Wodurch genau unterscheidet sich Migräne eigentlich vom typischen Spannungskopfschmerz? Bei einem Migräneanfall kommt es plötzlich zu starken Schmerzen, die oft nur auf einer Seite des Kopfes auftreten. Diese gehen über den klassischen Kopfschmerz weit hinaus – sie können den Alltag komplett durcheinanderbringen. In Deutschland leiden etwa jede siebte Frau und fast jeder 15. Mann unter Migräne. Erfahren Sie, welche verschiedenen Arten von Migräne es gibt, welche Symptome auftreten, was mögliche Auslöser sind und wie man Migräne behandeln oder sogar vorbeugen kann.
Das Wichtigste in Kürze
- Migräne betrifft etwa 10 bis 12 % der Menschen weltweit.
- Typische Symptome sind starke, einseitige Kopfschmerzen, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit.
- Die genauen Ursachen sind nicht vollständig verstanden, aber genetische und umweltbedingte Faktoren spielen eine Rolle.
- Behandlungsansätze umfassen medikamentöse Therapien, Lebensstiländerungen und präventive Maßnahmen.
Was ist Migräne?
Migräne ist nicht nur ein starker Kopfschmerz, sondern eine komplexe neurologische (das Nervensystem betreffende) Erkrankung. Sie gehört zu den primären Kopfschmerzen, das heißt, sie ist keine Folge einer anderen Erkrankung. Primäre Kopfschmerzen entstehen direkt durch eine Funktionsstörung oder Überaktivität bestimmter Mechanismen im Kopf. Zu den primären Kopfschmerzen zählen neben der Migräne auch Spannungskopfschmerzen und Clusterkopfschmerzen. Für einen allgemeinen Überblick über primäre und sekundäre Kopfschmerzen, lesen Sie unseren Artikel.
Migräne in Zahlen: Wer ist betroffen?
Die Häufigkeit von Kopfschmerzen, insbesondere Migräne, nimmt weltweit zu, wobei Migräne in Deutschland die häufigste neurologische Erkrankung darstellt.
Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) haben etwa 10 bis 15 % der Erwachsenen in Deutschland Migräne. Dies entspricht etwa 12 bis 18 Millionen Menschen in Deutschland. Täglich erleben etwa 350.000 Menschen eine Migräne-Attacke. Frauen sind etwa dreimal häufiger betroffen als Männer, was unter anderem auf hormonelle Unterschiede zurückgeführt wird.
Gut zu wissen
Zu beachten ist, dass Migräne nicht nur Erwachsene betrifft. Mehr als 12 % der Kinder und Jugendlichen haben Migräneanfälle. Sie beginnen tatsächlich oft in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter, besonders bei jungen Frauen, die ihre ersten Migräneanfälle häufig während der Monatsblutung erleben. In Finnland zeigen Studien ähnliche Ergebnisse: Eine Untersuchung ergab, dass die Mehrheit der Kinder erhebliche Kopfschmerzen hatte, wobei 13,8 % der Mädchen und 6,7 % der Jungen die Kriterien für Migräne erfüllten.
Symptome
Migräne tritt in Form von Anfällen auf, die oft eine Seite des Kopfes oder den Hinterkopf betreffen. Diese Schmerzen werden meist als pulsierend, hämmernd oder bohrend beschrieben und können sich bei körperlicher Anstrengung verstärken. Migräne bringt nicht nur Schmerzen mit sich. Die Anfälle werden oft von weiteren Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen und einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber Licht, Lärm und Gerüchen begleitet. Eine Migräne-Attacke kann den Alltag erheblich beeinträchtigen, besonders wenn sie schwerwiegend ist.
Interessant ist, dass die Intensität und Häufigkeit der Migräne-Anfälle unterschiedlich sein können. In den meisten Fällen sind Migräneanfälle episodisch und treten unregelmäßig auf. Ein unbehandelter Anfall kann in einigen Fällen bis zu 72 Stunden andauern. Manche Menschen erleben nur gelegentlich Migräne, während andere regelmäßig davon betroffen sind. Möchten Lesen Sie mehr zu Symptomen der Migräne und die jeweiligen Schmerzphasen.
Ursachen
Die genaue Entstehung der Migräne ist noch nicht vollständig geklärt, jedoch spielen sowohl genetische Komponenten (z. B. familiäre Veranlagung) als auch Umweltfaktoren eine wichtige Rolle. Zu den Umweltfaktoren gehören beispielsweise unregelmäßiger Schlaf, bestimmte Nahrungsmittel und Wetterveränderungen. Es gibt auch spezifische Trigger, die Migräne auslösen können, wie Stress und hormonelle Schwankungen vor allem während der Menstruation.
Für eine umfassende Übersicht über die Ursachen, Risikofaktoren und Auslöser von Migräne, lesen Sie hier weiter.
Formen der Migräne
Migräne kann in verschiedenen Formen auftreten, die sich durch spezifische Merkmale und Symptome unterscheiden. Die Unterarten variieren sowohl in der Häufigkeit (episodisch oder chronisch) als auch in ihren typischen Erscheinungsbildern. Wenn Migräne nur ab und zu auftritt, spricht man von episodischer Migräne. Tritt sie jedoch an mehr als 15 Tagen im Monat über mindestens drei Monate hinweg auf, handelt es sich um eine chronische Migräne.
Zu den wichtigsten Migräne-Formen zählen:
Migräne ohne Aura: Diese ist die häufigste Form der Migräne. Hierbei treten die Kopfschmerzen ohne vorhergehende neurologische Symptome (Anzeichen des Nervensystems) auf. Diese Migräneanfälle sind durch intensive, pulsierende Schmerzen auf einer Kopfseite gekennzeichnet. Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen und eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht sind ebenfalls häufig. Die Dauer der Anfälle kann stark variieren, von vier bis hin zu 72 Stunden. Es gibt auch spezifische Unterformen, wie die rein menstruelle Migräne ohne Aura, die eng mit dem Menstruationszyklus verbunden ist.
Migräne mit Aura: Bei der Migräne mit Aura erleben Betroffene vor Auftreten der Kopfschmerzen neurologische Symptome, die als Aura bezeichnet werden. Diese Auren umfassen visuelle Störungen wie Lichtblitze oder Zickzacklinien sowie Sensibilitätsstörungen, die als Kribbeln oder Taubheit wahrgenommen werden. Diese Aura-Symptome dienen oft als Vorwarnung für den bevorstehenden Schmerz und dauern in der Regel 20 bis 60 Minuten. Zu den speziellen Unterarten gehören die hemiplegische Migräne, die eine halbseitige Lähmung verursacht, und die Migräne mit Hirnstammaura, die den Hirnstamm betrifft.
Stille Migräne: Bei der stillen Migräne treten die typischen Aura-Symptome auf, jedoch ohne den eigentlichen Kopfschmerz. Betroffene erleben die neurologischen Ausfälle, wie visuelle Störungen und Sensibilitätsstörungen, ohne die begleitenden Schmerzen. Diese Form der Migräne kann besonders verwirrend sein und erfordert eine genaue Diagnose, um sicherzustellen, dass die Symptome richtig behandelt werden.
Wahrscheinliche Migräne: Diese umfasst Fälle, die nicht alle diagnostischen Kriterien für eine Migräne erfüllen, aber dennoch ähnliche Merkmale aufweisen. Diese Fälle sollten ebenfalls ernst genommen und behandelt werden, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern und das Risiko schwerer Anfälle zu minimieren.
Episodische Syndrome: Es gibt auch episodische Syndrome, die mit Migräne verbunden sein können. Dazu gehört die abdominelle Migräne, die vor allem bei Kindern und Jugendlichen auftritt und den Bauchbereich betrifft. Betroffene haben wiederkehrende Bauchschmerzen, die oft mit Übelkeit und Erbrechen einhergehen. Ein weiteres Beispiel ist die vestibuläre Migräne, die Schwindelanfälle verursacht, die zusammen mit Migränekopfschmerzen auftreten.
Komplikationen: In seltenen Fällen kann Migräne schwerwiegende Komplikationen verursachen. Eine dieser Komplikationen ist der Status migraenosus, ein besonders schwerer Anfall, der länger als 72 Stunden anhält. Ein weiterer ernster Zustand ist der migränöse Infarkt, ein Schlaganfall, der während einer Migräne mit Aura auftritt. Auch epileptische Anfälle können durch eine Migräne-Aura ausgelöst werden, was die Bedeutung einer genauen Diagnose und Behandlung unterstreicht.
Gut zu wissen
Migräne ist eine Erkrankung, die durch eine ärztliche Diagnose festgestellt wird. Wenn Sie den Verdacht haben, dass Sie an einer dieser Formen von Migräne leiden, sollten Sie unbedingt ärztlichen Rat einholen. Ein Arzt bzw. eine Ärztin kann eine genaue Diagnose stellen und die bestmögliche Behandlung für Ihre spezifischen Symptome und Bedürfnisse empfehlen.
Behandlungsmöglichkeiten bei Migräne
Die Behandlung von Migräne zielt darauf ab, die Häufigkeit und Schwere der Anfälle zu reduzieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Zu den gängigen Therapieansätzen gehören:
- Akutmedikation: Wenn ein Migräneanfall auftritt, können Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol helfen. Es gibt auch spezielle Migränemedikamente, die Triptane heißen, die besonders wirksam sein können.
- Vorbeugende Therapie: Um Migräneanfälle zu verhindern, können Ärzte Medikamente verschreiben, die normalerweise für andere Zwecke gedacht sind. Dazu gehören Betablocker (die auch bei Bluthochdruck helfen), Antiepileptika (Medikamente gegen Krampfanfälle) und Antidepressiva. Weiterhin gibt es Antikörper, die speziell zur Migränevorbeugung eingesetzt werden. Diese Antikörper richten sich gegen das Protein CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide – ein Peptid, das maßgeblich an der Migräneerstehung beteiligt ist) bzw. seinen Rezeptor. Remi- und Atogepant sind seit wenigen Jahren ebenfalls zur Vorbeugung der Migräne zugelassen. Diese Wirkstoffe blockieren, wie die Antikörper, ebenfalls das Peptid CGRP.
- Nicht-medikamentöse Maßnahmen: Auch ohne Medikamente können Sie viel tun, um Migräne vorzubeugen. Regelmäßige Bewegung, das Vermeiden von Stress und eine ausgewogene Ernährung sind sehr hilfreich.
- Alternative Therapien: Einige Menschen finden Linderung durch alternative Methoden wie Akupunktur, die Einnahme von Magnesiumpräparaten oder pflanzliche Heilmittel. Diese können unterstützend wirken und sind oft eine gute Ergänzung zu den anderen Behandlungen.
Gut zu wissen
Die Behandlung erfordert oft eine Kombination aus akuten (sofortigen) und präventiven (vorbeugenden) Methoden. Viele Betroffene zögern, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen, weil sie glauben, die Migräne selbst bewältigen zu müssen. Dies führt oft zu einer unsachgemäßen Selbstbehandlung. Es ist wichtig zu wissen, dass es effektive Behandlungsoptionen gibt und dass professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden sollte, um die bestmögliche Linderung zu erzielen. Mehr über die Behandlung von Migräne erfahren Sie hier.
Verlauf und Prognose
Der Verlauf einer Migräne ist sehr individuell und schwer vorherzusagen. Auch die Dauer eines Migräneanfalls kann stark variieren, da die verschiedenen Migräneformen unterschiedlich lange andauern – von wenigen Stunden bis zu mehreren Tagen. Zudem kann Migräne im Laufe des Lebens verschiedene Muster und Intensitäten aufweisen: Personen, die häufig Migräne mit Aura haben, können plötzlich auch Anfälle ohne Aura erleben.
Doch viele Betroffene lernen im Laufe der Zeit, die Dauer und den Verlauf ihrer Anfälle einzuschätzen, auch wenn es immer wieder zu Abweichungen kommen kann.
Anzahl der Migräneattacken oft mit steigendem Alter ab. Besonders bei Frauen kann sich die Migräne mit dem Einsetzen der Wechseljahre bessern. Außerdem berichten viele Frauen während der Schwangerschaft von einer deutlichen Reduktion oder sogar einem völligen Ausbleiben der Anfälle, während nach den Wechseljahren die Migräneanfälle bei vielen vollständig verschwinden.
Dank der richtigen Diagnose und passenden Behandlung sowie einem gesunden Lebensstil können sowohl die Häufigkeit als auch die Intensität der Migräneanfälle reduziert werden.
- https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsJ/JoHM_S6_2020_Migraene_Spannungskopfschmerz.html
- https://www.dmkg.de/patienten/antworten-auf-die-wichtigsten-fragen-rund-um-den-kopfschmerz-onlinebroschuere/online_broschuere_migraene
- https://register.awmf.org/assets/guidelines/030-057l_S1_Therapie-der-Migraeneattacke-Prophylaxe-der-Migraene_2023-01.pdf
- https://www.netdoktor.ch/krankheiten/migraene/
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![2[1] Sofia Westermann, pharmazeutische Expertin](https://www.apo.com/magazin/wp-content/uploads/2024/05/21-2-1024x1024.jpg)
„Die Pharmazie ist eine faszinierende Wissenschaft. Ein ganz wichtiger Grund für mich, Apothekerin zu werden, war es, dass ich damit anderen Menschen helfen kann.“
Für Apothekerin Sophia Westermann ist Pharmazie nicht nur ein Beruf, sondern eine Passion. Menschen mit ihrem Wissen zu unterstützen, hat für sie oberste Priorität. Als pharmazeutische Expertin garantiert sie daher die Richtigkeit der Inhalte im apo Magazin und prüft diese vor einem wissenschaftlichen Hintergrund.
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