Ein plötzlich stark erhöhter Blutdruck kann beunruhigend sein. Hier erfahren Sie Schritt für Schritt, wie Sie die Situation richtig einschätzen, was Sie tun können und wann Sie sofort medizinische Hilfe benötigen.
Das Wichtigste in Kürze
- Werte über 180/120 mmHg gelten als schwere Blutdruckerhöhung und sollten umgehend ärztlich abgeklärt werden.
- Bei Symptomen wie Brustschmerzen, Atemnot oder Lähmungen sollten Sie sofort den Notruf 112 wählen.
- Bei hohen Blutdruckwerten ohne bedrohliche Symptome gilt zunächst einmal Ruhe bewahren, Oberkörper hochlagern und nach 15–30 Min. erneut messen.
- Eine Blutdruckentgleisung sollte stets ernst genommen und zeitnah ärztlich abgeklärt werden.
- Die Einnahme von Hausmitteln zur Senkung des Blutdrucks zählt nicht als verlässliche Sofortmaßnahmen und kostet im Notfall wertvolle Zeit.
Schritt 1: Situation bewerten – Ab wann ist es gefährlich?
Bevor Sie handeln, ist eine ruhige Einschätzung der Situation entscheidend. Die folgende Tabelle zeigt, welche Blutdruckwerte als normal gelten und ab wann ärztliche Aufmerksamkeit erforderlich ist.
| Klinische Einordnung |
Systolisch (mmHg) |
Diastolisch (mmHg) |
Maßnahme |
|---|---|---|---|
| Optimal | < 120 | < 80 | Kein Handlungsbedarf |
| Normal | 120–129 | 80–84 | Kein Handlungsbedarf |
| Hochnormal | 130–139 | 85–89 | Lebensstil anpassen, regelmäßige Kontrolle |
| Bluthochdruck (Hypertonie) | ≥ 140 | ≥ 90 | Ärztliche Abklärung erforderlich |
| Hypertensive Krise | > 180 | > 120 | Sofortige Untersuchung notwendig! |
Die entscheidende Frage: Haben Sie Symptome?
Liegt Ihr Blutdruck über 180/120 mmHg, ist die wichtigste Frage: Haben Sie bedrohliche Symptome? Ihre Antwort bestimmt das weitere Handeln.
Hypertensiver Notfall (mit bedrohlichen Symptomen)
Wenn zusätzlich zu den sehr hohen Blutdruckwerten eines oder mehrere der folgenden Symptome auftreten, handelt es sich um einen medizinischen Notfall. Rufen Sie sofort den Notruf 112:
- Starke Brustschmerzen oder Engegefühl
- Akute Atemnot
- Lähmungserscheinungen, Sprach- oder Sehstörungen
- Starke Übelkeit oder Erbrechen
- Krampfanfälle oder Bewusstseinsstörungen
Hypertensive Entgleisung (ohne bedrohliche Symptome)
Der Blutdruck ist extrem hoch, aber keine der oben genannten Notfallsymptome treten auf. Möglicherweise besteht leichter Schwindel oder leichte Kopfschmerzen. In diesem Fall: Ruhe bewahren und die Sofortmaßnahmen aus Schritt 2 einleiten.
Abgrenzung: Hypertensive Krise vs. Hypertensiver Notfall
Beide Situationen beschreiben Blutdruckwerte über 180/120 mmHg, unterscheiden sich aber grundlegend in ihrer Dringlichkeit. Die hypertensive Krise (Entgleisung) ohne Symptome ist besorgniserregend, in der Regel aber nicht unmittelbar lebensbedrohlich. Der hypertensive Notfall mit Organschädigungs-Symptomen erfordert sofortige intensivmedizinische Behandlung. Ausführliche Informationen zu Ursachen, Diagnose und klinischer Behandlung finden Sie in unserem Artikel zur Hypertensiven Krise.
Schritt 2: Sofortmaßnahmen – Was kann ich jetzt tun?
Bei einem hypertensiven Notfall (mit Symptomen)
SOFORT NOTRUF 112 WÄHLEN!
Wählen Sie bei den genannten Warnsymptomen sofort die 112. Versuchen Sie nicht, den Blutdruck selbst zu senken. Bewahren Sie Ruhe und lagern Sie den Oberkörper hoch, während Sie auf den Rettungsdienst warten.
Bei einer hypertensiven Entgleisung (ohne Symptome)
Wenn Ihr Blutdruck stark erhöht ist, Sie aber keine bedrohlichen Symptome aufweisen, können Sie die folgenden vier Schritte unternehmen:
- Ruhe bewahren: Panik und Aufregung treiben den Blutdruck weiter in die Höhe. Setzen Sie sich ruhig hin und konzentrieren Sie sich auf eine langsame, tiefe Bauchatmung. Dies beruhigt das vegetative Nervensystem und kann bereits zu einer ersten Entspannung der Gefäße beitragen.
- Oberkörper hochlagern: Nehmen Sie eine bequeme, sitzende Position ein. Eine aufrechte Haltung mit erhöhtem Oberkörper entlastet das Herz. Vermeiden Sie jegliche körperliche Anstrengung.
- Für frische Luft sorgen: Sorgen Sie für frische Luft und eine ruhige Umgebung, um Entspannung herbeizuführen.
- Kontrollmessung nach 15–30 Minuten: Messen Sie Ihren Blutdruck erneut. In vielen Fällen führt die Entspannung bereits zu einer deutlichen Senkung des Wertes. Notieren Sie beide Messwerte mit Uhrzeit.
Wann Sie medizinische Hilfe benötigen:
Bleibt der Blutdruck trotz der Ruhemaßnahmen dauerhaft über 180/120 mmHg, kontaktieren Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) oder suchen Sie eine Notaufnahme auf. Auch wenn sich der Wert normalisiert, sollte eine solche Entgleisung zeitnah ärztlich abgeklärt werden, um die Ursache zu finden und die Behandlung anzupassen.
Schritt 3: Nachsorge – Was danach wichtig ist
Eine Blutdruckentgleisung ist ein ernstes Warnsignal Ihres Körpers. Sie zeigt, dass die aktuelle Therapie möglicherweise nicht ausreicht oder dass auslösende Faktoren – wie Stress oder vergessene Medikamente – beseitigt werden müssen.
Regelmäßiges Monitoring: Ihre wichtigste Maßnahme
Die regelmäßige Selbstmessung des Blutdrucks ist der zentrale Baustein einer erfolgreichen Behandlung. Sie gibt Ihnen und Ihrem Arzt bzw. Ihrer Ärztin einen verlässlichen Überblick über die Wirksamkeit der Therapie und hilft, Entgleisungen frühzeitig zu erkennen. Messen Sie immer zur gleichen Tageszeit, in Ruhe und im Sitzen.
Führen Sie ein Blutdrucktagebuch, in dem Sie Werte, Datum, Uhrzeit und besondere Ereignisse (z. B. Stress, vergessene Tablette) notieren. Diese Informationen sind für Ihren Arzt bzw. Ihre Ärztin bei der Therapieanpassung äußerst wertvoll.
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Langfristige Behandlung anpassen
Besprechen Sie die Blutdruckentgleisung unbedingt mit Ihrem Arzt bzw. Ihrer Ärztin. Möglicherweise muss Ihre Therapie angepasst werden. Die langfristige Behandlung des Bluthochdrucks beruht auf zwei Säulen, die sich gegenseitig ergänzen:
Lebensstil anpassen
Eine gesunde, salzarme Ernährung, regelmäßige Bewegung, Gewichtsreduktion und der Abbau von Stress bilden immer die Basis. Neben Ernährung und Bewegung sind stressreduzierende Aktivitäten eine sinnvolle Ergänzung, denn Stress kann den Blutdruck akut ansteigen lassen.
Medikamentöse Therapie
Bei fortgeschrittener Hypertonie oder hohem Risiko für Folgeerkrankungen werden blutdrucksenkende Medikamente (Antihypertensiva) verschrieben. Diese müssen regelmäßig und wie vom Arzt verordnet eingenommen werden. Setzen Sie Medikamente niemals eigenmächtig ab – das ist eine der häufigsten Ursachen für Blutdruckentgleisungen.
Warum Hausmittel keine Sofortmaßnahmen sind
Im Internet kursieren zahlreiche Tipps zu Hausmitteln wie Zitronenwasser, Knoblauch oder Pfefferminztee, die den Blutdruck angeblich sofort senken. Aus medizinischer Sicht ist diese Annahme irreführend und potenziell gefährlich.
Bestimmte Lebensmittel können im Rahmen einer gesunden Ernährung langfristig einen positiven Effekt auf den Blutdruck haben. Sie sind jedoch keine kontrollierbare oder verlässliche Sofortmaßnahme bei einer akuten Blutdruckentgleisung. Es gibt keine Garantie für eine Wirkung, und eine vorübergehende Senkung hat keinen nachhaltigen Effekt. Im Notfall geht durch solche Versuche wertvolle Zeit verloren.
Darüber hinaus ist eine zu rasche Senkung des Blutdrucks therapeutisch nicht erwünscht und kann sogar gefährlich werden: Es kann zu Müdigkeit, Schwäche, Ohnmachtsanfällen und einer ernsthaften Minderdurchblutung von Organen kommen. Vertrauen Sie in einer akuten Situation auf die hier beschriebenen Schritte – und im Zweifelsfall auf medizinische Fachkräfte.
Häufige Fragen bei Bluthochdruck
- Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ). Therapieempfehlungen zur Behandlung der arteriellen Hypertonie. https://www.akdae.de (Abgerufen am 08. April 2026)
- Bundesministerium für Gesundheit. Bluthochdruck – Ursachen, Symptome und Behandlung. https://www.bundesgesundheitsministerium.de (Abgerufen am 08. April 2026)
- Deutsche Herzstiftung. Bluthochdruck: Was tun bei einer Blutdruckkrise? https://www.herzstiftung.de (Abgerufen am 08. April 2026)
- Deutsche Hochdruckliga (DHL). Leitlinien zur Diagnostik und Behandlung der arteriellen Hypertonie. https://www.hochdruckliga.de (Abgerufen am 08. April 2026)
- Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK). Empfehlungen zum Management hypertensiver Krisen und Notfälle. https://www.dgk.org (Abgerufen am 08. April 2026)
- European Society of Hypertension (ESH) / European Society of Cardiology (ESC). 2023 ESH Guidelines for the Management of Arterial Hypertension. https://www.eshonline.org (Abgerufen am 08. April 2026)
- Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Patienteninformation Bluthochdruck – Selbstmessung und Monitoring. https://www.kbv.de (Abgerufen am 08. April 2026)
- Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Bluthochdruck als Risikofaktor für Schlaganfall. https://www.schlaganfall-hilfe.de (Abgerufen am 08. April 2026)
Geprüft durch unser pharmazeutisches Team

„An der Pharmazie fasziniert mich am meisten, wie alles zusammenspielt. Von Zusammenhängen im Stoffwechsel hin zur Einnahme von Medikamenten. Wer sich damit auskennt, kann sein Leben positiv beeinflussen.“
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