Rheuma ist eine chronische Erkrankung, die sich nicht nur auf das tägliche Leben der Betroffenen auswirkt, sondern auch ihre Lebenserwartung beeinflussen kann. In diesem Artikel erfahren Sie, welchen Einfluss Rheuma auf die Lebensdauer von Patient:innen haben kann und welche Maßnahmen ergriffen werden können, um dennoch ein langes Leben zu leben. 

Das Wichtigste in Kürze

  • Die häufigste entzündlich-rheumatische Erkrankung ist die Rheumatoide Arthritis, weshalb sie umgangssprachlich oft mit “Rheuma” gleichgesetzt wird. 
  • Menschen mit rheumatoider Arthritis lebten bis zuletzt im Durchschnitt etwa zehn Jahre weniger als die Allgemeinbevölkerung. 
  • Eine Erkrankung in jungen Jahren, eine lange Krankheitsdauer und Begleiterkrankungen erhöhen das Risiko einer verkürzten Lebenserwartung. Menschen mit rheumatoider Arthritis haben ein erhöhtes Risiko für Infektionen, Herzkrankheiten und bestimmte Krebsarten, was ebenfalls die Lebenserwartung beeinflussen kann. 
  • Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung von rheumatoider Arthritis können die Lebensqualität und -erwartung erheblich verbessern. 

Überblick über die rheumatoide Arthritis 

Die rheumatoide Arthritis (RA) ist eine chronische Autoimmunerkrankung, die in erster Linie die Gelenke betrifft. Sie führt zu entzündlichen Prozessen, die Schmerzen, Schwellungen und eine eingeschränkte Beweglichkeit verursachen. Typischerweise sind symmetrisch die kleinen Gelenke der Hände und Füße betroffen, aber auch größere Gelenke wie Knie und Schultern können entzündet sein. 

Gut zu wissen

Die Erkrankung beginnt häufig zwischen dem 5. und 8. Lebensjahrzehnt, wobei Frauen dreimal häufiger betroffen sind als Männer. 

Einfluss von Rheuma auf die Lebenserwartung 

Die rheumatoide Arthritis kann die Lebenserwartung signifikant beeinträchtigen. Studien zeigen, dass Menschen mit rheumatoider Arthritis im Durchschnitt etwa zehn Jahre weniger leben als Menschen ohne diese Erkrankung. Die Ursachen für diese verkürzte Lebensspanne sind vielfältig und reichen von körperlichen Behinderungen bis hin zu Begleiterkrankungen. Besonders jüngere Patient:innen mit einer langen Krankheitsdauer und schwerer rheumatoider Arthritis haben ein höheres Risiko für eine reduzierte Lebensdauer. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass die Bilanz in den letzten Jahren immer besser wird. Mit dem Einsatz moderner Basistherapeutika hat sich die Situation erheblich verbessert: Viele erreichen ein hohes Alter und die Lebenserwartung gleicht sich immer mehr der der Allgemeinbevölkerung an. Zu verdanken haben wir das dem Fortschritt in der Therapie. In diesem Magazinbeitrag können Sie sich über die Therapieoptionen der rheumatoiden Arthritis informieren. 

Begleiterkrankungen und deren Einfluss auf die Lebenserwartung 

Die Gesundheit von Menschen mit rheumatoider Arthritis wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Zu den häufigsten gehören: 

  • Kardiovaskuläre Erkrankungen: Diese sind für etwa ein Drittel der Todesfälle verantwortlich. Die ischämische Herzkrankheit (IHD), bei der die Blutgefäße verstopfen, führt oft zu Herzinfarkten oder anderen schweren Komplikationen. Patient:innen mit rheumatoider Arthritis haben ein höheres Risiko für solche Erkrankungen, selbst wenn sie ähnliche Risikofaktoren wie die Allgemeinbevölkerung aufweisen. Das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen ist etwa 1,5- bis 2-fach erhöht. 
  • Lungenprobleme: Bei 30 bis 40 % der Erkrankten treten Lungenkomplikationen auf, die zu Atemnot führen können. Lungenerkrankungen sind für etwa 10 % der Todesfälle bei diesen Patient:innen verantwortlich. 
  • Infektionen: Menschen mit rheumatoider Arthritis weisen ein gehäuftes Vorkommen von Infektionen auf. 
  • Krebs: Das Risiko für bestimmte Krebsarten ist bei RA-Patient:innen etwa 2- bis 3-mal höher als bei der Allgemeinbevölkerung. Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt; es könnte sowohl an der Krankheit selbst als auch an den verwendeten Behandlungen liegen. 

Lebenserwartung bei Rheuma: Risikofaktoren im Fokus  

Bestimmte Patient:innen mit rheumatoider Arthritis haben ein besonders hohes Risiko für eine reduzierte Lebenserwartung. Dazu zählen: Frauen, Raucher:innen, ein Beginn der Erkrankung im Alter von über 60 Jahren und ein später Therapiebeginn. Auch eine hohe Anzahl betroffener Gelenke erhöht das Risiko. Soziale Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle, zum Beispiel eine schlechte finanzielle Lage oder ein niedriges Bildungsniveau. 

Maßnahmen zur Verbesserung der Lebenserwartung 

Die gute Nachricht ist, dass es Möglichkeiten gibt, das Risiko einer verkürzten Lebenserwartung bei Rheuma zu minimieren: 

  1. Frühe Diagnose und Behandlung: Ein frühzeitiger Einbezug eines Rheumatologen bzw. einer Rheumatologin kann entscheidend sein. Studien zeigen, dass Patient:innen, die frühzeitig behandelt werden, bessere Ergebnisse erzielen. 
  2. Lebensstiländerungen: Raucherentwöhnung ist unerlässlich. Jedes Jahr ohne Rauchen reduziert das Sterberisiko signifikant. Zudem sollten Patient:en versuchen, ihr Gewicht zu kontrollieren und körperlich aktiv zu bleiben. Lesen Sie hier unseren Leitfaden zur Raucherentwöhnung. In diesem Artikel haben wir Tipps und Tricks zusammengestellt für eine erfolgreiche Ernährungsumstellung. 
  3. Regelmäßige Gesundheitskontrollen: Es ist wichtig, regelmäßig Blutdruck und Cholesterinspiegel überprüfen zu lassen. Dies hilft dabei, kardiovaskuläre Risiken frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. 
  4. Auf Symptome achten: Achten Sie auf neue Symptome wie übermäßige Müdigkeit oder Brustschmerzen. Diese könnten Anzeichen für ernsthafte gesundheitliche Probleme sein. 

Gut zu wissen

Studien zeigen einen starken Zusammenhang zwischen erhöhter körperlicher Aktivität und einem geringeren Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse bei Rheumapatient:innen. Hier haben wir 12 Tipps für Sie zusammengestellt, wie Sie Bewegung leicht in Ihren Alltag integieren können. 

Rheuma bei Kindern – Wie ist die Lebenserwartung? 

Entzündlich-rheumatische Erkrankungen bei Kindern weisen wesentliche Unterschiede zu den entsprechenden Erkrankungen bei Erwachsenen auf. Häufig sind es Gelenkentzündungen, die nach Infektionen auftreten, welche in der Regel gut behandelbar sind und meist innerhalb weniger Tage oder Wochen abklingen, ohne bleibende Schäden zu hinterlassen. Allerdings gibt es auch ernsthafte Erkrankungen, die schwerer zu diagnostizieren sind. Dazu zählt die juvenile idiopathische Arthritis (JIA), die als häufigste rheumatische Erkrankung im Kindesalter gilt. Eine frühzeitige Erkennung und Behandlung sind entscheidend, um langfristige Schäden an den Gelenken zu vermeiden. Zu den typischen Symptomen gehören Schmerzen, Schwellungen und eine eingeschränkte Beweglichkeit. 

Gut zu wissen

In Deutschland leiden ca. 40.000 Kinder an rheumatischen Erkrankungen. 

Ein entscheidender Aspekt, der das rheumatische Leiden bei Kindern von dem bei Erwachsenen unterscheidet, ist die deutlich höhere Wahrscheinlichkeit auf Heilung. Kinder haben in der Regel bessere Chancen auf eine vollständige Genesung. Voraussetzung dafür ist eine frühzeitige Diagnose und eine angemessene Therapie. Bei nahezu 50 % der betroffenen Kinder verschwinden die Symptome bis zum Erreichen des Erwachsenenalters vollständig. 

Fazit 

Die rheumatoide Arthritis hat erhebliche Auswirkungen auf die Lebenserwartung von Betroffenen. Durch frühzeitige Diagnosen, effektive Behandlungen und gesunde Lebensgewohnheiten können Patient:innen jedoch ihre Lebensqualität und -dauer verbessern. Mit der ständigen Forschung und Entwicklung neuer Therapien gleicht sich die Lebenserwartung von Menschen mit Rheuma in den letzten Jahren aber immer mehr der Lebenserwartung der Allgemeinbevölkerung an – ein Lichtblick für die Zukunft!  

  • National Rheumatoid Arthritis Society (NRAS). (2021, 15. April). Wie wird die Lebenserwartung durch RA beeinflusst? | NRAS. NRAS. https://nras.org.uk/de/resource/how-is-lifespan-affected-by-ra/ 
  • Arnold, M. B., Bykerk, V. P., Boire, G., Haraoui, B. P., Hitchon, C., Thorne, C., Keystone, E. C. & Pope, J. E. (2014). Are there differences between young- and older-onset early inflammatory arthritis and do these impact outcomes? An analysis from the CATCH cohort. Rheumatology, 53(6), 1075–1086. https://doi.org/10.1093/rheumatology/ket449 
  • Dtsch Arztebl 2000; 97(39): A-2548 / B-2192 / C-2039: Fakten zu „Rheuma. Deutsches Ärzteblatt. Fakten zu „Rheuma – Deutsches Ärzteblatt
  • Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.: Skriptum Rheumatologie 3. Auflage 2023 
  • Rheuma bei Kindern. (2024, 30. Oktober). https://www.rheuma-liga.de/rheuma/krankheitsbilder/rheuma-bei-kindern 
  • Kinderrheuma newsletter. (o. D.). https://www.kliniken-koeln.de/Newsletter_Kinderrheuma.htm 

Geprüft durch unser pharmazeutisches Team

Sofia Westermann, pharmazeutische Expertin

„Die Pharmazie ist eine faszinierende Wissenschaft. Ein ganz wichtiger Grund für mich, Apothekerin zu werden, war es, dass ich damit anderen Menschen helfen kann.“ 

Für Apothekerin Sophia Westermann ist Pharmazie nicht nur ein Beruf, sondern eine Passion. Menschen mit ihrem Wissen zu unterstützen, hat für sie oberste Priorität. Als pharmazeutische Expertin garantiert sie daher die Richtigkeit der Inhalte im apo Magazin und prüft diese vor einem wissenschaftlichen Hintergrund. 

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