Rheuma in der Familie wirft oft belastende Fragen auf: „Habe ich die Erkrankung von meinen Eltern geerbt?“ oder „Können meine Kinder auch an Rheuma erkranken?“. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Rolle genetische Faktoren tatsächlich spielen und was Sie tun können, um das Risiko einer Rheuma-Erkrankung zu senken. 

Das Wichtigste in Kürze

  • Genetische Faktoren können die Wahrscheinlichkeit erhöhen, an einer rheumatischen Erkrankung wie der rheumatoiden Arthritis zu erkranken. 
  • Umweltfaktoren und Lebensstil (wie Rauchen, Luftverschmutzung, ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel und Stress) können den Ausbruch und Verlauf der Krankheit begünstigen. 
  • Ein gesunder Lebensstil kann das Risiko einer Erkrankung deutlich senken. 
  • Eine genetische Veranlagung bedeutet nicht automatisch, dass Rheuma ausbricht. 

Genetische Faktoren bei Rheuma 

Rheumatische Erkrankungen, insbesondere die rheumatoide Arthritis (RA), entstehen durch ein Zusammenspiel von genetischen Faktoren und Umwelteinflüssen. Obwohl Rheuma nicht direkt vererbbar ist, können genetische Faktoren die Wahrscheinlichkeit erhöhen, eine solche Erkrankung zu entwickeln. Was bedeutet das für Betroffene und ihre Familien? 

Nicht alle Erkrankungen, die genetisch beeinflusst werden, sind klassische Erbkrankheiten. Solche Krankheiten, wie die Hämophilie (Bluterkrankheit) oder das Down-Syndrom, entstehen durch spezifische Mutationen in Genen oder Chromosomen. Die Hämophilie wird etwa durch genetische Defekte verursacht, die die Blutgerinnung beeinträchtigen, während das Down-Syndrom auf eine zusätzliche Kopie des Chromosoms 21 zurückzuführen ist. Rheuma hingegen gehört nicht zu diesen klassischen Erbkrankheiten – die Veranlagung wird nicht durch eine einzelne Genmutation bestimmt, sondern durch ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Gene und Umweltfaktoren.

Wie stark beeinflussen genetische Faktoren die Krankheitsentstehung? 

Genetische Faktoren spielen eine bedeutende Rolle bei der Entstehung und Entwicklung rheumatischer Erkrankungen, insbesondere bei der rheumatoiden Arthritis (RA). Der sogenannte Heritabilitätswert wird bei rheumatoider Arthritis in nordeuropäischen Populationen auf 53 % bis 68 % geschätzt. Dies bedeutet, dass mehr als die Hälfte der Krankheitsanfälligkeit auf genetische Faktoren zurückzuführen ist.  

Die genetische Prädisposition für Rheuma ist komplex und wird durch das Zusammenspiel mehrerer Gene beeinflusst, die jeweils eine kleine Rolle spielen. Besonders bedeutend ist das sogenannte HLA-DRB1-Gen (Humanes Leukozytenantigen), das für die Regulation des Immunsystems verantwortlich ist. Varianten dieses Gens stehen in Verbindung mit einem erhöhten Risiko für rheumatoide Arthritis. Als zweitwichtigster genetischer Risikofaktor für rheumatoide Arthritis gilt eine Variante des PTPN22-Gens. 

Gut zu wissen

Wichtig zu verstehen ist, dass eine genetische Veranlagung nicht automatisch zum Ausbruch der Krankheit führt. Sie erhöht lediglich die Wahrscheinlichkeit, an einer Autoimmunerkrankung wie Rheuma zu erkranken. Umweltfaktoren und Lebensstil spielen ebenfalls eine bedeutende Rolle. 

Einfluss von Umweltfaktoren und Lebensstil 

Die Entstehung einer rheumatischen Erkrankung lässt sich am besten als Wechselwirkung zwischen genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren verstehen. Ein Mensch mit genetischer Prädisposition entwickelt nicht zwangsläufig Rheuma, aber Umweltfaktoren können bei vorhandener Veranlagung den Ausbruch der Krankheit begünstigen und haben ebenso Einfluss auf den Verlauf rheumatischer Erkrankungen. Diese Umweltfaktoren können sich auf die Entstehung einer rheumatischen Erkrankung auswirken: 

  • Luftverschmutzung: Langfristige Exposition gegenüber schadstoffbelasteter Luft erhöht das Risiko für rheumatoide Arthritis deutlich. 
  • Rauchen: Zigarettenkonsum ist ein bedeutender Risikofaktor. 
  • Ernährung und Lebensstil: Ungesunde Ernährung, Übergewicht und Bewegungsmangel können das Risiko für RA erhöhen und den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen. 
  • Sozioökonomische Faktoren: Ein niedriger Bildungsstand und Sozialstatus sind mit einem erhöhten RA-Risiko assoziiert.

Rheuma vorbeugen: Strategien zur Risikoreduktion 

Auch wenn genetische Faktoren eine Rolle spielen, ist Rheuma keine unausweichliche Folge einer genetischen Veranlagung. Das Risiko kann durch einen gesunden Lebensstil und gezielte Maßnahmen gesenkt werden. Dazu gehören:

Gesunder Lebensstil 

  • Nichtrauchen oder Rauchentwöhnung: Rauchen ist einer der stärksten vermeidbaren Risikofaktoren für Rheuma. 
  • Ausgewogene Ernährung: Eine entzündungshemmende Ernährung, z. B. mit viel Obst, Gemüse, Omega-3-Fettsäuren und wenig tierischen Fetten, kann das Risiko verringern. 
  • Regelmäßige körperliche Aktivität: Moderate, gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren stärken Muskeln und Gelenke. Hier erfahren Sie, wie Sie Bewegung leicht in Ihren Alltag integrieren können. 

Gewichtskontrolle 

  • Übergewicht vermeiden oder reduzieren
  • Gelenkbelastung minimieren

Stressmanagement 

  • Erlernen von Entspannungstechniken
  • Ausreichend Schlaf und Erholung

Bei familiärer Vorbelastung: erhöhte Wachsamkeit 

  • Regelmäßige ärztliche Check-ups
  • Frühzeitiges Erkennen von Symptomen
  • Gegebenenfalls genetische Beratung

Fazit 

Obwohl genetische Faktoren bei rheumatischen Erkrankungen eine Rolle spielen, sind sie nicht allein ausschlaggebend dafür, ob Menschen eine rheumatische Erkrankung entwickeln. Umweltfaktoren und Lebensstil haben einen erheblichen Einfluss auf das Erkrankungsrisiko. Durch einen gesunden Lebensstil und vorbeugende Maßnahmen können Sie das Risiko, an Rheuma zu erkranken, selbst reduzieren.  Wer über familiäre Vorbelastungen Bescheid weiß, kann aktiv werden und mit präventiven Maßnahmen dazu beitragen, sein persönliches Risiko zu senken. 

  •  Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.: Skriptum Rheumatologie 3. Auflage 2023 
  • Choy E, Understanding the dynamics: pathways involved in the pathogenesis of rheumatoid arthritis. Rheumatology 2012;51(5):v3-v11. 
  • Schneider, M., Krüger, K., Jaeger, V. K., et al. (2018). Genetische Risikofaktoren der rheumatoiden Arthritis. Zeitschrift für Rheumatologie, 77, 451-457. 
  • Häupl, T., Burmester, G. R. (2015). Genetik der rheumatoiden Arthritis. Zeitschrift für Rheumatologie, 74, 3-10. 
  • Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e.V. Merkblatt Rheumatoide Arthritis, 9. Auflage 2017.   

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Sofia Westermann, pharmazeutische Expertin

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