Der HbA1c-Wert ist ein wichtiger Indikator für den langfristigen Blutzuckerstatus und somit ein essentielles Instrument zur Diagnose und Überwachung von Diabetes. Anhand des Langzeitzuckerwertes erkennt Ihr behandelnder Arzt bzw. Ihre Ärztin, wie hoch Ihr Blutzuckerspiegel innerhalb der letzten 8 bis 12 Wochen war. Das ist vor allem für Menschen mit Diabetes relevant, da sich anhand des Wertes der Erfolg der Diabetes-Behandlung einschätzen lässt. Wie genau der HbA1c-Wert zustande kommt, wie er gemessen wird und wie Sie ihn positiv beeinflussen können, erfahren Sie hier.  

Das Wichtigste in Kürze

  • Der durchschnittliche Blutzuckerspiegel der letzten 8 bis 12 Wochen wird durch den HbA1c-Wert angezeigt und ist wichtig für die Diabetesüberwachung. 
  • Der HbA1c-Wert misst den Anteil des glykosylierten Hämoglobins im Blut. 
  • Ein normaler HbA1c-Wert liegt zwischen 4 % und 5,6 %, wobei dieser Richtwert von Person zu Person variieren kann. 
  • Individuelle HbA1c -Zielwerte sind notwendig, um Nebenwirkungen durch eine zu strenge Blutzuckerkontrolle zu vermeiden. 
  • Schwankungen des Blutzuckerspiegels und andere Faktoren wie eine Anämie können den HbA1c-Wert beeinflussen und zu ungenauen Messergebnissen führen. 

Was genau ist der HbA1c-Wert?  

Der Langzeitzuckerwert oder HbA1c-Wert ist ein wichtiger Messwert für die langfristige Blutzuckerkontrolle und wird sowohl bei Typ-1-Diabetes, Typ-2-Diabetes als auch bei Schwangerschaftsdiabetes als Indikator verwendet. Er spiegelt den durchschnittlichen Blutzuckerwert der letzten 2 bis 3 Monate wider und erlaubt somit Aussagen darüber, wie gut der Blutzucker von Personen mit Diabetes eingestellt ist. Daher lautet eine weitere, umgangssprachliche Bezeichnung für diesen Wert auch „Blutzuckergedächtnis“.  

Die Bezeichnung HbA1c steht für das glykosylierte bzw. verzuckerte Hämoglobin (A1c), eine besondere Variante des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin (Hb). Dieser ist in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) enthalten und dafür zuständig, den Sauerstoff im Blut zu binden und zu den Zellen zu transportieren. Sowohl bei Personen mit Diabetes als auch bei gesunden Menschen bindet sich bei einem steigenden Blutzuckerspiegel, zum Beispiel nach einer Mahlzeit, Zucker (Glukose) an das Hämoglobin. Sinkt der Blutzuckerspiegel, löst sich der Zucker wieder. Zu einer dauerhaften Bindung von Zucker an das Hämoglobin kommt es erst dann, wenn der Blutzuckerspiegel über mehr als etwa 8 Stunden nicht wieder ausreichend absinkt.  

Wie wird der HbA1c-Wert gemessen? 

Um den Langzeitzuckerwert zu bestimmen, wird im Labor anhand einer Blutprobe gemessen, wie hoch der Anteil des glykosylierten Hämoglobins HbA1c an der gesamten Hämoglobin-Menge ist. So lassen sich Aussagen zur durchschnittlichen Höhe des Blutzuckerspiegels in den letzten 8 bis 12 Wochen treffen, was der mittleren Lebensdauer der roten Blutkörperchen entspricht.  

Möchten Sie wissen, wie Ihre letzten 3 Monate in Bezug auf den Blutzucker verlaufen sind? Die Messung des HbA1c-Wertes erfolgt durch eine einfache Blutprobe. Diese kann bei Hausärzt:innen  oder Diabetolog:innen durchgeführt werden. Der Test ist unkompliziert und liefert wertvolle Informationen über den langfristigen Blutzuckerspiegel. Im Gegensatz zu täglichen Blutzuckermessungen, die kurzfristige Schwankungen anzeigen, bietet der HbA1c-Wert einen umfassenderen Überblick über Ihre Blutzuckerkontrolle. Lesen Sie hier, wie sie Ärzt:innen und Diabetolog:innen sowie Kliniken für Diabetes in Ihrer Nähe finden können. 

Wie hoch sollte der HbA1c-Wert sein?  

Die Höhe des Langzeitzuckerwertes ist von Person zu Person verschieden. Bei gesunden Menschen liegt der Wert normalerweise zwischen 4 % und 6 %, nach Möglichkeit sollte er unter 5,7 % sein. 

Ein Messwert zwischen 5,7 % und 6,5 % ist ein Anzeichen für einen Prädiabetes. Werte über 6,5 % deuten auf einen Diabetes mellitus hin. Werden solche erhöhten Werte bei Personen gemessen, bei denen bisher keine Diabetes-Diagnose vorliegt, folgen in der Regel entsprechende Untersuchungen wie eine Blutzuckermessung oder der orale Glukose-Toleranztest (oGTT), mit denen sich ein Diabetes diagnostizieren lässt.  

Bei Menschen mit Diabetes ist in der Regel ein Langzeitzuckerwert von 6,5 bis 7,5 das anvisierte Therapieziel. Der gleiche HbA1c-Zielwert gilt nicht für alle, da in der Praxis individuelle Langzeitzuckerwerte mehr Vorteile bieten, indem sie auf persönliche Gesundheitsbedürfnisse und Lebensumstände abgestimmt werden. 

Warum individuelle HbA1c -Zielwerte?  

Bei der Festlegung Ihres Zielwertes sollten verschiedene Faktoren berücksichtigt werden. Mit allen Mitteln einen „normalen“ Wert zu erzielen, gilt heute nicht mehr als ratsam. Denn dafür ist meist eine sehr hohe Dosierung von Diabetes-Medikamenten notwendig, die zu starken Nebenwirkungen führen kann. 

Zum Beispiel: Wenn Sie Schwierigkeiten mit der Behandlung haben, wie häufige Nebenwirkungen oder bereits viele Medikamente einnehmen und häufig von niedrigen Blutzuckerwerten (Hypoglykämie) betroffen sind, könnte ein etwas höherer HbA1c-Wert sinnvoll sein, um diese gefährlichen Zustände zu vermeiden. Dies könnte für eine weniger strenge Einstellung sprechen. 

Die Vorteile eines sehr niedrig eingestellten Blutzuckerwertes entfalten sich über viele Jahre hinweg. Daher gilt: Wenn Sie älter sind oder gesundheitliche Einschränkungen haben, ist ein höherer Zielwert möglicherweise besser geeignet, um Ihre Lebensqualität im Hier und Jetzt zu unterstützen. 

Bei Personen im hohen Alter gilt ein höherer HbA1c-Wert als akzeptabel, oft im Bereich von 7,5 % bis 8,0 %​, da im Alter die möglichen Langzeitfolgen durch einen erhöhten Blutzuckerspiegel im Vergleich zu den Risiken einer Hypoglykämie (Unterzuckerung) infolge der intensiven Behandlung nicht mehr so sehr ins Gewicht fallen. Bei einer Hypoglykämie drohen vermehrt schwere Stürze, die besonders bei Senioren schwerwiegende Folgen haben können. 

Gut zu wissen

Es ist völlig normal, dass nicht alles von Anfang an bedacht werden kann. Einige Aspekte werden Ihnen vielleicht erst nach einigen Monaten klar, wenn Sie besser einschätzen können, wie gut Sie mit der Behandlung zurechtkommen. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin sollte regelmäßig mit Ihnen überprüfen, ob der vereinbarte HbA1c-Zielwert noch angemessen ist. Wenn sich Ihre persönliche Situation verändert hat, kann es notwendig sein, den Zielwert anzupassen. Ihre Gesundheit und Ihr Wohlbefinden stehen dabei immer im Mittelpunkt. 

Welcher HbA1c-Wert ist gefährlich?  

Ein HbA1c-Wert kann sowohl bei zu niedrigen als auch bei zu hohen Werten gesundheitliche Risiken mit sich bringen: 

  • Ein Wert unter 4% kann auf häufige Unterzuckerungen hinweisen, was das Risiko für unangenehme und potenziell gefährliche Symptome wie Schwindel oder Schwäche erhöhen kann. 
  • Ein Wert über 9% oder 10% weist auf eine unzureichende Blutzuckerkontrolle hin, was langfristig das Risiko für ernsthafte gesundheitliche Komplikationen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Nervenschäden erhöhen kann. 

Tipps zur Verbesserung des HbA1c-Wertes 

Um Ihren HbA1c-Wert zu verbessern, sollten Sie einige wichtige Lebensstiländerungen in Betracht ziehen. Eine gesunde Ernährung spielt eine entscheidende Rolle.  

Vermeiden Sie zuckerreiche Lebensmittel und setzen Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten. Regelmäßige körperliche Aktivität kann ebenfalls helfen, Ihren Blutzuckerspiegel zu senken und Ihre Insulinempfindlichkeit zu verbessern. Versuchen Sie, mindestens 30 Minuten Bewegung an den meisten Tagen der Woche einzubauen. Hier erhalten Sie noch weitere Tipps für mehr Bewegung im Alltag. 

Darüber hinaus ist es wichtig, Ihre Medikamente genau nach Anweisung Ihres Arztes oder Ihrer Ärztin einzunehmen. Regelmäßige Blutzuckerkontrollen zu Hause können Ihnen helfen, Ihren Blutzuckerspiegel besser zu verstehen und Ihre Behandlung entsprechend anzupassen. Lesen Sie hier 5 effektive Maßnahmen, die den Blutzuckerspiegel senken können 

Welche Aussagekraft hat der HbA1c-Wert?  

Der Langzeitzuckerwert ist ein wichtiges Instrument, um den Erfolg einer Diabetes-Behandlung zu überwachen und gegebenenfalls geeignete Maßnahmen zu ergreifen, die den Blutzucker zu senken. Er hat aber leider nur eine eingeschränkte Aussagekraft und kann das regelmäßige Messen des Blutzuckers insbesondere bei insulinpflichtigen Menschen mit Diabetes nicht ersetzen. Der Grund dafür ist, dass der HbA1c-Wert nur die durchschnittlichen Blutzuckerwerte der vergangenen Wochen abbildet. Das bedeutet, dass gerade bei Patient:innen, die unter häufigen Schwankungen des Blutzuckerspiegels leiden oder sogar von gefährlichen Stoffwechselentgleisungen betroffen sind, Über- und Unterzuckerungen einander „ausgleichen“ können: Es entsteht dann ein HbA1c-Wert im „normalen“ Bereich, obwohl eventuell immer wieder problematische Hyperglykämien und Hypoglykämien auftreten.  

Gut zu wissen

Der Langzeitzuckerwert kann durch verschiedene Faktoren gestört werden, die zu ungenauen Messergebnissen führen können. So ist er zum Beispiel bei einer Anämie infolge von Eisen- oder Vitamin-B12-Mangel erhöht. Bei der Anämie gibt es einen Mangel an roten Blutkörperchen oder Hämoglobin, was zu einer längeren Lebensdauer der vorhandenen roten Blutkörperchen führen kann. Umgekehrt können die Einnahme von Eisen- oder Vitaminpräparaten, eine hämolytische Anämie und weitere Erkrankungen sowie Medikamente ihn absenken. Bei einer hämolytischen Anämie werden die roten Blutkörperchen schneller abgebaut. Dies führt zu einer kürzeren Lebensdauer der roten Blutkörperchen, sodass weniger Zeit bleibt, dass Hämoglobin Glukose bindet. Infolgedessen ist der HbA1c-Wert niedriger. Im Alter und auch bei Menschen afrikanischer Abstammung ist der Langzeitzuckerwert außerdem immer etwas höher. Diese Faktoren müssen bekannt sein, damit der Arzt bzw. die Ärztin den HbA1c-Wert richtig interpretieren kann. 

Wer sollte seinen Langzeitzuckerwert messen lassen?  

In der Regel wird der Langzeitzuckerwert nur bei Menschen mit Diabetes gemessen. Bei diesen Personen dient eine vierteljährliche Untersuchung des Langzeitblutzuckers dazu, den Erfolg der Diabetes-Behandlung zu kontrollieren. Bei denjenigen, deren Blutzucker sich durch eine Umstellung der Lebensgewohnheiten, wie eine gesündere Ernährung und mehr Bewegung, gut kontrollieren lässt, reicht eine regelmäßige Kontrolle oft aus und es ist nicht nötig, zusätzlich den Blutzucker zu messen. Dasselbe gilt unter Umständen auch, wenn der Blutzucker mit Diabetes-Medikamenten (Antidiabetika) gut einstellbar ist.  

Die Ermittlung des Langzeitzuckerwerts gehört bisher nicht zu den standardmäßig durchgeführten Vorsorgeuntersuchungen und findet auch nicht im Rahmen eines großen Blutbildes statt. Allerdings können Personen mit einem erhöhten Risiko für einen Diabetes den Test als private Zusatzleistung durchführen lassen, um eine mögliche Erkrankung frühzeitig zu erkennen. Von den Krankenkassen wird die Messung des Langzeitzuckerwerts übernommen, wenn dies zur Abklärung anderer, auffälliger Blutwerte notwendig ist.  

Geprüft durch unser pharmazeutisches Team

Louisa Löwe, pharmazeutische Expertin

„Die Pharmazie kennt keinen Stillstand – das ist es, was mich so daran fasziniert. Jeden Tag werden spannende neue Wirkstoffe und Behandlungsmöglichkeiten für Krankheiten entdeckt.“

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