Schwangerschaftsdiabetes geht mit unspezifischen Symptomen einher. Umso wichtiger ist es daher, mögliche Anzeichen zu kennen und richtig zuordnen zu können. Dadurch kann ein Schwangerschaftsdiabetes rechtzeitig diagnostiziert und behandelt werden. Hier erfahren Sie mehr über die wichtigsten Symptome von Schwangerschaftsdiabetes.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die hormonellen Veränderungen während der Schwangerschaft gelten als Ursache für einen Schwangerschaftsdiabetes.
  • In der Regel verursacht ein Schwangerschaftsdiabetes keine charakteristischen Beschwerden.
  • Entsprechend der Mutterschaftsrichtlinien wird jeder schwangeren Frau ein Test auf Schwangerschaftsdiabetes im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche angeboten.
  • Auch das ungeborene Kind kann Anzeichen für einen Schwangerschaftsdiabetes aufweisen, z. B. ein hohes Geburtsgewicht von 4.000 g oder mehr (sogenannte Makrosomie).

Schwangerschaftsdiabetes verursacht kaum Beschwerden

Bei einem Schwangerschaftsdiabetes, auch Gestationsdiabetes oder Typ 4-Diabetes genannt, ist eine frühzeitige Diagnose und Behandlung unabdinglich, um die möglichen Risiken für Mutter und Kind so gering wie möglich zu halten. Ursache für einen Schwangerschaftsdiabetes sind die Veränderungen des Schwangere beim Blutdruck messenHormonhaushalts während der Schwangerschaft. Ohne eine entsprechende Behandlung, die die Blutzuckerwerte der werdenden Mutter normalisiert, besteht beispielsweise ein erhöhtes Risiko eines schwangerschaftsinduzierten Bluthochdrucks. Beim ungeborenen Kind steigt die Wahrscheinlichkeit, mit einem hohen Geburtsgewicht zur Welt zu kommen. Man spricht von Makrosomie, wenn ein Geburtsgewicht von über 4.000 g vorliegt. Trotz der Übergröße können einige Organe nicht vollständig entwickelt sein, wie z. B. die Lunge. Es kann zu Atembeschwerden bei dem Neugeborenen kommen.

Dr. Maximiliane Knöfel, Diabetologin und Expertin für Schwangerschaftsdiabetes, sagt:

Zucker ist plazentagängig (geht über die Plazenta von der Mutter auf das Kind über). Deshalb kann es auch für das Kind zu einem Überangebot an Zucker kommen. Es produziert daraufhin zu viel Insulin und wird zu schnell zu groß. Dadurch kann es zu Fehlbildungen im Herzen kommen oder aber die Lunge wird nicht ausreichend entwickelt.

Zudem begünstigt ein unbehandelter Schwangerschaftsdiabetes eine Frühgeburt oder Kaiserschnitt-Geburt. Wird der Blutzuckerspiegel der schwangeren Frau nicht präzise eingestellt und intensiv kontrolliert, muss zudem von einem erhöhten Totgeburts- und Fehlbildungsrisiko sowie einer erhöhten Frühsterblichkeit des Neugeborenen ausgegangen werden.

Die Bedeutung von Früherkennung und Behandlung

Schwangerschaftsdiabetes wird selten von der werdenden Mutter selbst bemerkt, weil er kaum Beschwerden hervorruft. Vermehrter Harndrang und starker Durst, wie sie für die anderen Diabetes-Typen charakteristisch sind, treten beim Gestationsdiabetes kaum auf oder sie werden als normale Begleiterscheinungen einer Schwangerschaft fehlgedeutet und finden daher nicht die nötige Beachtung. Dasselbe trifft auch auf andere typische Symptome von Schwangerschaftsdiabetes wie Müdigkeit oder Schwäche zu. Um die Diagnose dennoch rechtzeitig stellen zu können, ist laut Mutterschaftsrichtlinien ein Test auf Schwangerschaftsdiabetes Teil der routinemäßigen Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft. So kann der Schwangerschaftsdiabetes rechtzeitig festgestellt und die entsprechende Behandlung eingeleitet werden, um das Risiko für mögliche Komplikationen zu senken.

Gut zu wissen

Eine Untersuchung auf Schwangerschaftsdiabetes wird allen Schwangeren laut Mutterschaftsrichtlinien zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen angeboten. Beim Vorliegen von Risikofaktoren für Diabetes sollte bereits in der Frühschwangerschaft, also innerhalb der ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft, eine Abklärung stattfinden.

Sollten Sie selbst Symptome bemerken, nutzen Sie unseren Symptomchecker für eine erste unkomplizierte Abklärung.

Service Symptomcheck

Mögliche Anzeichen für Schwangerschaftsdiabetes

Obwohl bei einem Schwangerschaftsdiabetes kaum Symptome auftreten, gibt es neben den bekannten Risikofaktoren, wie beispielsweise mütterlichem Alter oder (starkem) Übergewicht, dennoch bestimmte Anzeichen, die auf eine Erkrankung hindeuten.

Symptome eines Schwangerschaftsdiabetes bei der Mutter

Zu den Anzeichen für einen Typ 4 Diabetes bei der Mutter gehören:

  • hoher Blutdruck

  • starke Gewichtszunahme

  • Ausscheidung von Zucker über den Urin

  • gehäufte Harnwegsinfekte und vaginale Infektionen

  • gesteigerte Fruchtwassermenge

Daneben steigt während und vor allen Dingen nach der Schwangerschaft für die Frau das Risiko, an einer Depression zu erkranken. Ein Verdacht sollte unmittelbar abgeklärt, und eine Therapie rechtzeitig eingeleitet werden.

Dr. Maximiliane Knöfel, Diabetologin und Expertin für Schwangerschaftsdiabetes, sagt:

Meistens treten gar keine Symptome auf. Die meisten Fälle von Schwangerschaftsdiabetes werden erst bei der Gynäkologin oder dem Gynäkologen bemerkt, wenn die Schwangeren dort einen Zuckerbelastungstest machen oder wenn sie bestimmte Risikofaktoren mitbringen. Manchmal kann ein Hinweis für einen Gestationsdiabetes sein, dass vermehrt Harnwegsinfekte oder Infektionen auftreten oder dass man sich allgemein etwas schneller müde und abgeschlagen fühlt.

Treten o. a. Anzeichen für einen Schwangerschaftsdiabetes auf, sollte umgehend Rücksprache mit dem behandelnden Frauenarzt bzw. der behandelnden Frauenärztin gehalten werden. So können Symptome richtig zugeordnet und ein Test zur Abklärung der Diagnose Schwangerschaftsdiabetes umgehend durchgeführt werden.

Symptome eines Schwangerschaftsdiabetes beim ungeborenen Kind

Im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge kann der Frauenarzt bzw. die Frauenärztin ebenso Anzeichen für einen Gestationsdiabetes beim Fötus feststellen. So kann ein übermäßiges Wachstum des ungeborenen Kindes (Makrosomie) ein Anhaltspunkt für einen Schwangerschaftsdiabetes sein. Durch den erhöhten Blutzuckerspiegel der Mutter produziert die kindliche Bauchspeicheldrüse vermehrt Insulin (fetaler Hyperinsulinismus). Neben seiner Wirkung als blutzuckersenkendes Hormon fungiert Insulin als ein Wachstumsstimulator für das Ungeborene. Ein zu hoher Insulinspiegel führt zu übermäßig großen und schweren Babys. Dadurch steigt das Risiko von Frühgeburten oder Komplikationen bei der Geburt, was unter anderem einen Kaiserschnitt erforderlich machen kann. Direkt nach der Geburt besteht bei dem Kind zudem das Risiko einer Unterzuckerung (Hypoglykämie). Diesem kann durch die Gabe eines Zucker-Gels in die Wangentasche des Neugeborenen vorgebeugt werden.

Ein Schwangerschaftsdiabetes lässt sich durch eine korrekte Blutzuckereinstellung und engmaschige ärztliche Kontrolle gut behandeln und bildet sich in der Regel nach der Geburt wieder vollständig zurück. Allerdings ist im weiteren Verlauf das Risiko, einen Typ 2 Diabetes zu entwickeln, für die junge Mutter erhöht und sollte daher regelmäßig überprüft werden.

  • S3-Leitlinie Gestationsdiabetes mellitus (GDM), Diagnostik, Therapie und Nachsorge. 2. Auflage. 2018. Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Schwangerschaft der DDG . Arbeitsgemeinschaft Geburtshilfe und Pränatalmedizin in der DGGG.
  • S2k-Leitlinie Betreuung von Neugeborenen diabetischer Mütter. 2017. Leitlinie der Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin, der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin, der Deutschen Diabetes-Gesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft und dem Deutschen Hebammenverband, der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe.
  • S2e-Leitlinie Diabetes in der Schwangerschaft. 3. Auflage. 2021. Deutsche Diabetes Gesellschaft.
  • Bekanntmachung eines Beschlusses des Gemeinsamen Bundesausschusses über eine Änderung der Richtlinien über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung (Mutterschafts-Richtlinien): Einführung eines Screenings auf Gestationsdiabetes Vom 15. Dezember 2011. Bundesministerium für Gesundheit
  • Mack LR, Tomich PG. Gestational Diabetes: Diagnosis, Classification, and Clinical Care. Obstet Gynecol Clin North Am. 2017 Jun;44(2):207-217. doi: 10.1016/j.ogc.2017.02.002. PMID: 28499531.

Wichtiger Hinweis: Unsere Artikel und Grafiken werden von unserem Expertenteam für chronische Erkrankungen überprüft. Grundlage sind stets seriöse Quellen, wissenschaftliche Artikel, Leitlinien und ärztliche Aussagen. Die Inhalte werden in regelmäßigen Abständen aktualisiert und dienen weder der Selbstdiagnose noch ersetzen sie einen Arztbesuch.

Geprüft durch unser Expertenteam für chronische Erkrankungen

Bei unseren Ratgeberbeiträgen legen wir größten Wert auf pharmazeutische Qualität. Hier erfahren Sie mehr über das Expertenteam.