Einen eindeutigen Test oder gar Selbsttest auf Multiple Sklerose (MS) gibt es bisher nicht. Eine gesicherte MS-Diagnose erfordert verschiedene neurologische Untersuchungen. MS beginnt oft lange vor der eigentlichen Diagnose und äußert sich durch unterschiedliche Beschwerden. In diesem Artikel erfahren Sie, warum die Selbstdiagnose bei MS nicht möglich ist, wie der professionelle diagnostische Weg aussieht und welche konkreten Schritte Sie bei einem Verdacht unternehmen sollten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Einen Selbsttest auf MS gibt es nicht, da dieser nicht zweifelsfrei die Diagnose stellen könnte.
  • Statt auf unsichere Online-Tests zu vertrauen, ist der Weg über Anamnese, körperliche Untersuchung und bildgebende Verfahren entscheidend.
  • Um festzustellen, ob eine Multiple Sklerose vorliegt, sind verschiedene Untersuchungen nötig. Nur so können andere Erkrankungen ausgeschlossen werden.
  • Selbsttests können zudem irreführend sein, da sie möglicherweise falsch positive oder falsch negative Ergebnisse liefern.
  • Frühzeitiges Handeln verbessert die Prognose erheblich. Bei einem Verdacht auf MS aufgrund typischer Symptome sollte daher immer eine ärztliche Abklärung erfolgen.

Warum ein MS-Selbsttest nicht aussagekräftig ist

Die Multiple Sklerose wird oft als „Krankheit mit den 1000 Gesichtern“ bezeichnet, da die Symptome extrem vielfältig sind und auch bei vielen anderen Erkrankungen auftreten können. Ein einfacher Fragebogen oder Online-Test kann daher niemals die notwendige Differenzialdiagnostik ersetzen. Ein Selbsttest könnte entweder unnötige Ängste schüren oder – noch gefährlicher – eine falsche Sicherheit suggerieren, wodurch wertvolle Zeit für einen frühen Therapiebeginn verloren ginge.

Der diagnostische Weg: Schritt für Schritt zur Gewissheit

Anstatt einer Selbstdiagnose folgt die medizinische Feststellung der MS einem strukturierten Prozess, der sicherstellt, dass andere Ursachen ausgeschlossen werden und die Diagnose auf wissenschaftlich anerkannten Kriterien basiert:

  1. Ausführliche Anamnese: Im ersten Gespräch erfasst der Arzt oder die Ärztin Ihre Krankengeschichte und aktuelle Beschwerden.
  2. Neurologische Untersuchungen: Hierbei werden Reflexe, Koordination und Sensibilität geprüft.
  3. Bildgebende Verfahren und Laboranalysen: MRT-Aufnahmen des Gehirns und Rückenmarks sowie eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquorpunktion) sind zentrale Bausteine.
  4. Diagnose nach McDonald: Um die Diagnose endgültig zu sichern, wenden Neurolog:innen international anerkannte Kriterien an.

Konkrete nächste Schritte für Betroffene

Wenn Sie den Verdacht haben, an MS erkrankt zu sein, oder ungewöhnliche neurologische Symptome bemerken, sollten Sie folgende Schritte unternehmen:

  • Symptom-Tagebuch führen: Notieren Sie, welche Beschwerden wann und wie lange auftreten. Dies ist eine wertvolle Hilfe für das anstehende ärztliche Gespräch.
  • Hausarztpraxis kontaktieren: Eine erste Abklärung kann bei Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt erfolgen. Bei begründetem Verdacht wird eine Überweisung an eine neurologische Fachpraxis veranlasst.
  • Termin in der neurologischen Fachpraxis: Nur Fachärzt:innen für Neurologie können die notwendigen spezialisierten Untersuchungen durchführen.
  • Ruhe bewahren: Viele Symptome können auch harmlose Ursachen haben. Eine professionelle Abklärung schafft Klarheit.
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Häufige Symptome und Warnsignale

Auch wenn es keinen Selbsttest gibt, sollten Sie auf bestimmte Warnsignale achten, die eine ärztliche Abklärung rechtfertigen. Die bereits vor einer MS-Diagnose auftretenden Symptome können sich sehr verschieden in Art und Ausprägung äußern. Da die Beschwerden zudem nach kurzer Zeit meist von selbst wieder abklingen, werden die frühen Anzeichen von MS häufig übersehen.

Typische erste Anzeichen einer Multiplen Sklerose sind:

  • Sensibilitätsstörungen (Empfindungsstörungen, z. B. Kribbeln, Taubheit, Brennen)

  • Fatigue (übermäßige Müdigkeit, Erschöpfung)

  • Sehstörungen (z. B. Doppelbilder, Gesichtsfeldausfälle, gestörtes Farbsehen)
  • Bewegungsstörungen (z. B. Tremor, Ataxie, Spastiken, Lähmungen)

Für eine detaillierte Übersicht der Beschwerden empfehlen wir unseren Leitfaden:

Multiple Sklerose: Symptome im Krankheitsverlauf

Diagnostik bei Multipler Sklerose

 

Erste Schritte

  • Erste Symptome (z. B. Sehstörungen)
  • Neurologische Anamnese
  • Klinische Untersuchung

 

Spezialisierte Diagnostik

  • MRT
  • Liquorpunktion
  • Ausschluss anderer Erkrankungen

 

Auswertung

  • Beurteilung nach McDonald-Kriterien
    • Gesicherte MS-Diagnose
    • Verdachtsdiagnose
    • MS nicht nachweisbar
Diagnostik bei Multipler Sklerose

Multiple Sklerose zeichnet sich nicht nur durch bestimmte Symptome aus, sondern auch durch die Art ihres Auftretens. Bei etwa 85 % der Betroffenen liegt zunächst eine schubförmig-remittierende Verlaufsform vor (relapsing-remitting MS, RRMS). Dabei treten entzündliche Aktivitätsphasen im Zentralnervensystem (ZNS) in Form von Schüben auf. Von einem Schub spricht man, wenn neurologische Symptome über mindestens 24 Stunden anhalten. Die Schubdauer selbst kann mitunter aber auch mehrere Tage bis Wochen betragen.

Während eines Schubs treten neue Symptome auf oder bestehende verschlimmern sich. Danach entwickeln sich die Symptome meist wieder zurück, oft verschwinden sie sogar ganz. Bei der primär progredienten Multiplen Sklerose (PPMS) fehlen die typischen Schübe hingegen. Die Symptome der MS sind bei ihnen von Beginn an dauerhaft und verschlechtern sich im Laufe der Zeit.

Wann ist ein Arztbesuch ratsam?

Beobachten Sie bei sich für Multiple Sklerose typische Symptome, wenden Sie sich bitte an Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin. Falls Ihnen bereits in der Vergangenheit Symptome aufgefallen sind, die sich nach einiger Zeit wieder zurückentwickelt haben, dann weisen Sie im ärztlichen Gespräch darauf hin. Bis zur Diagnose einer Multiplen Sklerose vergehen meist mehrere Monate bis Jahre, besonders bei milden Krankheitsverläufen. Je früher die Erkrankung erkannt wird, umso schneller kann mit der Therapie begonnen werden. Moderne Behandlungsmethoden mit Medikamenten sowie auf die Krankheit abgestimmten Rehabilitationsmaßnahmen können den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Ziel der Therapie ist es, das Fortschreiten der MS zu verlangsamen sowie das Auftreten von Schüben zu verhindern.

Selbsttests bei Multipler Sklerose versus Progressionstests

Von diversen Selbsttests auf Multiple Sklerose im Internet sollten Sie absehen. Meist fragen solche Tests danach, ob Sie an bestimmten, häufigen MS-Symptomen leiden. Je nachdem, wie oft Sie mit „Ja“ antworten, teilen sie Ihnen dann Ihre Wahrscheinlichkeit für eine MS-Erkrankung mit. Das ist jedoch wenig zuverlässig. Es sind sowohl falsch positive wie auch falsch negative Ergebnisse möglich. Denn:

  • Gerade im Frühstadium treten bei MS oft nur einzelne Symptome auf. Bei nur einem einzigen „Ja“ ermittelt ein Internet-Selbsttest auf MS daher evtl. ein niedriges Risiko, obwohl es ratsam wäre, zeitnah ärztlichen Rat einzuholen.

  • Seltenere MS-Symptome werden oft gar nicht erfragt. Auch in diesem Fall könnten Sie sich wegen eines angeblich niedrigen Risikos „in falscher Sicherheit wiegen“.

  • Zudem gibt es viele Erkrankungen, die mit denselben Symptomen wie MS einhergehen. Daher sind für eine sichere medizinische Diagnose viele spezifische Untersuchungen notwendig.

Nicht zu verwechseln sind die Selbsttests auf MS aus dem Internet im Übrigen mit diversen Progressionstests. Das sind Tests, die beispielsweise Auskunft darüber geben können, wie sich eine bestehende Multiple Sklerose bei einem Menschen mit MS entwickelt.

Einige Beispiele sind:

  1. Der SDMT (Symbol Digit Modalities Tests) zur Beurteilung der kognitiven Fähigkeiten
  2. Der 9HPT (9-Hole Peg Test) zur Einschätzung der Handfunktion
  3. Der T25FW (Timed 25-Foot Walk) zur Analyse der Gehfähigkeit

Progressionstests: Geeignete Verfahren zur Beurteilung des Krankheitsverlaufs

Bei diesen Tests handelt es sich nicht um Selbsttests, sondern um standardisierte Testverfahren, die geschultes, medizinisches Fachpersonal gemeinsam mit den Patient:innen durchführt. Einige dieser Tests sind inzwischen auch digital verfügbar und können über ärztlich verordnete Anwendungen durchgeführt werden. Dabei handelt es sich um sogenannte Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs), die als Medizinprodukt zugelassen sind und nicht frei heruntergeladen werden können.

Häufige Fragen zu Selbsttest bei Multipler Sklerose

Nein, eine sichere Diagnose ist nur durch fachärztliche Untersuchungen möglich.
Fachärzte und Fachärztinnen für Neurologie sind für die Diagnose und Therapie von MS zuständig.

Viele Betroffene – insbesondere bei unspezifischen oder milden Symptomen – berichten von mehreren Monaten oder sogar Jahren bis zur Diagnosestellung. Dank moderner Kriterien (McDonald) kann eine Diagnose heute jedoch in manchen Fällen bereits innerhalb weniger Wochen gestellt werden.

  • Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS). Diagnose der Multiplen Sklerose. https://www.kompetenznetz-ms.de (Abgerufen am 27. März 2026)
  • Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG). Diagnosekriterien. https://www.dmsg.de (Abgerufen am 27. März 2026)

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Felix Hoffman, pharmazeutischer Experte

An der Pharmazie fasziniert mich am meisten, wie alles zusammenspielt. Von Zusammenhängen im Stoffwechsel hin zur Einnahme von Medikamenten. Wer sich damit auskennt, kann sein Leben positiv beeinflussen.“ 

Felix Hoffmann lebt für die Pharmazie und bringt eine große Expertise in der Beratung mit. Mit seinem fundierten Wissen garantiert er die hohen Qualitätsstandards der pharmazeutischen Inhalte auf apo.com. 

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