Impfungen sind ein oft diskutiertes Thema, insbesondere bei chronischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose (MS). Menschen mit MS sind nicht selten verunsichert, wenn es um das Thema Impfungen geht. Dabei tauchen häufig Fragen auf: Kann eine Impfung einen Schub auslösen? Oder schützt sie mich sogar vor schweren Verläufen? Hier erfahren Sie, wie Impfungen bei MS sinnvoll eingesetzt werden können und welche Risiken bestehen.
Das Wichtigste in Kürze
- Impfungen schützen Menschen mit MS vor schweren Infektionskrankheiten, die Schübe auslösen können.
- Das Risiko von MS-Schüben durch Impfungen ist gering, während das Risiko durch Infektionen höher ist.
- Totimpfstoffe und RNA/DNA-Impfstoffe sind in der Regel sicher für Menschen mit MS, auch während einer immunsuppressiven Therapie.
- Lebendimpfstoffe sollten vor Beginn einer immunsuppressiven Therapie verabreicht werden und während der Therapie vermieden werden.
- Eine sorgfältige Planung der Impfungen ist entscheidend, insbesondere in Bezug auf den Zeitpunkt und die Art des Impfstoffs.
Sollten Menschen mit MS sich impfen lassen?
Impfungen gehören zu den effektivsten präventiven Maßnahmen, die uns zur Verfügung stehen, um Krankheiten vorzubeugen. Sie schützen uns vor Infektionskrankheiten, die für Menschen mit MS besonders herausfordernd sein können.
Multiple Sklerose ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem versehentlich gesunde Nervenzellen angreift. Dies führt oft zu der Sorge, dass Impfungen, die das Immunsystem aktivieren, die Krankheit möglicherweise intensivieren könnten. Es ist jedoch wichtig zu verstehen, wie Impfungen tatsächlich wirken.
Impfstoffe enthalten entweder abgetötete oder abgeschwächte Krankheitserreger, Teile davon oder genetisches Material, das den Körper anregt, selbst ein kleines, ungefährliches Stück des Erregers zu produzieren. Diese Bestandteile sind in der Regel nicht stark genug, um eine Erkrankung auszulösen, aber sie reichen aus, um das Immunsystem darauf vorzubereiten, diese Erreger in der Zukunft effizient zu bekämpfen.
Warum könnten Impfungen bei MS problematisch sein?
Das Immunsystem von Menschen mit MS ist überaktiv und reagiert auf Reize, die normalerweise keine Reaktion auslösen sollten. Wenn eine Impfung das Immunsystem „kickt“, also aktiviert, besteht eine Sorge, dass auch MS Symptome verstärkt werden. Doch zahlreiche Studien zeigen, dass Impfungen meist keine Schübe auslösen auslösen.
Gut zu wissen
Tatsächlich ist das Risiko ohne Impfung höher, da Infektionen bei Menschen mit MS Schübe auslösen oder Krankheitssymptome intensivieren können.. Ein umfassender Impfschutz ist daher besonders wichtig, um sich präventiv vor Infektionen zu schützen.
Impfstoffe: Unterschiede und Bedeutung für Menschen mit MS
Impfstoffe werden in verschiedene Kategorien eingeteilt, von denen Totimpfstoffe und Lebendimpfstoffe die Haupttypen sind, aber es gibt auch andere wie RNA- und DNA-Impfstoffe sowie Subunit- und Toxoid-Impfstoffe.
Totimpfstoffe: Diese Impfstoffe enthalten keine lebenden Krankheitserreger, sondern abgetötete Erreger oder Teile davon. Sie gelten als sicher für die meisten Menschen mit MS. Beispiele hierfür sind Impfstoffe gegen Tetanus, Diphtherie und Influenza. Totimpfstoffe können in der Regel jederzeit verabreicht werden.
Lebendimpfstoffe: Diese enthalten abgeschwächte, aber lebende Erreger. Sie sind für Menschen mit MS sicher, wenn keine immunsuppressive Therapie stattfindet. Beispiele sind Impfstoffe gegen Masern, Mumps und Röteln.
RNA- und DNA-Impfstoffe: Diese neueren Impfstoffe enthalten genetisches Material, das den Körper anweist, ein harmloses Protein des Erregers zu produzieren. Dies löst eine Immunantwort aus, ohne dass lebende oder abgetötete Erreger verwendet werden. RNA-Impfstoffe, wie einige COVID-19-Impfstoffe, sind sicher und effektiv auch für Menschen mit MS.
Subunit- und Toxoid-Impfstoffe: Diese enthalten nur spezifische Teile des Erregers oder inaktivierte Toxine, die vom Erreger produziert werden. Sie sind ebenfalls sicher für Menschen mit MS und bieten eine gute Alternative, wenn andere Impfstofftypen nicht geeignet sind.
Die immunsuppressive Therapie: Das gibt es vor einer Impfung zu bedenken
Eine immunsuppressive Therapie unterdrückt gezielt das Immunsystem, um das überaktive Immunsystem bei MS daran zu hindern, weiterhin Nervenzellen anzugreifen. Durch diese Behandlung wird das Immunsystem weniger aktiv und somit weniger fähig, auf Impfstoffe zu reagieren und eine schützende Immunität zu entwickeln. Problematisch können Lebendimpfstoffe sein, da das geschwächte Immunsystem möglicherweise nicht stark genug ist, um die abgeschwächten, aber lebenden Erreger zu bekämpfen. Dies könnte zu einer tatsächlichen Infektion führen. Daher ist die sorgfältige Planung von Impfungen und die Wahl des geeigneten Impfstoffs entscheidend:
Vor Beginn der immunsuppressiven Therapie: Alle notwendigen Impfungen sollten idealerweise vor Therapiebeginn abgeschlossen werden. Lebendimpfstoffe sollten mindestens vier Wochen vor Beginn der Therapie verabreicht werden, um dem Immunsystem genügend Zeit zu geben, die Impfung vollständig zu verarbeiten und eine Immunität aufzubauen. RNA- und DNA-Impfstoffe, Subunit- und Toxoid-Impfstoffe können ebenfalls vor Therapiebeginn verabreicht werden, wobei für RNA- und DNA-Impfstoffe keine spezielle Wartezeit erforderlich ist. Es ist wichtig, sicherzustellen, dass das Immunsystem optimal auf die Impfung reagiert, bevor es durch die immunsuppressive Therapie geschwächt wird.
Während der Therapie: Totimpfstoffe sind während einer laufenden immunsuppressiven Therapie die bevorzugte Wahl, da sie keine lebenden Erreger enthalten und somit sicher verabreicht werden können. RNA- und DNA-Impfstoffe sind ebenfalls sicher und können während der Therapie verabreicht werden, da sie das Immunsystem nicht mit lebenden Erregern belasten. In einigen Fällen kann es sinnvoll sein, den Impferfolg durch eine Antikörperkontrolle zu überprüfen, um sicherzustellen, dass ein ausreichender Schutz besteht. Lebendimpfstoffe sollten während der immunsuppressiven Therapie vermieden werden, da sie ein erhöhtes Infektionsrisiko mit sich bringen und möglicherweise das Risiko für MS-Schübe erhöhen können. Subunit- und Toxoid-Impfstoffe können in der Regel sicher verabreicht werden, da sie spezifische Teile des Erregers oder inaktivierte Toxine enthalten, die keine Infektion auslösen.
Empfohlene Impfungen für Menschen mit MS
Die Ständige Impfkommission (STIKO) gibt allgemeine Empfehlungen für die Immunisierung bei Menschen mit MS. Hier sind einige der wichtigsten Impfungen, die Sie in Betracht ziehen sollten:
Influenza (Grippe): Eine jährliche Grippeimpfung wird empfohlen, da sie dazu beitragen kann, durch Influenza ausgelöste Schübe zu vermeiden. Der Impfstoff ist ein Totimpfstoff und gilt als sicher.
Pneumokokken: Diese Impfung (Totimpfstoff) schützt vor Lungenentzündungen, die durch Pneumokokken-Bakterien verursacht werden. Besonders für ältere Menschen und Patient:innen unter immunsuppressiver Therapie ist diese Impfung wichtig.
Tetanus und Diphtherie: Eine Auffrischungsimpfung wird alle zehn Jahre empfohlen. Beide Impfstoffe sind Totimpfstoffe und daher für Menschen mit MS unbedenklich. Hepatitis B: Diese Impfung, bei der es sich ebenfalls um einen inaktivierten Impfstoff handelt, wird für Personen mit einem erhöhten Hepatitis-B-Risiko empfohlen, z. B. für medizinisches Personal. Studien haben gezeigt, dass es keinen Zusammenhang zwischen dieser Impfung und dem Risiko einer MS-Erkrankung gibt.
Masern, Mumps, Röteln (MMR): Die Grundimmunisierung gegen diese Krankheiten, die mit einem Lebendimpfstoff erfolgt, sollte abgeschlossen sein, bevor eine immunsuppressive Therapie begonnen wird. Dies ist besonders wichtig, da Menschen mit MS ein höheres Risiko für schwerwiegende Komplikationen haben, falls sie sich mit diesen Krankheiten infizieren.
Gut zu wissen
Vor einer Impfung ist es wichtig, Ihren aktuellen Gesundheitszustand und Ihre Behandlungssituation mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu besprechen. Besonders bei geplanter immunsuppressiver Therapie sollte die Impfung frühzeitig erfolgen. Mit den richtigen Informationen und einer guten Zusammenarbeit mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt können Sie sicherstellen, dass Sie optimal geschützt sind, ohne Ihre Gesundheit zu gefährden.
- https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfen/AllgFr_Grunderkrankungen/FAQ04.html
- https://www.cme-kurs.de/kurse/impfungen-bei-patienten-mit-multipler-sklerose/ https://www.multiplesklerose.ch/de/leben-mit-ms/gesundheitstipps/impfungen/
- https://www.oemsg.at/wp-content/uploads/2021/06/Multiple_Sklerose_und_Impfen_inkl_COVID19.pdf
- https://www.dmsg.de/corona-virus-und-ms/multiple-sklerose-und-corona-virus-update-der-empfehlungen-des-dmsg-bundesverbandes
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![4[1] Louisa Löwe, pharmazeutische Expertin](https://www.apo.com/magazin/wp-content/uploads/2024/05/41-300x300.jpg)
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