Im Winter wird unser Immunsystem stärker beansprucht, denn in der feuchten und kalten Jahreszeit verbreiten sich Erkältungsviren leichter und Infekte werden begünstigt. Erkältungsmittel versprechen oftmals schnelle Linderung bei Erkältungssymptomen. Jedoch sind nicht alle „Erkältungs-Präparate“ in gleichem Maße für jeden geeignet. Insbesondere Menschen mit Bluthochdruck, die mit Antihypertensiva (Blutdrucksenkern) behandelt werden, sollten bei der Wahl des Erkältungsmittels besonders Acht geben. Einige häufig verwendete Wirkstoffe gegen Erkältungssymptome können nämlich zu Wechselwirkungen mit Antihypertensiva führen. In diesem Artikel erfahren Sie mehr zu typischen Wirkstoffen in Erkältungsmitteln, welche Wechselwirkungen entstehen können und welche Mittel bei Bluthochdruck bedenkenfrei angewendet werden können.
Was sind Erkältungskombipräparate?
Sogenannte Erkältungskombipräparate sind Medikamente, die mehrere Wirkstoffe enthalten, um verschiedene Erkältungssymptome gleichzeitig zu behandeln. Typische Präparate kombinieren zwei bis vier Wirkstoffe: zum Beispiel ein fiebersenkendes Schmerzmittel mit Mitteln gegen eine verstopfte Nase oder gegen Hustenreiz. Die Mittel gibt es in verschiedenen Darreichungsformen, angefangen bei Kapseln bis hin zu Direktgranulaten, Sirupen, Säften oder als Heißgetränke.
Manche Kombipräparate sind aus verschiedenen Wirkstoffen zusammengesetzt und spezifisch auf die Tageszeit abgestimmt. Sie enthalten zusätzlich „Fit-Macher“ für den Tag und schlafanstoßende Mittel zur Nacht. Die Mehrzahl solcher Präparate enthalten in Kombination Stoffe aus der Klasse der Sympathomimetika, welche schleimhautabschwellend in der Nase und in den Nasennebenhöhlen wirken. Andere Stoffe, die ebenfalls oft in Erkältungskombipräparaten enthalten sind, sind Vitamin C oder Coffein. Coffein trägt dazu bei, wach zu machen und Müdigkeitserscheinungen zu reduzieren. Aber es ist wichtig zu beachten, dass dadurch Abgeschlagenheit maskiert wird, obwohl der Körper durch den Infekt geschwächt ist und Ruhe benötigt. Die typischen Nachtformeln hingegen enthalten, neben einem Schmerzmittel, Mittel gegen den Hustenreiz und schlaffördernde Mittel. Schlaffördernd sind Wirkstoffe aus der Gruppe der Antihistaminika, diese haben eine leicht sedierende Wirkung und können zu einem erholsameren Schlaf beitragen.
Sind Erkältungskombipräparate bei Bluthochdruck geeignet?
Erkältungskombipräparate sind frei verkäuflich und bieten eine einfache Option zur Linderung von Symptomen. Eine pharmazeutische Beratung zur Wahl des Produktes vorab ist jedoch sehr wichtig, um das Risiko für potenzielle Nebenwirkungen und Wechselwirkungen möglichst auszuschließen. Das bedeutet, dass sie sich gegenseitig so in der Wirkung beeinflussen und es beispielsweise zu einer unerwünschten Wirkverstärkung der blutdruckregulierenden Medikamente kommen kann. Besonders bei chronischen Erkrankungen wie Bluthochdruck kommt es auf die Inhaltsstoffe der Präparate an. Wir haben für Sie eine Übersicht mit den wichtigsten Wechselwirkungen aufgestellt – hier können Sie nachlesen, welche Wirkstoffe für Bluthochdruckpatienten potenziell problematisch sein können:
Nasenschleimhautabschwellende Wirkstoffe (Sympathomimetika) wie Phenylephrin, Ephedrin und Pseudoephedrin werden zur Behandlung von erkältungsbedingten Beschwerden mit Schleimhautschwellung von Nase und Nebenhöhlen eingesetzt. Diese Stoffe dürfen nur in Kombinationspräparaten eingesetzt werden, meistens zusammen mit einem fiebersenkenden Schmerzmittel. Die abschwellende Wirkung beruht auf der Freisetzung von Noradrenalin. Noradrenalin ist ein Neurotransmitter, der mitunter eine Blutgefäßverengung bewirkt. Noradrenalin verhilft in der Nasenschleimhaut zu einem Rückgang der Schwellung und erleichtert so das Durchatmen. Eine Wechselwirkung bei Bluthochdruck-Patient:innen kann in diesem Fall auftreten, da die gefäßverengende Wirkung von Noradrenalin im gesamten Gefäßsystem einsetzt. Die Blutgefäßverengung führt zu einem vorübergehenden Blutdruckanstieg, allerdings lässt sich nicht vorhersagen, wie stark dieser ausfällt und wie lange er anhält. Deshalb sollte die Einnahme dieser Wirkstoffe bei gleichzeitiger Anwendung von Antihypertensiva (blutdrucksenkender Medikamente) vermieden werden. Als Alternative wird empfohlen, Schnupfen mit lokal wirksamen abschwellenden Nasensprays oder -tropfen zu behandeln und auf Kombinationsmittel mit Phenylephrin, Ephedrin oder Pseudoephedrin zu verzichten.
Antihistaminika wie Diphenhydramin, Doxylamin und Chlorphenamin werden vorrangig in Nachtpräparaten verwendet, um Schläfrigkeit herbeizuführen. Es gibt Hinweise darauf, dass diese Wirkstoffe zusätzlich einen milden Effekt gegen Fließschnupfen haben, allerdings ist dies nicht hinreichend belegt. Diese Wirkstoffe blockieren die Ausschüttung von Histamin. Histamin ist eine natürliche Substanz im Körper, die von bestimmten Immunzellen bei einer allergischen Reaktionen freigesetzt wird und für Symptome wie eine laufende Nase, tränende gerötete Augen und Juckreiz verantwortlich ist. Alle Antihistaminika haben als Nebenwirkung gemeinsam, dass sie Müdigkeit auslösen. Manche haben eine ausgeprägte sedierende Wirkung und sind als schlaffördernde Mittel zugelassen sowie frei verkäuflich. Bei gleichzeitiger Einnahme von Antihypertensiva kann die sedierende Wirkung zusätzlich verstärkt werden. Das kann vor allem für ältere Personen problematisch sein, da das Sturzrisiko erhöht wird. Von einer gleichzeitigen Anwendung von Antihistaminika und Diuretika, die aufgrund einer erhöhten Harnausscheidung Elektrolytverluste (insbesondere Kaliummangel) begünstigen, wird abgeraten. Die Wechselwirkung beruht auf einer erniedrigten Kaliumkonzentration im Blut und kann zu unerwünschten Effekten wie Muskelschwäche oder unregelmäßigem Herzschlag führen.
Schmerzmittel (NSAR: nichtsteroidale Antirheumatika), wie Aspirin und Ibuprofen, werden in Erkältungs-Kombinationspräparaten gegen Fieber, Entzündungen und Gelenkschmerzen eingesetzt. Um Überdosierungen zu vermeiden, sollte auf eine zusätzliche Einnahme von Schmerz- bzw. Fiebermitteln verzichtet werden. Bei Bluthochdruckpatient:innen ist es wichtig, das Schmerz- bzw. Fiebermittel richtig zu wählen. Lassen Sie sich daher hierbei unbedingt beraten. Einige Arzneimittel, die zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt werden, beeinflussen in gewissem Maße die Nierenfunktion. Da beispielsweise Ibuprofen ebenfalls die Nierenfunktion beeinflusst, kann es unter bestimmten Bedingungen zu Nierendurchblutungsstörungen bis hin zu Nierenversagen kommen. Bei langfristiger oder übermäßiger Einnahme von Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure kann die blutdrucksenkende Wirkung einiger Medikamente beeinträchtigt werden. Es gilt immer die Abwägung von Risiken und Nebenwirkungen gegenüber der akuten Behandlung. Lassen Sie sich gerne durch unser geschultes pharmazeutisches Fachpersonal bei der Wahl des richtigen Produktes beraten.
Hustenstiller (Antitussiva) werden in Kombinationspräparaten für die Nacht verwendet, um den nächtlichen Hustenreiz zu lindern und einen erholsamen Schlaf zu fördern. Ein Wirkstoffbeispiel ist Dextromethorphan. Dieses unterdrückt den Hustenreiz im Gehirn. Die gleichzeitige Anwendung von Dextrometorphan und Betablockern wie Metoprolol und Nebivolol, welche ebenfalls bei Hypertonie oder Herzinsuffizienz eingesetzt werden, kann zu verstärkter Schläfrigkeit führen kann.
Gut zu wissen
Bei apo.com bieten wir Ihnen einen kostenfreien Wechselwirkungscheck Ihrer Medikamente. Sie können ganz einfach Ihre Medikamente in das entsprechende Feld eingeben und das System zeigt Ihnen mögliche Wechselwirkungen zwischen den Arzneimitteln an. Dieser Service bietet Ihnen eine schnelle und zuverlässige Sicherheit für Ihre Medikamenten-Auswahl. Sie können direkt und unkompliziert überprüfen, ob die gewählten Erkältungspräparate mit Ihrer individuellen Medikation verträglich sind. Bei weiteren Fragen können Sie sich durch unser pharmazeutisches Personal online beraten.
Fazit
Erkältungskombinationspräparate sind beliebt und praktisch. Sie lindern gleichzeitig und effektiv vorliegende Symptome wie Husten, Schnupfen, Fieber oder Kopf- und Gliederschmerzen. Es gibt eine große Vielzahl an verschiedenen Kombinationen der einzelnen Wirkstoffe – um die individuellen Beschwerden bestmöglich zu behandeln. Jedoch sind diese Mittel nicht für alle Personen unbedenklich geeignet: Wir raten Patientinnen und Patienten, die mit blutdrucksenkenden Medikamenten behandelt werden, der Wahl von Erkältungspräparaten besondere Aufmerksamkeit zu schenken oder sich im Vorfeld durch unser pharmazeutisches Fachpersonal zu Risiken und Nebenwirkungen beraten zu lassen.
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