Fieber tritt bei Menschen mit Rheuma häufig auf. Es kann sowohl durch die Erkrankung selbst als auch durch die notwendigen Medikamente verursacht werden. Erfahren Sie in diesem Beitrag, warum Menschen mit Rheuma häufiger Fieber entwickeln und wie sich bei Rheuma Fieber behandeln lässt. 

Das Wichtigste in Kürze

  • Fieber bei Rheuma deutet oft auf Entzündungen oder Infektionen hin. 
  • Rheumatische Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Morbus Still oder systemischer Lupus erythematodes können mit Fieber einhergehen. 
  • Unter immunsuppressiver Therapie sollten Menschen mit Rheuma Fieber besonders ernst nehmen. 
  • Die Behandlung hängt von der Ursache ab und reicht von entzündungshemmenden Medikamenten bis hin zur gezielten Infektionstherapie. 

Warum tritt Fieber bei Rheuma auf? 

Fieber ist eine natürliche Reaktion des Körpers auf Entzündungen oder Infektionen. Bei Rheuma kann es somit auf zwei Hauptursachen zurückzuführen sein: Entzündungen durch die Krankheit selbst oder ein geschwächtes Immunsystem durch die Medikamente. 

Gut zu wissen

Von Fieber spricht man ab einer rektal gemessenen Temperatur von 38 °C. Fieber wird wie folgt eingeteilt: Von leichtem Fieber spricht man bis 38,5 °C, mäßiges Fieber reicht bis 39 °C, hohes Fieber bis 39,9 °C, und ab 40 °C handelt es sich um sehr hohes Fieber. 

Fieber durch Entzündungsprozesse 

Viele rheumatische Erkrankungen sind autoimmun bedingt. Das bedeutet, dass das Immunsystem fälschlicherweise körpereigenes Gewebe angreift, was Entzündungsreaktionen auslöst. Diese Reaktionen führen zur Freisetzung von Entzündungsstoffen, insbesondere Interleukin-1, die als Pyrogene (fieberauslösende Substanzen) wirken. Beispiele für rheumatische Erkrankungen mit Fieber als Symptom sind: 

  • Rheumatoide Arthritis: Bei aktiven Schüben kann leichtes bis mäßiges Fieber auftreten. 
  • Morbus Still (Still-Syndrom): Charakteristisch sind tägliche oder zweimal tägliche Fieberschübe mit Höchstwerten über 39 °C, typischerweise am Abend. 
  • Systemischer Lupus erythematodes (SLE): Autoimmunerkrankung, die Haut, Gelenke und Organe betreffen kann und oft mit Fieber einhergeht. 

Fieber durch Infektionen im geschwächten Immunsystem 

Viele Rheuma-Medikamente wirken, indem sie das überaktive Immunsystem dämpfen. Dies ist zwar ein erwünschter Effekt der Rheuma-Therapie, da er die übermäßige Immunreaktion des Körpers reduziert. Gleichzeitig erhöht die Unterdrückung des Immunsystems jedoch das Risiko von Infektionen durch Bakterien, Viren oder Pilze. 

Häufige Infektionen sind 

  • Bakterielle Infektionen wie Lungenentzündungen und Harnwegsinfekte, 
  • Virusinfektionen wie die Grippe, COVID-19 oder Herpes und 
  • Pilzinfektionen. 

Gut zu wissen

Die Temperatur, die im Mund oder unter der Achsel gemessen wird, liegt ca. 0,3 bis 0,5 °C unter der rektal gemessenen Temperatur. Das genaueste Messergebnis für die Fiebermessung liefert die rektale Temperatur. 

Unterscheidung zwischen entzündlichem und infektiösem Fieber 

Sowohl die Erkrankung selbst als auch die medikamentöse Therapie können bei Menschen mit Rheuma Fieber hervorrufen. Daher ist es wichtig, zwischen entzündlichem und infektiösem Fieber zu unterscheiden. Entzündliches Fieber wird durch die Autoimmunreaktion bei Rheuma verursacht, bei der der Körper eigenes Gewebe angreift und Entzündungsstoffe freisetzt. Dieses Fieber ist oft niedriger und hält länger an. Ein infektiöser Rheuma Fieberschub hingegen wird durch Krankheitserreger ausgelöst, die in den durch Medikamente immungeschwächten Körper eindringen. Das Fieber steigt meist schneller an, kann höhere Werte erreichen und ist oft von anderen Symptomen wie Schüttelfrost begleitet. 

Der Temperaturverlauf kann dabei Hinweise geben: Deutet bei Menschen mit Rheuma Fieber, das kontinuierlich ist, eher auf eine bakterielle Infektion hin, ist schwankendes Fieber eher ein Hinweis auf Infektionen sowie auf rheumatische Schübe. Die genaue Unterscheidung ist wichtig für die richtige Behandlung, da entzündliches Fieber bei Rheuma eine Anpassung der Rheuma-Therapie erfordern könnte, während ein infektiöser Rheuma Fieberschub möglicherweise eine antibiotische Behandlung notwendig macht. 

Bei Rheuma Fieber – was hilft? 

Die Behandlung von einem Rheuma Fieberschub hängt von der Ursache ab. Leichtes Fieber (bis 38,5 °C) bedarf i. d. R. keiner Behandlung, solange keine weiteren Beschwerden auftreten. Bei höherem Fieber, Fieber, das über mehrere Tage anhält, oder Fieber in Verbindung mit anderen Symptomen (z. B. starke Schmerzen, Atemnot, Verwirrtheit) sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Da Rheuma-Patient:innen oft immunsupprimierende Medikamente einnehmen, sollten sie bei Fieber frühzeitig einen Arzt oder eine Ärztin konsultieren, um mögliche Infektionen auszuschließen. 

Hausmittel & allgemeine Maßnahmen 

Gegen Fieber können schon einige kleine Tipps helfen: 

  • Ausreichend Flüssigkeit (mind. 2 Liter Wasser oder ungesüßter Tee pro Tag) 
  • Körperliche Schonung und viel Ruhe 
  • Leichte Kost, um den Körper nicht zusätzlich zu belasten 
  • Wadenwickel mit lauwarmem Wasser (Bitte beachten Sie, dass Wadenwickel nicht angewendet werden sollten, wenn Schüttelfrost auftritt oder die Beine kalt sind, da sie den Kreislauf zusätzlich belasten können.) 

Medikamentöse Maßnahmen 

Die medikamentöse Behandlung von Fieber bei Menschen mit Rheuma erfordert besondere Vorsicht, da sowohl die Grunderkrankung selbst als auch die eingesetzten Medikamente das Immunsystem beeinflussen können. Die folgenden Optionen sind gängige Ansätze, sollten aber immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt bzw. der behandelnden Ärztin erfolgen: 

  • Fiebersenkende Mittel: Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR, z. B. Ibuprofen) senken Fieber, lindern Schmerzen und hemmen die Entzündung. Paracetamol wirkt stärker fiebersenkend als NSAR, hat jedoch keine nennenswerte entzündungshemmende Wirkung. 
  • Anpassung der Rheuma-Therapie (nur nach ärztlicher Rücksprache): Kortison wirkt stark entzündungshemmend. Daher kann es Fieber senken, welches durch einen Rheumaschub verursacht wird. Die Kortisondosis wird ausschließlich durch den behandelnden Arzt bzw. die behandelnde Ärztin angepasst. Wenn die Rheuma-Therapie mithilfe der Basismedikamente oder Kortison unzureichend wirkt, kann eine immunsuppressive Therapie (z. B. Methotrexat, Biologika) erforderlich sein. Dies sollte immer unter ärztlicher Aufsicht geschehen, da eine verstärkte Immunsuppression das Infektionsrisiko erhöhen kann. 
  • Behandlung von Infektionen: Ist bei Menschen mit Rheuma Fieber infektiösen Ursprungs festgestellt worden, können je nach Erreger Antibiotika, antivirale Medikamente oder Medikamente gegen Pilzinfektionen erforderlich sein.

Bei all Ihren Fragen rund um Ihre Medikamente berät Sie unser pharmazeutisches Fachpersonal – per Video, Telefon, Chat und E-Mail. 

Wann sollte man zum Arzt? 

Bei Fieber sollten Rheuma-Patient:innen besonders aufmerksam sein und im Zweifelsfall frühzeitig ärztlichen Rat suchen. Ein Arztbesuch ist ratsam, wenn 

  • das Fieber über 39 °C steigt oder mehrere Tage anhält, 
  • Symptome wie Atemnot, starker Husten, Brustschmerzen, starke Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Verwirrtheit, Hautausschlag oder eine Zunahme der Gelenkschmerzen hinzukommen, 
  • die Körpertemperatur trotz fiebersenkender Maßnahmen nicht sinkt oder 
  • Immunsuppressiva eingenommen werden.

Fazit 

Nicht selten entwickeln Menschen mit Rheuma Fieber. Sowohl die Erkrankung selbst als auch die medikamentöse Therapie können bei Menschen mit Rheuma Fieber hervorrufen. Eine genaue Diagnose ist entscheidend, um die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. Als Rheuma-Patient:in sollten Sie bei Fieber immer auf Nummer sicher gehen und im Zweifelsfall Ihren Arzt bzw. Ihre Ärztin kontaktieren. 

  • Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.: Skriptum Rheumatologie 3. Auflage 2023 
  • Becker, H., Rheumazentrum Münsterland, St.-Josef-Stift Sendenhorst, Schlüter, B. & Koch, R. (2018). Rheuma: Bei Fieber handeln. In Für Landwirtschaft und Landleben. 
  • Fieber und Entzündungsreaktionen – wissen @ AMBOSS. (o. D.). 
  • https://www.amboss.com/de/wissen/fieber-und-entzundungsreaktionen/ 

Geprüft durch unser pharmazeutisches Team

Sofia Westermann, pharmazeutische Expertin

„Die Pharmazie ist eine faszinierende Wissenschaft. Ein ganz wichtiger Grund für mich, Apothekerin zu werden, war es, dass ich damit anderen Menschen helfen kann.“ 

Für Apothekerin Sophia Westermann ist Pharmazie nicht nur ein Beruf, sondern eine Passion. Menschen mit ihrem Wissen zu unterstützen, hat für sie oberste Priorität. Als pharmazeutische Expertin garantiert sie daher die Richtigkeit der Inhalte im apo Magazin und prüft diese vor einem wissenschaftlichen Hintergrund. 

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