Chronische Erkrankungen sind oft unsichtbare Begleiter im Alltag von Millionen Deutschen. Etwa 40 Prozent der Bevölkerung hat eine oder mehrere Erkrankungen und 30 Prozent leben bereits seit zwei Jahrzehnten oder länger damit. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, chronische Lungenerkrankungen, Muskel-Skelett-Erkrankungen, psychische Störungen und Diabetes prägen den Lebensweg vieler. Doch in diesem Artikel möchten wir nicht nur auf die Herausforderungen eingehen, sondern vor allem auf die Möglichkeiten, durch realistische Neujahrsvorsätze einen positiven Wandel im Verlauf der Erkrankung zu gestalten.
Neues Jahr, Neue Hoffnungen
Das neue Jahr ist die perfekte Gelegenheit, um gesteckte Ziele motiviert anzugehen. Insbesondere für Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Veranlagungen für diese birgt das eine große Chance, da sich eine gesunde Lebensweise positiv auf den Verlauf zahlreicher Erkrankungen auswirken kann oder zur Prävention beiträgt. Die Formulierung von Neujahrsvorsätzen sollte daher nicht nur eine allgemeine Zielsetzung sein, sondern auch spezifische Aspekte wie regelmäßige ärztliche Check-ups, den Umgang mit Stress, eine gesunde Gewichtsabnahme, die Integration von Bewegung und einen insgesamt gesunden Lebensstil umfassen. Dabei ist es wichtig, realistische Ziele zu wählen und diese langfristig umzusetzen.
Prävention und ärztliche Check-Ups
Wer eine chronische Erkrankung hat, sollte regelmäßige ärztliche Untersuchungen in Anspruch nehmen, um mögliche Komplikationen und Folgeerkrankungen frühzeitig zu erkennen. Verschiedene Aspekte des Körpers sollten regelmäßig überwacht werden, insbesondere bei häufigen Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck.
Diabetes mellitus: Bei allen Typen von Diabetes werden verschiedene Tests durchgeführt, darunter regelmäßige Blutzuckermessungen und der so genannte HbA1c-Wert zur Langzeitüberwachung des Blutzuckers. Dazu gehört auch die Überprüfung der Nierenfunktion und der Augen, da Diabetes diese Organe beeinträchtigen und schädigen kann. Insbesondere unbemerkte Verletzungen an den Füßen, die durch eine diabetische Neuropathie (Schädigung der Nerven) verursacht werden, werden durch die Untersuchung der Blutgefäße und der Nervenfunktion erkannt. Auch der Zahnbereich ist von großer Bedeutung, da Diabetes das Zahnfleisch und die Zähne angreifen kann. Zahnärztliche Untersuchungen sind daher wichtig, um mögliche Schäden frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Bluthochdruck: Regelmäßige Überprüfungen der Blutfettwerte und der Herztätigkeit sind für Menschen mit Bluthochdruck von großer Bedeutung. Diese Untersuchungen dienen dazu, das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu minimieren, die häufig mit Bluthochdruck einhergehen. Zusätzlich zu den genannten Untersuchungen werden bei Menschen mit Bluthochdruck oft auch Kontrollen des Blutzuckerspiegels durchgeführt, da Bluthochdruck häufig mit Diabetes mellitus in Verbindung steht. Der Body-Mass-Index (BMI), eine Kennzahl zur Einschätzung des Gewichts einer Person, wird ebenfalls überwacht. Des Weiteren können regelmäßige Nieren-, Augen- und Gefäßuntersuchungen notwendig sein, um mögliche Folgeerscheinungen von Bluthochdruck frühzeitig zu erkennen.
Gut zu wissen
Etwa jeder dritte Erwachsene in Deutschland hat Bluthochdruck. Rund jeder Fünfte weiß nicht von seiner Erkrankung. Umso wichtiger ist es, regelmäßige Gesundheits-Check-ups wahrzunehmen. Gesetzlich Versicherte haben darauf einen Anspruch und bekommen diese von der Krankenkasse bezahlt.
Alle diese Untersuchungen dienen dazu, die Gesundheit der Patientin bzw. des Patienten zu sichern, mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen und eine gezielte Behandlung zu gewährleisten.
Auf regelmäßige Bewegung achten
Sport ist entscheidend für einen gesunden Lebensstil und beeinflusst die Lebensqualität erheblich. Regelmäßige körperliche Aktivität bietet zahlreiche gesundheitliche Vorteile, darunter die Reduzierung von Übergewicht und ein geringeres Risiko für verschiedene Erkrankungen.
Studien zeigen, dass bereits 2,5 Stunden aktives Spazierengehen pro Woche das Diabetesrisiko bei Gesunden um 30 % reduziert und Menschen mit Diabetes hilft, ihren Langzeitblutzuckerwert um 0,5–0,7 % zu senken.
Sport steigert außerdem die Konzentrationen von Dopamin, Serotonin, Noradrenalin und Endorphinen (Hormonen, die unter anderem die Stimmungslage positiv beeinflussen) im Blut, verbessert die Stimmung und reduziert Stress – ein wirksames Mittel gegen Depressionen.
Für das Herz-Kreislauf-System ist Sport sehr wichtig, besonders bei sitzender Tätigkeit. Über acht Stunden sitzen ohne sportlichen Ausgleich erhöht das Risiko für kardiovaskuläre (das Herz- und Gefäßsystem betreffende) Ereignisse erheblich. Doch durch regelmäßige körperliche Bewegung lässt sich dieses jedoch kompensieren.
Gut zu wissen
Regelmäßiger Sport bedeutet, mindestens drei Mal pro Woche für mindestens 30 Minuten aktiv zu sein, mit einer Herzfrequenz (Anzahl der Herzschläge pro Minute) von 60 % der maximalen Herzfrequenz oder darüber. „Regelmäßig“ impliziert eine konsequente Durchführung von sportlichen Aktivitäten von Woche zu Woche und von Monat zu Monat. Bereits 10 Minuten Bewegung am Tag sind sinnvoll und besser als gar kein Sport, was zu einem vitalen Lebensstil und gesteigerter Lebensqualität beiträgt.
Sportarten, die die Herzfrequenz erhöhen und gleichzeitig schonend für die Gelenke sind, umfassen Ausdauersportarten wie Radfahren, Nordic Walking und Tanzen, sowie Wassersportarten wie Wassergymnastik, Aquajogging oder Schwimmen. Erfahren Sie hier, wie Sie Bewegung leicht in Ihren Alltag integrieren können.
Überschüssiges Gewicht verlieren
Die Reduktion von überschüssigem Gewicht spielt eine entscheidende Rolle bei der Verbesserung verschiedener gesundheitlicher Aspekte, insbesondere bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Rheuma und neurologischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose (MS).
Selbst eine moderate Gewichtsabnahme von 5–10 % des Körpergewichts hat nachweislich positive Auswirkungen auf die Entwicklung einer Diabeteserkrankung, indem sie die Insulinresistenz bei übergewichtigen Personen reduziert.
Das zusätzliche Gewicht kann ebenfalls die Gelenke belasten, was zu verstärkten Schmerzen führen kann. Bei rheumatoider Arthritis (RA) zeigt sich ein Zusammenhang zwischen Übergewicht und dem zunehmenden Fortschreiten der Krankheit im Vergleich zu normalgewichtigen Personen. Daher könnte eine Gewichtsabnahme die Krankheitsaktivität möglicherweise verbessern.
Des Weiteren könnte der Blutdruck durch den Verlust von etwa einem Kilogramm um etwa 1 Millimeter Quecksilber (Blutdruckmesseinheit) sinken. Die Verringerung des Taillenumfangs ist ebenfalls von Bedeutung, da überschüssiges Bauchfett das Risiko von Bluthochdruck erhöhen kann. Das Bauchfett produziert Hormone und entzündungsfördernde Botenstoffe, die unter anderem den Blutdruck beeinflussen. Jedes Kilogramm und jeder Zentimeter weniger hat positive Auswirkungen auf Bluthochdruck und den Blutzuckerspiegel.
Auch bei neurologischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose ist die Gewichtskontrolle von Bedeutung, da Faktoren wie Fatigue, Steroidtherapie und Depression zu unerwünschter Gewichtszunahme führen können. Es ist wichtig, auf eine gesunde Balance zwischen verbrannten und aufgenommenen Kalorien zu achten, um mögliche Gewichtszunahmen zu kontrollieren.
Hier sind einige praktische Tipps, die Ihnen bei der Gewichtsabnahme helfen können:
Essen Sie langsam, kauen Sie bewusst und genießen Sie jede Geschmacksnuance. Langsames Essen kann bei der Gewichtsabnahme helfen, da es dem Körper mehr Zeit gibt, das Sättigungsgefühl wahrzunehmen.
Trinken Sie vor den Mahlzeiten zwei Gläser Wasser, da Studien zeigen, dass dies das Vollegefühl steigert und hilft, Durst von Hunger zu unterscheiden.
Setzen Sie realistische Ziele, streben Sie einen moderaten wöchentlichen Gewichtsverlust von bspw. etwa 0,5 kg an, wenn Sie 5 kg abnehmen möchten, um einen Jojo-Effekt zu vermeiden. Der Jojo-Effekt ist ein Phänomen, bei dem Menschen, die eine Diät gemacht und Gewicht verloren haben, nach der Diät wieder zunehmen, oft sogar mehr als zuvor.
Entwickeln Sie gesunde Essgewohnheiten, wie zum Beispiel täglich mindestens eine Obstsorte und bei jeder Mahlzeit mindestens eine Gemüsesorte einzubeziehen und teilen Sie Ihre Vorsätze mit anderen, um motiviert zu bleiben.
Bewusste Ernährung
Die Rolle der Ernährung für unsere Gesundheit ist besonders wichtig, insbesondere in Bezug auf chronische Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck. Eine ausgewogene Ernährung dient nicht nur der Prävention, sondern ist auch ein integraler Bestandteil der Basistherapie.
Um einen gesünderen Lebensstil zu erreichen, sind keine radikalen Veränderungen erforderlich. Vielmehr können schon kleine, nachhaltige Anpassungen im Alltag einen positiven Einfluss haben. Realistische Tipps für eine langfristig gesündere Ernährung sind:
Gesunde Kohlenhydrate: Wählen Sie Vollkornprodukte für stabile Blutzuckerwerte und vermeiden Sie raffinierte Zuckerprodukte sowie gesüßte Limonaden und Fruchtsäfte. Insbesondere bei Diabetes ist der bewusste Konsum von Vollkornprodukten wichtig, um das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes-Komplikationen zu reduzieren.
Salzreduktion: Ein übermäßiger Salzkonsum erhöht das Bluthochdruckrisiko, insbesondere bei Personen mit Salzempfindlichkeit. 30 bis 50 % der Menschen mit Bluthochdruck reagieren empfindlich auf Salz, was zu einem weiteren Anstieg des Blutdrucks führen kann. Hier erfahren Sie mehr über die Ernährung bei Bluthochdruck.
Gesunde Fette: Entscheiden Sie sich für ungesättigte Fette aus pflanzlichen Quellen (möglichst kalt, nicht frittiert), Nüssen und Fisch. Vermeiden Sie hohe Temperaturen beim Erhitzen, um die positiven Eigenschaften dieser Fette zu erhalten. Gesättigte Fette, häufig in Fast Food oder Fertigprodukten, erhöhen hingegen den Cholesterinspiegel und sind mit kardiovaskulären (das Herz- und Gefäßsystem betreffenden) Ereignissen verbunden.
Vielfalt: Achten Sie darauf, täglich mindestens drei verschiedene Lebensmittel aus verschiedenen Kategorien zu Füllen Sie 50 % des Tellers mit Gemüse, besonders Blatt- und Grüngemüse, ein Viertel mit einer gesunden Proteinquelle wie Fisch oder Tofu und ein weiteres Viertel mit Vollkornprodukten.
Mehr zu Hause kochen, weniger Fertiggerichte: Vorgefertigte Lebensmittel enthalten oft viel Salz, versteckten Zucker und gesättigte Fettsäuren. Das Kochen zu Hause ermöglicht die Kontrolle über Fett, Salz und Erhitzungstemperatur der Lebensmittel.
Wasser trinken: Ersetzen Sie zuckerhaltige Getränke durch Wasser und achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, idealerweise mindestens 2 Liter pro Tag. Auch ungesüßte Tees sind geeignet.
Stress reduzieren
Menschen mit chronischen Erkrankungen erfahren häufiger Stress und Schlafprobleme, da ihre täglichen Herausforderungen und die Auseinandersetzung mit der Krankheit an sich eine anhaltende Belastung darstellen können.
Chronischer Stress und die damit verbundene Schlaflosigkeit können schwerwiegende Auswirkungen auf den Körper haben. So fördern sie Entzündungsreaktionen, hormonelle Dysbalance, Immunschwächung, Stoffwechselstörungen und psychologische Belastungen.
Hier sind einige Tipps, wie Sie effektive Maßnahmen gegen Schlafstörungen in Ihr neues Jahr integrieren können:
Meditation und bewusste Pausen im Alltag: Nehmen Sie sich täglich fünf Minuten Zeit für tiefe Atemzüge. Schaffen Sie eine entspannende Atmosphäre, indem Sie leise Musik abspielen, sich bequem hinsetzen, die Augen schließen und sich auf den Atem konzentrieren, um Spannungen abzubauen.
Bewegung als Stressabbau: Integrieren Sie einen 15-minütigen Spaziergang nach dem Abendessen in Ihren Alltag. Vermeiden Sie üppige Mahlzeiten am Abend, um die Entspannung nach einem stressigen Tag zu fördern.
Strukturierte Schlafgewohnheiten: Etablieren Sie eine abendliche Routine, indem Sie eine Stunde vor dem Schlafengehen auf Bildschirmzeit verzichten. Lesen Sie stattdessen einige Seiten eines Buchs, entzünden Sie eine Kerze oder verwenden Sie Aromatherapie-Stäbchen. Genießen Sie einen beruhigenden Kräutertee wie Kamille, Baldrian, Passionsblume oder Lavendel.
Lösungsstrategien finden: Stress entsteht nicht aus einer Situation, sondern aus der individuellen Bewältigung. Ändern Sie Ihren Bezug zum Problem und versuchen Sie, es neu zu interpretieren. Auf emotionaler Ebene kann Stress durch Neubewertung des Problems bewältigt werden. Manchmal ist die Akzeptanz des Problems und die Erkenntnis, dass nicht alles beeinflusst werden kann, ein wichtiger Schritt zur Stressreduktion.
Professionelle Hilfe bei Bedarf suchen: Menschen mit chronischen Erkrankungen erfahren oft höhere psychische Belastungen. Zögern Sie nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn der Stress nicht allein bewältigt werden kann. Psycholog:innen, Psychotherapeut:innen und Selbsthilfegruppen wie der Bundesverband für Depressionen und Burnout bieten Unterstützung an. Nutzen Sie auch kostenlose Online-Seminare zu verschiedenen Themen, z. B. „Psychische Krisen erkennen“.
Lesen Sie hier auch unsere 7 Tipps bei Schlafstörungen.
Fazit
Unabhängig von ihrer gesundheitlichen Situation haben Menschen mit und ohne chronische Erkrankungen oft ähnliche Neujahrsvorsätze, die den Wunsch nach einem gesunden Lebensstil, einschließlich Schlaf, Stressabbau, Ernährung, Sport und ärztlichen Check-Ups umfassen. Ein gesunder Lebensstil ist nicht nur eine Präventionsmaßnahme, sondern eine Investition in das eigene Wohlbefinden und die Lebensqualität. Die aktive Übernahme der Verantwortung für die eigene Gesundheit und das bewusste Setzen von gezielten, wenn auch kleinen Schritten, in Richtung eines gesunden und erfüllten Lebens bilden den Schlüssel für eine selbstbestimmte Lebensgestaltung mit chronischen Erkrankungen.
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- https://www.oberbergkliniken.de/artikel/stressbewaeltigung-effektive-methoden-gegen-stress
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„An der Pharmazie fasziniert mich am meisten, wie alles zusammenspielt. Von Zusammenhängen im Stoffwechsel hin zur Einnahme von Medikamenten. Wer sich damit auskennt, kann sein Leben positiv beeinflussen.“
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