Morbus Bechterew ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die vor allem die Wirbelsäule betrifft und im Endstadium zu erheblichen Einschränkungen führt. Mit der richtigen Therapie gibt es jedoch Möglichkeiten für Patient:innen, um ihre Lebensqualität zu erhalten. In diesem Artikel erfahren Sie, welche spezifischen Symptome im Endstadium auftreten, wie sich das Leben der Betroffenen verändern kann und welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt. 

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Endstadium führt Morbus Bechterew zur vollständigen Versteifung der Wirbelsäule. 
  • Typische Symptome sind Atemnot und eine vornübergebeugte Haltung und auch die Lebensqualität der Betroffenen kann stark beeinträchtigt sein. 
  • Psychosoziale Unterstützung ist entscheidend für den Umgang mit der Erkrankung. 
  • Zu den Therapieansätzen gehören eine medikamentöse Behandlung, Physiotherapie und, in schweren Fällen, chirurgische Eingriffe. 
  • Eine gesunde Lebensweise ist ein wichtiger Bestandteil und kann zum Erhalt der Lebensqualität beitragen.  

Morbus Bechterew – Ein Überblick 

In Deutschland leben ca. 450.000 Menschen mit Morbus Bechterew. Morbus Bechterew, auch bekannt als Spondylitis ankylosans, ist eine chronische Erkrankung, die vor allem den Rücken und das Becken betrifft. Sie tritt häufig bei jungen Erwachsenen auf und zeigt sich durch starke Rückenschmerzen, die oft nachts oder morgens besonders schlimm sind. Viele Betroffene fühlen sich morgens steif. Im Laufe der Zeit kann die Wirbelsäule steifer werden, was die Beweglichkeit einschränkt. Die Schmerzen können in Schüben auftreten, das heißt, es gibt Zeiten, in denen die Beschwerden schlimmer sind, gefolgt von Phasen, in denen es besser geht. Erfahren Sie hier mehr über die Symptome bei Morbus Bechterew. 

Gut zu wissen

Spondylitis ankylosans setzt sich aus dem altgriechischen Wort für „Wirbel“ – spóndylos – und dem Wort für „gebogen, gebeugt“ – ánkylos – zusammen. Die Endung -itis deutet immer auf eine Entzündung hin. Somit bedeutet Spondylitis ankylosans „verbiegende/versteifende Wirbelentzündung“. 

Die Behandlung von Morbus Bechterew zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zu erhalten. Eine wichtige Säule der Therapie ist die Physiotherapie, die hilft, die Beweglichkeit zu fördern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Zusätzlich werden häufig nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) eingesetzt, um Schmerzen und Entzündungen zu reduzieren. Bei stärkeren Beschwerden können auch Biologika eingesetzt werden, die gezielt auf entzündliche Prozesse wirken. Es ist wichtig, frühzeitig mit der Behandlung zu beginnen, um langfristige Schäden zu vermeiden. Mit der richtigen Therapie können viele Menschen mit Morbus Bechterew ein aktives und erfülltes Leben führen. 

Verlauf der Erkrankung 

Morbus Bechterew verläuft typischerweise in drei Stadien: dem Anfangsstadium, dem manifesten Stadium und dem Spätstadium. 

Anfangsstadium 

Das Anfangsstadium dauert in der Regel zwischen sechs Wochen bis drei Jahre und äußert sich durch tiefsitzende Kreuz- und Gesäßschmerzen, die vor allem morgens und bei längerem Liegen auftreten. Sie sind oft von einer Rückensteifigkeit beim Aufstehen begleitet. Die Beschwerden bessern sich in der Regel durch Bewegung, was typisch für diese Erkrankung ist. Zudem zeigen viele Betroffene eine Druckempfindlichkeit an verschiedenen Körperstellen, darunter das Schlüsselbein, die Rippen und die Hüfte. In diesem Stadium kann es auch zu Entzündungen an größeren Gelenken kommen. 

Gut zu wissen

Meist beginnt die Krankheit im Alter zwischen 10 und 30 Jahren. Die Diagnose wird aber häufig erst mit einer Verzögerung von mehreren Jahren gestellt. Bei lang anhaltenden Rückenschmerzen im jungen Alter kann der Bechterew-Check der Charité Berlin als erste Orientierung dienen. 

Manifestes Stadium 

Im manifesten Stadium, das zwischen zehn und zwanzig Jahren andauern kann, werden die Symptome deutlicher und intensiver. Röntgenaufnahmen zeigen nun Veränderungen an den Kreuz-Darmbein-Gelenken, die für die Diagnose von Morbus Bechterew entscheidend sind. Die Patient:innen berichten häufig von einer zunehmenden Bewegungseinschränkung, wobei Bewegungen oft nur noch unter starken Schmerzen möglich sind. In dieser Phase treten auch schubartige Verschlechterungen auf, was bedeutet, dass die Symptome in bestimmten Zeiträumen stark zunehmen können. Die Wirbelsäule beginnt sich zu versteifen. 

Spätstadium 

Im Spätstadium, das nach etwa 20 Jahren eintritt, haben sich die entzündlichen Prozesse weitgehend stabilisiert. Die Wirbelsäule nimmt eine charakteristische Form an, die oft mit einem Bambusstab verglichen wird. In der Brustwirbelsäule kann sich ein Buckel entwickeln, während die Halswirbelsäule nach vorne geneigt ist. Diese Haltung führt dazu, dass Betroffene häufig den Blick auf den Boden richten müssen; ihre Bauchmuskulatur ist vorgewölbt, was die Atmung erschwert.

Obwohl die akuten Schmerzen möglicherweise nachlassen, bleibt eine chronische Schmerzbelastung bestehen. Die Patient:innen erleben oft eine ständige Einschränkung ihrer Mobilität und Lebensqualität. Zudem hat die Erkrankung nicht selten auch psychische Auswirkungen: Viele Betroffene fühlen sich isoliert und kämpfen mit emotionalen Herausforderungen aufgrund ihrer chronischen Erkrankung. Morbus Bechterew erfordert in allen Stadien eine umfassende medizinische Betreuung und therapeutische Maßnahmen, um den Patient:innen zu helfen, ihre Lebensqualität zu erhalten und mit den Herausforderungen der Krankheit umzugehen. 

Gut zu wissen

Obwohl Morbus Bechterew nicht heilbar ist, können dank der Therapiemöglichkeiten das Fortschreiten der Krankheit ausgebremst und Beschwerden gelindert werden. So ist die Lebenserwartung der erkrankten Patient:innen die gleiche wie beim Bevölkerungsdurchschnitt. 

Morbus Bechterew betrifft die Wirbelsäule

Therapieansätze 

Obwohl Morbus Bechterew nicht heilbar ist, können verschiedene Therapieansätze helfen, die Symptome zu lindern und das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen. 

Medikamentöse Therapie 

Zu den häufig verwendeten Medikamenten gehören: 

  • Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac zur Schmerzlinderung 
  • Kortisonpräparatezur Bekämpfung von Entzündungen 
  • Biologika, die bei schwerem Verlauf eingesetzt werden 

Diese Medikamente zielen darauf ab, Entzündungen zu reduzieren und Schmerzen zu lindern.  

Physiotherapie 

Physiotherapie spielt eine zentrale Rolle in der Behandlung von Morbus Bechterew. Durch gezielte Übungen können Patient:innen ihre Beweglichkeit erhalten, Schmerzen lindern und ihre Lebensqualität verbessern. Regelmäßige Bewegung ist entscheidend, um die Muskulatur zu stärken und die Gelenke beweglich zu halten. 

Chirurgische Optionen 

In schweren Fällen können chirurgische Eingriffe notwendig sein. Dazu gehören: 

  • Keilosteotomie, um eine aufrechtere Haltung zu ermöglichen 
  • Gelenkersatzoperationen bei stark geschädigten Gelenken 

Diese Eingriffe können helfen, die Funktionalität und Lebensqualität zu verbessern. 

Lebensstiländerungen zur Unterstützung der Therapie 

Zusätzlich zu den medizinischen Behandlungen gibt es verschiedene Lebensstiländerungen, die helfen können, besser mit Morbus Bechterew umzugehen: 

  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann einen positiven Einfluss auf die Gesundheit haben. Entzündungshemmende Lebensmittel wie fetter Fisch (z. B. Lachs), Nüsse und frisches Obst sowie Gemüse werden empfohlen. Zucker und verarbeitetes Essen sollten möglichst reduziert werden. Erfahren Sie hier, wie die Ernährungsumstellung mit einfachen Tipps gelingen kann. 
  • Stressmanagement: Stress kann sich negativ auf Ihre Gesundheit auswirken. Techniken wie Meditation, Yoga und Atemübungen können helfen, Stress abzubauen und das allgemeine Wohlbefinden zu fördern. 

Fazit 

Morbus Bechterew im Endstadium stellt eine erhebliche Herausforderung dar: Die Wirbelsäule versteift, die Körperhaltung ist gestört und auch die Atmung kann erschwert sein. Fernab davon leidet die psychische Gesundheit ebenso darunter, was eine psychosoziale Unterstützung umso wichtiger macht. Mit der richtigen Unterstützung und Therapie kann Patient:innen geholfen werden, ihre Lebensqualität zu erhalten. Dabei können Patient:innen selbst einiges tun – angefangen bei einer gesunden Ernährung, über ausreichend Bewegung bis hin zu einem guten Stressmanagement. 

  • Rusman, T., Van Bentum, R. E. & Van der Horst-Bruinsma, I. E. (2020). Sex and gender differences in axial spondyloarthritis: myths and truths. Rheumatology, 59(Supplement_4), iv38–iv46. https://doi.org/10.1093/rheumatology/keaa543 
  • https://www.helios-gesundheit.de/magazin/news/02/morbus-bechterew/
  • Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.: Skriptum Rheumatologie 3. Auflage 2023 
  • Kiltz, U., Braun, J., Becker, A., Chenot, J., Dreimann, M., Hammel, L., Heiligenhaus, A., Hermann, K., Klett, R., Krause, D., Kreitner, K., Lange, U., Lauterbach, A., Mau, W., Mössner, R., Oberschelp, U., Philipp, S., Pleyer, U., Rudwaleit, M., . . . Winking, M. (2019). Langfassung zur S3-Leitlinie Axiale Spondyloarthritis inklusive Morbus Bechterew und Frühformen, Update 2019. Zeitschrift für Rheumatologie, 78(S1), 3–64. https://doi.org/10.1007/s00393-019-0670-3 

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Felix Hoffman, pharmazeutischer Experte

„An der Pharmazie fasziniert mich am meisten, wie alles zusammenspielt. Von Zusammenhängen im Stoffwechsel hin zur Einnahme von Medikamenten. Wer sich damit auskennt, kann sein Leben positiv beeinflussen.“ 

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