Morbus Bechterew ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die oft erst spät erkannt wird. Doch eine frühe Diagnose kann den Verlauf erheblich beeinflussen und langfristige Schäden verhindern. Welche Symptome sollten Sie ernst nehmen? Welche Untersuchungen sind notwendig? Und worauf sollten Sie achten? Erfahren Sie hier alles Wichtige zur Morbus Bechterew Diagnose.
Das Wichtigste in Kürze
- Morbus Bechterew ist eine entzündlich-rheumatische Erkrankung der Wirbelsäule.
- Eine frühe Morbus Bechterew Diagnose kann Schmerzen lindern und Versteifungen der Wirbelsäule verhindern.
- Typische Symptome sind Rückenschmerzen, morgendliche Steifigkeit und Bewegungseinschränkungen.
- Die Diagnose erfolgt mithilfe von Anamnese, körperlichen Untersuchungen, bildgebenden Verfahren und Laborwerten.
- Genetische Faktoren wie HLA-B27 spielen eine Rolle, sind aber nicht allein ausschlaggebend.
Was ist Morbus Bechterew?
Morbus Bechterew, auch als ankylosierende Spondylitis bekannt, ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Wirbelsäule. Ankylosierende Spondylitis bedeutet wortwörtlich „versteifende Wirbelentzündung“. Diese Bezeichnung beschreibt den charakteristischen Krankheitsverlauf von Morbus Bechterew, bei dem es zu einer fortschreitenden Entzündung und Versteifung der Wirbelsäule kommt. Die Krankheit beginnt meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr und betrifft Männer etwa dreimal häufiger als Frauen.
Warum ist eine frühe Diagnose so wichtig?
Eine frühe Morbus Bechterew Diagnose kann
- Schmerzen lindern und die Lebensqualität verbessern,
- Versteifungen verlangsamen oder verhindern,
- Beweglichkeit erhalten und
- Folgeerkrankungen reduzieren, z. B. Osteoporose oder Gelenkentzündungen.
Leider wird Morbus Bechterew oft erst nach vielen Jahren erkannt, da die ersten Symptome leicht mit gewöhnlichen Rückenschmerzen verwechselt werden können. Daher ist es wichtig, bei anhaltenden Rückenschmerzen, besonders bei jüngeren Menschen, auch an Morbus Bechterew zu denken und frühzeitig eine:n Rheumatolog:in aufzusuchen.
Typische Symptome: Wann sollten Sie aufmerksam werden?
Morbus Bechterew beginnt oft schleichend und wird leicht mit unspezifischen Rückenschmerzen verwechselt. Achten Sie daher besonders auf folgende Warnzeichen:
Rückenschmerzen und Steifheit
- Tiefsitzend, insbesondere im Gesäß- und Lendenwirbelsäulenbereich
- Besonders morgens und nach längerem Sitzen
- Schmerzen bessern sich bei Bewegung und verschlimmern sich bei Ruhe
- Aufwachen in der zweiten Nachthälfte wegen Schmerzen
- Halten über mehr als drei Monate an
Eingeschränkte Beweglichkeit
- Oft erst im fortgeschrittenen Stadium
- Schwierigkeiten beim Bücken oder Drehen
- Versteifung im unteren Rücken
Entzündliche Begleiterscheinungen
- Augenentzündungen mit Rötung und Schmerzen
- Gelenkentzündungen in Knie, Hüfte oder Schulter
- Müdigkeit und Erschöpfung durch chronische Entzündungen
Falls Sie diese Symptome über längere Zeit beobachten, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll. Einen ausführlichen Beitrag zu den Symptomen von Morbus Bechterew finden Sie hier.
Gut zu wissen
Morbus Bechterew ist behandelbar. Dank moderner Medikamente und unterstützenden Maßnahmen wie Physiotherapie lässt sich die Krankheit gut kontrollieren. Bei all Ihren Fragen zu Ihren Medikamenten sind wir Montag bis Freitag von 8 bis 20 Uhr sowie am Samstag von 8 bis 14 Uhr in unserer pharmazeutischen Beratung für Sie da.
Diagnoseverfahren: So wird Morbus Bechterew festgestellt
Da die Symptome von Morbus Bechterew unspezifisch sind, erfolgt die Diagnose oft erst spät. Verschiedene Untersuchungen helfen dabei, Morbus Bechterew sicher zu diagnostizieren.
Ärztliches Gespräch und körperliche Untersuchung
Ihr:e Rheumatolog:in wird Sie zunächst zu Ihren Beschwerden befragen. Auf diese Fragen sollten Sie sich vorbereiten:
- Wie lange bestehen die Schmerzen?
- Treten die Schmerzen besonders morgens und nach längerem Sitzen auf?
- Werden sie durch Bewegung besser?
- Gibt es Fälle von Morbus Bechterew in der Familie?
Es kann helfen, ein Symptomtagebuch zu führen, um sich selbst einen Überblick zu verschaffen und den Arzt bzw. die Ärztin bei der Diagnose unterstützen zu können.
Nach dem Gespräch folgt eine gründliche körperliche Untersuchung. Dabei wird
- die Beweglichkeit Ihrer Wirbelsäule getestet,
- geprüft, ob bestimmte Bereiche Ihres Rückens besonders druckempfindlich sind, vor allem im unteren Rückenbereich,
- die Krümmung Ihrer Wirbelsäule gemessen,
- untersucht, wie weit Sie sich nach vorne beugen können und
- getestet, wie gut sich Ihr Brustkorb beim Atmen ausdehnt.
Falls der Verdacht auf Morbus Bechterew besteht, werden in der Regel weitere Untersuchungen wie bildgebende Verfahren und durchgeführt, um die Diagnose zu bestätigen.
Bildgebende Verfahren: Röntgen, MRT & CT
Bei der Diagnose von Morbus Bechterew spielen verschiedene bildgebende Verfahren eine wichtige Rolle:
- Röntgen: Zeigt Veränderungen an der Wirbelsäule, oft aber erst in späteren Krankheitsstadien. Die Wirbelsäule kann im Röntgen durch Knochenüberwucherungen wie ein „Bambusstab“ aussehen.
- MRT (Magnetresonanztomographie): Ist besonders wertvoll für die Früherkennung von Morbus Bechterew. Sie zeigt Entzündungen der Wirbelsäule, noch bevor Veränderungen im Röntgen zu sehen sind.
- CT (Computertomographie): Selten notwendig, kann in speziellen Fällen jedoch nützlich sein, wenn Röntgen- und MRT-Bilder keine klaren Ergebnisse liefern.
Laboruntersuchungen: Entzündungswerte & Genanalyse
Bluttests können Hinweise liefern, aber allein keine eindeutige Diagnose stellen. Zwei Hauptaspekte werden dabei untersucht: die Entzündungswerte und die Genanalyse.
Entzündungswerte:
CRP (C-reaktives Protein) & BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit): Diese beiden Blutwerte weisen auf Entzündungen im Körper hin. Zu beachten ist jedoch, dass diese Werte auch bei anderen entzündlichen Erkrankungen oder Infektionen erhöht sein können. Weiterhin schließen normale Werte einen Morbus Bechterew nicht unbedingt aus.
Genanalyse:
Das HLA-B27-Gen ist bei etwa 90 % der Morbus Bechterew-Fälle nachweisbar. Bei bereits vorhandenem Verdacht auf Morbus Bechterew ist es ein weiteres Indiz für die Diagnosestellung. Ein positiver HLA-B27-Wert bedeutet aber nicht automatisch, dass die Person Morbus Bechterew hat. Viele Menschen tragen dieses Gen ohne zu erkranken.
Ist die Morbus Bechterew Diagnose gestellt, wird Ihr:e Rheumatolog:in eine Therapie einleiten. In der Regel ist eine dauerhafte Behandlung erforderlich, um Beschwerden zu lindern und die Beweglichkeit zu erhalten. Eine zentrale Stellung nimmt dabei die medikamentöse Therapie ein. Mit der apo.com E-Rezept App können Sie Ihre E-Rezepte schnell und unkompliziert online einlösen. Ihre Medikamente erhalten Sie innerhalb kürzester Zeit bequem und natürlich versandkostenfrei zu Ihnen nach Hause geliefert.
Differentialdiagnose: Rückenschmerzen können verschiedene Ursachen haben
Bei chronischen Rückenschmerzen ist es wichtig, verschiedene Ursachen in Betracht zu ziehen. Denn neben Morbus Bechterew können auch eine Vielzahl anderer Erkrankungen ähnliche Symptome hervorrufen. Dazu gehören beispielsweise Bandscheibenvorfälle, eine Arthrose der Wirbelsäule, bestimmte Formen von Gelenkentzündungen, Muskelverspannungen und Fehlhaltungen. All diese unterschiedlichen Krankheitsbilder können chronische Rückenschmerzen verursachen, werden jedoch unterschiedlich behandelt. Eine genaue differentialdiagnostische Abklärung ist daher essenziell. Hier haben wir für Sie hilfreiche Tipps bei Schmerzen im unteren Rücken zusammengefasst.
Gut zu wissen
Ein charakteristisches Merkmal des Morbus Bechterew ist der tiefsitzende Rückenschmerz, der typischerweise in der zweiten Nachthälfte auftritt, zu morgendlicher Steifigkeit führt und sich durch Bewegung bessert.
Fazit
Morbus Bechterew bleibt oft lange unentdeckt, doch eine rechtzeitige Diagnose kann viel bewirken. Wenn Sie chronische Rückenschmerzen haben, die sich durch Bewegung verbessern und über Monate anhalten, sollten Sie sich ärztlich untersuchen lassen. Mit den richtigen Maßnahmen können Sie Ihre Lebensqualität erhalten und den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.
- Knünz, A. & Schulze-Koops, H. (2019). Hat Ihr Patient einen Morbus Bechterew? MMW – Fortschritte der Medizin, 161(S1), 61–69.
- Rudwaleit, M. & Sieper, J. (2004). Diagnose und Frühdiagnose der ankylosierenden Spondylitis (Morbus Bechterew). Zeitschrift für Rheumatologie, 63(3).
- Kiltz et al. (2019b). Langfassung zur S3-Leitlinie Axiale Spondyloarthritis inklusive Morbus Bechterew und Frühformen, Update 2019. Zeitschrift für Rheumatologie, 78(S1), 3–64.
- Axiale spondylarthritis – wissen @ AMBOSS. (o. D.). https://www.amboss.com/de/wissen/axiale-spondylarthritis/
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