Schwangerschaftsdiabetes ist eine Form von Diabetes, die während der Schwangerschaft auftreten kann. Unbehandelt können sowohl für die werdende Mutter als auch für das ungeborene Kind ernsthafte gesundheitliche Folgen entstehen. Doch mit der entsprechenden Behandlung lassen sich diese Risiken minimieren. Erfahren Sie hier, welche Maßnahmen zur Behandlung von Schwangerschaftsdiabetes geeignet sind. 

Das Wichtigste in Kürze 

  • Schwangerschaftsdiabetes ist eine Störung des Zuckerstoffwechsels, die während der Schwangerschaft auftreten kann und durch hormonelle Veränderungen sowie erhöhten Zuckerbedarf verursacht wird. 
  • Eine angepasste Ernährung und ausreichend Bewegung sind die Basis der Behandlung, während eine Insulintherapie nur selten notwendig ist. 
  • Regelmäßiges Blutzuckermessen ist entscheidend, um die Wirksamkeit der Behandlung zu überwachen und die Gesundheit von Mutter und Kind zu schützen. 
  • Wenn Ernährung und Bewegung nicht ausreichen, benötigen etwa eine von drei Frauen Insulin zur Blutzuckerkontrolle. 
  • Insulin wird subkutan (unter die Haut) injiziert und hilft, den Blutzuckerspiegel zu senken. 

Therapieziele und Blutzuckerzielwerte bei Schwangerschaftsdiabetes 

Bei einem Schwangerschaftsdiabetes, auch bekannt als „Gestationsdiabetes“ bzw. „Diabetes Typ 4“, handelt es sich um eine Störung des Zuckerstoffwechsels, die bei manchen Frauen während einer Schwangerschaft auftritt. Man geht davon aus, dass der Stoffwechsel entgleist, weil der Hormonhaushalt umgebaut wird. Ein wichtiges Hormon ist das blutzuckersenkende Insulin, dessen Wirkung durch hormonelle Veränderungen geschwächt wird. Zusätzlich erhöht der Körper während der Schwangerschaft seinen Zuckerbedarf, um das heranwachsende Baby zu versorgen. 

In der Regel produziert der Körper mehr Insulin, um dessen geschwächte Wirkung und den vermehrten Zuckerbedarf zu decken. Wenn jedoch die insulinproduzierenden Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse nicht ausreichend Insulin zur Blutzuckersenkung bereitstellen können, dann liegt ein Schwangerschaftsdiabetes vor. Dieser muss behandelt werden, um die Gesundheit der werdenden Mutter und ihres ungeborenen Kindes zu schützen.  

Da die Symptome des Gestationsdiabetes oftmals sehr unspezifisch sind und von vielen Müttern der Schwangerschaft selbst zugeschrieben werden, gibt es mittlerweile im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge die Möglichkeit eines gezielten Screenings auf Schwangerschaftsdiabetes. So ist es möglich, eine Diagnose frühzeitig zu stellen und gravierende Folgen für Mutter und Kind abzuwenden. 

Wurde die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes gestellt, zielt die Therapie darauf ab, die Blutzuckerwerte innerhalb bestimmter Zielwerte zu halten. So können Komplikationen und ungewollte Folgen der hohen Blutzuckerwerte für die werdende Mutter und das ungeborene Kind, wie eine Frühgeburt, ein Überwachstum des Babys und Schwierigkeiten bei der Geburt, vermieden werden. Anhand der deutschen Diabetes Leitlinien für Schwangerschaftsdiabetes gelten folgende Zielwerte: 

  • Nüchternblutzucker (vor dem Essen): < 95 mg/dl (5,3 mmol/l) 
  • 1 Stunde nach dem Essen: < 140 mg/dl (7,8 mmol/l) 
  • 2 Stunden nach dem Essen: < 120 mg/dl (6,7 mmol/l)

Mehr zu den Blutzuckerwerten und Zielwerten bei schwangeren Frauen erfahren Sie hier. 

Die drei Säulen der Behandlung des Schwangerschaftsdiabetes 

Die Behandlung eines Schwangerschaftsdiabetes basiert im Wesentlichen auf drei Säulen. Ähnlich wie auch bei Diabetes Typ 2 bilden eine gesunde und ausgewogene Ernährung sowie ausreichend Bewegung die Basis. Eine Insulintherapie ist nur selten notwendig. Hinzu kommt das regelmäßige Messen des Blutzuckers durch die Schwangere selbst, um den Erfolg der Behandlung zu kontrollieren.  

Säule Nummer 1: Ernährung bei Schwangerschaftsdiabetes 

Egal um welchen Diabetes-Typ es sich handelt, bei der „Zuckerkrankheit“ ist die richtige Ernährung immer ein zentraler Bestandteil der Therapie. Denn eine gesunde und ausgewogene Ernährung versorgt den Körper nicht nur mit allen benötigten Nährstoffen. Sie sorgt zugleich auch für eine optimale Kohlenhydratzufuhr, bei der ein sehr steiler Anstieg des Blutzuckerspiegels zugunsten einer flacheren Blutzuckerkurve vermieden wird. Dabei spielen Kohlenhydrate, Proteine und Fette eine wichtige Rolle: 

  • Kohlenhydrate sollten 40 bis 50 % der täglichen Nährstoffzufuhr ausmachen. Kohlenhydrate sind Zucker und kommen in vielen Lebensmitteln vor, von Getreide bis Obst. Vermeiden Sie jedoch schnell ansteigende Blutzuckerwerte durch Süßigkeiten und Kuchen. Bevorzugen Sie komplexe Kohlenhydrate, die in Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten wie braunem Reis, Quinoa und Getreide enthalten sind. Diese werden langsamer verdaut und sorgen für eine gleichmäßigere Blutzuckerkurve. Der glykämische Index (GI) gibt an, wie schnell ein Lebensmittel den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt. Lebensmittel mit einem niedrigen GI erhöhen den Blutzucker langsamer und gleichmäßiger, was besonders bei Gestationsdiabetes vorteilhaft ist. Weitere Informationen und eine ausführliche Liste von Lebensmitteln mit niedrigem GI finden Sie in unserem Artikel zum Thema. 

  • Proteine sollten 20 % der täglichen Nährstoffzufuhr ausmachen. Bevorzugen Sie sowohl tierische als auch nicht-tierische Proteinquellen. Die tierischen Proteinquellen sollten fettarm sein, wie Magerquark, Joghurt und Hähnchenbrust. Fisch ist ebenfalls eine gute Proteinquelle, sollte aber immer gekocht und niemals roh verzehrt werden, also kein Sushi für schwangere Frauen. Pflanzliche Proteinquellen umfassen Tofu, Avocado, Olivenöl und Nüsse. 

  • Fette sollten etwa 30 bis 35 % der täglichen Nährstoffzufuhr ausmachen. Bevorzugen Sie gesunde Fette, die in pflanzlichen Lebensmitteln wie Avocado, Nüssen und Olivenöl enthalten sind. Reduzieren Sie den Konsum von gesättigten Fetten und Transfetten, die häufig in verarbeiteten Lebensmitteln und Fast Food zu finden sind. 

Zusätzliche Tipps umfassen: 

  • Täglich mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse essen, idealerweise dreimal Gemüse und zweimal Obst. Eine Portion entspricht etwa einer Handvoll. 
  • Vermeiden Sie übermäßigen Zucker- und Salzkonsum. 
  • Trinken Sie ausreichend Wasser, mindestens 2 Liter am Tag. 
  • Verzichten Sie auf fettige Fertigprodukte und wählen Sie nährstoffreiche, natürliche Lebensmittel. 
  • Verteilen Sie die Kohlenhydrate über den Tag in mehreren Mahlzeiten: drei Hauptmahlzeiten und zwei bis drei kleinere Zwischenmahlzeiten, einschließlich einer späten Abendmahlzeit. 
  • Achten Sie darauf, dass die Mahlzeiten ausreichend Vitamine und Mineralstoffe enthalten, wie Folsäure, Vitamin-B-Komplex, Kalzium, Vitamin D, Magnesium, Eisen und Jod. 
  • Energiefreie Süßstoffe wie Aspartam können in der Schwangerschaft verwendet werden, wenn die empfohlenen täglichen Dosierungen beachtet werden.  

Durch eine ausgewogene Ernährung und die richtige Verteilung der Mahlzeiten kann der Blutzuckerspiegel besser kontrolliert und die Gesundheit während der Schwangerschaft unterstützt werden. Hier finden Sie einen detaillierten Ernährungsplan bei Schwangerschaftsdiabetes. 

Säule Nummer 2: Bewegung bei Schwangerschaftsdiabetes  

Um körperlich aktiv zu bleiben, lohnt es sich, auch während der Schwangerschaft mehr Bewegung in den Alltag zu integrieren. Das kann zum Beispiel bedeuten, die Treppe anstelle des Aufzugs zu nehmen oder kleinere Einkäufe zu Fuß anstatt mit dem Auto zu erledigen. Ein zügiger Spaziergang sowie für Schwangere geeignete Sportarten (z. B. Schwimmen oder sanftes Yoga) sind ebenso gute Möglichkeiten, um während der Schwangerschaft aktiv zu bleiben.  

Viele Frauen vermeiden Sport, sobald sie schwanger sind, weil sie Angst haben, dem Baby damit zu schaden. Tatsächlich sollte regelmäßige Bewegung oder Sport in der Schwangerschaft fortgesetzt werden, sofern die Frauenärztin oder der Frauenarzt keine Bedenken hat. Körperliche Aktivität kann helfen, eine Insulinbehandlung zu vermeiden oder die notwendige Insulinmenge zu reduzieren, falls bereits eine Behandlung begonnen wurde. Darüber hinaus fühlen sich Schwangere im letzten Drittel der Schwangerschaft und während der Geburt leistungsfähiger und weniger angestrengt. Studien haben gezeigt, dass Schwangere, die regelmäßig aktiv sind, seltener eine Geburtseinleitung benötigen und weniger Komplikationen während der Geburt haben. Besonders empfehlenswert ist ein zügiger Spaziergang von 30 Minuten nach dem Essen. 

Säule Nummer 3: Blutzucker messen bei Schwangerschaftsdiabetes 

Um sicherzustellen, dass die Behandlung des Schwangerschaftsdiabetes erfolgreich ist, und einen zu hohen Blutzuckerspiegel auszuschließen, müssen Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes regelmäßig ihren Blutzucker messen. Dafür gibt es ein kleines Messgerät für den Eigengebrauch. In der ersten Woche wird der Blutzucker vor dem Frühstück und jeweils eine Stunde nach Beginn der drei Hauptmahlzeiten gemessen. Zusätzlich wird ein kleines Tagebuch geführt, in das alle Werte eingetragen und beim nächsten Arztbesuch vorgezeigt werden sollten. 

Der Arzt bzw. die Ärztin bestimmen im Rahmen eines Patientinnen-individualisierten Therapieansatzes, wie oft die Blutzuckermessungen erfolgen. 

Nach der Entbindung normalisiert sich der Blutzuckerspiegel der Mutter in den allermeisten Fällen von alleine ohne weitere Maßnahmen. Dennoch werden an den ersten Tagen nach der Geburt noch einige Blutzuckermessungen durchgeführt, um die Gesundheit der Mutter sicherzustellen. Außerdem ist es empfehlenswert, dass Frauen, die einmal an einem Schwangerschaftsdiabetes erkrankt waren, ihre Blutzuckerwerte später regelmäßig überprüfen lassen. Denn so kann ein Diabetes Typ 2, der bei diesen Frauen nach der Schwangerschaft gehäuft auftritt, schnell erkannt und entsprechend behandelt und Folgeerkrankungen vermieden werden. 

Schwangerschaftsdiabetes behandeln mit Insulin 

Sollten eine angepasste Ernährung und mehr Bewegung allein nicht ausreichen, um die Blutzuckerwerte der Schwangeren zu normalisieren, dann kann es zur Behandlung des Schwangerschaftsdiabetes notwendig sein, dass sich die Schwangere Insulin spritzt. Etwa eine von drei Patientinnen mit Gestationsdiabetes benötigt eine Insulinbehandlung. 

Zum Einsatz kommt dann eine intensivierte konventionelle Insulintherapie (ICT). Dabei werden zwei Arten von Insulin verwendet: 

  • Basisinsulin (Basalinsulin): Ein langsam wirkendes Insulin, das abends (oder auch morgens und abends) gespritzt wird, um den Grundbedarf an Insulin zu decken. Beispiele hierfür sind Insulin glargin, Insulin detemir und NPH-Insulin. 
  • Bolusinsulin (Mahlzeiteninsulin): Ein schnell wirkendes Insulin, das vor den Mahlzeiten gespritzt wird, um die Blutzuckerwerte nach dem Essen zu regulieren. Beispiele hierfür sind Insulin lispro, Insulin aspart und Insulin glulisin. 

Insulin ist ein körpereigenes Hormon, das den Blutzucker senkt und nicht durch die Plazenta geht, wodurch es keine Gefahr für das Kind darstellt. Insulin muss unter die Haut gespritzt werden, was mit modernen Hilfsmitteln fast schmerzlos möglich ist. Die jeweils benötigte Insulinmenge legt der Arzt bzw. die Ärztin fest. Sie muss im Verlauf der Schwangerschaft immer wieder angepasst werden. 

Behandlung von Schwangerschaftsdiabetes mit Antidiabetika 

Als Antidiabetika werden Diabetes-Medikamente bezeichnet, die als Tablette eingenommen beispielsweise die Aufnahme von Zucker aus der Nahrung verlangsamen, die Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse anregen oder die Zellen im Körper empfindlicher für Insulin machen. 

Im Rahmen eines europäischen Worksharing-Verfahrens wurde das orale Antidiabetikum Metformin im Februar 2022 zur unbedenklichen Anwendung während der gesamten Schwangerschaft in der EU zugelassen. Besonders bei starkem Übergewicht und hohem Insulinbedarf kann der Arzt oder die Ärztin zusätzlich Metformin empfehlen, um den Insulinbedarf zu verringern und eine ausreichende Blutzuckersenkung zu erreichen. 

Metformin wird oft „off-label“ verwendet, was bedeutet, dass es für diese spezielle Anwendung nicht offiziell zugelassen ist. 

Geprüft durch unser pharmazeutisches Team

Sofia Westermann, pharmazeutische Expertin

„Die Pharmazie ist eine faszinierende Wissenschaft. Ein ganz wichtiger Grund für mich, Apothekerin zu werden, war es, dass ich damit anderen Menschen helfen kann.“ 

Für Apothekerin Sophia Westermann ist Pharmazie nicht nur ein Beruf, sondern eine Passion. Menschen mit ihrem Wissen zu unterstützen, hat für sie oberste Priorität. Als pharmazeutische Expertin garantiert sie daher die Richtigkeit der Inhalte im apo Magazin und prüft diese vor einem wissenschaftlichen Hintergrund. 

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