Methotrexat (MTX) gilt als einer der wichtigsten Wirkstoffe in der Behandlung rheumatischer Erkrankungen – doch viele Patient:innen haben Fragen zu Wirkung, Anwendung und möglichen Nebenwirkungen. Erfahren Sie in diesem Beitrag alles über MTX bei Rheuma.
Das Wichtigste in Kürze
- Methotrexat (MTX) gehört zu den krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (DMARDs) und kann den Verlauf rheumatischer Erkrankung langfristig positiv beeinflussen, indem es die Aktivität von überaktiven Immunzellen hemmt.
- MTX wird häufig bei Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis, Psoriasis-Arthritis und juveniler idiopathischer Arthritis eingesetzt.
- Es wird nur einmal pro Woche eingenommen.
- Nebenwirkungen wie Übelkeit, Schleimhautentzündungen, Haarausfall sowie schwerwiegendere Komplikationen wie Leber- und Nierenschäden oder Auswirkungen auf das Knochenmark sind möglich. Daher sind regelmäßige ärztliche Kontrollen wichtig.
- Eine begleitende Einnahme von Folsäure frühestens 24 Stunden nach MTX kann helfen, Nebenwirkungen zu reduzieren.
Was ist MTX?
Methotrexat, kurz MTX, ist ein bewährter Wirkstoff, der ursprünglich zur Behandlung bestimmter Krebsarten entwickelt wurde und 1947 erstmalig zum Einsatz kam. Heute wird es in deutlich niedrigerer Dosierung vor allem bei Autoimmunerkrankungen eingesetzt. MTX bei Rheuma hilft, das überaktive Immunsystem zu regulieren und Entzündungen im Körper zu reduzieren.
Wie wirkt MTX bei Rheuma?
Methotrexat gehört zur Gruppe der sogenannten krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (DMARDs). Das bedeutet: Es wirkt nicht nur gegen die Symptome, sondern kann den Verlauf der Erkrankung langfristig positiv beeinflussen. Besonders bei chronisch-entzündlichen Gelenkerkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis ist es eines der am häufigsten eingesetzten Basistherapeutika.
Gut zu wissen
Die Wirkung von Methotrexat setzt nicht sofort ein – erste spürbare Effekte zeigen sich oft erst nach einigen Wochen. Grund ist, dass sich das Medikament erst im Körper anreichern muss. Sobald die MTX-Konzentration im Blut hoch genug ist, kann es die Entzündung wirksam bekämpfen.
Bei rheumatischen Erkrankungen greift das Immunsystem irrtümlich körpereigenes Gewebe an. Es entsteht eine chronische Entzündung, die Schmerzen, Schwellungen und langfristig auch Schäden an den betroffenen Stellen verursachen kann. Methotrexat setzt genau an dieser fehlgeleiteten Immunabwehr an. Es blockiert ein wichtiges Enzym (Dihydrofolatreduktase), welches an der Umwandlung von Folsäure in ihre aktive Form beteiligt ist. Zellen – vor allem überaktive Immunzellen, die für die Entzündung bei Rheuma verantwortlich sind – benötigen diese aktive Folsäure, um DNA und RNA herzustellen, was für ihre Teilung und ihr Wachstum unerlässlich ist. Durch die Blockade wird die übermäßige Vermehrung der Immunzellen gestoppt. Somit schwächt MTX bei Rheuma die fehlgeleitete Immunreaktion gezielt ab – das Immunsystem wird „gebremst“, ohne es komplett auszuschalten.
Für welche rheumatischen Erkrankungen wird MTX eingesetzt?
Methotrexat ist eines der am häufigsten verwendeten Medikamente bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Besonders bei Krankheiten, die durch eine Überreaktion des eigenen Immunsystems (Autoimmunerkrankungen) entstehen, kann MTX sehr wirksam sein.
Rheumatoide Arthritis
Zu diesen Autoimmunerkrankungen gehört die rheumatoide Arthritis. Sie ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise die Gelenke angreift und dort Entzündungen verursacht. Typische Symptome sind Schmerzen, Schwellungen und Steifheit, besonders morgens. Hier gilt MTX als Goldstandard der Therapie.
Gut zu wissen
Als Goldstandard bezeichnet man in der Medizin die Behandlung, die sich als besonders wirksam und zuverlässig bewährt hat. Sie gilt als beste verfügbare Therapie für eine bestimmte Erkrankung und wird oft als Maßstab verwendet, um neue Behandlungen oder Medikamente zu bewerten.
Psoriasis-Arthritis
Weiterhin wird Methotrexat häufig bei Psoriasis-Arthritis eingesetzt. Dabei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, die sowohl die Haut als auch die Gelenke betrifft. Sie äußert sich durch schmerzhafte, geschwollene und steife Gelenke, die oft morgens besonders stark sind und sich im Laufe des Tages bessern können. Zusätzlich treten Hautveränderungen wie gerötete, schuppende Stellen oder Veränderungen an den Nägeln auf.
Juvenile idiopathische Arthritis
Darüber hinaus hilft Methotrexat bei der juvenilen idiopathischen Arthritis, einer Form von Rheuma, die bei Kindern und Jugendlichen auftreten kann. Besonders bei schwereren Verläufen oder wenn andere Medikamente wie entzündungshemmende Schmerzmittel nicht ausreichen, ist MTX das Mittel der Wahl.
Weitere Autoimmunerkrankungen
Auch bei weiteren Autoimmunerkrankungen wie dem systemischen Lupus erythematodes, der systemischen Sklerose oder seltenen Erkrankungen wie Morbus Bechterew wird Patient:innen MTX verschrieben.
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Wie wird MTX angewendet?
Essenziell ist die richtige Anwendung von MTX bei Rheuma. So kann die bestmögliche Wirkung erzielt und Nebenwirkungen minimiert werden.
Einnahmeform: Tabletten vs. Spritzen
Methotrexat kann entweder als Tablette oder als Spritze verabreicht werden. Die Tabletten werden unabhängig von den Mahlzeiten mit einem Glas Wasser eingenommen. Spritzen werden meist unter die Haut gesetzt. Hierzu wird der Patient bzw. die Patientin zuvor in der Arztpraxis geschult. Beide Formen sind gleich wirksam. Daher hängt die Wahl der Einnahmeform von den individuellen Bedürfnissen des Patienten oder der Patientin ab. Beispielsweise ist die Einnahme von Methotrexat als Tablette einfach und bequem, kann jedoch häufiger Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Magen-Darm-Beschwerden hervorrufen. Auf der anderen Seite wird die Spritze oft besser vertragen, da sie den Verdauungstrakt umgeht, erfordert jedoch etwas Übung bei der Anwendung.
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Dosierung und Einnahmeplan
Die genaue Dosierung wird individuell vom betreuenden Arzt bzw. der betreuenden Ärztin festgelegt. Sie ist abhängig von der Krankheit und der Verträglichkeit des Medikaments. Dabei wird Methotrexat nur einmal pro Woche eingenommen, nicht täglich. Üblicherweise beginnt die Behandlung mit einer geringen Dosierung und wird bei Bedarf schrittweise erhöht, bis die gewünschte Wirkung erzielt ist. Nach Erreichen des gewünschten Therapieergebnisses wird die Dosis möglichst auf die niedrigste noch wirksame Menge eingestellt.
Gut zu wissen
In der Pharmazie spricht man vom Prinzip „so viel wie nötig und so wenig wie möglich“, wenn die Dosis eines Medikaments hoch genug ist, um die gewünschte Wirkung zu erzielen, aber gleichzeitig möglichst niedrig ist, um Nebenwirkungen zu reduzieren.
Warum MTX nur einmal pro Woche eingenommen wird
Methotrexat wird sowohl bei Krebs als auch bei rheumatischen Erkrankungen eingesetzt – aber in völlig unterschiedlichen Dosierungen:
- Bei Krebs: sehr hohe Dosen, möglicherweise auch täglich, um das Wachstum schnell teilender Tumorzellen zu stoppen
- Bei Rheuma: niedrige Dosen, wöchentlich, um das Immunsystem zu regulieren und Entzündungen zu hemmen
Obwohl der Wirkstoff derselbe ist, unterscheidet sich die Wirkung je nach Dosierung grundlegend. MTX bei Rheuma zielt nicht auf die Zerstörung von Zellen, sondern auf die Beruhigung des überaktiven Immunsystems.
Gut zu wissen
Eine falsche Dosierung von Methotrexat kann zu schwerwiegenden Nebenwirkungen führen, teilweise mit tödlichem Ausgang. Daher gibt es zahlreiche Maßnahmen, die darauf abzielen, die korrekte wöchentliche Einnahme sicherzustellen und Dosierungsfehler zu vermeiden:
- Methotrexat sollte nur von erfahrenen Ärzt:innen verschrieben werden.
- Patient:innen und Pflegekräfte müssen ausführlich und wiederholt über die korrekte wöchentliche Dosierung sowie Anzeichen einer Überdosierung informiert werden.
- Ein fester Wochentag für die Einnahme sollte gemeinsam festgelegt werden.
- Bei jeder neuen Verordnung sollte überprüft werden, ob die Dosierungsanweisung verstanden wurde.
- Im Verdachtsfall einer Überdosierung ist eine sofortige ärztliche Konsultation erforderlich.
Welche Nebenwirkungen kann MTX haben?
Methotrexat kann Nebenwirkungen verursachen, die von Beschwerden wie Übelkeit, Schleimhautentzündungen und Haarausfall bis hin zu schwerwiegenden Komplikationen reichen. Dazu zählen Schäden an Leber und Nieren (Hepato- und Nephrotoxizität), eine Lungenfibrose sowie eine Unterdrückung der Blutbildung im Knochenmark (Myelosuppression), die das Risiko für Infektionen und Blutungen erhöht. Die toxische Wirkung auf das Knochenmark ist dabei der wichtigste begrenzende Faktor bei der Dosierung von MTX. Regelmäßige ärztliche Kontrollen sind essenziell, um Risiken frühzeitig zu erkennen.
Folsäure zur Vorbeugung von Nebenwirkungen
Die Gabe von Folsäure oder Folinsäure (aktive Form von Folsäure) ist eine bewährte Methode, um die Nebenwirkungen einer Methotrexat-Therapie zu reduzieren und wird als “Rescue-Therapie” bezeichnet. Dabei wird Folsäure 24 bis 48 Stunden nach der Methotrexat-Gabe verabreicht. Sie hilft, Nebenwirkungen zu reduzieren. Auch bei Überdosierungen von Methotrexat kommt Folinsäure zum Einsatz.
Was sollten Patient:innen bei der Einnahme von MTX beachten?
MTX bei Rheuma wird einmal pro Woche eingenommen – eine tägliche Einnahme muss unbedingt vermieden werden, da sie zu schweren Überdosierungen führen kann. Ein fester Wochentag für die Einnahme hilft, Fehler zu vermeiden. Begleitend wird oft Folsäure verschrieben, die frühestens 24 Stunden nach MTX eingenommen werden sollte, um Nebenwirkungen zu reduzieren, ohne die Wirkung des Medikaments zu beeinträchtigen. Regelmäßige Blutkontrollen sind wichtig, um Nebenwirkungen wie Blutbildveränderungen oder erhöhte Leberwerte frühzeitig zu erkennen. Patient:innen sollten ihren Arzt oder ihre Ärztin bei Symptomen wie starker Übelkeit, ungewöhnlicher Müdigkeit oder Infektionszeichen (z. B. Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen und Husten) sofort informieren und neue Medikamente immer abstimmen, da Wechselwirkungen mit MTX möglich sind.
Fazit
Dank seiner entzündungshemmenden und immunmodulierenden Eigenschaften kann MTX Rheuma effektiv therapieren. Um die Therapiesicherheit zu gewährleisten, ist hinsichtlich der Dosierung besondere Aufmerksamkeit seitens Ärzt:innen und Patient:innen angesagt: Die einmal wöchentliche Einnahme, regelmäßige ärztliche Kontrollen und Anzeichen für potenzielle Nebenwirkungen und Infektionen sollten beachtet werden.
- Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.: Skriptum Rheumatologie 3. Auflage 2023
- Zhao et al. (2022). Application and pharmacological mechanism of methotrexate in rheumatoid arthritis. Biomedicine & Pharmacotherapy, 150, 113074.
- Scott D. G. (1988). Methotrexate and rheumatoid arthritis. Journal of clinical pharmacy and therapeutics, 13(2), 85–89.
- Rote-Hand-Brief (2019) “Methotrexat: Maßnahmen zur Vermeidung von Dosierungsfehlern mit potenziell tödlichen Folgen bei der Anwendung von Methotrexat bei Autoimmunerkrankungen”
- Immunsuppressiva – wissen @ AMBOSS. (o. D.). https://www.amboss.com/de/wissen/immunsuppressiva/
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„An der Pharmazie fasziniert mich am meisten, wie alles zusammenspielt. Von Zusammenhängen im Stoffwechsel hin zur Einnahme von Medikamenten. Wer sich damit auskennt, kann sein Leben positiv beeinflussen.“
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