Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die häufig erst spät erkannt wird. Die Diagnose stellt oftmals eine Herausforderung dar, denn die Symptome können von typischen Verdauungsproblemen bis hin zu Allgemeineschwerden reichen. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie die Diagnose von Morbus Crohn gestellt wird und welche Anzeichen wichtig sind.
Das Wichtigste in Kürze
- Frühe Symptome wie Bauchschmerzen, Durchfall und Gewichtsverlust sind häufig, jedoch unspezifisch.
- Anamnese und körperliche Untersuchung bilden die Basis der Diagnose.
- Bildgebende Verfahren wie MRT oder Ultraschall liefern wertvolle Hinweise auf entzündete Darmabschnitte.
- Endoskopien mit Gewebeproben sind essenziell zur gesicherten Diagnose.
- Blut- und Stuhltests unterstützen den Nachweis von Entzündungsparametern.
Was sind die ersten Hinweise auf Morbus Crohn?
Die ersten Anzeichen von Morbus Crohn sind oft unspezifisch und entwickeln sich meist schleichend, was die Früherkennung erschwert. Zu den typischen frühen Symptomen bei Morbus Crohn zählen
- wiederkehrende, meist nicht blutige Durchfälle,
- krampfartige Bauchschmerzen, häufig im rechten Unterbauch,
- Blähungen und ein aufgeblähter Bauch,
- Müdigkeit und allgemeines Unwohlsein,
- Appetitlosigkeit und ungewollter Gewichtsverlust sowie
- leichtes Fieber oder erhöhte Temperatur.
Manche Patient:innen zeigen zudem zu Beginn Beschwerden außerhalb des Darms, etwa Gelenkschmerzen, Hautveränderungen oder Augenentzündungen. Auch kleine Schleimhautgeschwüre im Mund (Aphthen) oder erste Veränderungen im Analbereich (z. B. Fisteln) können frühe Hinweise sein. Bei Kindern und Jugendlichen können Wachstumsverzögerungen auf Morbus Crohn hindeuten.
Gut zu wissen
Im Durchschnitt dauert es 13 Monate, bis Morbus Crohn diagnostiziert wird.
Welche Diagnosemethoden gibt es?
Die Morbus Crohn Diagnose stützt sich auf verschiedene Untersuchungsmethoden, zu denen Anamnese, körperliche Untersuchungen, Labordiagnostik sowie endoskopische und bildgebende Verfahren gehören. Meist ist eine Kombination mehrerer Methoden notwendig, um die Diagnose zu sichern.
Anamnese
Am Anfang steht das ausführliche Arztgespräch. Dabei werden unter anderem folgende Fragen gestellt:
- Waren Sie kürzlich auf Reisen?
- Leiden Sie unter Nahrungsmittelunverträglichkeiten?
- Hatten Sie Kontakt mit infektiösen Durchfallerkrankungen?
- Gibt es bereits Vorbefunde?
- Haben Sie chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder Autoimmunerkrankungen in der Familie?
- Welche Medikamente nehmen Sie ein? (insbesondere Antibiotika, nichtsteroidale Antirheumatika)
- Rauchen Sie?
- Haben Sie außer der Verdauungsbeschwerden auch andere Symptome, z. B. an Mund, Haut, Augen oder Gelenken?
- Liegen anale Beschwerden wie Abszesse, Fisteln oder Analfissuren vor?
Körperliche Untersuchung
Nach der Anamnese folgt eine körperliche Untersuchung. Dabei wird der ganze Körper untersucht, um den allgemeinen Gesundheitszustand einzuschätzen. Die Ärztin oder der Arzt achtet auch auf Beschwerden außerhalb des Darms, zum Beispiel an Haut, Augen oder Gelenken. Auch wird in den Mund geschaut, um Veränderungen oder Entzündungen zu erkennen und der Analbereich sorgfältig kontrolliert, um mögliche Fisteln, Abszesse oder Risse festzustellen. So können möglichst viele Hinweise auf Morbus Crohn früh erkannt werden. Eine rektale Untersuchung wird spätestens bei der Darmspiegelung durchgeführt.
Labordiagnostik
Ein wichtiger Bestandteil der Diagnose von Morbus Crohn ist die Labordiagnostik. Zwar gibt es keinen Laborwert, der Morbus Crohn eindeutig nachweist, doch verschiedene Blut- und Stuhluntersuchungen liefern wichtige Hinweise auf Entzündungen, Mangelzustände und mögliche Komplikationen.
- Blutuntersuchung: Typischerweise werden Entzündungswerte wie das C-reaktive Protein (CRP) und die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) bestimmt. Diese deuten auf eine Entzündung im Körper hin, sind jedoch nicht spezifisch für Morbus Crohn. Auch das kleine Blutbild wird analysiert, um Anzeichen für Blutarmut oder erhöhte Entzündungszellen zu erkennen.
- Stuhluntersuchung: Eine Stuhlprobe gibt Aufschluss darüber, ob eine Entzündung im Darm vorliegt, z. B. durch den Wert Calprotectin. So weist ein erhöhter Calprotectin-Wert auf eine vermehrte Ansammlung von weißen Blutkörperchen im Darm hin, was für eine Entzündung typisch ist. Außerdem hilft die Stuhlprobe, Infektionen als Ursache der Beschwerden auszuschließen.
Zusätzlich werden häufig Leber- und Nierenwerte sowie der Eisenhaushalt überprüft, um mögliche Mangelerscheinungen frühzeitig zu erkennen. Die Laborwerte sind besonders hilfreich, um die Krankheitsaktivität einzuschätzen und andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen.
Endoskopische Verfahren
Die wichtigste Untersuchung zur Diagnose von Morbus Crohn ist die Darmspiegelung, vor allem die Ileokoloskopie mit Stufenbiopsien. Dabei wird ein flexibler, dünner Schlauch mit Kamera – das Endoskop – über den After in den Darm eingeführt. So kann der Arzt bzw. die Ärztin den gesamten Dickdarm und den letzten Abschnitt des Dünndarms (terminales Ileum) direkt betrachten und beurteilen, ob es dort typische Entzündungszeichen, Geschwüre oder andere Veränderungen gibt. Gleichzeitig können gezielt kleine Gewebeproben (Biopsien) aus verschiedenen Darmabschnitten entnommen und anschließend unter dem Mikroskop untersucht werden.
Gut zu wissen
Unter „Skip lesions” versteht man bei Morbus Crohn, dass sich gesunde und entzündete Darmabschnitte abwechseln. Sie sind ein typisches Merkmal der Erkrankung und über eine Darmspiegelung in der Regel gut einsehbar.
Bei über 30 % der Patient:innen ist zusätzlich der obere Verdauungstrakt betroffen. Deshalb wird neben der Darmspiegelung auch eine Magenspiegelung empfohlen. So kann Ihr Arzt bzw. Ihre Ärztin einen möglichen Befall von Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm erkennen.
Bildgebende Verfahren
Zur Diagnostik und Beurteilung der Ausdehnung von Morbus Crohn werden auch verschiedene bildgebende Verfahren eingesetzt. Dazu zählen:
- Magnetresonanztomographie (MRT): Die MRT, insbesondere die MR-Enterografie, wird bevorzugt eingesetzt, um die Ausdehnung und Aktivität der Entzündung im gesamten Magen-Darm-Trakt darzustellen.
- Ultraschall (Sonografie): Ultraschall ist ein wichtiges, strahlenfreies Verfahren, das bei Morbus Crohn zur Untersuchung aller Darmabschnitte eingesetzt werden kann. Die Sonografie eignet sich auch zur Verlaufskontrolle und kann wiederholt durchgeführt werden.
- Computertomografie (CT): Die CT ermöglicht ebenfalls die Darstellung des gesamten Bauchraums, wird jedoch wegen der Strahlenbelastung nur in Ausnahmefällen eingesetzt.
Gut zu wissen
Spezielle Verfahren wie die MR-Enterografie und die Dünndarmsonografie wurden entwickelt, weil der Dünndarm mit der klassischen Darmspiegelung nur begrenzt einsehbar ist.
Abgrenzung zu Colitis Ulcerosa
Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind die beiden häufigsten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Sie lassen sich durch bestimmte Merkmale in der Diagnostik unterscheiden:
- Verteilung der Entzündung: Bei Morbus Crohn wechseln sich gesunde und entzündete Darmabschnitte ab („Skip lesions“), während bei Colitis ulcerosa die Entzündung zusammenhängend und meist nur im Dickdarm auftritt.
- Betroffene Darmabschnitte: Morbus Crohn kann den gesamten Verdauungstrakt betreffen, Colitis ulcerosa beschränkt sich auf den Dickdarm.
- Tiefe der Entzündung: Bei Morbus Crohn sind oft alle Darmwandschichten betroffen, bei Colitis ulcerosa in der Regel nur die oberflächliche Schleimhaut.


Diese Unterschiede lassen sich vor allem durch die Darmspiegelung (Endoskopie) und die Entnahme von Gewebeproben (Biopsie) erkennen. So kann die Ärztin oder der Arzt anhand der typischen Muster und der betroffenen Darmabschnitte die Diagnose gezielt stellen und Morbus Crohn von Colitis ulcerosa abgrenzen.
Fazit
Es gibt nicht den einen Morbus Crohn Test, die Morbus Crohn Diagnose ergibt sich aus einer Kombination verschiedener Untersuchungen. Diese Methoden ermöglichen eine umfassende Beurteilung der Lokalisation, Ausdehnung sowie Komplikationen von Morbus Crohn und bilden die Grundlage für die weitere Behandlung. Früh erkannt, stehen heute viele moderne Therapieoptionen zur Verfügung, die helfen können, Entzündungen einzudämmen und die Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.
- Sturm et al. (2024). Aktualisierte S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Morbus Crohn“ der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) (Version 4.1) – living guideline. Zeitschrift für Gastroenterologie, 62(08), 1229–1318.
- Morbus Crohn – wissen @ AMBOSS. (o. D.).
- https://www.amboss.com/de/wissen/morbus-crohn/
- https://www.vorsorge-online.de/fileadmin/Daten/PDFs_Pressemeldungen/ViZ_2020/2020_ViZ_KW21_CED-Darmkrebs.pdf
Verfasst von unserem pharmazeutischen Team

„Pharmazie vereint für mich Wissenschaft und Hilfsbereitschaft. Ich habe mich für diesen Beruf entschieden, weil ich mein wissenschaftliches Interesse gezielt dafür einsetzen möchte, anderen Menschen zu helfen.“
Nawal Thaher ist approbierte Apothekerin und Autorin der apo.com Magazinbeiträge. Mit ihrer pharmazeutischen Expertise stellt sie sicher, dass alle Inhalte wissenschaftlich fundiert und fachlich korrekt aufbereitet sind. Ihr besonderes Anliegen ist es, Menschen mit chronischen Erkrankungen auf Augenhöhe zu begegnen – mit verlässlichen Informationen, Einfühlungsvermögen und dem Anspruch, komplexe Themen verständlich und greifbar zu machen.
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