Bei einem Schwangerschaftsdiabetes ist wegen des veränderten Hormonhaushalts der Zuckerstoffwechsel der werdenden Mutter gestört. Um Auswirkungen auf Schwangere und ihr Baby zu verhindern, sollte eine rechtzeitige Behandlung erfolgen. Wir verraten Ihnen, welche wichtige Rolle das Thema Ernährung spielt und wie ein Ernährungsplan beim Schwangerschaftsdiabetes aussehen sollte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Beim Schwangerschaftsdiabetes kommt es in seltenen Fällen aufgrund der Hormonumstellung zu einer Stoffwechselstörung.
  • Dieser Diabetestyp geht mit erhöhten Blutzuckerwerten einher.
  • Über die Ernährung (sowie Bewegung) können Schwangere einen sehr positiven Einfluss auf die Entwicklung des Diabetes nehmen.
  • Der Ernährungsplan für Schwangere mit Diabetes orientiert sich an den Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Was bei Schwangerschaftsdiabetes auf dem Ernährungsplan stehen sollte

Die Empfehlung für eine ausgewogene und gesunde Ernährung gilt selbstverständlich für alle Menschen. Besonders jedoch sollte sie für Menschen mit Diabetes ein zentraler Bestandteil der Therapie sein. Wie beim Diabetes Typ 2 gelten auch für den Schwangerschaftsdiabetes die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Wichtig ist, dass Sie Ihrem Körper alle benötigten Nährstoffe zuführen und gleichzeitig darauf achten, Ihren Blutzucker unter Kontrolle zu behalten.

Das bedeutet: Meiden Sie zuckerhaltige Lebensmittel, die den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen lassen und damit das Risiko einer Überzuckerung (Hyperglykämie) erhöhen. Dazu zählen in erster Linie Weißmehlprodukte, Fast-Food- und Fertiggerichte sowie zuckerhaltige Getränke. Auch Süßigkeiten sollten Sie nur in Maßen essen und bei Schokolade zu Sorten mit hohem Kakaoanteil greifen. Darüber hinaus sollten Schwangere ebenso auf das Rauchen und Trinken von Alkohol verzichten.

Wenn Sie die folgenden zehn Ernährungstipps der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) beachten, sind Sie auf der sichereren Seite. Diese gelten übrigens nicht nur für den Ernährungsplan bei Schwangerschaftsdiabetes, sondern generell.

  • Genießen Sie Vielfalt und probieren Sie immer wieder neue Gerichte aus!

  • Obst und Gemüse müssen sein. Fünf Portionen gelten hier als Maßstab, davon dreimal Gemüse und zweimal Obst pro Tag. Eine Portion ist ungefähr eine Handvoll.

  • Achten Sie darauf, dass Sie nicht zu viel Fleisch essen! Zweimal pro Woche ist genug. Fisch können Sie öfter essen, er sollte während der Schwangerschaft allerdings nicht roh sein. (Also auch kein Sushi mit Fisch.)

  • Pflanzliche Fette, wie Oliven-, Sonnenblumen- oder Rapsöl sind reich an ungesättigten Fettsäuren, die das Immunsystem stärken.

  • Greifen Sie zu Vollkornprodukten, egal ob bei Nudeln, Reis oder Brot! Ballaststoffe lassen Ihren Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen, sättigen lange und bewahren Sie vor Heißhungerattacken.

  • Gehen Sie sparsam mit Zucker um – er lässt den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen. Muss es einmal richtig süß sein, greifen Sie besser zu Xylit oder Stevia. Beide Zuckerersatzformen sind auch in der Schwangerschaft unbedenklich. Verwenden Sie außerdem wenig Salz, da es Bluthochdruck begünstigt.

  • Trinken Sie ausreichend! Mindestens 1,5 Liter Wasser oder ungesüßter Tee sollten es pro Tag sein.

  • Achten Sie auf eine schonende Zubereitung Ihrer Mahlzeiten und lassen Sie sich beim Essen genügend Zeit.

  • Natürlich werden Sie während Ihrer Schwangerschaft einige Kilos an Gewicht zulegen und auch dem einen oder anderen Schwangerschaftsgelüst nachgeben. Das ist völlig in Ordnung. Vermeiden Sie dennoch eine zu starke Gewichtszunahme und lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin weitere nützliche Tipps für Ihren Ernährungsplan bei Schwangerschaftsdiabetes geben.

  • Gesunde Ernährung und Bewegung ergänzen einander bei der Diabetes-Therapie. Wählen Sie während der Schwangerschaft gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen, Aquagymnastik oder Yoga. Auch diese helfen bei der Regulierung des Blutzuckerspiegels.

Eine ausgewogene Ernährung verhindert Blutzuckerspitzen

Bevor Sie bei einem Schwangerschaftsdiabetes Ihren individuellen Ernährungsplan aufstellen, halten Sie zunächst Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin sowie mit Ihrem:r Diabetolog:in. In der Regel wird er oder sie Ihnen folgende Ernährungstipps geben:

  • Achten Sie auf die Kalorienzufuhr. Diese sollte bei Schwangeren in etwa bei 2.000 kcal pro Tag liegen. So verhindern Sie, dass Sie zu schnell und zu stark zunehmen, decken aber gleichzeitig Ihren Energiebedarf und den Ihres Babys optimal ab.

  • Nehmen Sie gesunde Kohlenhydrate zu sich. Diese sollten zwischen 40 und 50 Prozent Ihrer täglichen Ernährung ausmachen. Vollkornprodukte enthalten viele Ballaststoffe, wirken sich positiv auf den Blutzucker aus und kurbeln die Verdauung an.

  • Versuchen Sie möglichst häufig, Hafer-Produkte in ihren Speiseplan einzubauen. Hafer senkt auf natürliche Weise den Blutzuckerspiegel. Dieser Effekt hält längere Zeit an.

  • Der tägliche Eiweißanteil Ihrer Mahlzeiten sollte zwischen 20 und 30 Prozent liegen (ca. 60 g Proteine). Bevorzugen Sie fettarme Eiweißquellen wie Hülsenfrüchte, Magerquark, Geflügel oder Tofu.

  • Nehmen Sie gesunde Fette zu sich. Diese sind nicht nur in pflanzlichen Ölen enthalten, sondern auch in Nüssen, Kernen und Samen, die sich perfekt als Zwischensnacks eignen. Versuchen Sie, auf tierische Fette, wie sie zum Beispiel in Butter enthalten sind, möglichst zu verzichten.

  • Um den Blutzuckerspiegel konstant zu halten und schwangerschaftstypische Heißhungerattacken zu vermeiden, sollten werdende Mütter anstelle von drei großen lieber fünf bis sieben kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich nehmen.

Welche Gerichte bei einem Schwangerschaftsdiabetes Ihren Ernährungsplan bereichern könnten, lesen Sie im Artikel „Ernährungsplan für Diabetiker Typ 2“. Diese Empfehlungen lassen sich auch auf werdende Mütter übertragen.

Schwangerschaftsdiabetes: Welche Rolle spielt ein Ernährungsplan?

Während der Schwangerschaft verändert sich der Hormonhaushalt einer Frau sehr stark. Sowohl die Blutzuckerwerte als auch die Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse steigen an. Kann die Bauchspeicheldrüse nicht genügend Insulin bereitstellen, um den Blutzucker der werdenden Mutter auf Normalniveau zu halten, kommt es zu einer Störung des Zuckerstoffwechsels, die zu einem Schwangerschaftsdiabetes führt. Dieser wird in der medizinischen Fachliteratur auch unter den Begriffen „Diabetes Typ 4“ oder „Gestationsdiabetes“ geführt. Tatsächlich sind davon aber nur fünf bis sechs Prozent aller Schwangeren betroffen. Sollte der Schwangerschaftsdiabetes nicht entdeckt und damit unbehandelt bleiben, stellt er ein Risiko für Mutter und Kind dar. Die Gefahr einer Frühgeburt erhöht sich und beim Ungeborenen kann es zu Entwicklungsverzögerungen (v.a. der Lungenreifung) kommen. Zudem kommen die Säuglinge von Müttern mit Schwangerschaftsdiabetes häufiger mit einem höheren Geburtsgewicht zur Welt.

Da ein Schwangerschaftsdiabetes in der Regel mit unspezifischen Symptomen einhergeht, erfolgt zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche routinemäßig ein Suchtest. Wird bei einer Schwangeren Diabetes festgestellt, sollte sie als erstes ihre Ernährung anpassen. Mit einer Ernährungsumstellung kann man selbst Einfluss auf den Blutzuckerspiegel nehmen und so allzu starke Schwankungen verhindern. Neben einer gesunden Ernährung ist ausreichend Bewegung und die regelmäßige Messung des Blutzuckers wichtig. Eine Insulintherapie ist hingegen nur in seltenen Fällen nötig. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin berät Sie nach der Diagnose Schwangerschaftsdiabetes zu einem Ernährungsplan, der für die Senkung des Blutzuckers eine wichtige Rolle spielt.