Wenn Sie oder jemand in Ihrer Familie von Multipler Sklerose (MS) betroffen sind, kennen Sie die täglichen Herausforderungen nur zu gut. Es gibt jedoch Hoffnung und Wege, diese Hürden zu überwinden und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Rehabilitationsmaßnahmen bei MS bieten individuelle Unterstützung, um Ihre Mobilität und Selbstständigkeit zu fördern und die Lebensqualität spürbar zu verbessern. Doch wie genau sieht das aus? Welche Therapieansätze gibt es, und was können diese tatsächlich bewirken? Erfahren Sie hier, auf welchen Pfeilern die Reha für Menschen mit MS basiert und wie sie den Alltag erleichtern kann.
Inhaltsverzeichnis
- Was bedeutet Rehabilitation bei MS?
- Physiotherapie bei MS: Beweglichkeit und Kraft fördern
- Ergotherapie bei MS: Den Alltag besser bewältigen
- Trainings- und Bewegungstherapie bei MS: Aktiv bleiben
- Neurokognitive Therapie bei MS: Geistige Fitness trainieren
- Logopädie: Sprach- und Schlucktraining
- Psychologische Therapie: Emotionale Unterstützung
- Stationär oder ambulant – was ist besser?
Das Wichtigste in Kürze
- Rehabilitation bei MS unterstützt die Selbstständigkeit und hilft, den Alltag besser zu bewältigen.
- Verschiedene Therapieformen wie Physiotherapie, Ergotherapie und psychologische Unterstützung sind wichtige Bestandteile.
- Regelmäßige Bewegung und spezielle Übungen fördern die körperliche und geistige Fitness.
- Sowohl stationäre als auch ambulante Reha-Optionen bieten effektive Unterstützung, je nach individuellen Bedürfnissen.
- Rehabilitation ist ein kontinuierlicher Prozess, der durch regelmäßige Wiederholung langfristig positive Effekte erzielen kann.
Was bedeutet Rehabilitation bei MS?
Die Rehabilitation, oder kurz Reha, zielt darauf ab, Menschen mit Multipler Sklerose dabei zu helfen, ihre körperlichen und geistigen Fähigkeiten bestmöglich zu erhalten oder zurückzugewinnen. Da MS sich durch unterschiedliche Symptome und unvorhersehbare Verläufe auszeichnet, bietet die Reha gezielte Unterstützung in verschiedenen Phasen der Erkrankung – sei es nach einem akuten Schub oder bei allmählichem Fortschreiten, wodurch der Alltag zunehmend beeinträchtigt werden kann.
Die wichtigsten Säulen der Reha bei MS
Für Menschen mit MS steht bei der Rehabilitation nicht nur die körperliche Genesung im Vordergrund. Vielmehr geht es darum, das Leben wieder so aktiv und selbstbestimmt wie möglich zu gestalten – sei es im Familienleben, im Beruf oder im sozialen Umfeld.
Die Rehabilitation kombiniert verschiedene Therapieformen, um gezielt auf die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen einzugehen. Jeder Schritt wird dabei speziell angepasst – von der Physiotherapie, die Beweglichkeit und Muskelkraft stärkt, über die Ergotherapie, die praktische Fähigkeiten für den Alltag fördert, bis hin zur psychologischen und kognitiven (geistigen) Unterstützung.
Physiotherapie bei MS: Beweglichkeit und Kraft fördern
Häufig treten bei Menschen mit MS Symptome wie Spastiken (Muskelverkrampfungen), Muskelschwäche oder Gleichgewichtsprobleme auf. Diese beeinträchtigen nicht nur die Bewegung, sondern verursachen oft auch Schmerzen. Eine Physiotherapie kann helfen, diese Probleme zu lindern und zur Verbesserung der Beweglichkeit beitragen. Folgende Techniken und Ansätze kommen dabei häufig zum Einsatz:
- Muskelkräftigung
- Dehnübungen
- Koordinationstraining
- Massagen, Wärmebehandlungen, Hydrotherapie (Behandlung mit Wasser) zur Entspannung und Schmerzlinderung
- Elektrotherapie (Elektrische Impulse zur Schmerzlinderung)
Eine Physiotherapie kann sowohl vorbeugend als auch bei akuten Beschwerden sinnvoll sein. Eine frühzeitige Behandlung trägt dazu bei, Fehlhaltungen und Kompensationsmechanismen zu verhindern und den Körper auf mögliche zukünftige Einschränkungen vorzubereiten.
Gut zu wissen
Hippotherapie ist eine besondere Form der Physiotherapie, bei der das Training auf dem Rücken eines Pferdes durchgeführt wird. Durch die rhythmischen Bewegungen des Pferdes wird das Gleichgewicht trainiert und die Muskulatur gestärkt. Diese sanfte Therapieform eignet sich besonders für Menschen, die Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht haben oder an Muskelverspannungen leiden.
Ergotherapie bei MS: Den Alltag besser bewältigen
Eine Ergotherapie unterstützt Menschen mit MS dabei, alltägliche Aufgaben wie Essen, sich Ankleiden oder das Bedienen von Geräten wieder sicher zu meistern. Eine fortgeschrittene MS kann selbst einfache Tätigkeiten zu Herausforderungen machen, insbesondere bei eingeschränkter Mobilität. Bei einer Ergotherapie werden Betroffenen neue Bewegungsmuster vermittelt und gezeigt, wie Hilfsmittel effektiv eingesetzt werden können. Zu den typischen Inhalten einer Ergotherapie gehören unter anderem:
- Feinmotorik-Übungen (z. B. Greifübungen)
- Rollstuhltraining
- Verwendung von Hilfsmitteln (z. B. Greifhilfen, Anziehhilfen)
Trainings- und Bewegungstherapie bei MS: Aktiv bleiben
Regelmäßige Bewegung spielt eine zentrale Rolle im Umgang mit MS. Sie hilft, MS-Symptome wie Fatigue zu lindern, die körperliche Fitness zu verbessern und die Muskeln zu kräftigen. Eine Bewegungstherapie zielt darauf ab, durch individuell angepasste Aktivitäten die Ausdauer zu fördern und die Mobilität zu erhalten. Zudem ist sie eine wertvolle vorbeugende Maßnahme, um aktiv zu bleiben und künftigen Beschwerden entgegenzuwirken. Geeignete Bewegungsformen sind zum Beispiel:
- Schwimmen
- Radfahren
- Nordic Walking
- Yoga
Neurokognitive Therapie bei MS: Geistige Fitness trainieren
MS kann auch die geistigen Fähigkeiten beeinträchtigen. Schwierigkeiten mit Konzentration, Gedächtnis und Aufmerksamkeit sind keine Seltenheit. Die neurokognitive Therapie bietet gezielte Übungen, um diese Funktionen zu stärken. Bei einer neurokognitiven Therapie erwarten Patient:innen folgende Übungen und Inhalte:
- Gedächtnistraining (z. B. Wortlisten merken)
- Konzentrationspuzzles
- Aufmerksamkeitsaufgaben (z. B. Computerübungen)
- Nutzung technologischer Hilfsmittel (z. B. Apps)
Logopädie: Sprach- und Schlucktraining
Sprach- und Schluckstörungen können für viele Menschen mit MS im Verlauf der Erkrankung zu einer Herausforderung werden. Von einem Logopäden oder einer Logopädin lernen Menschen mit MS daher, diese Schwierigkeiten durch gezielte Übungen und Hilfsmittel zu bewältigen. Zu den typischen Inhalten einer Logopädie-Sitzung gehören:
- Sprechübungen (Artikulation und Stimmkontrolle)
- Schlucktraining
- Verwendung von Hilfsmitteln (z. B. Trinkhilfen)
Psychologische Therapie: Emotionale Unterstützung
Wer von MS betroffen ist, der leidet häufig an körperlichen und sichtbaren Symptomen. Nicht sichtbar, aber dennoch ernst zu nehmen, sind psychische Leiden. MS geht nicht selten auch mit Ängsten, Depressionen und Unsicherheiten einher. Es ist wichtig, auch diese Symptome zu behandeln, um trotz MS ein erfülltes Leben zu leben. Psychologische Therapien bieten Betroffenen, aber auch Ihren Familienmitgliedern, Unterstützung im Umgang mit diesen Belastungen und können dabei helfen, eine positive Lebensperspektive zu entwickeln. Häufige Inhalte einer Psychotherapie sind:
- Gesprächstherapien (zur Verarbeitung von Ängsten und Sorgen)
- Entspannungsübungen (z. B. progressive Muskelentspannung)
- Kognitive Verhaltenstherapie (negative Denkmuster umwandeln)
Diese Form der Therapie ist sowohl bei akuten emotionalen Belastungen als auch vorbeugend hilfreich, um mit den Herausforderungen der MS besser umzugehen.
Stationär oder ambulant – was ist besser?
Die Rehabilitation bei MS kann entweder stationär oder ambulant erfolgen. Eine stationäre Reha dauert meist drei Wochen, in denen die Patient:innen in einer Einrichtung wohnen und rund um die Uhr betreut werden. Die intensive Betreuung führt häufig schneller zu Fortschritten bei den Betroffenen, da sie sich voll auf ihre Genesung konzentrieren können.
Bei einer ambulanten Reha besuchen die Patient:innen über einen Zeitraum von bis zu 20 Tagen täglich ein Rehazentrum und kehren abends nach Hause zurück.
Beide Formen haben ihre Vorteile, doch Studien zeigen, dass die stationäre Reha oft effektiver ist, da die umfassendere Betreuung schnellere Erfolge erzielt.
Gut zu wissen
Die Kosten für eine MS-Rehabilitation werden in der Regel von der Krankenversicherung übernommen. Gesetzliche Kassen bieten einen festen, individuell angepassten Leistungskatalog, der Therapien wie Krankengymnastik, Ergotherapie und psychologische Beratung umfasst. Private Versicherungen variieren je nach Tarif. Es ist ratsam, sich vorab bei der Versicherung und der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt zu informieren.
Fazit: Rehabilitation als Weg zu mehr Lebensqualität bei MS
Für jeden Menschen mit MS gibt es individuelle Wege und Maßnahmen, um ein erfülltes Leben zu führen. Die Rehabilitation bietet eine wertvolle Unterstützung, um die Selbstständigkeit zu erhalten und sowohl körperliche als auch emotionale Herausforderungen besser zu bewältigen.
Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass die Rehabilitation keine einmalige Maßnahme ist, sondern ein fortlaufender Prozess. Durch die regelmäßige Wiederholung der Reha – oft wird eine jährliche Therapie empfohlen – können die positiven Effekte über Monate anhalten. Dabei wird nicht nur die körperliche Fitness gefördert, sondern auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten gestärkt.
- https://eurjmedres.biomedcentral.com/articles/10.1186/s40001-023-01185-5
- https://www.bundesgesundheitsministerium.de/rehabilitation
- https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC10117641/
- https://www.dmsg.de/multiple-sklerose/ms-behandeln/therapiesaeulen/rehabilitationsverfahren
- https://www.wicker.de/kliniken/wicker-klinik/ms-rehazentrum
Geprüft durch unser pharmazeutisches Team
![2[1] Sofia Westermann, pharmazeutische Expertin](https://www.apo.com/magazin/wp-content/uploads/2024/05/21-2-1024x1024.jpg)
„Die Pharmazie ist eine faszinierende Wissenschaft. Ein ganz wichtiger Grund für mich, Apothekerin zu werden, war es, dass ich damit anderen Menschen helfen kann.“
Für Apothekerin Sophia Westermann ist Pharmazie nicht nur ein Beruf, sondern eine Passion. Menschen mit ihrem Wissen zu unterstützen, hat für sie oberste Priorität. Als pharmazeutische Expertin garantiert sie daher die Richtigkeit der Inhalte im apo Magazin und prüft diese vor einem wissenschaftlichen Hintergrund.
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