In den Wintermonaten erleben viele Menschen eine spürbare Verschlechterung ihrer mentalen Gesundheit – ein Phänomen, das oft als Winterdepression oder Winterblues bezeichnet wird. Doch warum sind Depressionen im Winter häufiger und welche Rolle spielen chronische Erkrankungen dabei? Im Beitrag verraten wir Ihnen, welche Ursachen dahinter stecken könnten und welche Tipps zur Bewahrung Ihrer mentalen Gesundheit beitragen. So trotzen Sie nicht nur dem winterlichen Stimmungstief, sondern können auch aktiv zu Ihrem emotionalen Wohlbefinden beitragen.

Winterdepression und Winterblues im Überblick

Die Winterdepression, auch als saisonal abhängige Depression (SAD) bekannt, ist eine saisonale Stimmungsstörung, die in den Herbstmonaten beginnt und im Frühling endet. Betroffene Personen erleben vermehrte Energielosigkeit, übermäßige Traurigkeit und ein gesteigertes Schlafbedürfnis. Heißhunger auf Süßes und eine Tendenz zur Gewichtszunahme sind ebenfalls typisch. Im Gegensatz dazu ist der Winterblues, oder subsyndromale SAD (s-SAD), eine mildere Form, bei der Menschen zwar antriebslos und missgelaunt sind, jedoch nicht in dem Maße, um als vollständige Winterdepression klassifiziert zu werden. Etwa jede zehnte Depression im Winter ist tatsächlich eine Winterdepression, und schätzungsweise leiden ein bis drei Prozent der Erwachsenen in Europa an SAD.

Ursachen der Winterdepression

Expert:innen sind sich einig, dass die veränderten Lichtbedingungen im Winter eine entscheidende Rolle spielen. Der Mangel an Tageslicht führt zu einer veränderten Hormonproduktion, insbesondere von Melatonin, das den Schlaf-Wach-Rhythmus beeinflusst. Auch der Neurotransmitter Serotonin, bekannt als Glückshormon, spielt eine Rolle. Der Mangel an Sonnenlicht führt zu einem Rückgang des Serotoninspiegels, was depressive Symptome verstärken kann. Darüber hinaus verursacht das Sonnenvitamin D einen Unterschied in der Stimmungslage, da es die Produktion von Serotonin unterstützt und sie sogar erhöhen kann. Aufgrund des Sonnenmangels, insbesondere in nördlichen Ländern mit kürzeren Tagen, kommt es häufig zu einem Mangel an Vitamin D3. Tatsächlich wird jeder dritte Deutsche mangelhaft mit Vitamin D3 versorgt.

Außerdem können die kalten Temperaturen und kurzen Tage dazu führen, dass Menschen sich weniger im Freien bewegen. Körperliche Aktivität ist jedoch bekanntlich mit der Freisetzung von Endorphinen verbunden, die zu einer besseren Stimmung beitragen können. Endorphine sind körpereigene chemische Verbindungen, die vom Körper produziert werden und als natürliche Schmerzmittel und Stimmungsaufheller wirken. Das Fehlen dieser Aktivität im Winter kann sich negativ auf die mentale Gesundheit auswirken.

Zusammenhang von chronischen Erkrankungen und Depression

Auffällig ist, dass Menschen mit chronischen Erkrankungen – von Herzkrankheiten und Diabetes bis hin zu Multipler Sklerose und Schmerzerkrankungen – häufiger zu Depressionen neigen. Eine Studie aus Chemnitz mit 405 Patientinnen und Patienten ergab, dass chronische Erkrankungen und depressive Symptome oft Hand in Hand gehen. Diese chronisch kranke Patientinnen und Patienten zeigen ungünstigere Formen der Krankheitsbewältigung, wie grüblerisches und zurückgezogenes Verhalten. Zudem sind sie mitunter weniger sozial eingebunden und nehmen teilweise geringere soziale Unterstützung wahr, was sich negativ auf ihre Lebenszufriedenheit auswirken kann.

Die kalte Jahreszeit kann diese Herausforderungen für chronisch Kranke zusätzlich verstärken. Daher ist es wichtig, nicht nur auf die körperliche Gesundheit, sondern auch auf die mentale Verfassung zu achten.

Praktische Tipps für die mentale Gesundheit

Die Wintermonate können herausfordernd für die mentale Gesundheit sein, aber es gibt praktische Tipps, um sich darauf vorzubereiten und resilient durch die dunkle Jahreszeit zu kommen:

  • Tageslicht oder Lichttherapie: Versuchen Sie, so viel Tageslicht wie möglich zu tanken, sei es durch Spaziergänge bei Sonnenschein oder durch gut beleuchtete Räume. Tageslichtlampen können ebenfalls hilfreich sein. Die verringerte Tageslichtexposition in Herbst und Winter kann saisonale affektive Störungen (z. B. Depressionen) auslösen. Methoden, die auf helles künstliches Licht setzen, insbesondere am Morgen, haben durchweg vielversprechende Ergebnisse bei der Behandlung und Prävention gezeigt. Diese Praxis wird als Lichttherapie bezeichnet. Investieren Sie in eine Lichttherapie-Lampe, die Tageslicht simuliert. Lichttherapie filtert in der Regel ultraviolette Strahlen heraus (die hautschädlich sind) und erfordert täglich 20–60 Minuten Belichtung mit 10.000 Lux (eine sehr hohe Beleuchtungsstärke) kaltweißem fluoreszierendem Licht im Herbst und Winter. Dies entspricht etwa dem 20-fachen einer gewöhnlichen Innenbeleuchtung. Diese Lampen können den Serotoninspiegel erhöhen und den Winterblues lindern. Insbesondere für Menschen mit chronischen Erkrankungen kann eine regelmäßige Lichttherapie positive Auswirkungen auf die Stimmung haben.

  • Vitamin-D-Mangel verhindern: Vitamin D ist wichtig für die mentale Verfassung. Es wird durch UV-Licht im Körper gebildet, daher kann es im Winter, wenn es weniger Sonnenlicht gibt, zu einem Mangel kommen. Viele Menschen mit einer Winterdepression haben unzureichende oder defiziente Vitamin-D-Spiegel. Die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten vor Einsetzen der winterlichen Dunkelheit könnte helfen, depressive Symptome zu verhindern. Es ist ratsam, sich von einem Arzt oder Ärztin beraten zu lassen, um die geeignete Dosierung vorab abzuklären. Weitere Informationen zur Bedeutung von Vitamin D und zur Dosierung bei Vitamin-D-Mangel finden Sie hier.

  • Regelmäßige körperliche Aktivität: Auch im Winter ist es wichtig, regelmäßig körperlich aktiv zu sein. Bei chronischen Erkrankungen sollten Bewegungsformen gewählt werden, die den individuellen Bedürfnissen entsprechen. Dies kann von leichten Spaziergängen über Yoga bis hin zu physiotherapeutischen Übungen reichen. Forschungen zeigen, dass bereits eine Stunde Spazierengehen pro Woche vor mentaler Belastung schützen kann. Auch Menschen mit klinischer Depression können von Bewegung profitieren, indem sie nicht nur die Stimmung verbessert, sondern auch einen positiven inneren Antrieb schafft. Entspannungstechniken wie Meditation, Atemübungen und progressive Muskelentspannung können ebenfalls zur Stabilisierung der psychischen Gesundheit und zur Stressreduktion beitragen und lassen sich gut mit Sport kombinieren. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie Bewegung leicht in den Alltag integrieren können.

  • Gesunde und augewogene Ernährung: Eine gesunde Ernährung ist entscheidend für die mentale Gesundheit, insbesondere für Menschen mit chronischen Erkrankungen, die auf ihre spezifischen Bedürfnisse achten sollten. Nahrungsmittel wie Olivenöl, Fisch, Obst, Gemüse, Nüsse, Hülsenfrüchte und unverarbeitetes Fleisch wirken dem Risiko von Depressionen entgegen und sollen sogar depressive Symptome verbessern können. Im Gegensatz dazu wurden ungesunde westliche Ernährungsmuster in Langzeitstudien mit einem erhöhten Depressionsrisiko in Verbindung gebracht. Darunter fällt der Konsum von gesüßten Getränken, raffinierten Lebensmitteln, frittierten Speisen, verarbeitetem Fleisch, raffiniertem Getreide sowie fettreichen Milchprodukten, Keksen, Snacks und Gebäck.

  • Regelmäßige Schlafgewohnheiten: Es ist wichtig, einen stabilen Schlaf-Wach-Rhythmus zu wahren. Für Erwachsene wird eine Schlafdauer zwischen 7 und 9 Stunden empfohlen. Personen mit chronischen Erkrankungen neigen öfter zu Schlafproblemen und sollten besonders darauf achten, ausreichend Schlaf zu bekommen. Gegebenenfalls kann man Schlafprobleme mit dem Arzt oder der Ärztin besprechen, um geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Schlaf während der Nacht und nicht während des Tages zu bevorzugen, trägt ebenfalls zur Förderung der mentalen Gesundheit bei. In unserem Beitrag erfahren Sie 7 praktische Tipps bei Schlafstörungen.

  • Soziale Interaktion pflegen: Auch wenn es draußen kalt ist, ist es entscheidend, den sozialen Kontakt zu anderen Menschen aufrechtzuerhalten. Wer bei dem kalten Wetter nicht vor die Tür gehen möchte, kann natürlich auchtelefonisch oder digital seine Kontakte und einen regelmäßigen Austausch pflegen. Gerade für Menschen mit chronischen Erkrankungen spielt der soziale Kontakt eine unterstützende Rolle. Beispiele hierfür könnten regelmäßige Spaziergänge mit Freunden, Telefonate mit Familienmitgliedern oder die Teilnahme an Online-Communities sein. Es geht darum, Wege zu finden, wie soziale Interaktion trotz der winterlichen Bedingungen möglich ist.

  • Hobbys nachgehen: Hobbys können eine effektive Möglichkeit sein, den Winterblues zu überwinden. Kreative Aktivitäten wie Malen, Schreiben oder Musizieren sowie Lesen, Kochen und Tanzen können positive Emotionen fördern.

  • Kognitive Verhaltenstherapie ausprobieren: Wenn der Winterblues überhandnimmt, ist es wichtig, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Psycholog:innen, Therapeut:innen oder Ärzt:innen können individuelle Ratschläge und Unterstützung bieten, insbesondere unter Berücksichtigung von chronischen Erkrankungen. In der kognitiven Verhaltenstherapie arbeitet der Therapeut oder die Therapeutin eng mit Patient:innen zusammen, um ungünstige Denkmuster und Verhaltensweisen zu erkennen und aufzulösen. In einer Studie erwies sich eine sechswöchige kognitive Verhaltenstherapie im Gruppenformat mit zwei 90-minütigen Sitzungen pro Woche als ebenso wirksam wie 30 Minuten tägliches Sitzen vor einer Tageslichtlampe. Ein übergeordnetes Ziel der kognitiven Verhaltenstherapie ist es, einnehmende Probleme und negative Muster zu bewältigen, indem die Art und Weise, wie Menschen darüber denken, verändert wird.

Fazit

Die oben genannten Tipps und Methoden dienen nicht nur der Prävention von Wintermelancholie, sondern fördern auch die Resilienz und eine positive Auseinandersetzung mit den eigenen Bedürfnissen während der Wintermonate. Aktive Maßnahmen wie regelmäßiger Tageslichteinfall, gesunde Ernährung, soziale Kontakte und gezielte körperliche Betätigung mögen zwar als kleine Schritte erscheinen, können aber einen großen Einfluss auf Ihr emotionales Gleichgewicht haben. In Zeiten mentaler Herausforderungen ist es wichtig zu verstehen, dass Sie nicht allein sind. Es gibt spezielle Selbsthilfegruppen und Online-Diskussionsforen, die helfen können, Erfahrungen zu teilen und unterstützende Gemeinschaften aufzubauen. Seien Sie achtsam mit sich selbst, und wenn nötig, suchen Sie professionelle Hilfe. Die Winterzeit mag ihre eigenen Herausforderungen mit sich bringen, aber mit aktiver Selbstfürsorge und Unterstützung aus der Gemeinschaft können Sie selbst einen positiven Einfluss auf Ihre mentale Gesundheit nehmen.

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  • https://www.netdoktor.de/krankheiten/depression/winterdepression/
  • Selvaraj R, Selvamani TY, Zahra A, Malla J, Dhanoa RK, Venugopal S, Shoukrie SI, Hamouda RK, Hamid P. Association Between Dietary Habits and Depression: A Systematic Review. Cureus. 2022 Dec 9;14(12):e32359. doi: 10.7759/cureus.32359. PMID: 36632273; PMCID: PMC9828042.
  • https://www.aerzteblatt.de/archiv/56865/Chronisch-Kranke-Depressionen-haeufig

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Felix Hoffman, pharmazeutischer Experte

An der Pharmazie fasziniert mich am meisten, wie alles zusammenspielt. Von Zusammenhängen im Stoffwechsel hin zur Einnahme von Medikamenten. Wer sich damit auskennt, kann sein Leben positiv beeinflussen.“ 

Felix Hoffmann lebt für die Pharmazie und bringt eine große Expertise in der Beratung mit. Mit seinem fundierten Wissen garantiert er die hohen Qualitätsstandards der pharmazeutischen Inhalte auf apo.com. 

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