Morbus Bechterew kann das Leben auf verschiedene Weisen beeinflussen. Rückenschmerzen, Steifheit oder Müdigkeit sind nur einige der Symptome, die im Laufe der Zeit intensiver werden können. Was viele Betroffene nicht wissen: Die Erkrankung tritt in Phasen auf, in denen sich die Beschwerden verändern und auch Bereiche außerhalb der Wirbelsäule betroffen sein können. Doch je früher die Anzeichen erkannt werden, desto besser lassen sie sich kontrollieren. Erfahren Sie hier, welche Symptome typisch für Morbus Bechterew sind und wie Sie diese frühzeitig erkennen können.

Das Wichtigste in Kürze

  • Morbus Bechterew ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die hauptsächlich die Wirbelsäule betrifft und oft in Schüben verläuft. 
  • Zu den Hauptsymptomen gehören chronische Rückenschmerzen, Morgensteifigkeit und eine eingeschränkte Beweglichkeit der Wirbelsäule. 
  • Auch periphere Gelenke wie Hüfte und Knie sowie Sehnenansätze, besonders an der Ferse, können betroffen sein. 
  • Begleiterkrankungen wie Fatigue, Augenentzündungen und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen treten häufig auf. 
  • Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung, insbesondere bei anhaltenden Rückenschmerzen und anderen typischen Symptomen, sind entscheidend.  

Typische Symptome von Morbus Bechterew 

Morbus Bechterew, auch bekannt als ankylosierende Spondylitis (AS), ist eine chronisch-entzündliche rheumatische Erkrankung, die hauptsächlich die Wirbelsäule betrifft. Die Symptome treten oft in sogenannten Schüben auf, das heißt, die Beschwerden verstärken sich in bestimmten Phasen plötzlich und klingen dann wieder ab. Diese Symptome entwickeln sich schleichend über einen längeren Zeitraum und beginnen meist vor dem 45. Lebensjahr. Betroffene erleben oft Bewegungseinschränkungen, die ihre Lebensqualität erheblich beeinflussen. 

Die Symptome von Morbus Bechterew umfassen sowohl Hauptsymptome als auch Begleitsymptome 

Hauptsymptome von Morbus Bechterew 

Die Hauptsymptome von Morbus Bechterew betreffen vor allem den Rücken und die Wirbelsäule, können aber auch periphere Gelenke (wie Schultern, Hüften oder Knie) und Sehnen mit einbeziehen. Diese Symptome sind anfangs oft schwer von allgemeinen Rückenbeschwerden zu unterscheiden. Mit der Zeit nehmen die Schmerzen und Bewegungseinschränkungen jedoch zu, insbesondere während Ruhephasen. 

Zu den wichtigsten Anzeichen der Erkrankung zählen: 

  • Chronische Rückenschmerzen und Morgensteifigkeit: Ein häufiges erstes Anzeichen von Morbus Bechterew sind tiefsitzende Rückenschmerzen, die vor allem in Ruhephasen – wie nachts oder nach längerem Sitzen – stärker werden. Betroffene klagen oft über nächtliches Erwachen aufgrund der Schmerzen, die häufig von einer ausgeprägten Steifigkeit begleitet werden. Diese Steifigkeit dauert oft länger als 30 Minuten und bessert sich durch Bewegung, was ein typisches Merkmal der Erkrankung ist. Bei Männern sind die Rückenschmerzen oft stärker ausgeprägt als bei Frauen. Lesen Sie hier unsere Tipps zu Schmerzen im unteren Rücken. 

  • Eingeschränkte Beweglichkeit der Wirbelsäule: Im Verlauf der Erkrankung führt Morbus Bechterew oft zu einer zunehmenden Versteifung der Wirbelsäule. Dies äußert sich in einer eingeschränkten Beweglichkeit, die durch die fortschreitende Verknöcherung der Wirbelkörper verursacht wird. In schweren Fällen spricht man von der sogenannten „Bambuswirbelsäule“. Dabei verschmelzen die Wirbel durch knöcherne Verbindungen miteinander und erinnern im Röntgenbild an einen Bambusstab. 

  • Wechselnde Gesäßschmerzen: Betroffene von Morbus Bechterew klagen häufig über wechselnde Gesäßschmerzen, die in beide Hüften ausstrahlen können. Diese Schmerzen treten häufig wechselseitig auf und verstärken sich in Ruhe. Auch hier kann moderate Bewegung zur Linderung beitragen. 

  • Periphere Gelenkschmerzen und -entzündungen: Neben der Wirbelsäule können auch periphere Gelenke betroffen sein. Der Begriff „peripher“ bezieht sich dabei auf die äußeren, von der Wirbelsäule weiter entfernten Gelenke wie Schulter, Hüfte oder Knie. Diese Gelenkschmerzen treten häufiger bei Frauen auf und können mit Bewegungseinschränkungen einhergehen. Erfahren Sie hier mehr über die spezifischen Symptome von Morbus Bechterew bei Frauen. 

  • Fersenschmerzen und Sehnenentzündungen: Schmerzen an den Sehnenansätzen, insbesondere im Fersenbereich, sind ebenfalls typische Symptome von Morbus Bechterew. Diese treten häufig nach Ruhephasen auf und erschweren das Gehen. Besonders die Achillessehne neigt zu Entzündungen. 

Begleiterkrankungen bei Morbus Bechterew 

Neben den Hauptsymptomen können bei Morbus Bechterew auch verschiedene Begleiterkrankungen auftreten. Diese zusätzlichen Erkrankungen und Beschwerden sind häufig mit der chronischen Entzündungsreaktion des Körpers verbunden. Sie können verschiedene Organsysteme betreffen und die Lebensqualität weiter einschränken. 

Die häufigsten Begleiterkrankungen sind: 

  • Fatigue: Viele Betroffene leiden unter Fatigue, einer chronischen Erschöpfung, die durch die ständigen Entzündungsprozesse im Körper verstärkt wird. Diese Form der Müdigkeit geht weit über eine normale Erschöpfung hinaus. Sie beeinflusst den Alltag erheblich und kann die Lebensqualität stark beeinträchtigen. 
  • Augenentzündungen: Eine wichtige Begleiterscheinung von Morbus Bechterew ist die Uveitis, eine Entzündung der Regenbogenhaut des Auges. Sie äußert sich durch Rötung, Schmerzen und eine erhöhte Lichtempfindlichkeit. Eine schnelle Behandlung durch einen Arzt oder einer Ärztin ist erforderlich, um dauerhafte Schäden zu vermeiden. 
  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und Psoriasis: Zusätzlich zu den Gelenkbeschwerden können Menschen mit Morbus Bechterew auch an chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa leiden. Zudem kann bei einigen Betroffenen eine Psoriasis (Schuppenflechte) auftreten. Dabei handelt es sich um eine entzündliche Hauterkrankung, die ebenfalls mit der Autoimmunreaktion des Körpers zusammenhängt. 
  • Allgemeine Beschwerden: Neben den typischen Symptomen können unspezifische Beschwerden wie leichtes Fieber, Gewichtsverlust oder allgemeines Unwohlsein auftreten. Diese Symptome sind oft schwer zuzuordnen, sollten jedoch ernst genommen und ärztlich abgeklärt werden.

Schübe von Morbus Bechterew: Ein typischer Verlauf 

Morbus Bechterew verläuft schubweise, mit intensiven Entzündungsphasen, die von ruhigeren Remissionszeiten unterbrochen werden.  

Im Verlauf der Erkrankung lassen sich verschiedene Stadien der Schübe unterscheiden: 

  • Anfangsphase: Erste Schübe mit Kreuz- und Gesäßschmerzen, die sich durch Bewegung bessern. Oft werden diese Beschwerden zunächst mit anderen Rückenproblemen verwechselt. 
  • Manifestes Stadium: Stärkere Schübe über 10 bis 20 Jahre, sichtbar durch Veränderungen der Wirbelsäule. In dieser Phase nehmen Schmerzen und Entzündungen zu, und die Beweglichkeit nimmt ab. 
  • Spätstadium: Seltener werdende Schübe, aber dauerhafte Einschränkungen durch Verknöcherung der Wirbelsäule. Bei Betroffenen kann es zu einer starken Krümmung und eingeschränkter Atemkapazität kommen. 

Wann zum Arzt? 

Wenn Sie über einen längeren Zeitraum Rückenschmerzen verspüren, die vor allem nachts oder in Ruhephasen intensiver werden, sollten Sie unbedingt einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen. Besonders, wenn die Schmerzen mit Morgensteifigkeit, Gelenkschmerzen, Augenentzündungen oder Fersenschmerzen einhergehen, ist eine ärztliche Abklärung wichtig. Diese Symptome könnten auf Morbus Bechterew hinweisen, eine entzündliche Erkrankung, die ohne Behandlung fortschreiten kann. 

Je schneller Morbus Bechterew erkannt wird, desto besser kann der Krankheitsverlauf durch gezielte Therapien verlangsamt werden. Bewegung, Physiotherapie und medikamentöse Behandlungen spielen eine Schlüsselrolle, um die Symptome zu kontrollieren und Ihre Lebensqualität zu erhalten. Klicken Sie hier, um mehr über die Ursachen, die Diagnose und Therapie von Morbus Bechterew zu erfahren. 

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Louisa Löwe, pharmazeutische Expertin

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