Manchmal kommen Kopfschmerzen so plötzlich und intensiv, dass sie in den ungünstigsten Momenten auftreten –  auch wenn man viel zu tun hat, verabredet ist oder einfach das Wochenende genießen möchte. In solchen Fällen möchte man schnelle Linderung und greift zu schmerzlindernden Tabletten. Es gibt viele Migräne-Medikamente mit verschiedenen Wirkstoffen und innovativen Darreichungsformen, die unterschiedlich schnell und stark wirken. In diesem Artikel erfahren Sie, welche akuten und vorbeugenden Optionen es gibt, sei es bewährte oder neu zugelassene Medikamente, und welche am meisten Sinn für Sie ergeben. 

Das Wichtigste in Kürze

  • Migräne-Medikamente können sowohl akute Anfälle lindern als auch zur Vorbeugung eingesetzt werden. 
  • Sie sind in verschiedenen Formen wie Tabletten, Nasensprays und subkutanen Spritzen erhältlich. 
  • Rezeptfreie Analgetika wie Ibuprofen, Paracetamol und Diclofenac helfen bei leichten Migräne-Schmerzen, indem sie die Produktion von Prostaglandinen hemmen. 
  • Triptane wie Sumatriptan und Rizatriptan behandeln mittelschwere bis schwere Migräneanfälle, dadurch dass sie die Erweiterung der Blutgefäße im Gehirn verringern und Schmerzsignale unterdrücken.
  • Neue Medikamente wie Rimegepant und Lasmiditan bieten Alternativen für Personen, bei denen traditionelle Behandlungen nicht wirksam sind.
  • Zur Vorbeugung von Migräneattacken können Antikörpertherapeutika mit Erenumab, Fremanezumab, Galcanezumab oder Eptinezumab eingesetzt werden. Sie richten sich gegen ein Peptid, das eine zentrale Rolle in der Migräneentstehung spielt. Seit März 2025 ist der neue Wirkstoff Atogepant zur Migränevorbeugung auf dem deutschen Markt verfügbar. 
  • Andere Optionen zur Vorbeugung von Migräne sind der Einsatz von Betablockern, Calciumkanalblockern, Antiepileptika und Antidepressiva. 

Medikamente gegen Migräne: Einnahme und Wirkstoffe

Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die durch intensive, meist einseitige und pochende Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Diese Kopfschmerzen gehen oft mit Übelkeit, Erbrechen sowie einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber Licht und Lärm einher. Obwohl diese Symptome belastend klingen und sich so anfühlen können, gibt es glücklicherweise zahlreiche wirksame Medikamente, die sowohl schnelle Schmerzlinderung als auch langfristige Vorbeugung bieten können. 

Migräne-Medikamente werden sowohl für leichte als auch für mittel bis starke Schmerzen angeboten. Zudem sind bestimmte Wirkstoffe in verschiedenen Darreichungsformen verfügbar. Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, welche Darreichungsform für Sie am besten geeignet ist? 

Während viele Menschen an Tabletten gewöhnt sind, bieten innovative Darreichungsformen bei starken Schmerzen eine effektivere Linderung. Tabletten sind die häufigste Form und eignen sich gut für die meisten Menschen, die ihre Symptome frühzeitig behandeln können. Nasensprays bieten allerdings eine schnellere Wirkung, da das Medikament über die Nasenschleimhaut direkt ins Blut gelangt, was besonders bei Übelkeit und Erbrechen vorteilhaft ist. Subkutane Spritzen sind eine weitere Option, die ebenfalls schnell wirkt und oft bei schweren oder chronischen Migräneanfällen verwendet wird.  

 Akutmedikamente zur Behandlung von Migräne-Attacken 

Migräne-Medikamente lassen sich in zwei Hauptkategorien einteilen: solche zur akuten Behandlung von Migräneanfällen und solche zur Vorbeugung (Prophylaxe). Akutmedikamente sind speziell dafür entwickelt worden, um akute Migräne-Attacken schnell zu lindern. Diese Migräne-Medikamente sollten eingenommen werden, sobald die ersten Anzeichen einer Migräne auftreten, um die Intensität und Dauer der Kopfschmerzen sowie der Begleitsymptome zu reduzieren. Der frühzeitige Einsatz dieser Medikamente ist entscheidend, um die Migräne in ihrer Anfangsphase zu unterbrechen. 

Leichte Schmerzen: Analgetika  

Bei leichten Migräne-Schmerzen empfehlen sich in der Regel herkömmliche rezeptfreie Schmerzmittel, auch als rezeptfreie Analgetika bekannt. Diese sind eine weit verbreitete Option zur Linderung von leichten bis moderaten Migräne-Attacken und sind meistens ohne Rezept erhältlich. Zu den gängigen Wirkstoffen gehören: 

 

Auch Kombinationspräparate, die Koffein enthalten, wie Acetylsalicylsäure (ASS) zusammen mit Paracetamol und Koffein oder Ibuprofen mit Koffein, haben in Studien sehr gute Ergebnisse gezeigt und werden in medizinischen Leitlinien empfohlen. 

Gut zu wissen

Bei der Entstehung von Schmerzen, einschließlich Kopfschmerzen, spielen Prostaglandine eine wichtige Rolle. Diese Botenstoffe sensibilisieren die Schmerzrezeptoren (Nozizeptoren), sodass Schmerzsignale schneller an das Gehirn weitergeleitet werden. Herkömmliche Schmerzmittel, insbesondere nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen, hemmen die Produktion von Prostaglandinen, indem sie die Enzyme blockieren, die an ihrer Synthese beteiligt sind. Dies reduziert die Empfindlichkeit der Schmerzrezeptoren und lindert die Schmerzen. Paracetamol wirkt anders als NSAR. Es beeinflusst die Schmerzempfindung im zentralen Nervensystem, wobei der genaue Wirkmechanismus noch nicht vollständig geklärt ist. Es wird angenommen, dass Paracetamol die Produktion von Prostaglandinen im Gehirn hemmt und dadurch die Schmerzwahrnehmung verringert, ohne dabei eine entzündungshemmende Wirkung zu haben. Koffein verstärkt die Wirkung von Schmerzmitteln, indem es die Aufnahme der Wirkstoffe im Magen-Darm-Trakt beschleunigt und deren Konzentration im Blut erhöht. Zusätzlich bewirkt Koffein eine Verengung der Blutgefäße im Gehirn (Vasokonstriktion), was zur Reduktion von Kopfschmerzen beitragen kann. 

Analgetika: Einnahme und Nebenwirkungen 

Die Wirkung von Analgetika tritt in der Regel innerhalb von 30 bis 60 Minuten ein und hält etwa 4 bis 6 Stunden an.  

Eine wichtige Regel bei der Einnahme von Migräne-Medikamenten ist die 10-plus-3-Regel: Verwenden Sie Schmerz-Medikamente nicht häufiger als an zehn Tagen im Monat und vermeiden Sie ihre Einnahme an den restlichen 20 Tagen. Achten Sie außerdem darauf, diese Medikamente nicht an mehr als drei aufeinanderfolgenden Tagen einzunehmen. Diese Regel hilft, Kopfschmerzen durch Medikamentenübergebrauch zu verhindern. Wenn Medikamente zu oft eingenommen werden, können sie paradoxerweise die Kopfschmerzen verstärken. 

Obwohl diese Medikamente rezeptfrei erhältlich sind, können sie Nebenwirkungen haben. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören: 

  • Magen-Darm-Beschwerden: Symptome wie Übelkeit, Sodbrennen, Magenschmerzen, Durchfall, Blähungen, Verstopfung können bei der Einnahme von Medikamenten mit den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen auftreten. 
  • Hemmung der Blutgerinnung: ASS kann die Blutgerinnung beeinflussen und die Blutungsneigung erhöhen. 
  • Leberschäden bei Überdosierung: Paracetamol birgt bei Überdosierung das Risiko von Leberschäden und kann in seltenen Fällen Hautausschläge und Asthma auslösen. 
  • Herz-Kreislauf-Probleme: Diclofenac und Naproxen können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen leicht erhöhen.

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Bei Übelkeit empfehlen sich rezeptfreie Mittel wie Diphenhydrinat und Dimenhydrinat sowie rezeptpflichtige Medikamente wie Metoclopramid und Domperidon. 

Mittel bis starke Schmerzen: Triptane  

Bei starken Migräne-Schmerzen, die nicht auf rezeptfreie Analgetika ansprechen, kommen Triptane zum Einsatz. Diese Medikamente sind speziell für die Behandlung von Migräne entwickelt worden. Sie bieten eine gezielte Linderung und sind in verschiedenen Formen wie Tabletten, Nasensprays, Zäpfchen und subkutanen Spritzen erhältlich. Triptane wirken ausschließlich gegen Migräne und Cluster-Kopfschmerzen, nicht jedoch gegen Spannungskopfschmerzen oder sekundäre Kopfschmerzen. Zu den bevorzugten Triptanen gehören: 

  • Almotriptan 
  • Eletriptan 
  • Frovatriptan 
  • Naratriptan 
  • Rizatriptan 
  • Sumatriptan 
  • Zolmitriptan 

Triptane in Form von Nasensprays oder Zäpfchen sind bei starker Übelkeit und Erbrechen besonders wirksam, weil sie schnell vom Körper aufgenommen werden und somit rasch Linderung verschaffen. Gezielt gegen Übelkeit und Erbrechen können sogenannte Antiemetika zusammen mit Triptanen oder Schmerzmitteln eingenommen werden, darunter rezeptfreie Optionen wie Diphenhydrinat und Dimenhydrinat sowie rezeptpflichtige Medikamente wie Metoclopramid und Domperidon. 

Gut zu wissen

Triptane wirken, indem sie auf einen bestimmten Botenstoff im Gehirn namens Serotonin einwirken. Serotonin spielt eine wichtige Rolle, weil es sowohl Schmerzsignale überträgt als auch die Blutgefäße im Kopf weitet oder verengt. Wenn zu wenig oder zu viel Serotonin vorhanden ist, kann dies die Schmerzempfindlichkeit erhöhen und Migräne auslösen. Triptane blockieren bestimmte Rezeptoren, an die Serotonin normalerweise andocken würde. Dadurch verengen sich die Blutgefäße im Kopf wieder. Zusätzlich wirken sie auf den Trigeminusnerv, der bei der Schmerzwahrnehmung eine wichtige Rolle spielt, und senken die Konzentration eines schmerzfördernden Stoffes namens CGRP im Blut. 

Triptane: Einnahme und Nebenwirkungen 

Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass nicht alle Triptane bei jeder Person gleich gut wirken. Die Wirksamkeit kann von Person zu Person unterschiedlich sein. Wenn der Kopfschmerz nach der ersten Linderung durch ein Triptan zurückkehrt, kann frühestens nach zwei Stunden eine weitere Dosis eingenommen werden.  

Falls die Monotherapie mit Triptanen unzureichend ist, kann eine Kombinationstherapie mit einem NSAR in Erwägung gezogen werden. Beispielsweise kann man von Anfang an Triptane zusammen mit einem langwirkenden Analgetikum (wie Naproxen) einnehmen. 

In der Regel lässt eine Migräne-Attacke innerhalb von 30 bis 90 Minuten nach der Einnahme nach. Um die bestmögliche Wirkung zu erzielen, sollten Triptane frühzeitig während einer Migräneattacke eingenommen werden, idealerweise sobald die ersten Anzeichen oder Symptome auftreten. Eine rechtzeitige Einnahme kann die Wirksamkeit erhöhen und die Dauer der Attacke verkürzen.  

Triptane sollten nicht mehr als 10 Tage pro Monat eingenommen werden. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören Schwindel, Müdigkeit und Hitzewallungen. Ein Engegefühl in der Brust kann ebenfalls auftreten. Personen mit bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten Triptane nur unter ärztlicher Aufsicht einnehmen. Aufgrund ihrer vasokonstriktorischen (blutgefäßeverengenden) Wirkung sollten Triptane nicht in der Aura-Phase, sondern erst bei Einsetzen des Kopfschmerzes eingenommen werden. 

Alternative: Ditane und Gepante  

Eine neue Ära der Migränebehandlung begann mit der Zulassung von Rimegepant und Lasmiditan im Jahr 2022. Diese Medikamente stellen eine Alternative zu herkömmlichen Therapien dar, besonders für Personen, bei denen diese Behandlungen nicht wirken oder kontraindiziert sind. 

  • Gepante blockieren CGRP-Rezeptoren. CGRP steht für Calcitonin Gene-Related Peptide, ein Peptid, was gefäßerweiternd wirkt und eine zentrale Rolle in der Entstehung von Migräne spielt. Durch die Blockade dieses Peptids werden die Blutgefäße nicht erweitert und die Schmerzsignale reduziert. Rimegepant ist sowohl zur akuten Behandlung von Migräne als auch zur Vorbeugung (Prophylaxe) der episodischen Migräne geeignet. Es ist gut verträglich, jedoch können Nebenwirkungen wie Übelkeit und Atemnot auftreten. Außerdem ist es nicht geeignet für Menschen mit schweren Nieren- oder Leberproblemen. 
  • Lasmiditan gehört zur Gruppe der Ditane und wirkt auf einen speziellen Serotonin-Rezeptor, ohne die Blutgefäße zu verengen, was es besonders geeignet für Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen macht. Es verhindert die Freisetzung weiterer Schmerzbotenstoffe und wird speziell zur akuten Behandlung von Migräne eingesetzt. Häufige Nebenwirkungen sind Schwindel, Müdigkeit und Empfindungsstörungen. Nach der Einnahme von Lasmiditan sollte man acht Stunden lang keine Aktivitäten ausüben, die eine hohe Aufmerksamkeit erfordern, wie zum Beispiel Autofahren. 

Diese neuen Medikamente bieten eine wichtige Alternative für Migränepatient:innen, die auf herkömmliche Behandlungen nicht ansprechen oder diese nicht vertragen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin über diese neuen Optionen, um die beste Behandlung für Ihre individuellen Bedürfnisse zu finden. 

Medikamente zur Vorbeugung von Migräne-Attacken  

Wenn drei oder mehr Migräneanfälle pro Monat auftreten oder Akutmedikamente nicht ausreichend wirken und unerwünschte Nebenwirkungen verursachen, kann eine prophylaktische (vorbeugende) medikamentöse Behandlung sinnvoll sein.

Migränevorbeugung mit monoklonalen Antikörpern

Monoklonale Antikörper sind speziell hergestellte Proteine, die gezielt an bestimmte Moleküle im Körper binden und deren Wirkung blockieren. Bei Migräne zielen sie auf das Migräne-auslösende Protein CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide ein Peptid, das gefäßerweiternd wirkt) oder dessen Rezeptor ab. Durch die Hemmung von CGRP können Migräneanfälle verhindert oder ihre Häufigkeit und Schwere verringert werden. 

Monoklonale Antikörper wie: 

  • Erenumab,  
  • Fremanezumab,  
  • Galcanezumab und  
  • Eptinezumab  

sind zugelassen zur Migräneprophylaxe bei Erwachsenen mit mindestens vier Migränetagen pro Monat. Besonders geeignet sind sie für Personen, bei denen herkömmliche Prophylaxemittel nicht wirksam waren oder nicht vertragen wurden. 

Erenumab, Fremanezumab und Galcanezumab werden subkutan (also unter die Haut) injiziert, in der Regel alle vier Wochen. Bei Fremanezumab ist auch eine vierteljährliche Gabe möglich. Diese Injektionen können von den Patienten selbst oder durch medizinisches Fachpersonal durchgeführt werden. Eptinezumab wird als intravenöse Infusion verabreicht, die vierteljährlich über einen Zeitraum von etwa 30 Minuten gegeben wird. Gelegentliche Nebenwirkungen können lokale Reaktionen an der Injektionsstelle und systemische Überempfindlichkeiten sein.

Migränevorbeugung mit Gepanten 

Seit März 2025 ist mit Atogepant der erste Vertreter der Gepante auf dem deutschen Markt erhältlich. Es ist zur Migräneprophylaxe bei Erwachsenen mit mindestens vier Migränetagen pro Monat zugelassen, sowohl für episodische als auch für chronische Migräne. Eingenommen wird es einmal täglich in Form einer Tablette. Als CGRP-Rezeptor-Blocker kann es sowohl die Häufigkeit als auch die Intensität und Dauer einer Migräneattacke verringern. Rimegepant ist ein weiterer Vertreter der Gepante, der in der EU für die Migränevorbeugung zugelassen ist, jedoch ist es noch nicht auf dem deutschen Markt erhältlich.

Migränevorbeugung mit Migräneprophylaktika der Repurposing-Klasse 

Repurposing bedeutet in der Pharmazie, dass bereits zugelassene Medikamente für neue Anwendungsgebiete eingesetzt werden, für die sie ursprünglich nicht entwickelt wurden. So werden beispielsweise Betablocker und Calciumkanalblocker (üblicherweise gegen Bluthochdruck), aber auch Antiepileptika (üblicherweise gegen Epilepsie), Antidepressiva (üblicherweise gegen Depressionen) und Neurotoxine wie Botox (üblicherweise Falten, Muskelspastiken und Zähneknirschen) auch in der Migräneprophylaxe eingesetzt: 

  • Betablocker und Calciumkanalblocker: Betablocker wie Metoprolol und Propranolol sowie der Calciumkanalblocker Flunarizin hemmen bestimmte Enzyme oder Rezeptoren, die bei der Entstehung von Migräneanfällen eine Rolle spielen. Diese Medikamente werden normalerweise zur Blutdrucksenkung eingesetzt, können aber auch die Häufigkeit und Intensität von Migräneanfällen reduzieren, indem sie die Blutgefäße stabilisieren und die neuronale Erregbarkeit verringern. Nebenwirkungen können Müdigkeit, Schwindel, Magen-Darm-Beschwerden und depressive Stimmung sein. Betablocker können zusätzlich Nebenwirkungen wie niedrigen Blutdruck, Schlafstörungen, sexuelle Dysfunktion und kalte Hände und Füße verursachen, während Calciumkanalblocker spezifisch zu Gewichtszunahme führen können. 

  • Antiepileptika: Krampflösende Wirkstoffe wie Topiramat und Valproinsäure werden eigentlich zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt. Sie wirken, indem sie die elektrische Aktivität im Gehirn stabilisieren und die Übertragung von Nervensignalen beeinflussen, was Migräneanfälle verhindern kann. Nebenwirkungen können Müdigkeit, Schwindel, kognitive Beeinträchtigungen, Missempfindungen, Zittern, Geschmacksveränderungen und Nierensteine sein. 

  • Antidepressiva: Amitriptylin wirkt, indem es die Konzentration von Serotonin und Noradrenalin im Gehirn erhöht, was die Schmerzschwelle anheben kann. Mögliche Nebenwirkungen sind Müdigkeit, Mundtrockenheit, Schwindel und Gewichtszunahme. 

  • Neurotoxine: Onabotulinumtoxin A (Botox) wirkt, indem es die Freisetzung von Acetylcholin blockiert, einem Neurotransmitter, der eine entscheidende Rolle bei der Übertragung von Nervenimpulsen spielt. Durch diese Blockade wird die Muskelaktivität reduziert, was wiederum die damit verbundenen Schmerzen lindert. Dies kann Nackenschmerzen, Muskelschwäche an der Injektionsstelle und kurzfristig mehr Kopfschmerzen nach der Injektion verursachen. 

Die Wahl des optimalen Medikaments für Sie hängt von Ihrem individuellen Migräneverlauf sowie dem Vorhandensein weiterer Erkrankungen ab, die gegen bestimmte Wirkstoffe sprechen (Kontraindikationen). Zusätzlich spielt es eine Rolle, ob Begleiterkrankungen vorliegen, die für den Einsatz eines bestimmten Medikaments sprechen. Beispielsweise kann ein Betablocker besonders vorteilhaft sein, wenn Sie gleichzeitig an Bluthochdruck leiden, da in diesem Fall beide Erkrankungen mit einem einzigen Medikament behandelt werden können. 

Gut zu wissen

Bei der Migränevorbeugung mit Prophylaktika der Repurposing-Klasse wird das Medikament langsam eingeschlichen, was bedeutet, dass die Behandlung mit einer niedrigen Dosis beginnt, die bei Bedarf schrittweise erhöht wird, bis die gewünschte Wirkung erreicht ist. 

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Weitere prophylaktische Medikamente  

Zu weiteren Wirkstoffen, die sich für die Migräne-Prophylaxe eignen, liegen ebenfalls wissenschaftliche Daten vor. Diese Studien sind aber weniger umfangreich als bei den bereits beschriebenen Präparaten. Darüber hinaus konnten die meisten anderen Medikamente zwar die Schwere der Migräne lindern, aber nicht die Häufigkeit der Migräne-Attacken senken. Besprechen Sie am besten mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, ob eines der folgenden Mittel für Sie infrage kommt: 

  • Magnesium: Magnesium ist ein Mineral, das für viele Körperfunktionen wichtig ist. Es wird oft von Ärzt:innen oder Apotheker:innen empfohlen, da es gut verträglich ist und wenige Nebenwirkungen hat. Studien zu seiner Wirksamkeit sind jedoch uneinheitlich: Einige zeigen eine Verringerung der Migräneanfälle, während andere keinen signifikanten Effekt feststellen. Magnesium ist besonders geeignet für Menschen, die keine starken Medikamente einnehmen möchten. Achtung: Bei hohen Dosen kann es zu Durchfall kommen. 

  • Vitamin B2 (Riboflavin): Vitamin B2 ist ein wichtiges Vitamin für die Energieproduktion im Körper. In einigen kleineren Studien hat es geholfen, die Häufigkeit von Migräneanfällen zu reduzieren. Die wissenschaftliche Grundlage ist jedoch weniger robust, und die Ergebnisse sind nicht immer konsistent. Es wird oft empfohlen, weil es sicher und einfach einzunehmen ist. 

  • Coenzym Q10: Coenzym Q10 ist eine Substanz, die der Körper zur Energieproduktion benötigt. Einige kleine Studien haben gezeigt, dass es die Anzahl der Migräneanfälle verringern kann. Die Evidenz ist jedoch nicht sehr stark, und weitere Forschung ist nötig. Coenzym Q10 wird häufig verwendet, da es gut verträglich ist und potenziell nützlich sein kann. 

  • ACE-Hemmer (üblicherweise gegen Bluthochdruck): ACE-Hemmer sind Medikamente, die ursprünglich zur Behandlung von Bluthochdruck entwickelt wurden. Sie wirken, indem sie die Blutgefäße entspannen und den Blutdruck senken. In einigen Studien haben sie gezeigt, dass sie auch die Häufigkeit von Migräneanfällen reduzieren können, besonders bei Menschen mit Bluthochdruck. Die Studienlage ist jedoch nicht so stark wie bei anderen Migränemedikamenten. 

  • Sartane (üblicherweise gegen Bluthochdruck): Sartane sind ebenfalls Blutdruckmedikamente, die ähnlich wie ACE-Hemmer wirken, indem sie die Blutgefäße entspannen. Einige kleinere Studien deuten darauf hin, dass sie helfen können, Migräneanfälle zu reduzieren, insbesondere bei Menschen, die auch an Bluthochdruck leiden. Die Evidenz ist begrenzt und weitere Forschung ist erforderlich, um ihre Wirksamkeit eindeutig zu bestätigen. 

Weitere Maßnahmen  

Unabhängig davon, welche medikamentöse Prophylaxe Ihre Ärztin oder Ihr Arzt empfiehlt, ist es wichtig, ergänzende Maßnahmen zu ergreifen. Es spielt eine wichtige Rolle, Triggerfaktoren für Migräne zu identifizieren und zu vermeiden. Hier sind einige wichtige Lebensstiländerungen und ergänzende Maßnahmen: 

  • Ein regelmäßiger Tagesablauf und ausreichend Schlaf 
  • Eine gesunde, ballaststoffreiche Ernährung 
  • Regelmäßiger Ausdauersport 
  • Entspannungstechniken zur Stressbewältigung

Falls Ihre Migräne Sie stark beeinträchtigt und eventuell zusätzlich Ängste oder Depressionen verursacht, kann es hilfreich sein, sich an eine Psychotherapeutin oder einen Psychotherapeuten zu wenden. Gemeinsam können Sie eine neue, selbstfürsorgliche Sichtweise auf Ihre Erkrankung entwickeln und lernen, mit den Kopfschmerzen anders umzugehen. Besonders geeignet ist hierfür die sogenannte kognitive Verhaltenstherapie (KVT). Erfahren Sie hier, wie Sie schnell Hilfe bei psychischen Problemen erhalten können. 

Wege zur Linderung von Migräne 

Migräne ist eine komplexe Erkrankung, die eine individuelle Behandlung erfordert. Durch die Kombination aus medikamentöser Therapie und Lebensstiländerungen können viele betroffene Personen eine deutliche Verbesserung ihrer Symptome erreichen. Die Forschung sucht weiterhin nach neuen Wirkstoffen, die sowohl akut als auch vorbeugend gegen Migräne-Attacken helfen. Migräne hinterlässt keine bleibenden Schäden, aber das bedeutet nicht, dass Sie sie ertragen müssen. Lassen Sie sich helfen und suchen Sie eine Fachärztin oder einen Facharzt auf. Je früher Sie Ihre Migräne behandeln lassen, desto erfolgreicher die Therapie. 

Geprüft durch unser pharmazeutisches Team

Louisa Löwe, pharmazeutische Expertin

„Die Pharmazie kennt keinen Stillstand – das ist es, was mich so daran fasziniert. Jeden Tag werden spannende neue Wirkstoffe und Behandlungsmöglichkeiten für Krankheiten entdeckt.“

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