Rheuma umfasst eine Vielzahl von Erkrankungen, die Gelenkbeschwerden hervorrufen. Diese reichen von degenerativen bis zu chronisch entzündlichen rheumatischen Erkrankungen. Typische Symptome sind Schmerzen und Schwellungen in den Gelenken, insbesondere an Händen und Füßen, was zu einer eingeschränkten Beweglichkeit führen kann. Diese Beschwerden können sich im Winter, besonders bei fallenden Temperaturen, verstärken. Wie sich der Winter auf rheumatische Erkrankungen auswirkt und was Sie tun können, um mit den Herausforderungen der kalten Jahreszeit umzugehen, verraten wir Ihnen in unserem Beitrag.
Wie der Winter Gelenke und Schmerzen beeinflusst
Der Winter kann einen spürbaren Einfluss auf die Gelenke haben, insbesondere bei Menschen mit Rheuma. Arthrose und rheumatoide Arthritis sind die bekanntesten Beispiele. Arthrose ist eine degenerative Gelenkerkrankung, bei der der Knorpel sich im Laufe der Zeit abnutzt und zu Schmerzen und Steifheit führt. Im Gegensatz dazu ist rheumatoide Arthritis (RA) eine entzündliche Autoimmunerkrankung. Hier greift das Immunsystem fälschlicherweise die Gelenke an, was zu Entzündungen, Schwellungen und Gelenkschäden führt. RA kommt bei 1 von 100 Deutschen vor und ist damit die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung. Auffällig ist, dass auch im Winter eine erhöhte Aktivität beider Erkrankungen festgestellt werden kann. Die genauen Gründe für diese saisonalen Schwankungen sind noch nicht vollständig verstanden.
Es gibt jedoch mehrere Theorien dazu. Auf der einen Seite hat Kälte eine Verengung der Blutgefäße und eine Verringerung der Durchblutung in den Gelenken zur Folge. Dies könnte zu einer Zunahme von Schmerzen und Steifheit führen. Darüber hinaus neigen Menschen bei kaltem Wetter dazu, sich zu verkrampfen und die Muskeln anzuspannen. Wenn Muskeln aufgrund von Kälte verspannt sind, kann dies die Beweglichkeit der Gelenke beeinträchtigen, sodass sich viele Menschen weniger bewegen. Dies kann wiederum eine Abnahme der Gelenkbeweglichkeit und eine geringere Produktion von Gelenkflüssigkeit nach sich ziehen. Die Gelenkflüssigkeit, auch als Synovia bekannt, dient dazu, die Gelenke zu schmieren und als Puffer zu wirken. Dadurch können Bewegungen erleichtert und die Reibung verringert werden.
Diese Theorien treffen vor allem bei Arthrose zu, können aber auch bei rheumatoider Arthritis einen Erklärungsansatz bieten. Darüber hinaus wurden in Studien kürzlich Effekte der Luftdruckänderungen und der Klimawechsel im Zusammenhang mit RA erforscht.
Einfluss von Klimawechsel und Luftdruckänderungen auf Rheumatoide Arthritis
In einer aktuellen japanischen Studie von 2022 wurden 280 Patient:innen mit rheumatoider Arthritis untersucht, um den Zusammenhang zwischen Krankheitsaktivität und saisonalen Veränderungen zu analysieren. Die Ergebnisse zeigten, dass 63 % der Patient:innen saisonale Symptomverstärkungen erlebten, besonders im Winter aufgrund des kalten Wetters und im Frühling durch das einzigartige Klimamuster Japans. Dieses Muster besteht aus schnellen Wechseln zwischen drei Tagen kaltem und vier Tagen warmem Wetter aufgrund atmosphärischer Druckveränderungen. Weitere Studien behaupten jedoch, dass extreme Temperaturen sowohl im Sommer als auch im Winter gleichermaßen die Aktivität von RA signifikant beeinflussen.
Auch wenn die Forschungsergebnisse keine einheitliche Aussage zulassen, ist eine Sache klar: Die Intensivierung von Symptomen bei Patient:innen mit rheumatoider Arthritis steht in Verbindung mit saisonalen Schwankungen und extremen Temperaturen. Sowohl obere als auch untere Extremitäten können von arthritischen Symptomen durch saisonale Veränderungen beeinflusst werden.
Einfluss von Vitamin D auf die Krankheitsaktivität bei rheumatoider Arthritis
Der menschliche Körper kann Vitamin D durch die Einwirkung von UVB-Strahlung aus Sonnenlicht auf die Haut synthetisieren. Es spielt eine wichtige Rolle bei der Immunität sowie im Knochenstoffwechsel und der Knochenstabilität.
Medizinische Statistiken legen nahe, dass ein Vitamin-D-Mangel bei Patient:innen mit rheumatoider Arthritis weit verbreitet ist und niedrige Vitamin-D-Spiegel signifikant mit einer erhöhten Krankheitsaktivität zusammenhängen. Eine Langzeitstudie mit 133 Patient:innen mit rheumatoider Arthritis zeigte außerdem eine deutliche Abnahme der Krankheitsaktivität bei sonnigem Wetter. Eine detaillierte Untersuchung von Blutzellen hat ergeben, dass bestimmte genetische Merkmale, auch als Gene bezeichnet, je nach Jahreszeit unterschiedlich aktiv sind. Im Vergleich zum Sommer waren im Winter waren besonders viele dieser genetischen Merkmale aktiv, die Entzündungen fördern können.
In unserem Beitrag erfahren Sie mehr über Zusammenhang zwischen einem Vitamin-D-Mangel und chronischen Erkrankungen.
Tipps für Rheuma-Patient:innen im Winter
Zunehmende Schmerzen und Entzündungen können in den winterlichen Monate für Menschen mit Rheuma sehr belastend sein. Doch es gibt Maßnahmen, die ihnen helfen können, diese Zeit besser zu bewältigen.
Wärme: Wärme ist oft eine wirksame Methode zur Linderung von Gelenkschmerzen. Wärmepackungen, warme Bäder oder Heizkissen können helfen, die Durchblutung zu verbessern und die Muskulatur zu entspannen. Dies ist besonders wichtig, da Kälte oft zu Muskelverspannungen führen kann.
Bewegung an der frischen Luft: Bei Bewegung an der frischen Luft ist es entscheidend, die Gelenke warm zu halten. Warme Handschuhe oder Gelenkschoner können dabei unterstützen. Die Bewegung fördert die Durchblutung ebenfalls, stärkt die Muskulatur und verbessert die Gelenkfunktion.
Infrarotlicht (IR-Licht): Infrarotlichtanwendungen können dazu beitragen, Muskelverspannungen zu lösen und die Durchblutung zu fördern. Dies kann insbesondere im Winter, wenn Kälte die Beschwerden verstärken kann, lindernd wirken. Infrarotlampen können lokal auf betroffene Gelenke angewendet werden. Eine wachsende Anzahl von Menschen mit rheumatischen Erkrankungen nutzt die wohltuende Wirkung einer ca. 37 °C warmen Infrarotkabine als effektive Ergänzung zum Funktionstraining. Diese Behandlung kann Schmerzen lindern, die Immunabwehr stärken und die Regeneration nach dem Training fördern. Eine Sitzung dauert etwa 20 Minuten.
Aktive Schmerzbewältigung: Es ist wichtig, Schmerzen nicht einfach hinzunehmen, sondern aktiv dagegen vorzugehen. Eine Schonhaltung aufgrund von Schmerzen kann zu einer Abnahme der Bewegung führen, was wiederum zu verstärkten Beschwerden zur Folge haben In Absprache mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin sollten alternative Maßnahmen erwogen werden, wenn Wärmeanwendungen nicht ausreichend helfen. Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac oder Ibuprofen gelten in Form von Creme oder Salbe als die am besten verträgliche langfristige Option. Orale Medikamente können jedoch ebenfalls eingenommen werden, allerdings sollte dies in Absprache mit Ärzt:innen oder Apotheker:innen erfolgen. Es wird empfohlen, sie idealerweise zusammen mit einem Magenschutzmittel einzunehmen.
Ausgewogene Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann ebenfalls Einfluss auf die Gelenkgesundheit haben. Der Verzicht auf tierische Fette oder zumindest eine Reduzierung kann sinnvoll sein, da die in ihnen enthaltene Arachidonsäure, eine mehrfach ungesättigte Fettsäure, Entzündungen fördern kann. Zucker, der zur Übersäuerung des Stoffwechsels beitragen kann, sollte ebenfalls vermieden werden.
Vitamin D: Viele Menschen mit Rheumatoider Arthritis (RA) weisen einen Vitamin-D-Mangel auf, was das Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen sowie Gelenkschmerzen erhöhen kann. Daher wird empfohlen, den Vitamin-D-Spiegel testen zu lassen. Dies kann entweder bei der Hausärzt:in erfolgen oder mit Hilfe von . Bei einem Mangel ist eine Nahrungsergänzung mit Vitamin D.
Gewichtskontrolle: Übergewicht belastet die Gelenke, insbesondere Hüft- und Kniegelenke. Daher ist es wichtig, auf das Gewicht zu achten, um zusätzliche Belastungen zu vermeiden und die Gelenke zu schonen.
Gut zu wissen
Auch Alternativmedizin in Form verschiedener Heilpflanzen wie Teufelskralle, Weihrauch oder Glucosamin (ein natürlicher Bestandteil von Knorpelgewebe, der häufig als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen wird) erfreut sich einer gewissen Beliebtheit, um Entzündungen und rheumatische Symptome zu lindern. Hinsichtlich alternativer Therapien wurde von englischen Wissenschaftler ein CAM-Report (Complementary and Alternative Medicine) durchgeführt, der verschiedene alternative Therapieansätze bis November 2011 wissenschaftlich analysiert und sie anhand randomisierter Studien bewertet. Viele der untersuchten Methoden zeigten keine wesentliche Wirksamkeit, und oft lagen nur wenige oder keine hochwertigen Studien vor, um fundierte Aussagen zu treffen. Trotz kontroverser Ergebnisse wurde Fischöl als wirksam eingestuft, insbesondere bei rheumatoider Arthritis. Denn die Omega-3-Fettsäuren im Fischöl können entzündungshemmende Eigenschaften haben und die Gelenkschmierung fördern.
Die Erkenntnisse können dazu beitragen, besser auf die Bedürfnisse von Rheuma-Patient:innen im Winter einzugehen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Weitere Langzeitstudien sind erforderlich, um die komplexen Zusammenhänge zwischen Wetterbedingungen und Rheuma-Aktivität besser zu verstehen und neue therapeutische Ansätze zu entwickeln. Dennoch ist es wichtig, dass Personen mit rheumatischen Erkrankungen angeleitet werden, sich an saisonale Veränderungen in ihrem täglichen Leben anzupassen. Dies könnte das Tragen warmer Kleidung in kaltem Wetter und eine vorübergehende Erhöhung der Analgetika-Dosis bei Bedarf beinhalten. Dieses Bewusstsein für saisonale Schwankungen ist von Bedeutung, insbesondere um funktionelle Verschlechterungen, die im Winter und Frühling auftreten können, zu berücksichtigen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.
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