zu begleiten und bieten vielseitige Angebote in den Bereichen Beratung, Begegnung und Bewegung.

Wichtiger Hinweis: Unsere Artikel und Grafiken werden von unserem Expertenteam für chronische Erkrankungen überprüft. Grundlage sind stets seriöse Quellen, wissenschaftliche Artikel, Leitlinien und ärztliche Aussagen. Die Inhalte werden in regelmäßigen Abständen aktualisiert und dienen weder der Selbstdiagnose noch ersetzen sie einen Arztbesuch.

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